"Das Buch vom Fechten und der Ritterschaft" (Ms. germ. fol. 1705),
15. Jahrhundert, Umfang: 396 Seiten, Originaltitel: "Le Livre des faits d’armes et de chevalerie"
(1410), Autor: Christine de Pizan (1365 bis
nach 1430).
vor 2 Wochen
VorderdeckelTitelblattWidmungVorwortDen første Part aff den første Bog / indholdendis / huorledis en Rethaandet / skal fechte med en anden Rethaandet / paa Stød / med eenfach Rapier.Cap. I. Tracterer nogle Præcognita, som bør at vidis førend vi komme til Konsterne i sig selff.Cap. II. Anlangendis Guardierne.Cap. III. Huorledis forbemelte Fire Guardier skal brugis / oc i huad Tilfald huer Guardie i sœr / efterdi der er stor Forskiel paa dem i deris Brug.Cap. IV. Huorledis du skalt stringere ret / oc der bør at merckis / anlangendis Stringering.Cap. V. Huorledis / oc naar du bør at cavere.Cap. VI. Huorledis du paa atskillige Maneer skalt forsœtte oc parere alle slaugs Stød / som giøris uden til ved din Klinge.Cap. VII. Huorledis du skalt parere oc forsœtte alle de Stød / som bliffuer giort inden til ved din Klinge.Cap. VIII. Huad du skalt giøre mod allehaande Positurer oc Guardier.Cap. IX. Huorledis du skalt forrekomme oc forhindre Passadam.Cap. X. Remedia for Volten.Cap. XI. Huorledis du skalt i din Vederpartis Finta'r dig forholde.Cap. XII. Anlangendis nogle Observationes imod det forregaaende siette Capitel.Cap. XIII. Indeholder nogle Observationes imod det foregaaende 7. Capittel.Den Anden Part aff den første Bøg / Indeholdendis Huorledis en Ret=Haandet skal fechte med en anden Ret=Haandet paa Hug.Cap. I. Dersom din Vederpart hugger efter dit Hofuet / uden til din Klinge / huorledis du da skalt parere samme Hug.Cap. II. Huorledis du skalt parere de Hug som din Vederpart giør inden til din Klinge / effter dit Hoffuet.Cap. III. Huorledis du skalt parere de Hug huilcke din Vederpart giør effter din høyre Arm uden til.Cap. IV. Huorledis du skalt parere de Hug som din Vederpart giør efter din Arm inden til.Cap. V. Huorledis du skalt parere alle de Hug huilcke din Vederpart giør effter dit høyre Been uden til.Cap. VI. Huorledis du skalt parere de Hug / som giøres inden til efter dit Been.Cap. VII. Indeholder nogle Observationes imod det foregaaende første Capitel.Cap. VIII. Indeholder nogle Lectiones imod det 2 foregaaende Cap.Cap. IX. En Observation imod det Fierde foregaaende Cap.Cap. X. Imod det Femte nest foregaaende Capittel.Cap. XI. Observationes imod det nest foregaaende 6. Cap.Cap. XII. Huorledis du skalt forholde dig imod atskillige Guardier som kommer udi Fechten paa Hug.Cap. XIII. Indeholder nogle offensiv Lectioner.Den Anden Bogs Første Part / Indeholdendis huorledis mand skal fechte paa Stød imod hannem der fechter met den venstre Haand.Cap. I. Huorledis du skalt bruge alle de fire Guardier imod den der fechter linchs.Cap. II. Indeholder huorlodis du skalt bruge de fire Guardier imod hannem der fechter linchs.Cap. III. Huorledis du skalt parere alle de Stød som din linche Vederpart kand giøre uden til ofuer din høyre Arm.Cap. IV. Indeholder huorledis du skalt parere de Stød / huilcke din lincke Vederpart giør inden til din Klinge.Cap. V. Huorledis du skalt forholde dig imod din Vederpartis atskillige Guardier oc Positurer.Cap. VI. Huorledis du skalt forholde dig imod din kegthaandet Vederpartis Passader.Cap. VII. Huorledis du skalt forholde dig imod forbemelte din Vederpartis Volte.Den Anden Bogs Anden Part / Indeholdendis huorledis mand skal fechte med en from er kegthaandet paa Hug.Cap. I. Dersom din kegthaandet Vederpart ville hugge dig uden til offuer dit Hoffuet / huorledis du skalt parere det.Cap. II. Dersom din keithaandet Vederpart hugger dig inden til ester dit Hoffuet / huorledis du skalt forholde dig.Cap. III. Dersom din kegthaandet Vederpart hugger ester din Arm uden ... din klinge / huorledis du da skalt forholde dig der imod.Cap. IV. Dersom din keithaandet Vederpart hugger dig inden til ester din høyre Arm / huad du da skalt giøre.Cap. V. Dersom din kegthaandet Vederpart hugger dig uden til ester dit høyre Been / huorledis du da skalt forholde dig.Cap. VI. Huorledis du skalt parere alle de Hug / huilcke din keithaandet Vederpart giør inden til effter dit høyre Been.Rückdeckel
Das XXIII. Gespräch. Von der übrigen Kleidung, als Huth, Parucke, leinen Zeuge, Handschuh, Stock und Degen [et]c
Dialogo ventesimo terzo. Degli altri abiti, cioè del capello, della perucca, della biancheria, de‘ guanti, della canna (d’India), e spada &c.
[...]
Haben Sie den Degen hier gekauft?
Ha comprato quì questa spada?
Ja, mein Herr.
Sì, Signore.
Wo?
Dove?
In der Johannisgasse.
Nella strada di S. Giovanni.
Bey welchem Schwerdtfeger?
Da che spadaro?
Bey Meister N.
Da Mastro N.
Ist das Gefäß verguldet!
E` indorato il manico (è indorata l'elsa)?
Ja, der Knopf, der Bügel, das Stichblatt, die Parierstange, der Haken und das Ohrband sind alle verguldet.
Sì, il pomo, l'acro, la guardia, la stanga, l'uncino, e'l puntale son tuti indorati. (Tutto 'l fornimento è indorato).
Ist der Griff von gutem Silber?
E` l'impugnatura d'argento fino?
Nein, er ist nur versilbert.
No, è solamente inargentato.
Haben Sie eine Hau- oder Stoßklinge?
Ha una lama da taglio (filo), o da punta?
Eine Stoßklinge.
Una lama da punta.
Ist es eine Schilff- oder Panzer- oder rencontre Klinge?
E`una lama di giunco, o di maglia, o di rincontro?
Es ist eine Panzerklinge.
E`una lama di maglia.
Ist die Spitze scharf?
E`la punta acuta?
Ja, ziemlich scharf?
Sì, assai acuta (appuntata, aguzza).
Ist die Scheide auch gefüttert?
E`anche foderato il fodero, (foderata la guaìna)?
Ja, denn sonst rosten die Degen gar zu leicht.
Sì, perche altrimente si rugginiscono troppo facilmente le spade.
Was haben Sie für eine Degenkuppel?
Che pendàglio (porta-spada, cinturòne) ha Ella?
Ich habe eine von Seide, die andere von Leder.
Ne ho uno do seta, làltro di cuoio (pelle).
Bey welchem Gürtler haben Sie die lederne gekauft.
Da che cìnturàio ha comprato quello du cuoio?
Ich habe sie auf dem Markte gekauft.
L'ho comprato alla piazza (al mercato).
Haben Sie auch einen Hirschfänger?
Ha eziandìo un coltello da caccia?
Ja, aber ich trage ihn nur auf der Reise, und wenn ich schießen gehe.
Sì, Signore, ma lo porto solamente nel viaggio, e quando vado a tirare.
[...]
Das XXXIII. Gespräch. Von Fechten und Voltigieren.
Dialogo trentesimi terzo. Dello schermire (scrimare), e del volteggiare.
Ihr gehorsamster Diener, mein Herr.
Umilissimo servitore di V. S.
Ich bin der ihrige von ganzem Herzen.
Sono il suo di tutto cuore.
Sie gehen gewiß nach dem Fechtboden, weil Sie das Rappier in der Hand haben.
Ella va senza fallo alla salla di scrimia (d'armi) perche hà smarra (la spada dsmarra) in manno.
Ja, mein Herr.
Si, Signore.
Der Ballen an ihrem Rappier ist ja loß.
La palla della sua smarra è staccata (sciolta).
So bald ich auf den Fechtboden komme, will ich ihn wieder fest machen.
Sì tosto che verrò alla sala di scrimia voglio rimetterlo (ripararlo).
Wie lange gibt der Fechtmeister Lection?
Fin ' a che ora (quanto tempo) da il Maestro di scrima lezione?
Den ganzen Vormittag, bis um zwölfe.
Tutta la mattina, fin' alle dodici.
Nehmen Sie nur Lection, oder fechten Sie auch schon contra?
Prende solamente lezione, o tira anche già il colpo per offender l'altro?
Bisher habe ich nur Lection genommen, allein nach Ostern, Johannis etc. werde ich auch contra fechten.
Fin quì ho solamente prefa lezione, ma deopo pasqua, S. Giovanni &c. schermirò ancora contro alti.
Hat der Fechtmeister auch einen Vorfechter?
Ha il Maestro di scrimia anche un aiutante (prevosto di scherma)?
Nein, der Senior auf dem Fechtboden fechtet vor.
No, il più anziano della sala d'armi schermisce avanti.
Wie viele Lectiones haben Sie schon gelernet?
Quanta lezione ha ella già imparate?
Ich habe gelernt ausparieren, ausstoßen, battiren und stringiren.
Ho imparato a riparare (far la parata d' una smarra), a tirare un colpo, a battere, e stringere.
Können Sie schon jemanden einen Stoß beybringen?
Sa già tirare un colpo ad alcuno?
Ja, wann er sich nicht gnug inacht nimmt.
Sì, se non si guarda affai (bene).
Haben Sie auch Finten machen und schwadroniren gelernet?
Ha anche imparato a far finte, e menar lo spadone (giuocar di spadone)?)
Nein, mein Herr, ich habe auch nur auf den Stoß, nicht aber auf den Hieb fechten gelernet.
No, Signore, ho anche solamente imparato a battermi a stoccate, ma non già a colpi di stramazzône.
Lernen Sie auch voltigiren.
Impara anche a volteggiure?
Nein, ich bin zu bequem eine halsbrecherische Arbeit zu lernen.
No, Signore, son tropo commodo per imparare un travaglio a rompicollo.
Es ist aber eine gute Motion.
E` però una buona mozione.
Sie ist für mich zu stark.
E` troppo forte per me.
Adieu, Sie avanciren wohl.
Adieu, Signore, avanzi bene.
Ich werde mein mögliches thun.
Fardò il mio possibile.
aus: Neue Italiänische Gespräche: nebst einer guten Anzahl allerhand Complimenten und Historien, wie auch einem kurzen Titularbuch. vormals herausgegeben von Pietro Francesco di Corsini, und Andrea Herold, nunmehro verbessert und hier und da vermehret von Christian Friedrich Kürbis. Leipzig, in Lankischens Buchhandlung 1757.
[Titelblatt]
Etliche fecht lectiones, so ich auf Sor von Hans Wilhelm, dem fechtmeister der zeit über, so ich da gewesen auf dem boden bekommen.
Ao 1657. den 10. Julij.
[Seite 1]
Etzliche Fecht-Regulesz
1. Den degen muß man also in der handt halten, daß der knopf des gefeßes, vnter dem dicken fleisch des kleinen fingers lege, soll auch sonst an den finger negst den daumen wohl angehalten, vnd also also die handt in ½ quarte halb 3tie gewandt seyn.
2. Immer soll die spitze des degens, die handt und der ellenbogen etwas gekrümmet, eine gleiche linie geben.
3. Die postür von leibe bestehet in folgenden alß (1.) bey allen Lectionen bige deinen leib: je kleiner leib: je weniger blöße, je sicherer du gehest. wende deine brust so viel müglich weg, ümb desto sicherer fürm stoeß zu seyn, vnd weniger blöße zu haben. Beüge die schenkel vnd die armen ein wenig, den lincken arm halt vndgefehr gegen daß lincke auge.
[Seite 2]
4. Die augen deßen der da fichtet/, müßen zufoderst auf die klinge gerichtet seyn, sonsten wo du einem wollest inß gesichte sehen, würdestu dich greülich betrogen finden, vhrsach deßen ist diese. Alle tempo so verletzen geschehen mit der klingen, nun aber ist gewiß, wan ich an einem ohrt sehe, kan ich meine augen auch nicht zugleich an den anderen ohrt haben. Sehe ich die klinge nicht wie will ich mercken waß er machen will du wirst in dehm fall einen großen fehler begehen, wan du nicht hinsehen wo du hinstoßen wilt.
5. Wan ich stoeße mus der rechte fueß krum gebeüget forthgehen der lincke aber steifh vnd fest stehen bleiben auf seiner fussohlen sonder beugen, sonsten wo du ihn lest schleppen kanstu nicht sonderer groser beschwer dich nach gethanen stoeß reteriren <eingefügt: v. mustu> oder zum wenigsten doch ein tempo ihm reteriren mehr machen, der lincke arm <eingefügt: soll> sich sich hinterwehrts strecken, der rechte folget seiner Lection, vnd der leibe lencke nach den rechten schenckele so hastu einen langen stoeß vnd im reteriren stelle dich in der Postur wie Num: 3.
6. Wan du cavirest oder sonsten dergl. ein tempo mit der handt <eingefügte Worte unleserlich> machest, sehe dich wohl vor, daß du nicht den gantzen arm gebrauchest, besondern nur daß gelencke
[Seite 3]
gelenke von der handt es fellet dir sonsten die Lection gar zu weitläufhig auch langsahmer vnd beurischer.
7. An die klinge des degens an ihm selbst seind 4erley zu beobachten
1. Die ganze schweche mith welcher du nur kanst vehrletzen wohl im stoeß als im hau.
2. Die halbe schweche die dan dienet dem andern an seine gantze schweche zu gehen.
3. Die halbe stärke. Mit der ich an des andern halbe schweche.
4. Die gantze stärke. Ist des andern seine halbe sterke zu stringiren.
8. Wiltu wißen warümb du die gantze verkehrte klinge (daß der knopfh des gefeßes oben kommet.) auß der 3tie in die Prime heißest, zihe den degen aus, alßdan mustu es wißen, vnd seindt derowegen 4. Stöeße, die Prime, Secunde, 3tie, 4te, den folgen die passaden, volten, finten
[Seite 4]
batiren, cavieren, pariren, vnd waß dem mehr anhengig.
9. Die 3tie muß mit dem gefeß etwaß niedrig, ümb des andern klinge im zwang zu behalten vnd die spitze etwas hoch seyn.
10. Die lincke schulder vnd rechte handt müßen in der 4te einwendigen eine gleiche linie geben aber außwendig über dem arm nicht, sondern die soll gleich für sich gestoßen seyn. Woltestu aber die 4te bey der klingen nur gleich stoßen vnd nicht ein wenig vom leibe wenden würdestu dir eines contra <eingefügt: tempo> stoßes oder auf ein passade zu befürchten haben, beobachte annoch dieses dabey, daß in dieser 4te die faust hoch, die spitz aber mit acht niedrig geführet wirdt.
[Seite 5]
11. Ist zubehalten, daß es 3ley verenderungen in 2cunde giebet, alß (1) hohe, (2.) mittlere, vnd (3) tiefhe od: niedrige Secund, mit der niedrige Secund geschehen die Ligaden, mit der andern vnd ersten die stoße vnd daß stringiren. Alß auch hatt man dreyerley Tertien: alß (1) die hohe vnd Angulirte 3tie (dienet anzugehen od: zum folten) (2) mittel 3tie (ist zum stoßen vnd stringiren (3) die niedrige od: verhangene 3tie. zum reteriren etc: hergegen ist nur ein 4te. Dan obwohl die verhangene vnd hoch ist, so bleiber doch bey beyden Lectionen bey einerley weiße. Die Prime kan ebenermaßen nicht verendert werden.
12. Wan einer mit gleicher spitze gehet, kanstu ihm keine 2cund stoßen, sonst trifht dir es selber mit, aber so er mit hoher spitze gehet, darfstu eß dir sicher vnterstehen, dan so gewinnestu seine schwäche mit deiner stärcke, nach gewonnener schweche bistu ohn gefahr.
[Seite 6]
13. Wiltu stoßen und trefhen, mustu unumbgenglich des andern klinge erst gewonnen haben, vnd nach gethaner stoß alßbaldt wieder aufh die klinge gehen, sonsten hastu dich eines contra stoßes od. confusion zubefürchten. Behalte auch dießes hiebey, wan der ander auß dem stoße weichet, v: du woltest den forth stoeßen, bistu auß der Mensur, ümb nu die zu erlangen, gieb achtung wen er weichet, folge nach erstlich mit dem rechten fueß, vnd dan mit den lincken nach, bleib dabey an der klingen eben so auch wan du weichest trit erst mit den lincken vnd hernach mit den rechten.
14. Es fraget, wan der ander mit hoher spitzen gehet, worümb du nicht 3tie sondern 2cund stoßen solst, andtwordte: Stoße ich den 3tie, kompt meine <durchgestrichen: Spitze> gantze schweche aufh seine gantze stercke, meine stärcke nun zubehalten muß ich 2cund stoßen, alßdan kompt meine gantze stercke, an seine schweche.
[Seite 7]
15. Ein fährlich ding würde es seyn, da keine blöse ist hinzustoßen, auch ist dieses nicht recht von der seiten da ich einen stringiret laß, vnd an die ander seite zugehen, dan dadurch ist alsobaldt dem gegenpart ein Tempo gegeben zustoßen. Nimb auch in acht, wan du einwendig <überschr. aus> stringirest mustu auch auswendig ligiren, stringirestu einwendig ligire einwendig, außwendig mit der Secund, einwendig mit der 4te. Siehe dich wohl für, wen du ligirest es sey mit der 4te od: 2cund, daß du in der ligad die spitze wohl gegen des andern leib führest, sonst wan du woltest in die erde hinein gleichsahn die spitze gehen laßen ist der ander sicher gnug für dir.
16. Wan ich mich <übers.: du dich> außwendig loß machest <eingefügt.: v. reterirest> zihe den arm mit den degen waß zurücke doch daß in gleicher Linie bleibest, vnd einwendig las die klinge sinken, also daß die spitze des degens die achsel vnd handt eine gleiche linie geben.
17. Die parade mus nicht mit 2cund od: halb verwendeter handt (:welches bößer für die augen als nichts:) geschehen: besondern wan der gegenparth die 3tie über den arm stoßet, parire mit der halben schneide stößet er 4te pariere mit der gantzen. Es sey den daß du deinen gegenparth dadurch zum passiren od: sonsten verführen wollest.
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Weiter warümb die parade in 2cund nicht gültig ist, ist dies die vhrsache wan du mit 2cund parirest od: in die hohe parirest, kan er dich gleich hinein vnter der klingen passiren. (2). mustu 2 tempo gebrauchen in dem du stoßen wilt, hergegen aber wan du in 4te parierest läufht sich der ander in der passad selbst in den leib vnd ist deine handt schon in 4te.
18. Alle Paraden, so ich ohn cavation thue, geschehen mit fortsetzung deß fußeß, die aber mit der cavation geschehen ohne zutritt, es sey dan, daß man passiren wolle, mus man mit dem rechten fues, allein zutreten, damit man könne mit dem linken fues forth passiren. Blose cavationes geschehen auch mit zutretung beyder füßen, wie auch das legiren. Nimb in acht, wan du parirest od: sonsten ein Lection thust, daß die spitze deiner klingen allezeit zu dem man gewandt seyst, damit du fechtest.
19. Nimb in acht wan du finten machest, daß du zuvor woll den fueß rührest od: hebest alß stösest du, aber nicht forth setzest, sonsten kanstu mit den schenkeln gar zu weit von ein ander, vnd kanstu also deinen stoß nicht recht follführen. Auch müßen die finten in eben der figur <Bleistiftnotiz oberhalb: Lection> geschehen als wehren sie der stoeß, alß in 3tie, 4te 2cund. vnd daß die Spitze des degens zu dem Manne scharf sich strecket alles vnd desto mehr den wiederpahrt zu verführen.
[Seite 9]
20. Je sterker du stosest, je mehr ich pariren mus, je mehr ich parire je beßer kanstu passiren. Zum Passiren aber gehört folgendes. Wan ich stoes und will passiren, mus ich den arm nicht zu rück ziehen (es sey dan, daß ich den degen wolle kurtz faßen) besondern so gleich laßen, ohn in verenderung der figur wie er zu vor geweßen ein/im stoß sonsten kompstu auß der Mensur. In dem du auch vnten passirest, gib achtung daß die lincke handt nicht eher du laßest vorgehen vmb des andern gefeß zuergreiffen, dan so viel die linke handt vorgehet muß die rechte gewiß zurück bleiben, gehet aber selbige handt mit der klingen zurück, wirdt dir der stoeß in der Passade desto kürtzer, und kanst nicht wohl ohne gefahr trefhen. Wan du die Passade mit der handt machen wilst mustu ebenfalß wie auch in andern Passaden den Lincken fueß erst forthgehen laßen, an wiedrigen fählet dir die parade mit der handt und wirst getrofhen. Niemahls soll man aufh gemachte finten passiren, sondern stoeßen, noch vielweniger darnach greifhen wo man den gegenpart nicht dadurch verführen will den daß ist gewiß, in dem man greifhet nach des anderen klingen, kan man nicht wieder zu gleich den stoß pariren.
[Seite 10]
21. Aufh eine finte zu voltiren ist wieder den grundt des fechtens, auch kan man schwerlich ohn stoß voltiren wo man nicht gar tief in der Mensur ist. Im vbrigen mus man im voltiren den fueß nicht forthsetzen, sonst verliert man zeiht und hatt die gefahr gewiß getrofhen zu werden. Volten konnen übern arm od: vntern arm geschehen, müßen aber allezeith in hoher 4te geschehen ümb des anderen klinge damit zu zwingen. Die Postur in den volten ist auf zweyerely arth dan so ich ein gantze volte mache mus ich mich gantz umbwenden, also daß zwar die Hand in 4te bleibet, aber die augen v: die brust von dem manne gewandt sey, und der lincke fueß sich gantz umbwende daß gleich stehe die Hacke des linken fueßes v: die rechte handt eine schrade (knappe) doch gleiche linie gebe, die halb Volte geschiehet aber nicht weiter als nur mit ümbdrehung der beiden füße.
22. Wan man die zehen vom lincken fueß ein wenig auswerts setzeth man stehet fest, und ist auch fertiger mit dem rechten fueß sich zue reteriren.
23. Im batieren oder Pariren od: sonst andren Lectionen, mus die Klinge huebsch im zaum gehalten werden, daß sie sich nicht hin und here verlaufhen.
[Seite 11]
24. Es fraget sich ob du in der Mensur Caviren kanst ohn gefahr od: nicht, darunter ist dießer vnterscheidt, wiltu daß Caviren nur bloeß an ihm selbst nehmen gehet gehet solches nicht an, den dadurch giebestu dem Contra <oberhalb eingefügt: =part ein> tempo, machstu aber in der mensur eine finten, so er greifhet darnach, kanstu sicher caviren vndt stoeßen.
25. Dan es ist vnmüglich daß 2 tempo konnen aufh einmahl geschehen, dan so er nach der finten greifht, kan er auch nicht in dehm stoßen, bistu also wie vorher erwehnet sicher.
26. Eß werde auch einer anführen ob, wann man batiere od: parire nicht erst wieder konne von der klingen gehen vndt stoeßen, daraufh gebe ich dieße andtwordt, daß man sowohl in der parade, od: batieren muß, bey der klingen bleiben vnd darnach folgenden stoeß eben wohl bey der klingen führen vmb des andren klingen in zwang zu behalten.
[Seite 12]
27. Es möchte gefragt werden welchen stoeß man wohl vor den besten vnd sichersten hielte, ich bin in der meinung den, so mit der cavation geschiehet <die vorangegeangenen drei Wörter sind unterstrichen und mit einem x einmal hinter dem letzten Wort und einmal am Seitenrand markiert>. Woltu inen einer vorwerfhen daß daß stringiren vnd caviren nichts nutze zum fechten, sondern es würde nur allein daß judiciren erfordert, andtwordt, wan ich nicht weiß wovon ich judiciren soll; vnd aufh waß vor ahrt ich daß judicium von der klingen faßen soll, wie kan ich dan fechten, mus derwegen erst daß stringiren vnd caviren, alß voraus des judiciren der klingen kenne vorgesagt wie N. 7. von abtheilung der klingen so geschehet mit dem stringiren.
28. Ich wolte gerne wißen was einer davon hielte, wan man mit höher spitze in 3tie gehet, wo es nicht gar die angulirte 3tie ist, ich meine gantz nicht recht zu seyn da fürs 1. gebe ich dem gegenparth mehr blößer über den arm, zum 2. wirdt es mir schwerer zu caviren vndt waß sonsten mehr zufälle geschen konnen.
[Seite 13]
29. Ferner annoch bey n. 3. wie ich erwehnet daß desto weniger blöse gebe, wan ich mit halber blöeße an gantzer blöeße ginge ist gewiß Zu dehm bin ich auch mehr gezwungen wo ich mit gantzer blöße gehe.
30. Wan man Pie fermo fechtet ist beßer den rechten fues erst vnd den lincken alß in verfolgen et. aber in cameniren vnd der andren dergleichen Lectionen kan ich auch erst den lincken dan den rechten wieder den lincken vnd so forthan.
[Seite 14] – [Seite 26]
leer
[Seite 27]
Folgen die LECTIONES an ihm selbst.
1. Wan du einwendig Stringiret bist mache eine finten außwendig, vnd so er darnach greifthe stoeß 4t einwendig, greift er aber nicht stose 3tie außwendig über den arm, pariret er aber vorige 4te passire 2cund bey der klinge, mache es ebenso einwendig, wan du den gegenparth hast außwendig stringiret, vnd so er auf die gestoeßene 3tie hoch pariret, passire vnten 2cund.
2. So ofht du 3tie stoesest vnd der ander caviret in dehm du stoßest, volführe doch deinen stoeß vnd wende die handt in 4te.
3. Stringire den gegenpart <eingefügt oberhalb: einwendig> oder auch außwendig caviret er cavire Contra vnd stoeß 4te oder 3tie nach dem du stringiret hast.
4. Wan der ander dir stoßet es sey auß od: einwendig parire wie du zuvorn gekehret <korrigiert in: gelehret> bist <Bleistifteinfügung: 17 N> vnd stoeß entweder gleich forth oder mit der Cavation, oder in die Cavation.
[Seite 28.]
5. Mache eine finte vor sich inwendig vnd <überschrieben: od.> außwendig, will der ander nicht darnach greifhen, stoeß gleich forth, greifht er <eingefügt: cavire v. eingefügt> stoeß auch.
6. Hebe über stoeß 4te <eingefügt: wan du stringiret bist,> mache eine finten stoeß 3tie, oder stringire, auch, hebe vber vnd stoeß 3tie, mache eine finten od: stringire. <alle Kommas in dieser Lektion nachträglich eingefügt>
7. So dir der gegenpart mit niedriger 3tie begegnet vnd giebet dir die blöße außwendig, ligire vnd stoeß 3tie.
8. Caviret er aber in dem du wilt die 3tie stoeßen, vnd er dir also den stoeß durch die Cavation benimbt cavire vnd vollführe deinem stoeß einwendig mit der 4te, sihe aber zur daß er dein kling nicht rühre.
9. Stringire den andern außwendig, machet er dir die finten einwendig stoeß in der finten gleich 4te, eben so auch wenn er dir außwendig eine finten machet stoeß <eingefügt: 3>, muß aber beides sehr geschwinde geschehen.
10. Wan du einwendig stringiret wirst <eingefügt: ,> mache dich aufh dieße manier loeß, laß die spitze von deiner klingen etwaß sincken, greifhet er darnach
[Seite 29]
nach stoeß 3tie stoeßet er sonder ligiren stoeß ich contra 4te <eingefügt: ,> will er aber nichtes dagegen thuen, stringire ich außwendig vnd etc. wie n. 4. Sonsten kan ich auch so er nichtst tentiret eine finten machen vnten, vnd 3tie stoeßen oder vnten vnd oben finten machen vnd 2cund stoeßen, od: auch oben vnd vnten finte machen (eingefügt: v.) 3tie stoeßen. Alle dieße Lection mache auch wan du außwendig Stringiret bist.
11. Mache dich auf eine andere weiße vom stringiren einwendig so wohl alß außwendig loeß <eingefüht: , od. […] reterirn dich> wie du in vorigen regulen N. 16 bist vollig vnterrichtet worden <eingefügt: ,> da du dan meist alle die Lectionen practisiren magst deren du dich n. 10. gebrauchet hast.
12. Gehet der ander dir din Angulirte 3tie >3tie mit Überstrich> stringire ich ihn außwendig mit hoher 2cund mache einwendig ein finten vnd stoeß 2cund vber den arm.
13. Willer sich nicht Stringiren laßen, sondern gehet auß der Angulirten in die niedrigen 3tie stringire ebenmeßig ihn mit niedrige 2cund <eingefügt: ,> mit zu tretung beyder füeß v: stoß 3tie.
[Seite 30]
14. Wan er voltiert laß daß gefeß in 3tie nieder sincken od. auch stoeß verhangene 4te welche kan baldt mit linckem fueß baldt mit dem rechten von gestoßen werden diese<angefügt: s) Lectionen nimb bey allen volten wohl in acht.
15. Stoeß 3tie pariret der ander mache die parade mit der handt vnd zutretung des lincken fueßes die passade in 4te.
16. Stoes wieder gleich 3tie pariret er, wende dein handt in 4te, vnd laß ihn hinein stoeßen mit zutretung des lincken fueßes und nimb ihn den degen.
17. Wan der ander 4te stoeßet parire mit zutretung des rechten fueßes vnd daraufh der lincken vnd nimb ihn auch aufh die ahrt den degen, nimb hiebey wohl in acht, waß in R.F. N. 23 erinnert worden.
[Seite 31]
18. Wan du den andern einwendig stringirest und er caviret, parire mit der halben schneide, wende die hand in 2cund. vnd passire vber den arm, nimb in acht N. 18. R. F, wan er aber hebet, passire vnten 2cund. wie 21 diese passade helt man vor die allersicherste.
19. Mache eine finten, wan du den gegenpart außwendig stringiret hast, in der cavation außwendig vnd stoeß 4te mache eine finten in der cavation vnd stoeß 3tie, Stringire auch außwendig, vnd in dem er caviret, mache eine finten für sich etc. eben so wan du ihn einwendig stringirest.
20. Wan du eine finten machest außwendig vnd der ander greifhet in der höhe darnach stoeß vnten 2cund. errinnere dich der regel N. 20.
21. So der gegenparth mit gleicher 4te gehet, gehe auch in 4te vnter seiner klingen, vnd stringire ihn wie du wilt od: mache finten, od: folge deinen vorigen Lectionen.
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22. Vmb nu den andern zu verführen, gehe auch in selber 4te, gehet er aber vnter der klingen, wende die hand in 2cund. vnd stringire ihn außwendig, stoeß beydes schlecht vor sich, oder auch mit caviren, nach dem du siehest, daß der gegenparth sich anlaßet.
23. Stringire außwendig, caviret er trit zu cavir mit, stoeßet er voltire eben so auch einwendig stringire, vnd nach des andern gethanen stoeß voltire hieher gehoret die regul N. 21. wan der andre passiren will kanstu auch gleiche volten gebrauchen.
24. Wiltu wißen wie du dem angehen solt, der in verhangene 4te gehet, thue nachfolgendes, hebe seine Klinge mit 4te aufh beydes außwendig od: einwendig, nachdem er die bloeße giebt, vnd stoeß.
25. Wan der ander in 2cund lieget vnd giebt dir die bloeße einwendig, stringire ihn mit der 3tie vnd stoeß mit der cavation, giebt er bloeße einwendig stringire auch vnd so er cavirt stoeß 3tie od: passire in der cavation in 2cund. vnter der Klingen, getrauets dich nicht so bloß zu passiren
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passiren, parire erst mit der halben schneide seine Klinge mit zutretung des rechten fueßes in 2cund. in die hohe vnd passire alßbald vnter der klingen, od: parire auch, vnd so er caviret, cavire vnd stoeß, od: so er caviret voltire.
26. Gehe dem contra part gleich 2cund einwendig an doch daß du ihn nicht stringirest, mache gleich vor sich eine finten, vnd stoeß vber den arm, nimb die cavation, contra tempo gegen die Volten vnd sonst dergleichen mehr Lectionen hiebey wohl in acht. Will er nichts tentiren, wende die handt in 4te vnd stoeß gleich ein, du kanst auch so er nichts tentirt auß der 2cund in 3tie fallen wie L. 11. od: mache einwendig vnd außwendig eine finten vnd stoeß 4te.
27. Wan du merkest daß der ander dir ein tempo giebet ümb dich zu verführen, vnd er also mit der handt pariren will, gehe ihn außwendig an mache eine finten in 3tie, vnd so er darnach greifhe, hebe über seine handt vnd stoeß 4te greifhet er nicht sondern cavirt nur bloß stoeß 4te. parir auch erst vnd stoeß dan.
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28. Wan dein gegenparth dir mit wankender od: mutirter klingen angehet, vnd sich nicht will stringiren laßen, gehe in die 3tie gleich ober seiner klingn vnd wan er caviret, stoeß entweder 3tie od: 4te, nach dem er dir die blöße giebet, getrauestu dich aber nicht ligir ihn mit 2cund vnd stoeß 3tie od: so er dir zuuor kombt stoß 4te wie N. 8. zu sehen, od: parire erst vnd stoeß 4te auch so er die 3tie über den arm stoeßen will voltire vnter seiner klingen, sonsten kan ebenmeßig die passade vber den arm wie L. 18. so er 3tie stoeßet gemacht werden.
29. Stringire den andren außwendig, caviret er trit zu, cavire mit biß du dein tempo absiehest, vnd so er caviret, passire gleich einwendig 2cund bey der klingen, zu meher versicherung, nimb die linke handt zu hülff, ist eine betriegliche passade, muß aber sehr geschwinde geschehen.
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30. Gieb dein gegenparth ein tempo zu passiren welches geschiehet wan er einwendig stoeßet, daß du alsdan etwaß mit in der parade darnach greifhest ihn zu verführen, wan du nun merckest daß er passiren will, trit in dem mit dem rechten fues zurück ligire ihn außwendig in 2cund, trit wieder zue mache ein contra tempo mit der hand vnd stoeß 2cund.
31. Du wirst ofht mit etlichen zu fechten kommen welche ob sie wohl eben nicht mit der klingen wancken, wie 28. dennoch sich nicht wollen stringiren laßen gehe denen in halb 2cund unter ihre klinge, vnd so du die mensur hast stoeß 4te, hiebey kanstu viel Lectionen mehr machen, alß so du damit tempo siehest voltire bey der klingen, voltire vber den arm mache eine finten einwendig vnd stoß 3tie, od: mache in gleicher 2cund außwendig eine finten vnd stoeß 4te od: so du einwendig eine finten machest, vnd der ander will in der finten stoeßen, stoß contra 4te mache auch außwendig vnd einwendig eine finten. Nimb hiebey in acht wan du einwendig stringiret bist, mache dich auch auf die weiße loß, gehe wie du itz gelehrt bist vnter seiner klingen vnd thue diese Lectionen.
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32. So dir der ander angehet in der postur gleich alß machte er dir eine chimade gehe in 3tie unter seiner klingen, also daß deine gantze schweche vngefehr in der helfhte zu seinem leibe vnter seiner klingen hervor gehet, will er den 4te stoeßen stoß contra: parire auch erst vnd stoeß dan. Gieb ebenmeßig in 3tie unter seiner Klingen eine finten vnd stoeß 3tie mache weiter wie L. 26. zu sehen.
33. Viele auch wan sie sich nicht wollen stringiren laßen gehen gar niedrig mit ihrer klingen in 3tie denen mustu also begegnen gehe mit deiner spitze ein wendig niedrig /: eben alß reterirestu dich :/ über die stärcke des andern vnd so er stoßet, parire vnd stoeß 4te. Will er aber nichtes dagegen tentiren, laß dein gefäß etwaß sincken, also daß du seine schwäche mit deiner stärcke stringiret hast, bucke dich wohl, vnd so er er caviret stoeße od: parire erst vnd voltire.
34. Wan der ander dich mit 2cund angehet, vnd giebt dir außwendig die blöße stringire ihn mit der 3tie, caviret er, cavire mit, entweder stoß od: laß ihn erst einmahl caviren vnd stoeß darnach, so er noch einmahl caviret.
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35. So du 3tie stoßest vnd deine gegenparth solches pariret, trit zu mit dem lincken fueß faße vnter deinen degen seine klinge vnd rumpire ihn.
36. Laß dich dieselben nicht irren die du siehest gantz von der klingen abgehen aufh die weiße wie die Zirkel fechters, gehe ihnen nach mit der 4te, erst mit den lincken dan mit den rechten fueß, vnd wan sie caviren stoeß 3tie od: contra. also auch wan sie dir einwendig angehen vnd blöße geben, gehe ihnen nach aufh die seite erst mit den rechten dan mit den lincken. stringire mit der halbe schneide, vnd so er caviret etc. od: auch so er caviret stringire einwendig trit zu, caviret er noch eins passire 4te vber den arm welches genandt wirdt stocada riversa nimb aber wohl in acht waß N. 10 gesetzet, daß du vnter der passade über den arm in 4te vnd bey der Klingen eben wie im stoeß einen vnterscheid weißest zu machen.
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37. Machet dir der contra parth eine finten außwendig, greifhe vnd stringire mit der halben schneide, gleichfallß wan du dich verführen ließest, so er caviret cavire contra etc: wieder die volte mache wie L. 14 du sehen kanst nemblich mit verhangener 4te od: verhangener 2cund.
38. Nimb wohl in acht, wan du den andren außwendig ligiret hast, vnd du merkest, daß du genug in der mensur bist, bleib so an der klingen, vnd passire vnter forth, eben so kanstu auch stoßen, ist beides betrieglich.
39. Bey die volten ist annoch dießes zu mercken so mir einer voltiret /: kan auch geschehen wan er stoßet :/ stoße 4te hinter den arm.
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40. Wan der ander dir vber den arm die 3tie stoßen will cavire vnter seiner klingen durch, stoeß in 2cund forth vnd parire mit deiner handt seine klinge vber deinen degen, mit dem contre tempo.
41. Etzliche werden dir in 2cund angehen, gehe denen mit gleicher 4te unter ihre klinge vnd stoeß 4te vber den arm, liege wieder so, vnd wo sie dir in 2cund außwendig ligiren, cavire vber ihre klingen, vnd stoß einwendig hoch 4te, od: laß deine creutz sinken, so bistu nicht allein von ihrer ligade loß sondern hast sie auch einwendig stringirt, stoeß daraufh 4te. Geh wieder vnter des andern kling in 4te, daraufh stringire ihn einwendig mache eine finten stoß 3tie, stringire auch außwendig etc:
42. So du einwendig stringiret bist, wende deine handt in 2cund, doch daß du nicht von des andren klinge abgehest, trit auch dabey einwendig mit beyden füeßen zu, so hastu den anderen außwendig wieder stringiret od: vielmehr ligiret, gebrauche daraufh deine vorige Lectionen, Eben so mache es wan du außwendig stringiret bist, hebe deine handt in 4te höher vnd stoeß gleich 4te.
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43. Gehet dir der ander mit 3tie an, doch daß seine spitze etwas in der quer von dir gewandt ist gehe in 3tie neben vnd fast unter seiner klingen biß du weit gnug in der mensur bist, daraufh wende dein hand in 2cund. Gebrauche die lincke Handt/handt zur parade, vnd passire gleich einwendig forth od: mache eine finte vnten in die 3tie vnd stoeß 3tie.
44. Wan dich der ander außwendig stringiret gehe in 4te von seiner klingen, eben als stößestu die 4te einwendig bey der klingen, verfolget er dich stoeß 4te od: auch so du einwendig stringiret bist, gehe außenwerths wie vorher vnd stoß, mache eine finten einwendig vnd stoß 3tie vber den arm. Stoßet er cavire vnd stoß contra will er mich in dem lager nicht stringiren, stringire ich ihn außwendig mit der halben schneide, mache die passade vber den arm, od: stoße sonsten wie dir die blößen fallen wollen. Du kanst auch so baldt du einen angehest von freyen stücken in solcher 4te ihn angehen stringiret er dich stoeß gleich 4te bey der klingen od: wende die handt in 2cund. vnd gehe mit der 2cund einwendig, thue daraufh die Lectionen die du L. 26. erinnert bist.
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45. Stringiret dich der gegenparth außwendig gehe einwendig in der 4te von seiner klingen, verfolget dich der ander, vnd will dich stringiren wieder cavire vnten vnd stoeß 4te vber den arm, stoeßet er aber in dehm du durch gehest 4te, stoeß contra bey der klingen. Mache so er nichts tentiret außwendig eine finten vnd stoeß einwendig 4te. Ebenemeßig hebe vber stringire außwendig, so er caviret passire die 4te einwendig.
46. Wan du einwendig stringiret bist gehe in 3tie von der klingen außwendig, hebe vber stringire einwendig, vnd stoeß 4te. Wan aber in dem caviret daß du stringiret hast mache stocada riversa. Gleicher maßen so er caviret stoeß hoch 2cund. ümb des andren klinge damit in die höhe zu bringen vnd passire vnten forth, solche/Solche Lection kanstu auch allein an ihr selbst machen. folget die volte vber den arm so er außwendig stoßen will od: rumpiren.
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47. Fluchs im angehen, gehe mit niedriger 4te daß du gantz bloß bist vnd ohne defensive, so näher du seiner klingen kompst, je hoher komme mit deiner klinge an seine, stringire ihn außwendig so er caviret stoeß 4te, od: cavire contra, passire auch 4te bey der klingen, dieße lectionen gebrauch wan du die blöße außwendig findest, giebt er dir aber die blöße einwendig gehe wie vorher, stringire ihn einwendig, vnd verfolge deine Lectionen des contra, hiegegen sihe in folgender Lection.
48. Alß gehet er dir aufh solche weiße in verhangene 4te od: Senfala guardia an, gehe gleich 3tie vnd in dehm er dich stringiren will, laß dir die klinge nicht irren, cavire vnd stoeß einwendig 4te, od: auch cavire v: stringire ihn einwendig, laß dich deine klinge wie gemelt nicht rührn, verfehrstu aber daß er sie rühret mache geschwinde einwendig eine finten vnd stoeß 3tie. Will er dich einwendig Stringiren, cavire vnd stoeß 3tie, rühret er deine klinge mache außwendig eine finten vnd stoeß 4te. es trifht sichs daß er dich einwendig stringiret, laß deine Klinge sincken, stringire außwendig etc: caviret er wan du ihn stringiret hast, ligire mit zutretung des rechtern fueßes passire die L. 38.
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49. Gehe in niedrige 2cund laß deine spitz etwas niederwehrts stehen, will der ander dich über den arm stoßen, cavire vnd stoeß 4te. Ligiret er dir außwendig laß dein gefäß sincken, so hastu ihn einwendig stringiret brauche darauf die hieher gehorige Lectionen, stoßet der andre 3tie nimb das tempo in acht parire mit der einwahrts gekrümmete handt vnd passire gleich forth 2cund ist fast (ohn mit der spitze) wie ein chimade. Will er nichts thuen stoße auß freyen stücken die 4te.Wan er stöset rumpir vnd vorder greif sein gefäß od: im zurück trit haue ihm nach den kopf will er nichts tentiren stringire ihn bleib dabey bestehen etc.
50. Mache eine finten einwendig vnd stoeß 4te vber den arm, kehret er sich an die finten nicht trit zu stringire einwendig vnd stoeß od: so er caviret passire vber den arm entweder in 3tie 4te od: 2cund.
51. Wann der and: in 4te gehet vnd giebt dir die blöße außwendig, trit mit beyden füeßen etwaß nach der rechten handt, damit du ihn zu stringiren bekommest stringire außwendig, cavirt er cavire contra etc. Giebt er die dir blöße einwendig trit etwas nach der lincken handt, stringire ihn einwendig vnd thue wie vorhin.
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52. Gehe dem gegenparth mit gantz hoher spitze vnd gebogenem od: kurtzen arm an, Stringire ihn einwendig, caviret er parire mit der halben schneide passire 2cund vber den arm, stringire ihn außwendig caviret er stoeß contra. stoeset er aber in dem du angehest die 4te, falle in die parade vnd stoeß, siehe dich wohl führ als du dich in der parade nicht vergreifhest, sond: so es kähme daß er caviret volführe den stoeß in 3tie. Auch ein angehen mache einwendig eine finten so er greifht stoeß 3tie über den arm.
53. Wan der dich der ander einwendig stringiret, gehe von seiner klingen außwendig doch daß nur die halbe ganze schweche vorgehe, stoßet er 3tie, cavire vnd stoeß contra 4te, od: auch so er stößet 3tie stoß contra 3tie mus aber hiebey des andern schweche wohl gefaßet werden, so er nichtes thut stringir außwendig, thue eben dieses, wan du außwendig stringiret bist.
54. So ofht du deinen feindt außwendig stringiret hast vnd er caviren vnd stoeßen will, stoß gleich außwendig unter den arr bey seiner klingen 2cund vnd in reteriren stringire ihn außerhalb mit der 3tie ist eben die Lection welche L. 38 du gesetzet hast.
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55. Gehe dem gegenparth einwendig an seine klingen doch etwas hoch umb desto sicherer hernach zu stoßen, vnd so der ander hart stringiret falle in niedrige 4te stoeß vnter seinen arm, trit aber mit dem rechten fues etwaß außwendig aufh die lincke seite auß der mensur mache auch hoch einwendig eine finten vnd ihn deßgleichen. Stringire ihn außwendig mache eine finten hinein hoch vnd thue voriges.
56. Stringire dem andren außwendig wan er sich reterirt ligire ihn außwendig mit niedriger 3tie will er nichtes tentiren laß dein gefeß sincken vnd stoeß 3tie, muß aber beydes in einem moment geschehen.
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57. Wie du L. 10 erinnert worden, wie du dich von stringiren solt loß machen. Thue nun ebenmeßiges ümb den andren zu verführen, vnd gehe an seine halbe schweche mit deiner gantzen gebrauche dich der itzenwehnten gehenden Lection. Will er nichts tentiren mache eine chimade, vnd so er stöset passire forth, will er die chimade nicht achten stringire ihn außwendig etc. Gehe eben so außwendig etc. stringire ihn so er nichts thut einwendig trit dabey zu, bleibt er liegen passire in 4te forth.
58. So ofht du die 3tie stoßest vnd er hoch pariret kanstu die Prim vber den arm passiren.
59. Gehet dir der ander in nidrig 3tie an, stringire ihn mit der prime tritt allgemählig zu biß du siehest daß du die mensur hast, passire dan 2cund vnter der klingen forth.
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60. Wan der gegenparth mit kurtzem arm gehet, gehe halb 2cund über seine klinge will er unten 2cund stoßen trit zu ligire in 2cund. vnd stoeß 3tie, caviret er aber stoß 3tie, will er vberheben vnd stringiren cavire laß deine klinge nicht rühren vnd stoeß 3tie od: auch in dem er caviret batire an seine klinge vnd stoß 4te.
61. Mache außwendig eine finten trit mit dem rechten fues ein wenig zu alß ein halber stoeß, pariret er darauf voltire.
62. Bistu einwendig stringiret mache dich loß: gehe mit verkürztem arm wan der ander dich verfolget stoeß 3tie. Will er nichts thun mache eine finten vnter seiner klingen vnd stoeß 3tie, wan er greifht achtet er eine finten nicht mach vnten herey noch ein ander vnd stoeß; dieße Lection gehet auch an wan du außwendig stringiret bist.
[Seite 48]
63. Wan du dein gegenparth außwendig stringiret hast vnd er caviret vnd hauet dir einwendig, cavire stoeß 3tie vber den arm, hastu ihn einwendig stringirret, vnd er hauwet dir außwendig cavire vnd stoeß 4te od: die prime unten. Eß kan kommen wan er einwendig hewret vnd zu tief in der mensur ist so kanstu sicher 4te darein stoeßen, eben so, so er im außwendig hauen zu tiefh ist, kanstu die 3tie stoßen.
64. Stöesetu die 4te od: 3tie vnd der gegenparth pariret kanstu sicher passiren.
65. In dem er caviret vnd hauen will, es mack auß= od: einwendig seyn eine finten vnd stoeß.
[Seite 49]
66. Wan du stringierest auswendig vnd er hauet dir einwendig nach dem schenkel bleib bestehen, parire es mit verhangenem 4te vnd stoeß 4te eben so mit niedrige 2cund vnd 3tie stoeß so er außwendig hauet.
67. Stringire ihn wieder außwendig Caviret er vnd hauert dir einwendig nach dem schenkel, setze deinen rechten fuoß etwas hinter den lincken zurück bis der hau vorbey, alßdan trit wieder zu volführe geschwinde deinee stoeß in 3tie eben so wan du einwendig stringirest die 4te.
68. Reitze vnd haue den andern einwendig caviret er cavire geschwinde vnd stoeß 3tie, reitze außwendig stoeß 4te.
69. Wan dir der gegenparth von vnden aufheuet nach dem arm laß dein Creütz sincken vnd stoeße, gehet auf beyden seiten an. Haue du von vnten
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vnten auf nach dem arm einwendig mit verhangenem 4te vnd stoeß 3tie mit der cavation, außwendig, haue wieder trit zu mit beyden füßen stringire und wan er durchgehet stoeß 3tie.
70. Laß ablaufhen vnd haue außwendig an die klinge caviret er vnd hawet od: stoßet, cavire vnd stoeß 2cund. daraufh so er in die hochte pariret passire vnten 2cund. caviret er aber in dem du passirest passire doch forth in 2cund. vnd parire die klinge mit der handt beyseits.
71. Wan du den andren einwendig stringirest vnd er hauet dir außwendig an die klinge cavire vber vnd haue mit zutretung des rechtern fueßeß die 4te versetzet ers passire gleich 2cund. stringire ihn außwendig hauet er einwendig haue nach dem kophf vnd so er pariret passire vnten 2cund. Nimb in acht waß L. 70 am ende.
[Seite 51]
72. Wan du mit gleicher spitze gehest vnd der ander dir nach dem kopfh reißen will nimb wohl in acht in dem er reißet daß du 2cund parirest od: cavirest vnd 3tie stoßest.
73. Wan der ander dir an mit gleicher spitze gehet trit zu mit dem rechten fues reiße vnd schneide in 2cund nach seinem kopf bleib bestehen reiß auch vnd so du merrkest daß er passiren will, mache ein contra tempo in dehm er passiret mit der handt vnd stoeß 2cund.
74. So dich der ander einwendig stringiret, drück an seiner Klinge mit zutretung beyder fues vnd stoeß 4te drucke mache die finten vnd stoeß 3tie, diese wirdt genandt die trak finten.
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75. Wan du von vnten einwendig stringiret bist gehe in 4te von seiner klingen trit in dem herümb nach der lincken handt mit den lincken fuos stoßet er 4te stoß contra, tentiret er nichts, trit wieder in deine postür stringire ihn außwendig etc:.
76. Wan dich der ander einwendig stringiret bist gehe von seiner klingen wende die Hand in 2cund, eben so auch wan du außwendig stringiret bist cavire vnd wende die handt in 2cund thue die Lection hierbey die du L. 26. bekommen.
77. Stringire den gegenparth außwendig drücke seine klinge also daß dein gefäß hoch, vnd die spitze niedrig kompt caviret er, cavire contra. Stringire einwendig thue eben so vnd cavire contra, od: voltire.
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78. Stringire einwendig so er cavirt trit zu stringire mit der halben schneide, so er dan caviret stoeß 4te, od: cavire vnd versetz mit hoher 2cund. vnd zutretung des rechtern fueßes passire daraufh unten. etc.
"Fechtkunst.
Ordnung der zwoelff Meister
Leger / Wie folgt:
Pflug/
Alber/
Tag/
Zorn/
Ochs/
Hangetort oder Schneid.
Wechsel.
Nebenhut/
Eysenport/
Hangenorth/
Schranckhut/
Schluessel/
Einhorn/
Kron.
Die vier Hauptleger
Tag.
Ochs.
Alber.
Pflug.
Verborgene Haew.
Ober.
Zorn.
Mittel.
Vnderhaw.
Ordnung deß Paratschwerts / Wie folgt.
Erstlich der Eingang.
1. Der Einfach Rittersprung.
2. Der Stichsprung.
3. Die Durchhaew.
4. Der Verzuckte Rittersprung.
5. Der Einfache Rittersprung auff beyden Seyten durchgeschnitten.
6. Der Rittersprung auff beyden Seyten verschrenckt / vn zu ruck vber den rechten Arm gehawen.
7. Der Rucksprung das Schwerdt gerad in die hoech behaltent.
8. Der Rittersprung den Knopff in den rechten Arm genommen / vnnd auff beyen Seyten durchgehawen.
9. Der Doppelte Rittersprung das Schwerdt in der hoech vber die rechte Hand abgeloffen.
10. Die doppelte Rosen mit dem Schwerdt durch den rechten Arm durch gebrochen / vnd ein einfachen Rittersprung darein gemacht.
11. Die drey Vnderstich vnd doppelte Rosen brechen mit sampt dem einfachen Rittersprung.
12. Die Stuerzen doppelt auff zwo Seyten vnd auffgefluegelt."
Der fechtspruch. Ankunfft unnd freyheyt der kunst
Eins tages ich ein fechter fragt,
Bat freundlich ihn, das er mir sagt,
Wo doch ir ritterliche kunst
Het ihren ursprung, der ich sunst
Von jugend auff het gunst getragen.
Da ward er wider zu mir sagen:
Die ritterliche kunst ist auff-kummen,
Hat iren ersten ursprung gnummen,
Eh wann Troya zerstöret war,
Etwas mehr dann aylff hundert jar
Vor des Herren Christi geburt.
Von Hercule erfunden wurd
Der olimpische kampff mit nam
Inn dem lande Arcadiam,
Bey Olimpo, dem hohen berck.
In diesem ritterlichen werck
Kempfften zu roß nackende held,
Wie Herodotus uns erzelt.
Welcher denn ritterlichen kempffet,
Die andren mit seym schwerte dempffet,
Der selbige wurd begabet gantz
Von öl-paumen mit eynem krantz.
In dem kampff Hercules erfacht
Groß lob und preiß durch heldes macht
Und auff-setzet den kampff fürwar,
Zu halten den im fünfften jar
Mit grosser herrligkeyt all mal.
Nach dieser olimpischen zal
Die Kriechen rechneten ir zeyt.
Poliderus des urkund geyd.
Als aber nun Hercules starb,
Dieser olimpisch kampff verdarb,
Das er ein zeyt lang von den alten
In kriechen-land nit wurd gehalten.
Den nach dem Iphitus, sein sun,
Hat widerumb auffrichten thun
Eben gleich in voriger art,
Nach-dem Troya zerstöret ward,
Der lang ist bey den Kriechen blieben,
Wie Solimus uns hat beschrieben.
Nach dem sind auch in Kriechen-landen
Mancherley art kampff-spiel erstanden,
Erlich, die nackat allenthalben
Mit dem paum-öl sich theten salben
Und kampffweiß mit eynander rungen,
Inn schrancken wettlufen und sprungen.
Nach dem errfand könig Pirrus groß
Den gewappneten thurnier zu roß,
Und wie man solt in ordnung reyten,
Genand der pirrisch sprung vor zeyten.
Zu solchem kempffn vor langer zeyt
Hat Mercurius zu-bereit
Die jungen kempffer in kampfstücken,
Auff das in thet der Sieg gelücken.
Hat also die erst fechtschul ghalten,
Wie uns bezeigen denn die alten,
Diodorus unnd ander mehr.
Es war die aller-größte ehr,
Wellicher da ein krantz erfacht,
Für alle reichthumb, gwalt und pracht.
Dergleichen auch das kampffspiel kommentareIn die mechtigen stat zu Rom,
Da Staurus ein theatrum baut,
Darinn das volck dem kampff zu-schaut,
Auff merbel-stein-seulen gesundert,
An der zal sechtzig und dreyhundert,
Das aller-gröste werck genand,
So ward gemacht durch menschen-hand,
Darinn mit grosser prechtigkeyt
Draucht man die kampffspiel lange zeit,
Das auff ein kampff der kempfer war
Offt mehr dann in die tausent par.
Sie fachten aber alle scharff,
Einer nandern schoß, hieb, stach und warff,
Mit schwertern, kolben, spieß und pfeil.
Ieder het ein schildlein im zu heil,
Darmit er sich schützt in der not.
Viel blieben auff dem kampff-platz tod,
Viel hart verwund, die sich ergaben.
Mancher art sie auch kempffet haben,
Auch mit peyheln und fisch-garn.
Auch etliche kempff bestellet warn
mit elephanten. Thieger-thiern,
mit parden, löwen, wilden stiern,
Mit wilden pferden und mit beren.
An den mustens ir kunst beweren.
On schaden gieng der kampff nicht ab.
Bey Fidena sich eins begab
Zu kayser Tyberii zeyt,
Das einfiel ein spiel-hauß gar weyt,
Zwaintzig tausent menschen erschlug,
So zu-sahen dem kampffe klug.
Nachdem aber die groß stat Rom
Zu christlichem gelauben kom,
Wuden abgelaint (abgelehnt) die kampff-spiel,
Dieweil es kostet blutes viel
Wider christlich ordnung und lieb.
Dennoch ein stück vom kampff noch blieb.
Viel held kempfften in freyem feld
Und rietten zamb inn finster weld,
Als Eck unnd der alt Hillebrand,
Laurein, hürnen Sewfrid genandt,
König Fasolt und Dietrich von Bern,
Theten einander kamff gewern,
Als zu erlangen preiß und ehr.
Dergleich vor kurtzer zeyt noch meer
War noch der rbauch beym teutschen adel,
Wo einer fand am andern dadel,
So erfordert er in zum kempffen,
Da einer thet den andern dempffen,
Ghrüst zu roß inn feld oder schrancken.
Wer lag, der lag, an (on) alles zancken.
Zu fuß man auch der zeyt noch kempffet.
Gerüst eyner den andren dempffet
Inn drey wehren, schwerd, dolch und spieß,
Wo einer auff den andern stieß,
Verwundet oder gar umb-bracht.
Dergleichen man scharff und nackat facht,
Inn wamas, hembd, mit einem schilt.
Solchs als ist worden abgestilt,
Das solche kempff verbotten hat
Römisch kayserlich mayestat,
Maximilianus, der thewer,
Auß christenlicher liebe fewer
Als ein unchristenliche that.
Darauß denn kam gar viel unrath
An leyb und auch an seel groß schaden
Und hat mit freyheyt thun begnaden
Fechten, die ritterliche kunst,
Darzu er denn hat sunder gunst,
Das er auch kund zu guter maß,
Und hat privelegieret das,
Des die meister von der geschicht
Ein ordnung haben auffgericht,
Sanct Marxen bruderschafft genendt,
Inn tetutschem land yetz weyt erkendt.
Welcher will maister sein des schwerts
Inn diesem ritterlichen schertz,
Der selb in die herbst-meß allein
Ziech hin gen Franckfurt an den Main!
Alda wirt er examiniert,
Von den maystern des schwerts probiert,
In allen stückn hie unberürt,
Was eynem meister zu-gebürt,
Fechtens kunst den verborgnen kern,
Kan er des maisterlich bewern,
Als-denn man in zu maister schlecht,
Sanct Marxen bruderschafft entpfecht.
Nach dem mag er auch fechtschuln halten,
Auch schuler lehrn und verwalten
Inn allen ritterlichen wehrn,
Erstlich im langen schwerdt mit ehrn,
Messer, spieß und der stangen warten,
Im dollich und der hellen-parten,
Iedlichs nach art mit seynen stücken,
So mag in ehren im gelücken,
Wo er schul helt im gantzen reich,
In fürsten-stetten der-geleich,
Durch-auß im gantzen teutschen land.
Ich sprach: Wie sind die stück genandt,
Die man muß leren im anfang?
Er sprach: Der kunst zu eym eingang
Lehrt man öber- unnd under-haw,
Mittel und flügel-haw genaw,
Auch geschlossen und einfachen sturtz,
Den tritt darzu, auch lert man kurtz
Den bossen und ein auffheben,
Außgeng und nieder-setzen eben.
Ich bat: Lieber mayster, zeygt an!
Wie nendt man die stück vor dem man?
Er sprach: Ob ich dirs gleich thu nennen,
Kanst du die stück ons werck nicht kennen,
Weil du nit hast gelert die kunst.
Doch ich dir auß besunder gunst
Etlich hew und stück nennen will,
Die maisterlich sind und subtil.
Der zorn-haw und krump-haw (schaw!)
Zwerch-haw, schiller-haw, scheytlter-haw,
Wunder-versatzung und nach-raysen,
Uberlauff, durchwechsel etlich hayssen,
Schneiden, hawen, stich im winden,
Abschneyden, hengen und anbinden.
Die kunst helt in vier leger klug
Alber, tag, ochs und den pflug.
Noch sind der stück viel alle sander,
Das immer eynes bricht das ander.
Doch in dem alln ein fechter (merck!)
Auff die vier bloß, auff schwech und sterck
Der höchsten rhur all mal war nemb,
Sein zoren selber breche und zem.
Noch sind verhanden vil kampff-stück,
Wie man ein werffen sol an rück,
Bain-brüch, hodn-stöß und arm-brechen,
Mord-stöß finger-brüch, zum-gsicht-stechen.
Ich sprach: Ich bitt euch, sagt mir auch,
Weil kempffen nit mehr ist im brauch,
Was ist die kunst des fechtens nütz?
Er sprach: Deiner frag bin ich urdrütz.
Laß fechtn gleich nur ein kurtzweil sein,
Ist doch die kunst löblich und fein,
Adelich, wie stechn und thruniern,
Als sayten-spiel, singen, quintiern.
Vor frawen, rittern und vor knechten,
Wo man ein lustig spiegel-fechten
Ziert mit manchem artlichen sprung,
Das erfrewet noch alt und jung.
Auch macht fechten, wer es wol kan,
Hurtig und thetig ein jungen man,
Geschickt und rund, leicht und gering,
Gelenck, fertig zu allem ding,
gehen dem Feind bhertzt und unverzagt,
Dapffer und keck, ders manlich wagt,
Kün und großmütig in dem krieg,
Zu gewinnen lob, ehr und sieg,
Macht mit im keck ander wol hundert.
On not des fechtens kunst dich wundert,
Weil auch erlangt die ehrlich kunst
Bey fürstn und herrn gnad und gunst,
Provision und dienst alzeyt.
Auch wirt mancher fechter gefreyt
Von fürstn oder königklich mayestat,
Das er macht, schul zu halten, hat,
Samb er ein gschlagner mayster sey.
Mein freund, nun hast vermercket bey
Mit kurtzen worten gar genung
Der löblichen kunst uresprung,
In grosser wirrd gehalten lang,
Auch wie sie yetzund sey im gang,
Darmit manicher meister mehr
Erlanget gleich den alten ehr.
Das die kunst zu-nemb, plü und wachs
In ehr und preiß, das wünscht Hans Sachs.
Anno salutis 1545, am 25 tag Julii
Aus: Keller, Adelbert (Hrsg.): Hans Sachs: Werke. Band 4. Laupp, Tübingen 1870, S. 209-215.
"Die Fechtkunst überhaupt gründet sich auf zwei mathematischen Lehren. Das Stossfechten auf die Lehre vom Hebel, und das Hiebfechten auf die Lehre vom Pendel."