Montag, 6. Mai 2013

Johann Andreas Schmidts "Lectiones vom Hieb" in englischer Übersetzung

Eine englischsprachige Übersetzung von Johann Andreas Schmidts Lectiones vom Hieb aus seinem Buch Leib-beschirmende und Feinden Trotz-bietende Fecht-Kunst ist seit heute zugänglich. Autor ist Reinier van Noort.

What follows is an English translation of the second part of Johann Andreas Schmidt's treatise “Leib-beschirmende und Feinden Trotz-bietende Fecht-kunst, as it was published in Nürnberg in 1713. This treatise was republished several times, under different titles, up to at least 1780. The translation is based on a transcription of the scans made available by the Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt.



Samstag, 20. April 2013

Ins Stammbuch (1)

"Theoretische Formeln sind stets intransigent; in der Fechtkunst bildet ihre unbeugsame Strenge häufig ein Hindernis für den Fortschritt, da sie eben nicht mit den physischen Eigenschaften rechnet, welche der Einzelne mitbringt, und die, so mannigfach sie auch sind, alle eine grössere oder geringere Mangelhaftigkeit gemeinsam haben. Man kann diese Schwierigkeit nur daduch beheben, dass man den starren Regeln eine gewisse Elasticität verleiht: man passe sie der Individualität, den natürlichen Hilfsquellen des Fechters an. Denn es ist irrig, zu glauben, man könne durch das Studium die Macht derselben überwinden, ebenso wie die Ansicht falsch ist, man müsse, um zu einer gewissen Vollendung im Fechten zu gelangen, vor allem Anderen seine Fehler ablegen; diese verschwinden erst mit dem Fortschreiten im Können, mit der Erschliessung neuer Hilfsquellen, und wer diese Reihenfolge umzukehren wünscht, der schlägt einen falschen Weg ein."
- Cav. Luigi Barbasetti in: Das Säbelfechten (Wien, 1899)

Montag, 15. April 2013

Bilder aus vier Jahrhunderten Fechtkunst

Eine Galerie von Jeannette Acosta-Martinez bei Pinterest trägt mehr als 50 Zeichnungen, Gemälde und Fotografien aus vier Jahrhunderten der Geschichte des Fechtens zusammen.

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Die Sammlung wir ständig erweitert.

Sonntag, 7. April 2013

Pugilism in der Literatur: Rudyard Kiplings "The Incarnation Of Krishna Mulvaney"

'Jock,' said Mulvaney without answering, as he stirred up the sleeper.
'Jock, can ye fight? Will ye fight?'

Mulvaney, Learoyd und Ortheris sind als Soldaten der britischen Armee in Indien unzertrennliche Freunde.

"Once upon a time, very far from England, there lived three men who loved each other so greatly that neither man nor woman could come between them. They were in no sense refined, nor to be admitted to the outer-door mats of decent folk, because they happened to be private soldiers in Her Majesty’s Army; and private soldiers of our service have small time for self-culture. Their duty is to keep themselves and their accoutrements specklessly clean, to refrain from getting drunk more often than is necessary, to obey their superiors, and to pray for a war. All these things my friends accomplished; and of their own motion threw in some fighting—work for which the Army Regulations did not call."

Weil sie das Bier lieben, aber ständig pleite sind, kommen sie auf die Idee, dem betrügerischen Eisenbahnbauaufseher Dearsley einen wertvollen antiken Palankin (Sänfte) abzujagen und ihn zu Geld zu machen. Um den Palankin in ihren Besitz zu bringen, fordern sie Dearsley zu einem Boxkampf über mehrere Runden heraus...
Die Kurzgeschichte "The Incarnation Of Krishna Mulvaney" erschien zuerst 1889 in 'Macmillan’s Magazine'.

Samstag, 2. März 2013

"Wann ein Grosser mit einem Kleinen zu thun" etc. - Gegnerspezifik bei Johann Andreas Schmidt

Der Fechtmeister Johann Andreas Schmidt diskutierte in seiner „Leib-beschirmende und Feinden Trotz-bietende Fecht-Kunst“ (zuerst 1713 in Nürnberg) in Abteilung vier, Kapitel XVI das bewegungstaktische Verhalten „eines Grossen und eines Kleinen / eines Starcken und eines Schwachen / eines überhäuften Courageusen und eines Furchtsamen“. Schmidt legte das Kapitel „in Frag und Antwort eingetheilet“ an und stellte darin dar, "wie sich beyde Theile bey einer Action, im Fechten / erweisen sollen."

1.
Wann ein Grosser mit einem Kleinen zu thun / wie er seinen Vortheil im Fechten in acht nehmen soll?

Wann ein Grosser mit einem Kleinen zu thun hat; soll er seinen Vortheil in so weit vorstehen / daß er / weil er viel grösser ist / auch weiter weichen könne / sowol wegen seiner Grösse / als auch weil er den Leib besser überlegen kan / welche Uberbiegung dann ihm so weit für hilfft / daß er seinen Feind / dieser aber ihn nicht treffen kan; dann dieses muß ein Grosser wol in acht nehmen / daß / wann er nur seine Mensur zuerst erlanget hat / und der Kleine / um des Grossen Klinge zu stringiren / fort- oder zu-rücket / es ein Tempo sey / darinnen der Grosse den Kleinen verletzen / oder duch eine Finta in Unordnung bringen könne / indem er ihm zeiget / daß er das tempo, da sich der Kleine beweget / in acht genommen / und in die Blösse / welche er wird gemacht haben / als er hat wollen nach der Klinge gehen / treffen / auch alsobald wieder darauf die mensur brechen / da er sich dann so weit wird entfernet finden / daß der Kleine nicht wird anreichen können; Oder wann er ja von besagtem nichts zu Werck bringen könnte / soll er sich / indem er immer um so viel / als der Kleine zurücket / die Mensur bricht / daß er ihn nicht lasse zu seinem Zweck gelangen / so lange aufhalten / bis sich Gelegenheit eräugnet / entweder zu stossen / oder ihn anderswo in Botmässigkeit zu bringen. In allen diesen Würckungen / darff er nicht paßiren / nur muß er / wann etwan der Kleine paßirete / den Leib ausser Gefahr der Presenz bringen / und die Mensur brechen / daß derselbe nicht paßiren könne / er sey dann von der Spitze aufgehalten / und getroffen / so wird ihm bald der Lust zum Paßiren vergehen.

2.
Was hat der Kleine wegen seines Vortheils in acht zu nehmen / wann er mit einem Grossen zu thun?

Obwohl der Grosse einen grossen Vortheil der Linie hat; dennoch weil seine Bewegungen sehr langsam und mit grossen Blössen gemacht werden / kan er nicht so wol aus der Presenz fallen; ja weil das Ziel-Mal / darnach man stösset / viel grösser; bringet es dem Kleinen einen grossen Vortheil zum Verletzen / wann er sonderlich sich wol in seiner Mensur zu practiciren weiß: Denn weil ihn seine Klinge mehr bedecket er auch / um sich zu beschützen / nicht so grosse Bewegungen bedarff / ja weil er die gröste Gefahr / nemlich des Feindes Spitze ehe / als der Feind die seinige paßiret ist / auch seine Blössen viel kleiner sind; ist er weniger Gefahr unterworffen / und sind drum alle seine Würckungen viel sicherer als des Grossen seine.

3.
Was aber ein Starcker für Vortheile gegen einen Schwachen hat / ist vorher schon an sich selbsten genugsam bekant: doch magman sich wol in acht nehmen / und behutsam gehen / daß wann man des Schwachen Klinge stringiret / man nicht zu weitläuffig gehe / und zu viel Blösse gebe / damit der Schwache nicht a tempo gehe / und ihn also verletze.

4.
Was hat ein Schwacher in acht zu nehmen / wann er mit einem Starcken zu thun?

Ein Schwacher muß des Starcken Klinge allezeit meiden / und seine nicht finden lassen / viel weniger dem Starcken / wann er stossen will / zu pariren entgegen gehen: Sondern muß nur mit Wendung oder Retirirung des Leibes / die Stösse vermeiden / seine Klinge allezeit ffrey behalten / auch sich nicht zu viel wagen / dem Feinde sich zu nähern; hingegen soll ein Schwacher allezeit dem Feinde die Spitze vor- und entgegen halten / auf daß derselbe nicht paßiren könne / auch seich in de weiten Mensur erhalten / und seine Klinge nicht finden lassen / jedoch kan er dem Starcken wol / auf unterschiedene Art / durch ein betrüglich Tempo zum Stoß locken / oder sich stellen / als wolte er ihm die Klinge geben / auf daß / wann er nun meinet / er habe sie gewiß / und sich darum in selbigem Tempo beweget / er ein wenig die Mensur breche / und in die Blösse / so der Starkce alsdann gibet / stosse.

5.
Was zu thun / wann mit einem Jähzornigen oder überhäuften Courageusen zu thun hat?

Wann man mit einem Jähzornigen oder überhäuften Courageusen zu schaffen hat / soll man ihn anreitzen und angreiffen / daß er drauf loß gehe / auf daß man / indem er so zugehet / einen Vortheil ersehen / und ihn treffen könne; Aber es ist nicht gut / daß sich einer bemühet / auf solchen Fall hinein zu gehen / damit er nicht ohne einigen Vortheil des Degens mit ihm vom Fechten zum Ringen gerathe; Sondern er soll ihm vielmehr in seiner Künheit helffen / indem er ihm Gelegenheit gibt / damit er desto eher und leichter verfalle / in welchem Verfallen einer dann wider ihn gehen / und würcken / oder nach begebendem Fall / sich retiriren kan / auf daß einer sich selbst beschützen / und in selbigem tempo, ehe der Verwegene paßiret ist / ihn verletzen möge.

6.
Was zu thun / wann einer mit einem Furchtsamen zu schaffen?

Wann einer mit einem Furchtsamen / Trägen / oder auch mit einem Schleich-Fuchse zu thun / welcher nur auf den andern lauret / kan er denselben wol angreiffen / jedoch mit solcher Vorsichtigkeit / daß er nicht betrogen werde: Dann es wird einer vielmals wegen des Eifers und Verlangens / den andern zu treffen / indem er glaubet / es sey bey dem Feinde anders nicht zu thun / als daß man ihm eine Furcht einjage / selbst getroffen / da sich einer hergegen / wann er des andern erwartet / oder sein gemach und behutsam gehet / viel leichter schützen und den andern verletzen kan.

Auseinandersetzungen mit der Gegnerspezifik: Andere Autoren
Über spezifische Bewegungstaktik im Gefecht, die die Physis und das Verhalten des Gegners als Bezugspunkt nehmen, schreiben in jeweils gesonderten Kapiteln ihrer Bücher auch Salvator Fabris in "Lo Schermo, overo Scienza d’Arme" von 1606 (das Johann Andreas Schmidt in der Typisierung als Vorbild dient, vgl. die Hynitz'sche Übersetzung aus dem Jahr 1713) und Theodor Verolini in "Der künstliche Fechter" von 1679.

Montag, 28. Januar 2013

„Derenthalben ist hie auch etwas Aufmerkung zu haben / auf die Eygenschaft der Menschen“ - Die vier Fechtertypen bei Theodor Verolini (1679)

Der Fechtmeister Theodor Verolini schrieb im Rappier-Teil seines Fechtbuches „Der künstliche Fechter [...] Kurtzte / jedoch klare Beschreibung Der Freyen Ritterlichen und Adelichen Kunst des Fechtens Im Rappier / Dusacken und Schwerd / Wie dann auch mit angehängter Ring=Kunst“ von 1679 mehrere Absätze über gegnerspezifische Fechtanweisungen nieder:

Vom Fechten im Rappier /
auch in Ordnung solches Fechten
beschrieben wird.

[...]
Derenthalben ist hie auch etwas Aufmerkung zu haben / auf die Eygenschaft der Menschen / welche dan in dieser Fecht-Kunst artlich können in vier Theil getheilt werden / und sich nach fleissigem Aufmerken also viererley Fechter finden / damit du aber solchen nützlichem nachzudencken Anleitung haben magst / wil ich dir die erstlich erzehle / und demnach wie du dich gegen deren einem jeden halten solt / eine kurze Lehr un Regel geben und setzen.

Und seynd die ersten diese / welche so bald sie den Mann im Zufechten erlangen können / den Rechten mit Ungestüm herhauen und stechen / die andern sseind etwas bescheidner / und greiffen nit zu grob an / sondern wan sich einer Verhauen / Verfallen / oder sonsten ihme durch Wechseln versaumbt hette / Reisen sie und folgen der nechsten gegebenen Blöß eylen nach / die dritten hauen nicht ehe zur Blöß / sie haben dann dieselben nicht allein gewiss / sondern habe auch acht / ob sie auch von desselbigen zulangen des Hiebes wider sicher in ein Versatzung / oder zum Wehrstreichen erholen können / mit welchen ichs auch allermeist halte / doch nach dem mein Gegenfechter ist / die Vierdten schicken sich in ein Hut / und warten also auff des Manns-Stück / welche seynd entweder Alber oder gar Schamper / dann wer auff eines andern Stuck warten will / muß geschickt auch wol geübt und erfahren seyn / sonst wird er nit viel außrichten.
Also wie nun die ersten Ungestüm und etwan Thumkien / und wie man zu sagen pflegt doll / die andern listig und schampffer / die dritten fürsichtig un betrieglich / die vierdten gleich alber / Also must du dich deren aller vier auch selbst anmassen und geschickt machen / auf daß du den Man etwann mit Ungestüm / etwan mit List / etwan mit vorsichtigem Aufmercken betriegen könest / oder auch mit albern Schäden anreizest / verführest / und ihme also nicht allein umb seine fürgenommene Stuck betriegest / sondern auch dir hiermit zur Blöß raumest und Platz machest / damit du ihm die Dester sicherer rühren und treffen könnest.

Nun gegen die ersten Fechter schicke dich also / wann du merckest daß dich einer im Angriff also mit hartem hauen und stechen übereylen un dich übertringen will / so versetz ihm sein Hau oder Stich mit ausgestrecktem Arm / auf dein lange Schneid / nahet bey deine Gefäß in die Stärcke / und wende ihm also dein Gefäß gegem alle seine herfliegenden Häuw und Stich / doch das du in solchem Versetzen nit zu weit aus dem Langen ort / von deinem Gesicht zur Seiten ausfahrest / dann je Strecker du in solchem Abwenden mit deinem Gefäß vor deinem Gesicht bleibest / je besser es ist / und entzeuche allezeit deinen Kopf un Gesicht von seiner Klingen hinder die deine / und in dem du ihm also sein Hau unnd Stich aufhälst / so mercke fleissig ob di ihm die Versatzunge im andern dritten oder vierdten Hau entzucken mögest / mit einem Abtritt zurück / daß er sich mit seine Hau oder Stich verfehlet / alsdann stich oder haue eben indem er noch im verfallen ist / oder ehe er sich wider erholt / behendiglich nach / dan welche also Ungestüm mit hauen und stchen auf dich hinein stürmen / denen soltu allwegen im Langen ort / oder gerader Versatzung begegnen, auch ihme am ersten etwas nachgeben und weichen / doch daß du gleichwol alle Häuw und Stich von dir auftragest/austragest und abwendest /alsdann wann er schier müd unbesunnen oder sicher worden ist / und du deinen Vortheil ersehen hast / so folge behändiglich und fürsichtig nach / dann je mehr du weichest / je ungestümer er wird / je leichter du ihn vervortheilen kanst / doch daß du hiemit nichts aus dem Vortheile tringen lassest / dann welcher so ungestüm von sich hauet / der hat sich bald verhauen.

Gegen die aber welche nicht also Ungestüm im Vor-hinein Fechten / sondern im nahe auf des Mans Vor-hinein Fechten acht nemmen / gegen dieselbigen schicke dich im Zufechten in der Huten eine / alsdann Wechsel vor ihme mit Fürsichtigkeit aus einer Hut in die andere / und beute ihm eine Blös nach der andern dar / doch daß das Orth allwegen vor ihm bleib / allerdings wie hiervor vom Abwechseln gesagt / alsbald er dir unterdeß zusticht oder hauet / so fall ihm mit Absetzen oder Dämpffen darauf / und eyl im bald der geöffneten Blöß zu.

Gegen die dritten Fechter Practicier also / wan du merckest daß dein Gegenfechter nit zu erst hauen / noch der Blössen bald zueylt / er hab sie dann gewiß / so schicke dich im Zufechten in die Nebenhut / oder Wechsel verharn einkleine Weil darin / als wolltest du auff seine Stuck warten / indessen aber gehe aus der Undernhut / wider übersich / und stell dich als wolltest du in die Oberhut verwechseln / wann du schier in der Oberhut ankomen bist / so verwende dein Wehr in eyl zum Streich / haue also eylends ehe er sich des versicht / der nechsten Blöß zu durch / mit außgestrecktem Arm / damit du dich abermals blössest / welcher Blöß er er ohn zweiffel bald (dieweil du ihme die / also durch einen ohnversehenen Streich dargebotten hast) eylends zuhauen wird / thut er solches so setz ihm ab / und Arbeit fort zur Blöß / hauen er nicht / so stich deinem vollbrachten Hau bald ein starcken Stich nach / dieses ist ein geschwinder Betrug / daß du dich mit Gebärden stellest / als wolltest du erst lang von im aus einem Leger in das ander gehen / und thust es auch zum Theil / aber wann du schier mit deine Wehr zu der fürgenommenen Oberhut ankommest / und ersihest indeß dem Gelegenheit / so verwende dein Wehr ehe dann du vollkommen in das Leger kommest zu einem Streich.

So viel aber die vierdten Fechter belanget / sich gegen sie anzuschicken, daß findest du in bisher gelehrten Stucken durchaus. Also soltu nun auf deines Gegenmanns Gewohnheit Art und Natur achtung geben / dadurch sein fürnehmen zu erkennen / damit du einem jeden nach Gelegenheit zu begegnen wissest, letztlich so soltu allwegen drey Häuw fleisig in acht haben / also daß du mit dem einen Reitzest / mit dem andern Remest / Versetzest / und mit dem dritten Treffest.

Exempel
Wann du nun gegen deinem Widerpart herfichst / und wilt ihn am ersten Mannlichen angreifen / so mustu ihm der Blösse also zuhauen / damit du dich selber nicht in Gefahr gebest / darumb dieweil er so in seinem Vortheil stehet / sonder haue den Ersten schlims / entweders durch sein Wehr oder Leib / damit du ihn mit solchem Hau aufbringest / und aus seinem Vortheil zu gegen abreißest / alsbald er demnach auffgehet unnd hersticht / so nimme ihm mit deinem andern Hau sein herkomenden Hau oder Stich hinweg / und haue oder stich ihm zum dritten behänd / ehe dann er sich von seinem genommenen Streich wieder erholet zum Leib / wilt du nun / oder ist dir nöthig / dieweil du dich mit deinem ernstlichen Nachhauen blössen mußt / so nimme die zwen schlimmen Häuw durchs Kreutz auch für / dich ferner damit zu beschützen / und wider zu erholen.
Hauet er aber erstlich / so nimme ihm seine herfliegende Klingen mit dem ersten / und wo es nöthig ist / auch mit dem andern, seinen andern, und wann du ihn fühlest gnugsam geschwächt zu seyn / so haue und stiche ihm alsdann zum andern behändiglich nach / beschirme dich demnach zum dritten / und erhole dich wieder mit Wehrstreichen / also will ich hiebey bleiben lasen / und mit diesem folgenden Stuck beschließen.
Wann du mit vorher geführter Versatzung für den Mann komest / der nicht alsbald hauen noch stechen will / dem haue /doch daß du mit dem rechten Fuß allzeit vor bleibest) den Ersten schlims überorth durch sein rechte Achsel / auff daß du mit solchem Hau in die rechte Underhut verfallest / und also deinen obern Leib bloß darbietest / welcher Blöß er behändiglich zueylen wird / denselbe seinen herfliegenden Stich / schlage ihm von deiner Rechten gegen deiner Linken starck aus / und haue zum Dritten von deiner Lincken überzwerch durch seine Rechte / auch ein Mittelhau durch sein Gesicht / gilt gleich ob daß mit halber Schneid oder Fleche vollbracht werde / in diesem Mittelhau lasse dein Klingen umb den Kopf fahren / und haue den Vierdten abermals schlims überort durch sein rechte Achsel / auff diesen haue behänd den Fünfften / auch schlims durch sein lincke Achsel / mit welchem Hau kombstu in die lincke Underhut / von deren nimm gewaltiglich und starck mit halber Schneide durch seine Rechte übersich aus / unnd stich ihm nach dem du dem Rappier ober deinem Kopf in die recht Oberhut umb verschwingen hast lassen / grimiglich von oben gegen seinem Gesicht.

Über "Der künstliche Fechter":
Das Fechtbuch ist von Theodor Verolini in vier Teile (Schwert, Dussack, Rappier, Ringen) untergliedert worden und zählt insgesamt 27 Seiten Text [Schwert: 5, Dussack: 5, Rappier: 9, Ringen: 8] und 111 Seiten Illustrationen [Schwert: 15, Dussack: 14, Rappier: 10, Ringen: 72]. Erschienen ist es 1679 im fränkischen Würzburg beim Buchdrucker Joann Bencard. Der Fechtmeister Verolini orientierte sich in "Der künstliche Fechter" bei langem Schwert, Dussack und Rappier in Inhalt und Illustrationen stark an Joachim Meyer (“Gründliche Beschreibung der freyen Ritterlichen und Adelichen kunst des Fechtens”, Straßburg 1570 und Manger, Augsburg 1600). Für seinen Ringteil übernahm er einen Widenmann-Nachdruck (mehrere seit 1675) von Nicolaes Petters Buch (“Klare Onderrichtinge der Voortreffelijcke Worstel-Konst", bei Johannes Janssonius van Waesberge, Amsterdam 1674) (vgl. dazu Wassmannssdorff: "RingKunst" 1887, S. 5 [pdf]).

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Buchneuerscheinung: Persian Archery and Swordsmanship

Das Buch 'Persian Archery and Swordsmanship: Historical Martial Arts of Iran' von Manouchehr Moshtagh Khorasani erscheint dieser Tage.

Auszüge zur Ansicht: 1, 2, 3

Hintergründe zum Buch

Interview des Buchautors mit Fechtgeschichte im Oktober im Vorfeld der Publikation

Buchinformationen:
Manouchehr Moshtagh Khorasani
Persian Archery and Swordsmanship: Historical Martial Arts of Iran
Niloufar Books
392 Seiten, mehr als 2.000 Abbildungen
Preis:  120,00 €