Dienstag, 15. November 2016

Salvator Fabris und Conrad Ernst von Berlepsch - Ein Eintrag ins Stammbuch (Paris, 1609)

von Dorothee Nau und Jan Schäfer

Das Stammbuch, insbesondere das der frühen Neuzeit, ist „ein Buch, welches dazu bestimmt ist, daß Verwandte, Freunde u. Bekannte des Besitzers ihren Namen eigenhändig in dasselbe, gewöhnlich nebst einem Denkspruch, einer Zeichnung etc., als Erinnerungszeichen eintragen“. (1) Im Stammbuch des Conrad Ernst von Berlepsch (1588-1659) finden wir einen Denkspruch, eine Widmung und eine Zeichnung einer uns nur allzu bekannten Persönlichkeit wieder: Salvator Fabris. (2) Es handelt sich um einen kurzen Texteintrag sowie die Zeichnung eines voltigierenden Edelmannes. Datiert ist er auf Paris, den 20.08.1609.

Bildquelle: Stammbuch des Conrad Ernst von Berlepsch, S.279, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Signatur: Mscr.Dresd.App.2547. SLUB Dresden / Deutsche Fotothek.

Der Text:
„1609
Virtutte est Armis
in memoria di buona amecitia con il Sre Conrado a Berlips io Salvator Fabris scrisi in questo nella citta di Parisi adi 20 Agosto“
Übersetzt: 

"1609
Mit Tapferkeit und mit Waffen
In Erinnerung an die gute Freundschaft mit Conrad von Berlepsch habe ich, Salvatore Fabris, in dieses in der Stadt Paris geschrieben, 20. August" (3)


Bildquelle: Stammbuch des Conrad Ernst von Berlepsch, S.280, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Signatur: Mscr.Dresd.App.2547. SLUB Dresden / Deutsche Fotothek.

Die Zeichnung auf der gegenüberliegenden Seite ist angehäuft mit Hinweisen auf ritterliche Exercitien: Ein Mann voltigiert auf einem hölzernen Pferd, das höhenverstellbar ist (Voltigieren), an der Wand rechts ein Paar Rapiere mit Dolchen (Fechten), mittig und links eine Wandhalterung für Fahne (Fahne schwingen), einem Stab und einem aufgehängtes Seil, ganz links ein Holzbrett oder eine Tischplatte.

Exkurs: Dass Fabris in Paris war, erfahren wir auch aus dem Fechtbuch des Joachim Köppe:

„Diese will ich gebeten haben / sie wollen dieses mein Buch gegen des Salvators oder anderer Bucher legen / so wird sich leicht befinden / ob ich diß mein Buch proprio judicio und auß eigener Kunst gemachet und verfertiget / oder aber / ob ichs auß andern entlehnet habe. Und ob ich zwar etwas vom Salvator und seinem Buche / (Welches ich von ihm zu Paris selbsten empfangen) möchte gelernet und meine Kunst damit gemehret haben / kan mir solches doch kein Ehrlicher / Auffrichtiger Mann / für ein unzimlich Stück halten / wenn ich dessen in meinem Buche mir auch gebraucht hette.“ (4)

Zurück zum Stammbucheintrag ergeben sich aus dessen Fund einige daran anknüpfende Fragestellungen:
  • Hat Conrad Ernst von Berlepsch in Paris studiert?
  • Was tat Salvator Fabris 1609 in Paris?
  • Könnten der Sinnspruch „Virtutte est Armis“, die Widmung und die Zeichnung, welche mit Attributen körperlicher Ausbildung ausgestattet ist, darauf hindeuten, dass Fabris um 1609 in Paris dem Herrn von Berlepsch Unterricht gab?
  • Stammt die außerordentlich professionell wirkende Zeichnung aus der Hand von Fabris selbst oder wurde hierfür ein Zeichner beauftragt?
  • Welche Verbindung besteht zum  Namensvetter Christian Günther von Berlepsch, der in einer persönlichen Handschrift auch Notizen über das Fechten hinterließ?

Anmerkungen:

(1) Siehe: Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 678.
(2) Vgl.: Kalliope, Abruf: 27.10.2016
(3) Vielen Dank an Almut Bick und Katja Schindler für die Hilfe bei der Übersetzung
(4) Vollständige Transkription des gesamten Werkes durch Reinier van Noort, Abruf: 27.10.2016

Vielen Dank an dieser Stelle an die SLUB Dresden und die Abteilung Deutsche Fotothek für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung der beiden Bilder.

Edit (16.11.2016): Transkription korrgiert. In der alten Version war das "io Salvator Fabris scrisi" vergessen. In der Übersetzung war es bereits enthalten.

Mittwoch, 9. November 2016

„Anweisung zur Fechtkunst“ von Heinrich Christoph Ranis. Eine Rezension aus dem Jahr 1772

von Jan Schäfer

In der „Allgemeinen Deutschen Bibliothek“ (18. Band, verlegt bei Friedrich Nicolai, Berlin und Stettin, 1772) wird das Fechtbuch von Christoph Ranis besprochen.

Der Text:
„Heinrich Christoph Ranis, Königl. Commissarii und Fechtmeisters Anweisung zur Fechtkunst. Mit Kupfern. Berlin, bey Mylius 1771. 8.

Wir haben in Deutschland noch kein Buch von dieser Art, das mit gleicher Gründlichkeit und Deutlichkeit geschrieben wäre. Unter solchen Händen bekommt diese Kunst erst einen wissenschaftlichen Ton. Der Verfasser zeigt hier die wahren Vorzüge der deutschen Fechtkunst vor der französischen und italienischen.
Der Franzose hält den Degen nicht fest, er kennt die rechte mensur nicht, und weiß sie auch nicht zu gebrauchen; er sucht seine Vertheidigung allein in dem gestreckten Lager, wozu er doch den Degen nicht feste genug hält, deswegen kann er auch die deutschen festen simplen oder gar festen Contratempostöße nicht parrien; er sucht eine Zierde in dem Paßiren der klinge bey den Cavationen oberhalb der feindlichen Klinge, welches der Deutsche, als eine falsche Bewegung, wie de Pest fliehet: der Franzose sucht eine grosse Vertheidigung im Schreyen, Springen und Laufen, der Deutsche aber in der Gelassenheit; der Franzose lauft nach dem Angriffe anstatt contra zu stoßen; stößt zwar ins Tempo, aber nicht wie der Deutsche, nach geschehener Parade, sondern indem der andere stößt, stößt er auf blindes Glück zugleich mit. Bey dieser Gelegenheit macht der Verfasser Girards Traité des armes 1740. lächerlich. Mit dem Italiener ist er zwar überhaupt besser zufrieden, aber er tadelt doch vieles an ihm, insbesondere daß er die Sekonde oft so stößt, daß er sich mit der lincken Hand bis zur Erde dabey stellt und auch wohl eine Hand voll Sand aufnimmt, um sie nach dem Gegner zu werfen, und noch mehr anders.
Den wahren Grund, auf welchen die Fechtkunst, oder vielmehr die Nothwendigkeit, sie zu erlernen, beruhet, setzet der Verfasser in dem edelsten Gedanken, wie er ihn nennet, sich zu vertheidigen, und den Gegner unfähig zu machen, daß er nicht schaden kann, keineswegs aber ihn oder zugleich sich selbst unglücklich zu machen.
<Seite 636> Wir bewundern das gute Geschicke, mit welchem dieser Verfasser seinen Gegenstand behandelt, und verzeihen ihm daher gerne den ernstlichen Ton, den er daby annimmt, diese Kunst als ein Studium zu behandeln, wobey der Lehrmeister das Blut seiner Schüler zu verantworten hätte.
Wir glauben, daß der Fechten für das menschliche leben keinen andern Nutzen habe, als um die Gesundheit zu erhalten, und sich eine angenehme Veränderung zu machen, die von den Ergötzlichkeiten des Pöbels unterschieden ist, eine Leibesübung, die mit dem Caroussel=Reiten, dem Scheibenschiessen, dem Ballschlagen, dem Billardspiele, dem Tanzen unter eine Klasse gehört.
Der Caroussel=Reiter wird nie in den Fall kommen, einen lebendigen Türkenkopf anzuspießen, und der beste Scheibenschütze kann einen Hasen oder Vogel verfehlen; der beste Fechter ist decontenancirt, wenn er anstatt des Rappiers den Degen nehmen soll, wo ihm die Spitze nicht mehr so deutlich ist. Also mag es wohl immer seyn, einer solchen Wissenschft einen gewissen Methodischen Ton zu geben; aber den nutzen davon ernstlich auf die Vertheidigung gegen das menschliche Geschlecht anzuwenden, das möchte wohl in unsern menschlichen Tagen spät seyn.
Man bringe die Duellmandate zur Vollstreckung, dann braucht man nie anders als mit dem Rappier zu fechten. Jndessen wenn gleich dieses bisher nicht überall möglich gewesen ist, so liefe es doch immer darauf hinaus, daß die junge Leute auf dem Fechtboden in der Kunst unterrichtet werden müsten, die Duellmandate zu brechen; denn ob man schon z. E. die Ehebrüche durch die dagegen vorhandene Mandate auch nicht abstellen kan, so wird man doch keine öffentliche Schulen ans legen, die Ehe brechen zu lehren, sondern was auch immer den Schein davon haben möchte, das sind angenehme Veränderungen und Uebungen in einem sanften Umgange mit dem schönen Geschlechte und dergleichen.
Also, wir bleiben dabey, daß die Fechtkunst unter den Menschen keine größere Moralität habe, als das Billiard, nämlich, die Gesundheit und eine angenehme Veränderung; denn sobald die Parteyen sich feindlich ansehen, das ist, Schimpf in Ernst verwandeln, dann hören die strengen Regeln der Fechtkunst auf, dann kann freylich ein Theil den andern erstechen,
<Seite 637> aber in einem solchen Falle kann er ihm auch die Billiardkugel an den Kopf werfen, inter arma silent leges.

Mz.“

Zum Nachlesen:


Dienstag, 18. Oktober 2016

Nordhausen, Leipzig, Himmel: Die Leichenpredigt für den Exercitienmeister Johann Joachim Hynitzsch

von Jan Schäfer

Unter dem Titel 
„Das Jn der Welt vergeblich=gesuchte in Himmel aber gefundene Vaterland Der Kinder Gottes Aus II. Cor. v. 8. 9. Hat beyder Wohlansehnlichen Leichenbegräbnüs Des Wohl=Edlen / Hochachtbahren= und Wohl=Mannvesten Herren / Herren Joh: Joachim Hynitzsch / Berühmten Krieges Exercitien-Meisters / und Wohlverdienten StadtLieutenants in Leipzig / Welcher am 7. Novemb. a. c. Morgens um 9. Uhr / im 70. Jahr seines Alters / sanfft und seelig verschied / Und am 10. ejusd. Zu seiner Ruhe stätte gebracht worden Jn einer Trauer=Rede gezeiget O. F. Breul. Com-Pastor der Gemeine zu St. Johannes.“ (1)
veröffentlichten seine Vettern für Johann Joachim Hynitzsch dessen Leichenpredigt. 
Johann Joachim Hynitzsch ist uns insbesondere bekannt durch seine Übersetzung des Fabris'schen Fechtbuches 1677 unter dem Titel "Scienza E Pratica D'Arme Di Salvatore Fabris, Capo Dell' Ordine Dei Sette Cuori. Das ist: Herrn Salvatore Fabris Obristen des Ritter-Ordens der Sieben Hertzen, Italiänsche Fecht Kunst." (in Neuauflage 1713 [Digitalisat]).
Vielen Dank an Reinier van Noort für das Ausfindigmachen des Textes. Wichtige Teile der Leichenpredigt werden im folgenden wiedergegeben.

Der Text (in den wichtigen Auszügen):
<4r> … Wohl=Edle / Hochachtbahre und Wohl=Mannveste Herr / Herr Johann Joachim Hynitzsch / berühmter Krieges Exercitien-Meister / und Wohl=verdienter Stadt=Lieutenant / in Leipzig / derselbige fand zwar in der berühmten Stadt Northausen 1638. den 12. Juli sein Vaterland und wurde daselbst in hoffnung / als ein Erbe des Himmlischen Vaterlandes in das Buch des Lebens eingeschriben aber wie bald muste Er als er kaum etwas erwachen / aus demselben fort und in die Fremde sich versuchen / was ihm dereinst nutzen und ergetzen könne. Ob nun gleich wahr ist: Das ein tapfer Mann allenthalben sein Vaterland findet / fand doch der Wohlseelige auch allenthalben / wegen vieler Mühseeligkeiten so Er auff seinen Reisen erduldet / da Er in den Nordlichen Ländern umher Wallete / und seine Wissenschafften auszuüben in Polen Preusen / Moskau und andern mehr sich bekant machte / fast nie ein recht vergnügendes Vaterland. Es schien endlich / ob solte das Weltberühmte Leipzig Jhm ein beständiges Vaterland geben / wie Er denn auch daselbst als ein Mitbürger aufgenommen und durch seine wohlgefassete <4v> Exercitia bei Hohen und Nidrigen / welche seine Profession schätzen konten / beliebt ward. Allein auch in diesem Vaterlande fand er offt / was er nicht wünschte / und was er wünschte / fand Er nicht; Er suchte zu weilen daselbst / was Er nicht antreffen kunte / und traff einiges an / so Er nicht vermeinte gesucht zu haben: Worüber Er denn manches so Gemüths als Leibes=Mißvergnügen empfande / von solchem sich zu erhohlen / hilt Er sich eine Zeitlang zu Halle auff / woselbst Er zwar in grösser vergnügung seinem Gott vermeinet gedienet zu haben / wiewohl Er auch daselbst mit mancherley Kräncklichen Zufällen des Alters angefochten worden. Biß Er endlich sich hiher in unsre Stadt begeben / woselbst Er auch von seinem Herren Bruder und dessen wehrten Angehörigen aufs freundlichste angenommen und nach möglichkeit verpfleget worden / so das Er hier ein nach seinem Gemüthe bequemes Vaterland angetroffen zu haben / sich erfreuet. Er hatte aber solches vergnügen kaum sechs Wochen genossen / da befiel Er mit einer tödlichen Kranckheit / welche nach Gottes Willen / innerhalb 14 Tage ihn nötigte den Leib entseelt zu lassen / und die Seele dem gütigen Gott / der sie gegeben / in Glauben demühtigst anzubefehlen

<4v> … Das die Stadt Valenzia in Spanien so schön und zierlich erbauet / und von so wolgesitteten Jnwohnern besetzet sey / daß die dahin reisende Jhres Vaterlandes darüber vergessen / und gerne alle daselbst sich seshaft niederlassen wollen / können wir wol dem Historien schreiber zu gefallen Glauben / wenn solches durch unsre Landsleute / so die Krigs=Toublen dahin auch getrieben / nicht wieder leget werden wird.

<5v> … Es gieng ihm nahe / daß Er mit dem Duc d'Alba hier so viel offt auf Erden zu thun gehabt / daß Er nach dem Himmel nicht sehen können / doch hoffte Er daß Jhm das irdische Vaterland so verleidet noch werden würde in seiner Kranckheit / daß Er durch dasselbe in das Himmelreich mit seinen Glaubens=Augen brechen könnte.

Zusammenfassung der biographischen Informationen zu Johann Joachim Hynitzsch:
  • Geboren am 12. Juli 1638 in Nordhausen, gestorben am 7. November 1707 in Leipzig
  • mindestens zwei Vettern (vermutl. Cousins): Johann Erasmus Hynitzsch, der sich Königl. Preuß. Hoff=Buchdrucker nennt; der andere ist Johann Christoph Hynitzsch
  • wird in seiner Leichenpredigt nur Kriegs-Exercitenmeister genannt, nicht Fechtmeister bzw. Fecht-Exercitenmeister. Ich nehme aufgrund dessen an, dass er nie ein Fechtmeister war, sondern immer nur ein sehr interessierter und engagierter Fechtschüler von Heinrich von und zum Velde war und sein Interesse und seine Leidenschaft für das Fechten ihn veranlassten, die Übersetzung des Fechtbuches von Fabris 1677 zu veröffentlichen.
  • als Krieges-Exercitenmeister war er in Polen, Preussen, Moskau u.a. (eventuell im Zusammenhang eines der Nordischen Kriege?)
  • nachdem er nach Leipzig kam und das Bürgerrecht erhielt, unterrichtete er hier seine Exercitien
  • auch wird er als Stadtlieutenant von Leipzig bezeichnet
  • er wurde krank, zog nach Halle, um sich auszukurieren, dort ging es ihm eine Zeitlang besser, aber auch hier wurde er wieder krank, er zog zurück nach Leipzig, wo er von seinem Bruder und seinen Verwandten aufgenommen wurde, aber sechs Wochen später starb er hier
  • der  Herzog von Alba wird im Text erwähnt (bezieht man sich auf die Lebensdaten von Hynitzsch, können Fernando Álvarez de Toledo y Mendoza (1595–1667), Antonio Álvarez de Toledo y Pimentel, 7. Herzog von Alba (1615–1690), Antonio Álvarez de Toledo y Beaumont (um 1640–1701), Antonio Martin Álvarez de Toledo Guzmán (1669–1711) oder Francisco Álvarez de Toledo y Silva (1662–1739) (vgl. Herzog von Alba bei wikipedia) angenommen werden), und Hynitzsch schien öfter in seiner Gesellschaft gereist zu sein, doch nähere Zusammenhänge werden nicht erwähnt
  • ob Hynitzsch auch in Valencia war, ist nicht sicher; Valencia wird im Text erwähnt, jedoch ist fraglich, ob es sich hier um eine Allegorie handelt oder nicht; der name Hynitzsch jedenfalls fällt in diesem Abschnitt nicht

Anmerkungen:

(1) Herzog August Bibliothek, Signatur: 12396, Katalog der fürstlich Stolberg-Stolberg'schen Leichenpredigten-Sammlung, Bd. II, Leipzig 1928.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Notwehrgesetzgebung im 16. und 17. Jahrhundert: Das "Peinlich Halßgericht" Karls V.

von Samara Ajjour und Jan Schäfer

Die "Peinliche Halß-Gerichtsbarkeit" Karls V. kann als ein (früher) Vorläufer des deutschen Strafgesetzbuches betrachtet werden ( noch inkl. der Folter bzw. peinlichen Befragung als Verhörmethode und Mittel der Wahrheitsfindung). Fechtgeschichtlich interessant ist, wie in der Frühen Neuzeit der Tatbestand der Notwehr verhandelt wurde und wann sich ein Beschuldigter (Fechter) bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung auf Notwehr berufen konnte. In der folgenden Passage werden die Fragen beantwortet: was eine richtige Notwehr war, wie sie bewiesen werden soll, wie die Notwehr ohne Augenzeugen bewiesen werden soll, wie mit Mittätern verfahren werden soll, wann und wie der Leichnam obduziert werden soll, etc.

Die Auszüge stammen aus der Ausgabe von 1609 [Digitalisat]. Zu einer textkritischen Auseinandersetzung mit der ersten Ausgabe, auch im Hinblick auf alle folgenden Ausgaben, siehe: „Hals- oder peinliche Gerichtsordnung Kaiser Carls V. und des H. Röm. Reichs nach der Originalausgabe vom J. 1533 auf das genaueste abgedruckt und mit der zweiten und dritten Ausgabe v. J. 1533 und 1534 verglichen: nebst dem horixischen Programma: wahre Veranlassung der P.H.G.O. und einer Vorrede“ von Johann Christoph Koch (Marburg, J.C. Krieger 1824) [Digitalisat].

Der Text

[Seite 62] CXXXV III.
Von vnlaugbarn Todschlägen / die auß solchen Ursache geschehen / so Entschüldigung der Straff auff inen tragen.

Es geschehen zu zeiten Entleibung / vnnd werden doch die jenigen/so solche Entleibung thun / auß guten Vrsachen / als etlich allein von Peinlicher vnd Bürgerlichen Straff entschüldiget, Vnnd damit sich aber Richter vnnd Vrtheyler an den peinlichen Gerichten / die der Recht nit gelernt haben / in solchen Fällen desto rechtmässiger zu halten wissen / vnd durch Vnwissenheit die Leute nit beschweren oder verkürtzen / So ist von gemelten entschuldigten Entleibungen geschrieben vnd gesatzt / wie hernach folget.

CXXXIX.
Erstlich von rechter Notwehr / wie die entschüldige.

Welcher eine rchte Notwehr / zu rettung seines Leibs vnd Lebens thut / vnd den jenigen / der in also benötiget / in solcher notwehr endleibt / der ist darumb niemands nicht schüldig.

CXL.
Was eine rechte Notwehr ist.

So einer jemand mit einem tödlichen Waffen oder Wehr vberlaufft / ansicht oder schlegt / vnnd der benötigt kan füglich ohn Fährligkeit oder Verletzung seines Leibs, / Lebens / Ehr vnd guten Leumuts nicht entweichen / der mag sein Leib vnd Leben / ohn alle Straff / durch ein rechte Gegenwehr retten. Vnd so er also den Benötiger entleibet / ist der darum nichts schüldig / ist auch mit seiner Gegenwehr / biß er geschlagen wird / zu warten nicht schüldig / vnangesehen / ob es den geschrieben Rechten vnnd Gewonheyten entgegen were.

[Seite 63] CXLI.
Daß die Notwehr bewiesen werden sol.

Welcher sich aber nach erfindung der That / einer gethaner Notwehr berühmet oder gebrauchen wil / vnnd der Ankläger der nit geständig ist / so legt das Recht dem Thäter auff / solche berümpte Notwehr obgemelter massen/zu Recht genug zu beweisen / beweist er die nicht / er wird schüldig gehalten.

CXLII.
Wann / vnd wie in Sachen der Notwehr die Weisung auff den Ankläger kompt.

So der Ankläger der ersten tödtlichen Anfechtung / oder Benötigung darauff / als obstehet / die Notwehr gegründet / bekanntlich ist / oder beständig nit verleugnen kan / vnd dagegen sagt / Daß der Todschläger darumb kein rechte entschüldigte Notwehr gethan haben soll / wann der Entleibt hett fürgewenter bekenntlicher Anfechtung oder Benötigung / rechtmessige Ursach gehabt / als geschehen möchte / so einer einen vnteuscher Werck halben bey seinem Ehelichen Weib / Tochter / oder andern bösen sträfflichen Vbelthaten sünde / vnd darvmb gegen demselben Vbelthäter tödlich Handlung / Zwang oder Gefängnuß / wie die Recht zulassen/fürnemme/ oder dem Entleibten hett gebürt/ den verklagten Todschläger/ von Amptswegen zu sahen / vnd die notturfft erfordert / in mit Waffen solcher Gefängnuß halben/ zu betrohen / zwingen vnd nötigen / der also in Recht zulässiger weiß gethan hette / Oder so der Kläger in diesen Fall ein solche Meynung fürgeb/ daß der angezogen Todschläger darumb kein rechte Notwehr gethan hett / wenn er deß Entleibten/ als er in erschlagen hett/ gantz mächtig / vnd von der benötigung erledigt gewest / Oder meldet / dz der Entleibt / nach gethaner ersten Benötigung gewichen / dem der Todschläger auß freyen / vnd vngenöter Ding nachgefolgt / vnd in aller erst in der nachfolge erschlagen hett. Wehr so für gewend wird / der Todschläger were dem Benötigten wol füglicher weiß / vnd ohn fährlichkeit seines Leibs / Lebens / Ehren vnd guten Leumuts halben entwichen / Darvmd die Entleibung durch den verklagten Todschläger nicht auß einer rechten entschuldigten Notwehr / sondern bößlich geschehen wer / vnnd darumb peinlich gestrafft werden solt / u. Solch obgemelt vnd ander dergleichen Fürgeben / sol der Ankläger / wo er deß geniessen wil / gegen Erfindung / daß der Todschläger durch den Entleibten / erstlich als vorstehet / genötigt worden ist / beweisen / Vnd so er eine derselben obgemelten oder andern der gleichen rechtmässig Vervrsachung / gegen der ersten vnlaugbar Anfechtung oder Benötigung gnugsam beweist / so kan sich solcher Todschläger keiner rechten oder gäntzlichen entschüldigten


Notwehr behelffen / vnangesehen/ ob außgeführt oder bekanden wird / daß in der Entleibt (als vor von der Notwehr geschrieben steht) erstlich mit einer tödlichen Wehr angefochten vnd benötiget hat. So aber der Kläger der ersten erfunden Benötigung halb / kein solch rechtmässige Verursachung bewieß / sonder der verklagt Todschläger seiner berühmpten Notwehr halb außfündig machet / daß er von dem Entleibten mit einer tödlichen Wehr / als vor von rechter Notwehr gefaßt ist / erstlich angefochten worden wer: So ist die Notwehr durch den verklagten Todschläger außgeführt / vnd so doch gemelte Kundschafft beydertheyl mit einander zugelassen vnd bestellt werden Nemlich / ist hierinn zu mercken / so einer der ersten Benötigung halb redlich vrsach zur Notwehr gehabt / vnd doch in der That nicht alle Umbstande / die zu einer gantzen entschüldigten Notwehr gehören / gehalten hett / ist noth gar eben zu ermessen / wie viel oder wenig der Thäter zur That vrsach gehabt habe / vnd daß fürter die Straff an Leib / Leben / oder aber zu Buß vnd Besserung erkänt wird / alles nach sonderlicher Rahtgebung der Rechtsverständigen / als hernach gemelt wird / Wenn diese Fäll gar subtile Vnderscheid haben / darnach hierinn anderst vnnd anderst schwerlicher oder linder gevrtheylet werden sol / welche Vnderscheid dem gemeinen Mann verständlich nicht zu erklären seynd.

CXL III
Von Entleibung / das niemands anders gesehen hat / vnd ein Notwehr fügewend würde.

So einer jemand entleibt / das niemand gesehen hat / vnd will sich einer Notwehr gebrauchen / der im die Kläger nicht gestehen / in solchen Fällen ist anzusehen / der gut vnd böß Stand jeder Person / die
statt / da der Todschlag gesehen ist / was auch jeder für Wunden vnd Wehr gehabt / vnnd wie sich jeder Theil in der gleichen Fällen / vor vnd nach der That gehalten hab / welcher Theil auch auß vorgehenden Geschichten mehr Glaubens / Vrsach / Bewegung / Vortheils oder Nutz haben mög / den andern an dem Ort / als die That geschehen ist / zu erschlagen oder zu benötigen. Darauß kan ein guter verständiger Richter ermessen / ob der fürgewendten Notwehr zu glauben sey / Vnnd wo die Vermutung der Notwehr wider die bekenntliche That statt haben sol / so muß dieselbig Vermutung gar gut starck beständig vrsach haben / Aber der Thäter möcht wider den Entleibten so viel böser / vnnd sein selb halb so viel guter starcker Vermutung darbringen / immer der Notwehr zu glauben. Solche Vrsach alle zu erklären / kan durch diese Ordnung nit wol gründlich vnd jederman verständlich beschehen. Aber nemlich ist zu mercken / daß in diesem Fall / aller obgemelten Vermutung halb / die Beweisung dem Thäter auffgelegt werden


soll. Doch vnabgeschnitten dem Kläger die Weisung / die er darwider fürbringen wolt / Vnnd wo dieser Fall vorgemelter massen redlich zweiffel hat / so ist noth / in der Vrtheil der Verständigen Raht / mit fürlegung aller Vmbständen / stattlich zu gebrauchen. Wenn sich dieser Fall / mit gar viel Zweiffels vnd Vnderscheid / für vnd wider die berühmpten Notwehr begeben mag / die vor der Geschicht nit älle zu bedencken oder zu setzen.

CXLIV.
Von berühmpter Notwehr gegen einem Weibsbild.

Ob einer ein Weib erschlüge / vnd sich einer Notwehr berühmet / in einem solchen Fall ist außzuführen vnnd anzusehen / die gelegenheit deß Weibs vnd Man‘s / auch irer beyder gehabter Wehr vnd That / vnd darinnen nach Raht der Rechtsverständigen / wie hernach stehet / zu vrtheylen. Denn wiewol nicht leitlich ein Weib einem Mann zu einer entschüldigten Notwehr vrsachen mag / so wer doch müglich / dz ein grausam Weib einen weichen Man Man` zu einer Notwehr dringen möchte / vnnd sonderlich / so sie sörgliche vnnd er schlechtere Wehr hett:

CXLV.
So einer in rechter Notwehr einen Vnschüldigen wider seinen deß Thäters Willen entleibt.

So  einer in einer rechten bewiesen Notwehr / wider seinen Willen / einen Vnschüldigen mit stichen / streiche / würffen oder schieffen / so er den Nötiger meinet / treffe / vnd entleibt hett, der ist von peinlicher Straff entschüldigt.

CXLVI.
Von vngefährlicher Entleibung / die wider eines thäters Willen geschicht / ausserhalb einer Notwehr.

So einer ein ziemlich vnverbotten Werck an einem Ende oder Ort / da solche Werck zu oben ziemlich ist / thut / vnd dardurch von vngechichten gantz vngefährlicher weiß / wider deß Thäters Willen / jemand entleibet / derselbige wird in viel wege / die nicht müglich zu benennen seyn / entschüldigt. Vnnd damit dieser Fall dester leichter verstanden / setzten wir diese Geichnuß: Ein Balbierer schieret einem den Bart in seiner Stuben / als gewöhnlich zu scheren ist / vnd wird durch einen also getroffen oder geworffen / daß er dem / so erschieret / die Gurgel


wider seinen Willen abschneidet. Ein ander Gleichnuß: So ein Schütz in einer gewönlichen Zielstatt stehet oder sitzet / vnd zu dem gewönlichen Platz scheust / vnd es laufft im einer vnder den Schutz / oder im läst vngefährlicher weiß / vnnd wider seinen Willen / sein Büch ß oder Armbrost  ehe vnd er recht anschlegt vnd abkompt / vnd scheust also jemand zu todt / diese beyde seyn entschüldigt. Understünde sich aber der Balbierer an der Gassen / oder sonst an einer vngewönlichen statt jemand zu scheren / oder der Schütz an einer dergleichen vngewönlichen statt / da man sich versehen möchte / daß Leut wanderten / zu schieffen / oder hielt sich der Schütz in der Zielstatt vnfürsichtiger Weiß / vnd würde also von dem Balbierer / oder dem Schützen / als obstehet / jemand entleibet / der Thäter keiner wird genug entschüldiget: Aber dennoch ist mehr Barmhertzigkeit bey solchen Entleibungen / die vngefährlich auß Geilheit oder Unfürsichtigkeit doch wider deß Thäters Willen geschehen / zu haben / denn was arglistig / vnnd mit Willen geschicht. Vnd wo solche Entleibung geschehen / sollen die Vrtheyler bey den Verständigen / so es vor in zu Schulden kompt / der Straff halb Rahts pflegen. Auß diesen obangezeigten Gleichnussen / mag inn andern vnbenannten Fällen ein Verständiger wol mercken vnnd erkennen / was ein vngefährliche Entleibung ist, vnd wie die Entschüldigüg auff jr tregt. Vnd nach dem diese Fäll offt zu Schulden kommen / vnd durch die Vnvertändigen darinnen etwa gar vngleich gericht wirdt / ist die angezeigte kurtze Erklärung vnd Warnung derhalben / auß guten Ursach geschehen / damit der gemeine Mann etwas verstand der Rechten darauß nemme. Jedoch haben diese Fäll zu Zeiten gar subtil Vnderscheid / die dem gemeinen Mann / so an den Peinlichen Gerichten sitzen / verständig oder begreifflich nicht zu machen seyn. Hierumb sollen die Vrtheyler in diesen obmelten Fällen allen (wenn es zu Schulden kompt) angezeigter Erklärung halb / der vorgemelter verständiger Leut Raht nit verachten / sondern gebrauchen.

CXL VII.
So einer geschlagen wirdt / vnd stirbt / vnd man zweiffelte / ob er an der Wunden gestorben sey.

So einer geschlagen wird / vnnd vber etlcihe Zeit darnach stürb / also / daß zweiffelich were / ober der geklaten streich halben gestorben wer oder nicht / in solchen Fällen mögen beyde Theyl (wie von Weisung gesatzt ist) Kundtschafft zur Sachen dienstlich stellen / vnnd sollen doch / sonderlich die Wundärtzt /der Sach verständig / vnd andere Personen / die da wissen / wie sich der Gestorben nach dem Schlagen


vnd Rumor gehalten hab / zu Zeugen gebraucht werden / mit Anzeigung / wie lang der Gestorben nach den Streichen gelebt habe / vnd in solchen Vrtheylen / die Vrtheyler bey den Rechtverständigen / vnnd an Enden vnnd Orten  wie zu end dieser vnser Ordnung angezeigt / Rahts plegen.

CXL V III.
Straff der jenigen / so einander in Morden / Schlagen vnd Rumorn fürsetzlich oder vnfürsetzlich beystanden thun.

So etliche Personen mit für gesetztem vnnd vereinigten Willen vnd Muth / jemand bößlich zu ermorden / einander hülff vnnd beystand thun / dieselben Thäter alle haben das Leben verwirckt. So aber etliche Personen vngechicks in einem Schlagen oder Gefächt bey einander weren / einander helffen / vnd jemand also ohn gnugsame Ursach erschlagen wird: So man dann den rechten Thäter weiß / von deß Hand die Entleibung geschehen ist / der sol als ein Todschläger mit dem Schwerd zum Todt gestrafft weren. Were aber der Entleibt durch mehr dann einen / die man wüst / gefährlicher weiß tödtlich geschlagen / geworffen vnnd gewundet worden / vnnd man kündte nit beweißlich machen / von welcher sonderlichen Hand vnd That er gestorben wer / So seynd dieselben / so die Verletzung / wie obstehet / gethan haben / alle / als Todschläger vorgemelter massen/ zu dem Tod zu straffen. Aber der ander Beyständer / helffer vnd Vrsächer Straff halber / von welches Hand obbestimpter massen der Entleibt nicht tödlich verletzt worden ist / auch so einer in einer Auffruhr oder Schlagen entleibt wird / vnd man möchte keinen wissen / darvon er (als vorstehet) verletzt werden wer / sollen die Vrtheyler beyden Rechtsverständigen / vnd an Enden vnd Orten / wie hernach gemelt wird / Rahts pflegen / mit Eröffnung aller Vmbstände vnnd gelegenheit solcher Sachen / so viel sie erfahren kündten. Wenn in solchen Fällen nach Ermessigung mancherley Vmstände / das nicht alles zu schreiben / vnderschiedlich zu vrtheylen ist.

CXLIX.
Von Besichtigung eines Entleibten vor der Begräbnuß:

Ond damit den im obgemelten Fällen gebürtlich ermessung vnd erkänntnuß solcher vnderschiedlichen Verwundung halb / nach der Begräbnuß deß Entleibten dester minder mangel sey / sol der Richter /


sampt zweyen Schöpffen / dem Gerichtschreiber / vnd einem oder mehr Wundärtzten (so man die haben / vnd solches geschehen kan) die denn zuvor darzu beeydigt werden sollen / denselben todten Körper vor der Begräbnuß mit fleiß besichtigen / vnd all seine empfangene Wunden / Schlag / Ausswerff / wie der jedes funden / vndermessen würde / mit fleiß mercken vnd verzeichnen lassen.

CL.
Hernach werden etliche Entleibung im gemein berührt / die auch Entschüldigung auff ihn tragen mögen / so darinn ordentlicher weiß gehandelt wirdt.

Es seyn sonst andere mehr Entleibung / die etwa auß unsträfflichen Vrsach beschehen / so dieselben Vrsach recht vnd ordentlich gebraucht werden / als / da einer jemand vmb vnteuscher Werck willen / die er mit seinem Eheweib oder Tochter obet / erschlegt / wie vor in dem 121. Articul des Ehebruchs / ansahend / / Jtem / so ein Ehemann einem anern / ec. gesetzt ist. Jtem / so einer zu Rettung eines andern Leib / Leben oder Gut / jemandt erschlegt. Jtem / so Leut tödten / die jre Sinn nit haben. Mehr so einem jemand von Ampswegen zu sahen gebüret / der vnzimlichen / freffentlichen vnd sorglichen widerstand thut / vnnd derselbig Widersässig darob entleibt würde. Jtem / so jemand einen bey nächtlicher weil gefährlicher weiß in seinen Hauß findet vnnd erschlegt / oder so einer ein Thier hat / daß jemand tödtet / vnd er dergleichen Boßheit darvor von dem Thier nicht gesehen oder gehöret hat / wie hiervor in dem 136. Articul / ansahend / Jtem / hat einer ein Thier / u. darvon gesetzt ist. Die necht obgemelte Fäll alle haben gar viel Unterscheid / wenn die Entschuldigung oder kein Entschuldigung auff innen tragen / das alles zu lang zu beschreiben / vnd zu erklären wer / vnd dem gemeinen Mann auch irrig vnd ärgerlich seyn möchte / wo solches alles in dieser Ordnung solt begriffen werden. Hierumb / so diesr Sach eine für den Richter vnnd Vrtheyler kompt / sollen sie bey den Rechtverständigen / vnd an Enden vnnd Orten / wie zu ende dieser vnser Ordnung angezeigt / Rahts gebrauchen / vnd in nicht eigen vnvernünnfftige Regel oder Gewonheit / darinn zu sprechen / machen / die dem Rechten widerwertig seyn / als zu zeiten an den peinlichen Gerichten bißher beschehen / daß die Vrtheyler die Vnderscheid jeder Sach nicht hören vnnd bewegen / das ist ein grosse Thorheit / vnnd folget darauß / daß sie sich zu vielen malen irren / thun den Leuten vnrecht / vnnd werden an irem Blut schüldig: So geschicht auch viel / daß Richter vnnd Vrtheyler die Wißthäter begünstigen /

[Seite 69] vnd ire Handlung darauff richten / wie sie jne Recht zu gut verlängern / vnd wissentliche Vbelthäter darnach ledig machen wöllen / vermeynen vielleicht etliche einfältige Leut / sie thun wol daran / daß sie denselben Leuten ir Leben retten. Sie sollen wissen / daß sie sich schwerlich darmit verschulden / vnd seynd den Anklägern derhalben vor Gott vnd der Welt Widerkerung schuldig / Wenn einjeder Richter vnd Vrtheyler ist bey seinem End vnd seiner Seelen Seligkeit schuldig / nach seinem besten verstehen / gleich vnd recht zu richten / Vnd wo ein Sach vber sein Verständnuß ist / bey den Rechtsverständigen / vnnd an Enden vnnd Orten / wie hernach zu ende dieser Ordnung gemelt wird /
Rahtspflegen / Wenn zu grossen Sachen / als zwischen dem gemeinen Nutz / vnnd der Menschen Blut zu richten / grosser ernstlich fleiß gehört / vnd angekehrt werden soll.

CLI.
Wie die Vrsachen / so zu Entschuldigung bekenntltcher That für gewendt außgeführt werden sollen.

So jemandt einer That bekenntlich ist / vnd derhalben Vrsachen anzeigt / die solche That vor peinlicher Straff entschüldigen möchten / als vor bey jeder geordenter peinlichen Straff / wie vnd wenn
die entschüldigt wird / gesetzt ist / So sol der Richter den Thäter fragen / ob er solche seine für gebene Entschüldigung genugsam beweisen könnte. So er den das durch sich förderlich zu thun vrbietig ist / so sol er / weß sie für Entschuldigung solcher That halb weisen wollten / durch rechtsverständige Leute / oder durch den Gerichtsschreiber / in gegenwertigkeit deß Richters / auffzeichnen lassen. So denn der Richter mit gehabtem Raht der Rechtsverständigen / dieselben weisungs Articul darfür erkennt / wo die bewiesen würden / daß dieselbe angezeigten Vrsachen / die beklagten vnd bekannten That von peinlicher Straff entschüldigen: So sol der Thäter auff jr Ansuchen / mit solcher erbotten Weisung / auch weß der Ankläger dienstlichs darwider weisen wolte / zugelassen / auch durch dieselbige Oberheit deßhalb Kundschafftverhörer vnd anders verordnet / gehalten vnd gehandelt werden / wie vor im 62. Articul / anfahend / Jtem / wo der Beklagt / u. vnnd etlichen Articuls darnach / von Form vnd Maß der Weisung / gesazt ist / sampt etlichen hernach folgenden Articuln / so es zu schulden kommet / angesehen / vnnd darnach gehandelt. Wo gezweiffelt würde / soll Rahts / wie hernach gemelt wird / gepflegt werden.

[Seite 70] CLII.
So deß Thäters gegebene weisungs Articul nicht beschliessen.

So aber die obgemelten weisungs Articul / durch den Richter mit gehabtem Raht der verständigen / darfür erkannt würden, ob gleich solche erbottene Weisung geschehen / daß die dennoch nit dienstlich zu deß Thäters entschuldigung wer / so sol die Weisung nicht zugelassen / sondern aber an~t / vnd als denn durch den Richter vnd Gericht / da der Thäter innen leg / mit fürderlichem Rechten weiter gehandelt werden / wie sich gegen einem solchen bekanntlichen offenbaren Thäter gebüret.

CL III.
Vber wen die Atzung in obgemelter Außführung gehen soll.

Wo aber einer jemand entleibt hett / deßhalb in Gefängnuß käme / auch der Entleibung bekanntlich wer / vnd doch der vorgemelten Vrsachen eine oder mehr / die in solcher Entleibung halb / gar oder eins theils entschüldigten / mit Kundschafft / wie darvon gesetzt ist / außführen wolt: So sollen deß Beklagten Freund dem Kläger zu förderst vor dem Richter vnd vier Schöpffen / nach ermessung derselben / nottürfftiglich Caution / Sicherung vnd Vestand thun / ob sich solche fürgebene Entschüldigung deß Beklagten in der Ausfürhung mit Recht nicht erfünde / daß denn deß Beklagten Freund die Atzung deß Beklagten / auch dem Kläger Kost vnnd Schaden / nach ermessung
desselben Gerichts / außrichten wöllen / darinn derselbig Kläger / durch die vnderstanden vnerfindlichen Außführung der berühmpten Entschüldigung bracht würde. Damit gedencken wir zu für kommen / daß der Kläger durch berührte vnwarhafftige vnnd betriegliche Außzug nicht zu Schaden bracht werde. Vnd sollen in diesem Fall der berührten Messigung dieselben Schöpffen vnnd Vrtheylsprecher bey den Rechtverständigen / vnd an Enden vnnd Orten / wie hernach gemelt wird / auch Rahts pflegen.

CLIV.
Von grosser Armut / deß / der sich obgemelter massen außführen wolt.

Wer aber der Beklagt so gantz arm / auch nicht Frende hett / die jetztgemelte Caution / Sicherung vnd Bestand zu thun vermöchten / vnnd doch zweiffetlich were / ob er seiner beschuldigten Entleibung
halb / redlich Entschüldigung hett: Sol sich der Richter / nach gestalt


der Sachen / mit allem fleiß / so vieler kan / erkündigen / vnd der Oberkeit solches alles schreiben / vnd Bescheids deßhalben erwarten / also daß solche Erkündigung in dem Fall / Ampts halben / auff deß Gerichts oder desselben Oberkeit darlegen vnd Kosten beschehe.

CLV.
So einer in der Mordacht wer / in Gefängnuß käme / vnnd seine Vnschuld außführen wolt.

So einer in Gefängnuß käme / der darvor in die Mordacht erkannt were / wie an ertlichen Orten gewonheit / vnnd in der Gefängnuß sein Entschüldigung / wie in den vorgemelten Articuln von den Entschüldigungen gesetzt ist / außzuführen sich erböte / der sol / vnangesehen / dz er hiervor in die Mordacht erkannt were / mit bestimpter Außführung zugelassen werden.

CLVI.
Von Außführung beschuldigter Peinlichen Vbelthat / ehe der Beklagt in Gefängniß kompt.

So sich einer / ehe er in die Gefängniß kompt / einer peinlichen Vbelthat / mit Recht ausführen will / das sol er thun an ordentlichen peinlichen Gerichté / wie in dieser Fällen jedes Orts Recht / vnd herkommen ist / vnd slo in diesen Außführungen beyden Theilen rechtmässige Verkündung geschehe / auch beyder Theil nottürfftig fürbringen / Vrkund vnd Kundschafft / wie sich in Recht gebürt / zugelassen / vnd nicht / wie in etlichen Orten Mißbrauch / abgeschnitten werden / vnd sol derselbig zum Rechten / für vnrechter Gewalt / vnnd nicht weiter vergleyt werden.

Montag, 12. September 2016

Anweisungen zum Wettkampf im Gewehrfechten

von Samara Ajjour

Das Buch "Anweisung für die Königlich Sächsische Infanterie zu den Uibungen im Gewehrfechten", erschienen 1833 in Dresden bei Meinhold,  enthält auf den Seiten 67-69 ein Regelwerk für den Wettkampf zwischen zwei Infanteristen sowie für den Wettkampf zwischen einem Reiter und einen Infanteristen.

Der Text:

[Seite 67] I.
Wettkampf.

a) Zwischen zwei Infanteristen.
1.) Belebung des Wetteifers, vermöge einer möglichst geschickten und raschen Uiberwindung des Gegners nach den Regeln der Gefechtslehre, ist der Zweck des Wettkampfes.
2.) Dem Wettkampfe geht jedes Mal die Begrüßung voraus.
3.) Ein gut getroffener Bruststoß wird vom Empfänger jedesmal durch: Getroffen! angezeigt. Andere Stöße werden hierbei als fehlerhaft und ungültig angesehen.
4.)  Zu Beendigung des Wettkampfs gibt, bemehreren Paaren, in der Regel der Vorgesetzte durch das Kommando: Achtung!  bei einem Paare hingegen der Eine – Aelteste oder Vornehmste – nach einem empfangenen guten Stoße, mittelst eines hörbaren Auftritts – Appel – mit dem linken Fuße, das Zeichen. Beide Fechter wenden sich hierauf in die Frontstellung, vollziehen gleichzeitig in Achtelwendung links die Schwingung 2 Mal, nehmen das Gewehr in die linke Hand und reichen sich, auf einander zutretend, die Rechte als Achtungsbezeigung.
5.) Zum Wettkampfe werden die Bajonnetballen durch einen Fechtmeister untersucht und jeder Fechter mit einer Gesichtsmaske von Drath versehen.

b) Zwischen einem Reiter und einen Infanteristen.
1.) Beiderseitige Uibung und Erfahrung vermöge

[Seite 68] praktischer Erkenntniß der verschiedenen Vortheile in Anwendung der Waffe, ist der Zweck des Uibungsgefechts wie des Wettkampfes. Ausartung des Kampfes in Leidenschaftlichkeit und Jähzorn würde diesem Zwecke nachtheilig seyn und soll gleich im Entstehen den Befehl zum Abbrechen des Gefechts zur Folge haben.
2.) Schonung des Pferdes ist hier für den Infanteristen erstes Gesetz. Jede ungeschickte Verletzung desselben soll streng gerügt und eine absichtliche muß bestraft werden. Je ruhiger und folgsamer das Pferd auf den Mann geht, jemehr gewinnen beide Theile dabei an Belehrung und Erfahrung. Dem Infanteristen ist es um deßwillen auf Pflicht, das Pferd nach jedem Gange mittelst Zuredens und Streichelns zu besänftigen.
3.) Jeder gut getroffene Stoß, bei dem Infanteristen auf die Brust, bei dem Reiter auf Brust oder Rücken, wird vom Empfänger durch: Getroffen!  angezeigt, und beendigt das Gefecht. Andere, falsche Stöße sind ungültig. Ungeschickte, gefährliche Stöße, wie z. B nach Kopf und Unterleib, sind verboten und haben hier den Verlust des Rechts zum Wettkampfe zur Folge. Die Hiebe und Schläge des Reiters mit Säbel oder Lanze erfordern Vorsicht.
4.) Zur Sicherung soll der Reiter mit einem wo möglich doppelten Küraß und einem starken Schurze, der Infanterist mit einem eisernen Bruststücke, mit einem Schurze und mindestens Einem starken Fechthandschuh, das Pferd mit der vordern Sattelpackung versehen seyn.
5.) Vor Beginn des Gefechts werden von einem Beauftragten die beiderseitigen Waffen untersucht.

[Seite 69] Lanze und Gewehr müssen mit einem haltbaren, gnügend großen und weichgepolsterten Lederballe versehen seyn. Die Lanze und das Bajonnet dürfen keine Splitter, der Säbel oder das Haurappier keine Spitze und Schärfe haben.
6.) Gelingt es dem Infanteristen während des Gefechts wieder zu laden und somit ein zweites
Mal schießen zu können, so gilt ihm das als ein Treffer.
7.) Mit Beendigung eines Wettkampfes reichen sich beide Gegner die Hand.

Freitag, 5. August 2016

Transkription: "Anfangs Gründe der Edeln Fechtkunst" von Salomon Christoph Müller

von Samara Ajjour

"Anfangs Gründe der Edeln Fechtkunst" ist eine Text-Bild-Handschrift, die um 1750 durch den brandenburgisch-anspachischen Hofffechtmeister Salomon Christoph Müller entstand. Heute liegt die zweibändige Handschrift unter den Signaturen H62/MS.B 215-1 (Band 1) und H62/MS.B 215-2 (Band 2) in der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg.

Danksagung: Vielen Dank an Friedrich Lehmann von Historisches Schwertfechten Nordhessen für das Korrekturlesen der Transkription.

Der Text:


[Seite 1] Anfangs Gründe
der edlen Fechtknst, durch Salomon
Christoph Müller, Hochfürsth brand=
enbürgl  Onoltzbachischen Hoff=
fechtmeister, worinnen durch alle
Regeln, von verschietener Lectiones, vorkommen
auf dieße folgen die Contre Lection
um es deutlich vorzustellen, werden sich
bey jeder Lection: Figuren zeigen, so
nach denen Stellungen gezeichnet seyn

[Seite 2] Erstlich komen die Regel,
1: Die weite Mensur,
2: Die rechte Mensur,
3: Die falsche Mensur,
4: Die enge Mensur,
5: Daß Stringiren,
6: Daß Avanciren,
7: Daß glissiren,
8: ein Apell,
9: Daß Caviren,
10: Daß Concaviren,
11: Daß Rie Caviren,
12: Die Finden,
13: Die halben stöß,
14: Die ganzen Stöß,
15: Die vier fauzt  stöß,
16: Die Quart inwendig,
17: Die Quart über dem Arm
18: Die Tertie übrn den Arm
19: Die Secund über den Arm
20: Die Secund unter den Arm
21: Die Prim unter den Arm
22: Die Prim über den Arm
23: Die Quart Revere

[Seite 3] 24: Die Quart Coupè
25: Die Quart Passè
26: Die verhenkte Tertiè
27: Die Secund Coupè
28: Die Secund: mit einen Winkel
29: Daß Überheben
30: Daß Pattiren
31: Daß girviren
32: Daß voltiren
33: Daß Circuliren
34: Daß Legiren
35: Daß Tempo in der rechten Mensur
36: Daß Tempo: nach dem Rethivieren
37: Die Quartparaten, inwendig
38: Die Quart paraten über den arm
39: Die Tertie paraten übrn den Arm
40: Die Secund paraten über dem Arm
41: Die Secund paraten unten dem Arm
42: Die Prim paraten unter dem Arm
43: Die Quart Revere paraten,
44: Die Quart Coupè paraten,
45: Die Quart Passe paraten
46: verhenckte Tertie paraten
47: Die Secund Coupè paraten

[Seite 4] 48: Cavaten paraten inwendig
49: Cavaten paraten ausweindig
50: Quart paraten inweindig dabey Camminirt
51: Quart paraten, mit einen falschen trütt
52: Die linke hand paraten;
53: Daß ablaufen auswendig
54: Daß ablaufen inwendig,
55: Von Zurück ziehung des linken füß
56: Daß Mensur brechen mit den obren Leib
57: Der spanische Arest,
58: Daß Scurziren
59: Daß verhangene Quart Lagre
60: Daß verhangene Secund Lagre
61: Daß Müttlere Secund Lagre
62: Daß obere Secund Lagre
63: Pasiren ohne Priss
64: Dessarmiren
65: Rumpiren,
66: Pasaten mit Priss
67: Pasiren: zugleich mit beyden füßen inwendig
68: Daß auswinden
69: Daß Rolliren
70: in die Paraten stoßen,

[Seite 5] Zum anfang beij Erlernung, der Edlen Fecht künst
Wird dem Scholaren gezeiget, wie er seinen Degen
ausziehen soll, weillen Vier faustwendung in fechten
sein Quart: Tertie : Secund und Prim, wird der Degen
mit Prim: ergriffen, und ausgezogen, den Daumen
leget Man grat auf daß Creutz, wo sich die fläche der
Klingen zeiget, den fordern finger unten an die parire
stangen, die andern dreij finger ergreiffen den griff
und halten denselben fest, so dan setzet Man den Link=
en fuß etwas schreg,  daß die spitze von Schuh, auf
die Linke seite siehet, hernach bringet Man den rechten
füß, Ein und einen halben Schuh lang forwärts, beyte
Absetze machen eine grate Linie, dießes gesche=
hen, so leßet Man Ihm daß lincke knieh wohl bügen
so daß das knieh etwas über die spitze deß Schuhs
hervor stehet, so dan Leßet Man daß fordere knieh
auch etwaß bügen, doch nicht so viel wie hintere,
dan auf den hinteren fuß soll der ganze Leib ruhen
dadurch Man mit den forderen füß einen flichtigen
ausstoß erlernen kan, nach diesen leßet Man den
unteren Leib wohl einschrencken, die brust hervor
bringen, den rechten Arm grat falten, doch nicht alzu
steiff, ausgestrecket, die Lincke hand dem gesicht gleich
gehalten, mit dem Gesicht siehet Man vor sich, und
helt denselben hübsch grat, Dießes heißet
eigentlich die Positure,

[Seite 6] Wan der Scholare etlich mahl in die Positure
gestellet, auch alles was Man Jhm gesraget daß
darzu gehöret wohl machet, werden Jhm die vier
wendungen der hand,  welches die vier fauzt stöße
sein: gewißen, erstlich wie  die hand in Quart ge=
halten, so er in der Positure sich befindet worbey
der Daumen oben liget, die spitze dem gegentheil
grater Linie gegen sein gesicht gerichtet, zweytens
in Tertie liget der Daumen auf der Linken seiten
die hand etwas mitrig die spitze gegen deß
Contrepart sein gesicht, in Secund liget der Daum=
men unter sich die hand etwas tiffer als die spitze
mit Prim wird garselten ein Lagre Formirt, es
wird mehrestentheils, die Prim zum einstoßen ge=
brauchet, hat der Scholare dießes gefaßet,
so weißet Man Jhm daß Caviren, wie es mit
den so foderen Gelenk so eng als es moglich soll
gemachet werden, nehmlich er leßet die spitze
grat, etwaß sinken bringet dieselbe von der
inwendig= zur auswendigen seite, jedoch so
daß die halbe stärck an deß Contreparts schw=
äge gebracht wird,, wan dießes seine richtig=
keit hat, leßet Man Jhm aus stoßen, zeiget
dabey wie er mit den fotren fuß richtig
vor tretten: oder aus stoßen soll, so weit es

[Seite 7] sein Naturel gemäß ist dabey soll daß Knieh
etwaß vorgebogen stehen, dan so daß fortere
Knieh steiff werre kente der fuß leicht auf den
Absatz ausglitschen So bald der fortere fuß
aus tritt, muß sich daß hintere Knieh zu
gleich Ferm ausstrecken, dan dadurch wird
der Leib in der Ballence erhalten, auch der
stoß verlanget, seine vollkommene richtigkeit, die
rechte hand wird hoch gehoben, die Spitze oben
um einen halben Schuh niteriger geführet,
dem rechten backen  an die Achßel gebracht
mit dem rechten Aug über den Arm nach den
stoß gesehen die linke hand kann in anfang
zurück gebracht werden, dadurch wird der
Leib schön schmall erhalten, ist alles dießes
wohl beysamen, so leßet Man dem Scholaren
seinen rechten fuß widerum an sein vorigen
ord setzen und stellet Iyhm in die ortentliche
Positure, solches leßet Man zum öffteren mahlen
machen, und noch nicht auf den Leib stoßen,
weillen der Scholare an der Hand viel beßer
zu denen, erwehnten stücken kann angewißen
werden, Man hat öffters ein ganzes Monath
zu thün, daß der Scholare sein hinteres

[Seite 8] Knieh recht aus strecket, und seine rechte hand
so heben lernet wie es sein soll, so sich aber
in stand befindet läßet Man Iyhm auf den
Leib stoßen, Ehe Man dieses anfänget
Machen beyte Ihr Complement gegen ein=
ander, solches geschiehet, Man helt im anfang
die hand mit den Degen in Secund, ziehet
mit der linken Hand den hut ab, verwendet
die hand aus Secund in Quart, streiffet
zugleich den rechten Fuß an den linken
und begiebet sich etwaß mit den Oberen
Leib hervor, alß dan wird der fus widerum
auf gesetzet, und darauf in die Positur
gestellet, es wolllen einige, Man soll gar kein
Complement, weder vor noch nach: den fechten
gemacht werden weillen es aber von Langen
Zeiten herkömlich, sehe ich solches alß, ein Stück
erlaubter höfflichkeit an, gedachtes Complement
kan so woll bey den anfang, alß auch bey dem
beschluß gemachet werden,

[Seite 9] Erstlich folge die eintheilung der Klinge
<Illustration>
Die ganze Starck  Die halbe Starck,  Die halbe Schwäg, Die ganze Schwäg
Woraus die Mensur teutlich kan judicirt werden

Die weite Mensur,

Ist wan die beyten halben schwäge aneinander
liegen, wird keiner den anderen, mit seinen
ausstoß auf den Leib erreichen kenen
NB: wan eine eine Affaire aus Resson ausgemachet
wird, pfleget Man sich in dieße Mensure
Zu stellen

Die rechte Mensure

Ist wan beyte halbe stärck, sich aneinander
befinden, Da dan durch einen ausstoß
Der Gegentheil, auf der Leib kan erreichet
oder gestossen werden,

Die falsch Mensure

Ist wan beyte Spitzen an einander ligen,
um in die rechte Mensure zu kommen, machet
man eine Finde: und setzet den linken fuß
an den rechten, dadurch kommet Man in aus
stoß: den gegentheil völlig bey

Die enge Mensure

Ist wan die ganze stärck deß gegen=

[Seite 10] theils halbe Stärck befindet, welches in offen=
siven fechten vor komet, worzu schon, gütte
gute wißenschaft erfordert wird, wobey
Man, auf alle Motions genaue achtung haben
soll, ein gesetzter Naturallist, begibet sich
öffters durch hitziges Avanciren, in die größte
gefahr, er weiß von der eintheilung der Klingen
nichts, ein geschickter fechter wird sich solches
einrücken, jederzeit zu Nutzen machen wan er
anderst in seinen Regeln bleibet, und Condenance
bey sich geschen leset,

Stringiren = oder attagiren

Heißet so viel wan Man deß gentheils Klingen
mit der seinen anbringet, es geschehe: in oder
auswendig, mit oder ohne Cavation, dabey ist
zu beobachten, daß Man die halbe stärck jederzeit
an deß gegentheils Schwäge bringet,

Avanciren

Geschiet wan beyte sich in der weiten Mensur
befinden, dan wird der fordere fuß etwaß vor=
gebracht, und so weit die hintere nach gesetzt
NB nicht nach geschleiffet, dan wo sand ist kente
man, damit außer der Mensur bleiben, besonders
wo man nach den Avanciren, gleich ausstoßet,
wird derßelbe den Leib nicht erreichen,

[Seite 11] Glisiren

Wird so verstanden, daß Man an des gegentheils
seiner Klingen, gleichsam einen graden schnit
machet, jedoch allezeit mit größter vorsicht, daß
dardurch keine blöße, den anderen in daß
Tempo zu stoßen gegeben wird,

Ein Apell

Geschiet mehrent theil, etwas weiter alß in
Der rechten Mensur, wobey der fordere fuß
etwaß in die höhe gehoben und widerrum auf den
boden geßetzet, einige wollen es gar verwerffen
weillen solches aber außer der Mensur geschiet
endecket dadurch öffters der gegner sein vor=
haben, kan es meines erachten sein verbleiben haben,

Caviren

Geschiet wan beyte klingen, in= oder auswendig
aneinander ligen, lesset Man mit den fordren
gelenk, deß arms, die Spitze ganz eng sincken
und ziehet die selbe auf der anderen seite herauf
so daß jederzeit, die halbe stärck, an die halbe Sch=
wäg zuliegen komet,

Concavieren

Hat Man Caviert, und der gegner cavirt auch
so wird zum zweyten mahl Caviert,

[Seite 12] Ricaviren

Wan zum Driten mahl mit Cavirt wird,

Findieren

Die finden werden, auf zweyerley arden ge=
machet, die erßten so von der Klingenmit mög=
licherlage=  und geschwindigkeit sein heißen
flichtige finden, die andere wird an der
Klingen, gesch[]en =oder glisirt, es kann beßer
gewißen als beschrieben werden,

Halbe Stöße

Sie werden in und auswendig gemacht, auch mit
und ohne Cavation gebraucht, man solche ding
von der Klingen gemachet, verführen sie mehr
alß die finden werden Sie aber an der
Klingen, mit guter vorsicht gebraucht, sint
solche öffters noch Nützlicher,

Dabey folgen die vier fauszt stöße,

Die Quart inwendig, kan an füglichsten ge=
Stoßen werden, wan der gegenpart, etwas
mit tieffen arm ligt, seine spitze, auf die
rechte Seite richtet, kan durch einen schnellen
austritt, deß rechten fuß, und hervorbring=
ung deß oberen Leib, die Quart inwendig an
der halben schwäge, fest eingestoßen werden,
dabey wird die hand höher alß der Kopff

[Seite 13] Die Spitze um ein merkliches tieffer gerichtet
wordurch daß Gesicht bedecket, mit den rechten
Aug wird über den arm, nach den stoß ge=
sehen, daß hintere Knie fern ausgestreckt,
Dan dießes ist die Haltung, Von ganzen
Leib, daß Votere Knie kan etwas vor gebo=
gen sein, jedoch auch nicht zu viel, sonsten
möchte daß zurück ziehen nicht so leicht gesch=
hen, wan der gegner nach stoßen wirde, auf
erst bemelde Regeln sollen alle Quarten ge=
stoßen werden, es geschehe in: oder auswen=
dig: Quart. Coupe: Quart Passe: Quart Reveres
soll die hand hoch: dabey etwaß auf die linke
Hand gebraucht, die spitze tieffer geführet werden,

Quart über den Arm

Wird gestoßen, wan deß Gegentheils spitze
auf seine Linke seiten stehet, trütt  Man
mit den foderen fuß aus, und hebet die
hand wohl in die höhe= die Spitze etwaß tieffer
mit einen kleinen winkel gerichtet jedoch
Daß der Stoß nicht fest Forsirt sondern an der
schwäge fort geschoben wird, es kann beßer ge=
wißen, als durch die Figur vorgestellet
werden,

Tertie über den Arm

[Seite 14] Wird gestoßen, wan der Gegentheil mit auß
gestreckten und mit der spitze auf seiner linken
seite liget, dan wird an der Schwäg Tertie über
den Arm gestoßen wobey die Hand etwas
tieffer alß die Spitze geführet, weillen dießer
Stoß Forschirt wird,

Secund über den Arm

So der Gegentheil mit etwas gebogenen Arm
und seine Spitze auf die linke Seite siehet, in der
Possitur liget, kan die Secund: über den arm
an dess schwäge vorgestoßen werden, dabey wird
die Hand hoch gehoben, die Spitze mit einen kleinen
Winkel, etwas tieffer geführet, mit den rech=
Sten Aug siehet Man über den arm hoch dem
Stoß,

Secund unter den Arm

Wan der Contrepart, sich etwas hoch, und mit
außgestreckten Arm gelageret, wird oben an der
schwäg, ein halber Stöß gemacht, und Secund un=
ter den arm gestoßen, wobeij die hand höher
alß der Kopf, die Spitze etwaß tieffer ge=
führet, den Kopf an den rechten Arm angelegt
mit den Linken Aug pfleget Man nach dem
Stoß zu sehen wie die Figur Pagena: 20
vorstellet,

[Seite 15] Prim unter dem Arm

Wird auf vorgergebende art gestoß außer daß
die hand etwas mehr vorsteht wird, dabey die
linke Hand tieff hervor gehalten, so widerigen
falß der hintere füß ausglischen solt, daß man
sich damit erhalten kene,

Quart Revers

Wan der Gegentheil mit ausgestreckten Arm
und mit gleicher Klingen in der Positur sich be=
vindet, kan Quart revres eingestoßen werden
die Hand hoch: die spitze etwas tieff, auch wird
herbey ein zimlicher Winkel formirt, auch
zugleig der linke Hand mit vor geschlosßen

Quart Coupè

Wan der Gegentheil, mit ausgestrecktem Arm
und grater Klingen liget, kan Quart Coupè
eingestoßen werden, dießer Stoß wird durch
einen schnit, oder halben Cavation unter den
stichblat eingesetzet, wan vorhere beyte klein=
gen inwendig an einander geweßen, dabey
wird die hand wohl gehoben, um daß gesicht:
in vorhalten: außer gefahr zu setzen,

Quart Passe

Ist der vorhergehenden fast gleich nur daß dießer
außen unter den arm eingestoßen wird,

[Seite 16] Verhenckte Tertie

Wird gestoßen wan beyte Klingen inwendig
etwaß hoch an einander ligen, machet Man eine
streichent Find, und stoßet Tertie unter der hand

Secund Coupè

Komet der vorhergentenfast gleich, nur daß
die hand in Secund gebracht wird, NB ich wolte
dieße, und die vorgengehente gar weg laßen
weillen sie aber in denen Regelen befinflich, habe
sie beyte mit einrucken wollen, wir wohl einige
dießer stöß, als ein kunst stück galten,

Secund inwendig, mit einen Winkel

Wan der gegentheil mit etwas gebogenen Arm
inwendig liget, und die Spitze auf seine rechte
seite siehet, so Attagirt Man mit Tertiè seine Kl=
inge inwendig, machet mit Quart an den halben
stärck einen halben stoß, wird der gegner mit
seiner Klinge etwas darnach gehen, dan wird
die Secund inwendig fest an der Klingen die
hand wohl gehoben, mit der Klingen einen winkel
gemacht eingestoßen, Dießer Stoß wan er
rein und geschwind gemacht, wird den Gegentheil
schwer ankomen zu pariren, es werre Dan
Daß in geschwinde Resolution sich der Ca=
vaten paraten bedienet,

[Seite 17] Daß überheben

Wird mit den forderen gelenk deß Arms gemachet
Man ziehet die Spitze, an der Klingen in die Höhe
und bringet solche auf die andere seite, gleich wie
in Caviren, die Spitze unten durch gebracht, so ko=
met, die selbe in überheben oben herüber, es soll
jederzeit so Eng als es möglich gemachet werden,

Pattieren,

Geschiehet wan der gegenheil, mit ausgestreckten
Arm und Klingen in der Positur liget, weter nach
Finden, noch halben stößen greiffet, so ziehet Man
mit den foderen gelenk, die Spitze deß Degens
jedoch ohne winckel und etwan drey finger breyt
von der Klingen, in die Höhe, und giebet mit einer
kurtzen schnellung,  auf die schwäge einen schlag
wordurch sich eine Blöße zum einstoß zeigen wird,
es kann auf dreyerley ard Pattirt werden, alß
inwendig = auswendig: und unter den Arm

Giriren

Heißet eigentlich, den Oberen Leib auf die rechte
seiten etwaß verthren, welches beßer kan ge=
zeiget, als beschrieben werden,

Voltiren

Geschiet wan Man mit den Linken fuß auf
die rechte tritt, dabey die linke hand zur Sicherheit

[Seite 18] etwaß mit hervor bringet, wie die Figur Pag:
2
115: Vorstellet,

Circulieren mit der Klingen

Wird erstling überhoben, so dan Cavirt, welches
einen Circul Formieret,

Circuliren, mit beyten füßen
bey dießen Circuliren, tritt Man mit den
lincken fuß, auf die rechte seiten, hinter den
rechten, hernach tritt der rechte fuß ebenfalß
auf die rechte Seite, wan nun dießes öffters
geschiet, wird es einen Circulle ausmachen,

Ligiren oder gewehrloß machen

Wan sich der Gegentheil mit seinen Klingen
in Quart: mit steiffen Arm, und grader Linie
befindet: kan Man ligiren, dießes geschiet
daß Man die stärcke der Klinge, an deß Ge=
genpart seine schwäge, mit Quart attagiret
darauf schnell die Hand aus Quart, in Prim
verthret, mit den Obren Leib sich etwas vorbü=
get, zu gleich mit den Klingen, an deß andren
seiner einen Schrit machet,

Tempo stöß

Bey denen Tempo stößen, hat Man ursach: folg=
ente stück, genau zu beobachten, alß erstlich die
rechte Mensur, zweyten, die fühlung der Klingen

[Seite 19] dritens die Resolution, Viertens die geschwindig=
keit, fünftens daß Tempo, Wan der gegentheil
mit gebogenen Arm inwendig an der Klingen
liget, und machet auswendig eine Find: kann in
derselbigen bewegung: Secund über den Arm
daß Tempo eingestoßen werden, die folgenten
Lectiones werden mehres davon handeln,

Quart paraten, inwendig,

Geschieht in Quart, mit einbügung deß foderen
gelenk, deß Arm, die Spitze dem gegenpart, in
sein Gesicht gerichtet, wordurch die gantze stärck
zur paraten komet, es wollen einige, daß Man
mit halb Tertié pariret, ich halte es aber vor
vortheilhaffter, weilen die schneite von der
Klingen mehr, als die fläche pariren kan,

Quart paraten, auswendig,

Wan der Gegentheil Quart über den Arm stöst
so wird die Hand scnel in Secund verwendet
und etwas tieff, die spitze gegen sein Gesicht
gerichtet, wordurch Man jederzeit mit der stärck
zur Paraten komet, es kan auch mit Quart par=
ret werden, es komet nur darauf an wie der
Scholare beschaffen, in seiner Disposition,

Tertie paraten über den Arm

Wird ebenfalß wie die vorhergehente Quart parirt,

[Seite 20] Secund paraten, über den Arm

Kan auf zweierley art parirt werden, die erstere
ist der vorhergehenten gleich, die andere wird über
den Kopff pariert, den unteren Leib wohl zusamen
gesetzt, die linke hand an den Arm, wie die Figur
Pag: 171 Vorstellet,

Secund paraten, unter den Arm

Wan der gegentheil Secund unter den Arm stoßet
so wird die hand zu gleicherzeit, in Secund ver=
wendet, die selbe hoch, die spitze auf seinen Müttleren
Leib gerichtet,

Prim paraten, unter den Arm

Wird mit der vorhergedachten paraten parirt,

Quart Revers parat

Wan der Gegentheil Quart Revers stoßet, so
wird in den selbigen Tempo, die hand aus Quart
in Secund verwendet, dieselbe hoch und die
Spitze auf seinen Müttleren Leib gerichtet,

Quart Coupè  paraten

So der Gegentheil Quart Coupé stoßen wird
swo läßet Man in denselbigen Tempo die spitze
sincken, und hebet die Hand alß wolte Man Quart
stoßen, so daß beyte Klingen inwendig anein=
ander ligen, dabey wird die hand etwaß auf
die linke hand gebracht,

[Seite 21] Quart Passe paraten

In dießer paraten, wird ebenfalß die Hand
hoch, und die spitze nitrig geführet, der unterscheit
ist, daß beyte Klingen auswendig aneinander
sich befinden,

Versenckte Tertiè, und secund Coupè paraten

Seyn beyte der Quart Coupè paraten gleich,

Cavaten paraten, über den Arm

Heißet eigentlich, wan der Gegentheil, Tertiè
oder Secund über den, Arm Forsirt, so be=
dienet sich eine schwage person in den selbigen
Tempo: der Cavation paraten, da durch wird
den gegenpart sein Forsiren ausgewichen
und die beste gelegenheit bekomen, einen
nachstoß zu thun,

Cavaten paraten, inwendig,

Geschiet, wan der gegenpart die Quart
inwendig an der schwäge ein Forsiret, daß
Man mit möglichster Lnge = und geschwindig=
keit, Caviret und parieret, und eines schn=
llen nach stoß befleißiget, NB mit dießer
Cavaten paraten, wird die secund inwe=
dig der so genante Winkel stoß pariret,
Quart paraten, inwendig zugleich Camminirt
Geschiet wan der Gegentheil, die Quart

[Seite 22] Inwendig stoßet, und nach volbrachten stoß
zurück springet, welches die franzsoßen theils
in gewöhnheit halben, dan ist dieße Regel, daß
beste, wan der gegenpart, ausen eine Find
machet, und Quart inwendig ein stoßet, Man
denselben mit Quart pariret, zu gleicherzeit
mit den Lincken fuß vor den rechten getre=
tten, die Linke hand wohl mit hervor gebracht,
wie die Figur Pag: 209:  Vorstellet,

Pariren über den Arm, dabey den linken fuß
auf die Rechte Seite zu bringen,

Geschiet, wan der Gegentheil, Quart über den
Arm stoßet, wird dießer stoß über den Kopff
parirt, zugleicherzeit, der linke fuß auf die
Rechte seite gebracht, die linke Hand an rechten
Arm gethan, worauf sich die Secund unter
den arm füglich zeiget zu stoßen,

Pariren über den Arm, zugleicherzeit
mit beyten füßen Avacirt,

Wan der gegentheil, die Quart über den
Arm stoßet, so wird dießer stoß mit Se=
cund über den Arm pariert, zu gleicher=
zeit, mit beyten füßen Avanciret,

die Lincke Hand paraten

Wan der Gegentheil, die Secund unter den

[Seite 23] Arm stoßet, wird dießer stoß mit der linken
hand auf die rechte seiten pariret, zu gleich
Secund über den Arm eingestoßen,

Daß Ablaufen auswendig,

Wan der Gegentheil, Tertiè über den Arm Forsiert
der andere in pariren sich zu schwag befindet,
so schreite Man in den selbigen Tempo zum
ablauffen, dabey wird die hand höher als der Kopff
in Secund, die Spitze mittrig: und etwas auf
die rechte seite deß Gegners gebracht, zur vor=
sicht die linke hand unter den rechten Arm
angeleget, wie die Figur: Pag: 221 Vorstellet,

daß ablauffen inwendig

Geschiet wan der Gegentheil, Quart inwendig
an der schwäge heinen Forsiret, so lesset Man
in den selbigen Tempo: mit Quart, die spitze
auf die rechte seiten sincken, die hand den
Gesicht gleich gehoben worauf die Quart
Coupè schnel kan gestoßen werden,

Von zurückziehung, deß lincken fuß

Wan der gegentheil Secund unter den Arm
stost, wird dießer stoß mit der unteren, Secund
pariret, und zugleicherzeit, der linke fuß
gleich einen ausstoß zurück gebracht, dadurch
wird den Gegentheil, seine Mensur, um eine

[Seite 24] Hand breit verkürtzet, unßer stoß aber zureichent
sein denselben zu verletzen, NB dieße ruckfäll
kenen auf verschietene stöß angebracht werde,

Die Mensur, mit den obern Leib brechen

So der Gegentheil Quart über den arm stoßet
wird dießer stoß mit Secund, etwas Nitrig
parirt zugleich der Obere Leib etwas zurück
gezogen, die Italiener wollen behaupten es
gebe einen weit geschwinderen und starckren
ausstoß.

Der Spanische Arest

Wan der gegentheil gewohnet die meinsten
stöße unter den Arm ein zu stoßen, und wie
es bey vielen geschigt, durch Negligence, daß Ge=
sicht nicht bedecket, so wird in denselben Tempo
da es unter den Arm ein stoßet, der rechte fuß
an den linken zurück gezogen, mit den Oberen
leib etwasß hervor, den unteren so viel möglich
eingezogen, die linke hand zur vorsong mit vor
gebracht, und die Spitze auf die brust gehalten
dießes kann bey offensiven fechtern zum öfftern
gebrauchet werden,

Daß Scurciren,

Geschiet wan der Gegentheil Dessarmiren oder
Passiren wolt, Man in der geschwindesten Resolution

[Seite 25] den Arm mit den müttleren gelenkt etwas zu
rück zeiget, dabey Caviret und die Spitze gegen
sein gesicht richtet, wordurch dem Gegentheil sein
Vorhaben Völig zernichtet, auch auf weitere Defen
tion gebracht wird,

daß verhangene Quart Lagre

Geschiet wan der Gegentheil , mit Finden angezogen
komet, um nach den selben nicht zu greiffen = oder
mit der Klingen darnach zu gehen, hebet Man
die hand mit Quart: hoch: dem Gesicht gleich, und
lesset die Spitze sincken, so daß solche auf den Müt=
tleren Leib gerichtet ist, wordurch die Finden
auf gehalten, und zu nichten gemachet werden,

Daß Verhangene Secund Lagre

Ist dem vorhergehenten gleich, nur daß die hand
in Secund verwendet wird, so der Gegentheil
überhebet, und Tertié über den Arm stoßet, bedi=
net Man sich deß ablauffen, sollte Er aber überheben
oben eine Find machen, und Secund unter den
Arm stoßen, kan dießer stoß Leicht pariert werden,

Daß Müttlere Secund Lagre

Ist wan der Gegentheil, mit Quart eine Find
Inwendig gemachet, hebet Man die hand den gesicht gleich
die Spitze auf seine brust gerichtet, wordurch denen

[Seite 26] folgenten Finden einhalt geschiet,

Daß Obere Secund Lagre,

In dießen Lagre werden öffters die sicheren fechter
gelocket, die Secund unter den Arm ein zu stoßen
weillen aber der Leib wohl eingeschrenket, und
die Linke hand zur paraten schon gerichtet ist, be=
trügen sie sich sehr, und wo sie ihre hand in stoß
nicht wohl heben sein sie gewiß getroffen,

Passieren ohne Priss

Heißet eigentlich so weil Man machet dem Gegen=
theil, auswendig an der schwäge mit Secund eine
Find: wird der selbe etwaß hoch, mit seiner Klingen
darnach gehen, so volbringet Man an statt deß
rechten füß den stoß mit den Linken: in Sec=
und unter den Arm hinein, wie die Figur
Pag: 272:Vorstellet,

Dessamieren oder Gewehrloß machen

Darzu gehören, Geschwindigkeit, Resolution, und
daß Tempo: wan von dießen eines fehlet ist es
nicht möglich in stand zu bringen, dan so bald der
Gegentheil Quart inwendig einstoßet, muß in
den selbigen Tempo der rechte fuß ausstrecken
der stoß sicher parirt sein, mit den Daumen daß
stichblat, mit den anderen fingern seine Gantze=

[Seite 27] Stärck der Klingen ergreiffen werden, mit der rech=
ten hand und Klingen etwas getrucket, zugleich
mit der Linken hand auf die Linke seite gezogen,

Rumpiren

Heißet so viel wan Man den Gegenpart die Quart
wohl gehoben lest über den Arm eingestoßen, so
langet Man in Geschwindigkeit, mit flacher hand
an deß Gegners halbe schwäg, gibet damit einen
truck, so wird sein Degen heraus gehen, Es werre
dan daß Er sich Refolvirt, und die hand in Secund
verwendet, dan ist es nicht möglich,

Passaten mit Priss

Darzu gehören ebenfalß, die vorhergehente Nöthige
stück, alß erstlich wohl pariren, gute Resolution,
geschwindigkeit, und Tempo : Wan der Gegen,,
theil Quart über den Arm stoßet, wird mit
Secund etwaß niter parirt, in den selben Tempo
mit den Linken fuß hinter seinen rechten getretten
und mit der Linken hand, deß Gegners seine
rechte hand ergriffen, so viel alß möglich fest
gehalten dabey sie spitze deß Degen auf seine
brust gesetzet, finde derrer Regeln darauf
darauf folgen, aus denselbigen etliche Lectiones

[Seite 28] <leer>

[Seite 29] Dabey folgen etliche Lectiones von Quart inwendig

1: Wan der Gegentheil, mit quart inwendig liget
daß seine spitze auf die rechte seite siehet, kan
die quart inwendig an der schwäge, ohne eine
Find zu machen grad gestoßen werden wie
die Figur: 1: Vorstellet,

2: Liget der Gegenpart mit etwaß gebogenen Arm
wie, pag: 3: so wird mit Tertz inwendig Stringirt
wie Pag: 4 darauf die quart behend eingestoßen
wie Pag: 5 : Vorstellet,

3: Stringit den Contre part mit Tertie in=
wendig, wie pag: 6 : Cavirt derselbe, so wird
zu gleig mit Cavirt, und quart ein gestoßen
wie Pag: 7 : Vorzeiget, =

4: Cavirt der Contre part nicht, sondern drücket
die Klingen, wird mit möglichster geschwindig=
keit ein halber stoß gemachet wie pag: 8 : und
quart inwendig eingestoßen wie pag: 9 :
Vorstellet,

5: Stingire den Gegentheil mit Tertie auswe=
ig, mache inwendig ein find: wie pag : 10 : aus=
wendig einen halben stoß alß pag: 11 : geschwind
stoßet quart inwendig wie pag: 12 zeiget

[Seite 30] handelt

Von Quart über den Arm

6: Stringire dem Gegenpart mit Tertzie in
wendig, wie pag: 13 siehet deß Contrepart
Spitze auf seine linke seite geschwind stoßet
quart über den Arm, wie pag 14 Vorstellet,

7: Stringire dem Contre part mit quart auswen=
dig wie pag: 15 machet mit quart inwendig
einen halben stoß wie pag: 16 geschwind Cavirt
und stoßet quart über den arm wie pag: 17:
Vorstellet.

8: Stringire dem Gegentheil mit quart inwendig
wie pag: 18:, darauf eine Find mit quart
auswendig wie pag: 19 : einen halben stoß
mit quart inwendig wie pag: 20 : geschwind
Cavirt, und stoßet quart über den Arm,
wie pag: 21: vorzeiget, NB Es kann auch die
quart über den Arm, mit einfachen und
gedopelten Finden gestoßen werden,

9: Stringire dem Gegenpart mit Secund au=
wendig alß pag: 22 hebet der gegner seine
Klinge etwaß in die höhe, dan gibet man
achtung auf seine bewegung, so bald sie der,
selbe herunter begibt, wird in daselbige
Tempo: quart über den Arm eingestoßen
die pag: 23: Vorweißet,

[Seite 31] 10: Stringire dem Contre part, mit quart inwendig
alß pag: 24 machet mit Secund einen halben
stoß wie Pag: 25: geschwind hebet die Spitze, und
Stoßet quart über den Arm, wie pag: 26 zeiget,

11: Stringire dem Gegenpart mit Secund aus
wendig, wie pag: 27 machet mit Secund
einen halben stoß unter seine hand, wie pag:
28: so bald der gegner, mit seiner klingen nach
den halben stoß greiffet, hebet man die Spitze
und stoßet quart über den Arm wie die
Figur pag: 29: Vorstellet,

12: Stringirt dem Gegentheil, mit Tertiè inwen=
dig wie pag: 30: machet mit quart einen halben
stoß inwendig wie pag: 31 gehet der selbe mit
seiner Klingen nach dem gemachet halben stoß
so wird behend Cavirt, und quart über den
Arm gestoßen, wie pag: 32 darweißet,

13: Stringire dem Gegenpart mit Tertiè aus
Wendig wie pag: 33: Liget es mit etwas ge=
bogenen Arm in der Positur, so machet mit
Secund an seinen Klingen einen halben stoß
wie pag: 34 bleibet der selbe ohne nach den
halben stoß zu gehen Liget geschwind ver=
wendet, man die hand in quart, und

[Seite 32] hebet dieselbe wohl hinein wie pag: 35 : zeiget
14: Greiffet der gegner nach den halben stoß, so
wird durch geschwinde Resolution inwendig
eine Find gemachet: wie pag:37: behend Cavirt
und quart über den Arm gestoßen, wie
pag: 38: vorweißet,

15: Stringire dem Conter part mit Secund aus=
wendig, alß pag: 39: machet mit Secund in=
wendig einen halben stoß fest an seiner
Klingen: pag: 40 drucket der gegner mit
seiner klingen den gemachte halben stoß
dan wird mit möglicher geschwindigkeit ca=
virt und quart über den Arm gestoßen
wie pag: 41 Vorstellet

Von Tertié über den Arm

16: Stringire dem Gegentheil mit Tertie inwen=
dig, wie pag: 42: Cavirt derselbe, so wird in=
den selbigen Tempo, die Tertié an der schwäg
über den Arm gestoßen wie pag: 43 zeiget,

17: Stringire dem Gegenpart mit Tertie aus=
wendig, wie  pag: 44: machet mit Tertie in=
wendig, eine Find: 45 fähert der gegener mit
seiner Klingen darnach, so wird behend
Cavirt: und Tertiè über den arm gestoßen
wie pag: 46 : darweißet,

[Seite 33] 18: Stringire dem Contre part mit Tertiè aus,
wendig, wie pag: 47 Cavirt derselbe, dan
wird zu gleich mit Cavirt, und an der schwäge
Tertié über den Arm getoßen, wie die
Figur: pag: 48 Vorstellet,

19: Stringire dem Gegentheil mit Tertié in=
wendig, wie pag: 49 Drucket Er mit seiner
klingen, so machet man einen halben stoß
mit quart grate zu wie pag: 50: geschwind
Cavirt, und stoße Tertiè über den arm
wie pag: 51 zeiget, NB:  So der Gegenpart
mit gebogenen arm, die spitze höher als
daß gefäß Liget, ist es nicht wohl möglich
Tertiè über dem arm zu stoßen

Von Secund über den Arm

20: Stringire den Gegenpart mit Tertiè in
wendig wie pag: 52: ligt der selbe in grader
Linie und Cavirt: stoße man in den selben
Tempo Secund über den arm wie pag: 53:
Vorstellet,

21: Stringire dem Contre part, mit Secund
auswendig, machet mit Secund einen
halben stoß unter seine hand: 55 geriffet
der selbe darnach, dan wird mit geschwindig
keit Secund über den arm gestoßen

[Seite 34] wie pag: 56 vorstellet,

22: Stringire dem Gegenpart mit Secund aus=
wendig wie pag: 57: machet mit secund in=
wendig einen halben stoß gegen sein Gesicht
wie pag: 58 drucket der gegentheil, den halben
stoß, so wird in möglichster geschwindigkeit
Cavirt, und Secund über den arm: gestoßen
wie pag: 59 anzeiget,


23: Stringire dem Contre part, mit quart inwen=
dig, wie pag: 60: machet mit quart eine Finde
wird der gegner Legiren: 61: in den selben Tempo
Cavirt, und Secund über den arm ein=
gestoßen, wie pag: 62: Vorstellet,

24: Stringire dem Gegentheil mit Secund aus
wendig, wie pag: 63: machet mit quart
inwendig einen halben stoß wie pag: 63:
gehet der gegner mit seiner klingen nach
den halben stoß, dan wird behend Cavirt
und Secund über den arm gestoßen
wie pag: 64: Vorzeiget,

Von Secund unter den Arm

25: Stringire dem Gegenpart mit quart in=
wendig: stost der gegner quart über den
Arm, wie pag: 65: so pariret dießen stoß mit
mit Secund über den Kopf setzet den

[Seite 35] unteren Leib wohl zu samen, und schließet
die Linke hand mit vor, wie pag: 66 : geschwind
stoßet Secund unter den Arm, wie pag: 67:
Vorstellet,

26: Stringire dem Gegenpart mit quart in=
wendig, wie pag: 68 : Cavirt derselbe, so wird
In dießen Tempo ein halber Stoß mit Secund
gegen daß Gesicht gemachet, wie pag: 69: und
Secund unter den Arm gestoßen wie pag:
70: Vorweißet

27: Stringire dem Contre part, mit Tertie aus,,
wendig, wie pag: 71 machet mit Secund
eine Finde unter seine hand wie pag: 72:
darauf einen halben Stoß gegen sein Gesicht
wie pag: 73: und stoßet Secund unter
den Arm, wie pag: 74: zeiget,

Von Prim unter den Arm

28: Stringirt dem Gegenpart mit Secund aus
wendig, wie pag: 75: machet mit Secund
an der Klingen einen halben swtoß wie pag:
76: wird der gegner dießen halben Stoß etwas
in die höhe pariren, so stoßet geschwind Prim
unter den Arm, wie pag:77: Vorstellet,
NB dieße Prim unter den arm, kann sich eine
Kleine person an besten bedienen,

[Seite 36] von Prim über den Arm

29: Stringire dem Gegentheil mit Secund aus=
wendig, wie pag: 78: machet mit Secund
eine Finde inwendig wie pag: 79: so dan
einen halben stoß gegen sein gesicht wie
pag: 80: wird der Gegner nach dem ge=
machten halben stoß nicht greiffen so ver=
wende man schnel die hand und stoße
Prim über den Arm, wie die Figur pag:
81: vorzeiget, NB dießer Prim stoß kan
eine Große Person gar wohl anbringen,

Von Quart Revers

30: Stringire dem Gegenpart mit Tertie aus
wendig, wie pag: 82: Cavirt der selbe, den
augenblick verwendet die hand und stoßet
Quart Revere wie pag: 83: Vor stellet,
NB: die Quart Revere kann nicht gestoßen
werden, wan der Gegenpart mit gebog=
enen Arm, die Spitze hoch, und die hand
etwaß tieffer in der positur sich findet,

31: Liget der Contre part mit graden Klingen
in der positur, so Stringirt den selben mit
quart inwendig, wie pag: 84: wird der
Gegentheil Caviren, so wird ganz enge
und geschwind mit Cavirt: zugleich quart=
Revere gestoßen, wie pag: 85: Vorzeiget,

[Seite 37] Von Quart Coupé

32: Stringire dem Gegenpart mit Tertié in=
wendig, wie pag: 86: machet mit quart an
der Klingen, einen halben stoß gegen sein Ge=
sicht, wie pag: 87: greiffet der gegner mit
seiner Klingen, und öffnet ein Blöße unter
den Arm, so lesset man die Spitze schnell
sincken, hebet die hand wohl hoch, und stoßet
quart Coupè, unter seiner hand hinein
wie pag: 88: Vorstellet,

33: Stringire dem Gegentheil mit Secund aus=
wendig, wie pag: 89: Cavirt der selbe, so machet
in denselben Tempo mit Secund inwendig
an der Klingen einen halben stoß wie pag:
90: so dan verwendet die hand in quart, und
stosset quart Coupè, wie pag: 91:Vorzeiget,

Von Quart Passe

34: Stringire dem Contre part mit Tertie aus,,
wendig, wie pag: 92: machet mit quart einen
halben stoß, gleichsam, alß wollte man quart
über dem Arm ein stoßen, wie pag: 93:
wird der gegentheil, dem halben stoß etwas
hoch pariren, so kann mit der geschwindigkeit
quart passe gestoßen werden, wie die Figur
pag: 94: Vorstellet

Die verhenkte Tertiè

35: Stringire den Contre part, mit Tertie auswen,,
dig wie pag: 95: Cavirt der selbe, so machet,

[Seite 38] mit gedruckter Tertiè an der Klingen einen
halben stoß wie pag: 96: greiffet der gegner
etwas hoch nach dem gemachten halben stoß
so wird mit möglicher geschwindigkeit Tertiè
unter den Arm gestoßen wie pag: 97:
Vorstellet,

Von Secund Coupè

36: Stringire dem Contrepart mit Secund aus=
wendig, wie pag: 98: Cavirt derselbe, so ver=
lässet man sich in denselben Tempo in die unter=
er Secund: wie pag: 99: Vorstellet,

Secund der Winkelstoß,

37: Stringire dem Contrepart mit Tertie in=
wendig, wie pag: 100, machet mit quart an
der schwäge einen halben stoß wie pag: 101:
greiffet der gegner nicht nach den halben
stoß, geschwind verwendet die hand in Secund
und stoßet die selbe in wendig mit einen
winkel ein wie pag: 102: etwaß zeiget,

von Überheben

38: Stringire dem Gegenpart mit Secund
auswendig, wie pag: 103: als dan ziehet mit
den vodern glenk die Spitze deß Degens zu
rück <eingefügt: 104> jedoch ohne einen winkel zu machen
und bringet die selbe über daß andern
seine Klinge zugleich stoßet quart inwen=
dig, wie pag: 105: Vorstellet,

[Seite 39] 39: Stringire dem Contre part mit quart in=
wendig, wie pag: 106, uberhebet die Klingen
wie pag: 107: so dan Cavirt, und machet mit
quart einen halben stoß wie pag: 108: ge=
schwind Cavirt, und stoßet quart über den
arm, wie pag: 109 Vorweißet,

Von Pattiren

40: Stringire dem Contrepart, mit halb Tertiè 110
befindet sich derselbe in grader Linie, so
daß hand und spitze gleich Liegen, dan ziehet
man die spitze deß Degens etwas in die
höhe, und schnelet, oder patirt, auf deß ge=
gners seine halbe schwäg wie pag: 111: geschw=
ind stoßet quart inwendig wie pag: 112:
vorstellet, NB Es ist zu mercken, wan der
Gegenpart, mit der Spitze hoch, und mit
der hand etwas niedrig Liget, daß das
patiren ohne effecet ist, und man geringen
nutzen davon haben wird,

41: So der Contre part sich in graden Linie be,,
findet, so Stringire den selben auswendig:
wie pag: 113: Cavirt der gegner, so gibet
man mit quart eine pattute wie pag: 114:
machet, mit quart inwendig einen halben
stoß: wie pag: 115 und stosset quart über

[Seite 40] den Arm, wie pag: 116: Vorstellet,

Von Girriren

42: Stringire dem Contrepart mit Tertie in=
wendig, wie pag: 117: Cavirt, und machet zu=
gleich mit Tertiè eine pattute wie pag: 118,
darauf mit geschwindigkeit einen halben
Stoß wie pag: 119: und stoßet Secund unter
den Arm, wie pag: 120: darstellet,

Giriren gehöret hieher

43: Stringire dem, Gegenpart, mit Tertie aus=
wendig, wie pag: 121: Cavirt der selbe und
stoßet quart inwendig, wie pag: 122: so
parirt deßen stoß mit quart etwas hoch
zu gleicher Zeit, verthret die linke Schulter: 123:
auf die rechte seite, und Aredirt Ihm mit
quart inwendig an der Klingen, wie pag:
124: Vorstellet,

von Ligiren

44: Wan der Contre part sich mit grader Liniè
in Positur befindet, so Stringirt den selben
mit quart auswendig: wie pag: 125: Cavirt
der gegner, so machet man eine Legation
wie pag: 126: darauf einen Ganzen stoß mit
Secund über den Arm, wie pag: 127: zeiget,

45: Stringire den Gegentheil, mit quart in=
wendig, wie pag: 128: machet eine Legation
wie pag: 129: darauf mit Secund einen=

[Seite 41] halben Stoß gegen sein Gesicht wie pag: 130:
und stoßet Secund unter den Arm wie
pag: 131 : Vorstellet,

Von Voltiren

46: Stringirt dem Gegenpart mit quart in=
wendig, wie pag: 132: machet mit, quart eine
Finde ganz eng auswendig, wie pag: 133:
greiffet Er darnach, geschwind Cavirt, und
machet mit quart: eine voltè wie pag:
134: teutlich vorstellet,

47: Stringire dem Contre part mit Tertiè aus
wendig, wie pag: 135: Cavirt der selbe, so ver=
wendet die hand in quart, und voltieret
wie pag: 136: Vorweißet,

48: Stringirt dem Gegentheil mit quart in
wendig, machet ein halbe Legation, wie pag:
137: stoßet der gegner quart über den
Arm, geschwind Cavirt, und voltiert quart
inwendig, wie pag: 138: Vorstellet,

Von Circuliren mit den Degen oder Klingen

49: Stringire dem Contre part, mit quart in=
wendig, wie pag: 139: überhebet die Klingen
wie pag: 140: Cavirt machet einen halben stoß
mit quart nach seinen Gesicht wie pag: 141,
und stoßet behent quart Coupè wie
pag: 142 zeiget,

[Seite 42] von Tempostoß inwendig,

50: Stringire dem Contre part mit Tertie aus=
wendig , wie pag: 143: Cavirt derselbe, so muß
in den selben Tempo quart inwendig an
der schwage ein gestoßen werden, wie
pag: 144: Vorweißet,

Tempostoß mit Tertiè über den Arm

51: Stringire dem Contre part mit Tertiè in=
wendig, so die halbe stärck an die schwäge
gebracht wird,wie pag: 145: so bald der gegner
Cavirt, wird in daselbe Termpo Tertiè über
den arm gestoßen wie pag: 146: zeiget,
Tempostoß mit Secund über den Arm

52: Bey jeden Tempo stoß, soll bey den Stringiren
die halbe stärck an deß andern seine schwäge=
gebracht werden, die rechte Mensur erhalten
die fühlung der Klingen, die Resolution
daß Tempo: und geschwindigkeit, auf daß
genaueste observiert werden, Dahero man
dem Contrepart mit Tertié inwendig String
iret, wie pag: 147: an bey ist die fühlung, nun
nümt man sich vor, so bald den Gegenpart
Cavirt, wird mit der geschwinden resolution
die Secund über den Arm ins Tempo ein
gestoßen wie pag: 148: vorstellet,

Tempostoß unter den Arm

53: Stringire den Gegentheil, mit Secund aus
wendig, wie pag: 149: machet derselben <durchgestrichen: einen>

[Seite 43] mit Secund einen halben stoß gegen daß Gesicht
wie pag: 150: dan stosset in den selbigen Tempo
Secund unter den Arm wie pag: 151: zeiget,

Tempostoß Quart Coupè

54: Stringire dem Contre part, mit quart inwen=
dig, wie pag: 152: dabey wird genau auf deß,
gegners seine bewegung, gesehen, so bald
derselbe an der Klingen einen halben stoß ge=
gen daß Gesicht machet es sey in oder aus=
wendig, so kann mit möglicher geschwindigkeit
quart unter den Arm ein gestoßen
werden, wie pag: 153: Vorstellet,

Von Tempostößen Rethir<i>en

55: Gleich wie die Tempo stoß in Avanciren
verwehret worden, so kenen solche auch in
Rethirien gemachet werden, die vorherge=
hende grünte, müß hierbey ebenfalß auf
daß genaueßte beobachet werden,
Stringirt dem Gegenpart mit Tertie aus=
wendig, wie pag: 154: Cavirt der gegner
und machet einen halben stoß wie pag: 155:
so gehet man mit der Klingen darnach und
Retivirt sich: Avancirt derselbe und Cavirt
so wird daselbige Tempo quart in=
wendig ein gestoßen, die hand dabey et=
waß auf die Linke spitze gebracht wie pag: 156:

[Seite 44] 56: Stringire dem Contre part mit Tertiè in=
wendig, wie pag: 157. Cavirt den selbe und
machet eine Find, oder halben stoß wie pag:
158: so Cavirt und Rethiviert man sich, Avan=
cirt, der Gegenpart und Cavirt zugleich, so
wird in derselbigen Tempo Secund über
den Arm gestoßen, wie pag: 159: vorzeiget,

57: Stringire dem Gegenpart mit quart in=
wendig: wie pag: 160: machet derselbe einen
halben stoß mit quart inwendig, wie
pag: 161: so greiffe man nach den halben stoß
und Retivire sich: wird der gegentheil Avan=
ciren: und Caviren, so stoßet in den selbigen
Tempo Quart inwendig wie pag: 162: zeiget,

Von Pariren inwendig

58: Stringire dem Contre part, mit Tertie aus
wendig, wie pag: 163: Cavirt derselbe und
stoßet quart inwendig, wie pag: 164 so pa:
riret deßen stoß mit quart inwendig, wie
pag: 165: zeiget,

Von Pariren auswendig,

59: Stringire dem Gegenpart mit Tertie in=
wendig, wie pag:166: machet der gegner
einen halben stoß mit quart inwendig
wie pag:167: und stoßet quart über den
Arm so pariret deßen stoß mit Secund:
Darauf machet mit Secund einen

[Seite 45] Von Secundparaten über den Kopf

60: Stringire dem Contre part mit Tertiè inwendig,
und gebet eine wißendliche blöße über den
arm, wie pag: 169: wird der Gegner: Quart oder
Secund über den Arm stoßen, wie pag: 170:
so pariret dießen stoß mit Secund über den
Kopf, wie pag: 171: darauf stoßet mit möglich=
ster geschwindigkeit: Secund unter den Arm
wie pag: 172: Vorstellet,

Die Secundparaten unter den Arm

61: Stringire dem Gegentheil mit Secund auswendig
wie pag: 173: wird der gegner oben eine Find
machen, darauf Secund unter den Arm stoßen
wie pag: 174: so parirt deßen stoß mit der untren
Secund paraten, wie pag: 175: machet an seiner
Klingen eine gestrichene Find, und stoßet Secund
über den Arm wie pag: 176: zeiget,

Cavatenparaten über den Arm

62: Stringire dem Gegenpart mit Tertiè inwendig,
daß eine kleine blöße außen zeiget, wie pag: 177:
leßet sich der Gegner die Lust auffkommen, in die blöße
zu stoßen wie pag: 178: wird durch geschindi=
keit, Cavirt und parirt, zu gleich die Quart Revers
ein gestoßen, wie pag:179: Vorstellet,

63: Cavatenparten inwendig

Stringire dem Contre part mit Tertiè in=
wendig, wie pag: 180: Cavirt der Gegentheil
so drucket seine klinge etwas, daß sich in=
wendig eine kleine blöße zeiget, wird der
Gegenpart inwendig einstoßen wie pag: 181:

[Seite 46] so wird mit möglichster Geschwindigkeit Cavirt
und parirt, darauf schnel Secund unter
den Arm eingestoßen, wie pag: 182: zeiget,

Die Quart Reversparaten

64: Stringire dem Contrepart mit Quart in=
wendig, wie pag: 183 gebet eine blöße zur
Quart Revers, wird der Gegner in die blöße
stoßen, wie pag: 184: so wird die hand schnel
in Secund verwendet, auch zugleich Secund
unter den Arm mit eingestoßen wie
pag: 185: Vorzeiget,

Die Quart Coupèparaten

65: Stringire den Gegenpart, mit Quart inwendig
wie pag: 186: machet, der Gegner mit Quart
einen halben stoß gegen daß Gesicht wie
pag:187: und stoßet Quart Coupe`, wie pag
189: so pariret dießen stoß mit Quart Coupè
paraten, wie pag: 190: zugleichen zeit stoßet Quart
Coupè an der Klingen mit ein, in den stoß soll
die rechte hand etwas auf die Linke Seiten ge=
bracht die linke Hand zur vorsicht an Arm gehalten
werden, wie pag: 191: Vorstellet,

Die Quart Passeparaten

66: Stringiret den Gegentheil, mit Tertie auswen=
dig wie pag: 192: machet der Gegenpart mit
Quart, gratzu einen halben stoß gegen daß Gesicht
wie pag: 193: und stoßet Quart Passe: wie pag: 194:

[Seite 47] so wird dießer Stoß mit Quart Passe paraten
pariret: wie pag: 195: darauf wird mit Secund
an seiner Klingen, eine starcke Glisate gemachet
und Secund: wohl gehoben: über den Arm ge=
stoßen, wie pag: 196: zeiget, Man kan auch nach
der Quart Passe paraten, statt der Glisate, die
Secund unter den Arm in geschwinder Eyle
an der Klingen ein stoßen,

Die versenkte Tertièparaten

67: Stringire dem Contre part, mit Quart inwendig
wie pag: 197: machet derselbe, mit Tertié einen
halben stoß gegen daß Gesicht, wie pag: 198: und
stoßet Tertié unter den Arm wie pag: 199: so wird
dießer stoß mit der Quart Coupé paraten parirt
wie pag: 200: darauf wird mit Secund ein halber stoß
gegen sein Gesicht gemachet, dabey die Linke hand
mit vor gebracht, so bald der Gegenpart, nach dem
halben stoß mit seine Klingen gehet, wird schnell
Secund unter den Arm eingestoßen, wie pag: 201:
zeiget, so Er aber nach den halben stoß nicht gehet, wird
die Secund über den arm fest eingestoßen,

Die Secund Coupèparaten

68: Stringire dem Gegenpart mit Tertie aus=
wendig, wie pag: 202:machet der selbige
mit Quart inwendig einen halben stoß gegen
daß Gesicht, wie pag: 203: und stost darauf

[Seite 48] Secund Coupè, wie pag: 204: so pariret dießen
stoß mit der Quart Passe paraten wie pag: 205:
so Dan stoßet behend Secund über den Arm
wie pag: 206: Vorzeiget,

Die Quartparaten mit vortrettung des linken fuß

69: Stringiret dem Gegenpart, mit Tertiè auswendig,
wie pag: 207: stoßet derselbe Quart inwendig ein
wie pag: 208: so pariret dießen stoß mit Quart
inwendig, in dießen Tempo, trettet mit den Lin=
cken fuß vor dem rechten, wie pag: 209: wird Er
sich nach vollbrachten stoß mit einen rucksprung helffen
und zugleich Caviren, so machet mit Secund oben
eine Find, und stoßet Secund unter den Arm
hinein, wie pag: 210: Vorstellet, NB dieße Lection
zielet meinsten dahin, wan der Gegner, nach vol=
brachten stoß: zurück springet, um aus der Mensure
zukommen, welches Ihm aber fehlen wird, wan es Acc=
rat, und zurrechter Zeit gemachet wird,

Die Quart paraten nebst vorsetzung deß linken fuß

70: Stringiret dem Contrepart mit Tertiè auswendig
Wie pag: 211: gebeteden gegner mit etwas getruckter
klingen ein blöß, so bald Er in die Blöß Quart
inwendig ein stoßet, wie pag: 212: so pariret
dießen stoß, und trettet zu gleich mit den Linken
Fuß hinter den rechten, wie pag: 213: machet mit
Quart einen halben, stoß gegen daß Gesicht wie pag: 214:
und stoßet Quart Coupè, wie pag: 215: Vorzeiget,

[Seite 49] Die linke Handparaten

71: Stringiret dem Contre part mit Secund aus=
wendig, und schließet die linke hand an den rechten
Arm, wie pag: 216: wird der Gegner Secund
unter den Arm stoßen, wie pag: 217: so parirt
deßen stoß, mit der linken hand auf die
rechte seite, hin aus, zu gleicherzeit stoßet
Secund über den Arm wie pag: 218: vorstellet

daß ablauffen auswendig

72: Stringiret den Gegenpart, mit Tertié in=
wendig, wie pag: 219: Cavirt der Gegner und
Forsirt: Tertie: oder Secund über den Arm
wie pag: 220: so läßet man ablauffen wie
pag: 221: dabey wird die linke hand mit ange=
schloßen, darauf mit möglicher geschwindig=
keit Secund inwendig eingestoßen wie
pag: 222 : Vorzeiget,

Daß ablauffen inwendig,

73: Stringiret dem Gegentheil mit Quart in=
wendig, wie pag: 223: wird der selbe Quart
inwendig, an der schwäge hinein Forsieren, wie
Pag: 224: dan läßet man in geschwinder
Eyl ablauffen, wie pag: 225: überhebet und
stost Secund über den Arm wie pag: 226: zeiget
NB man kan auch nach dem Ablaufen, gar füg=
lig Quart Coupè nach stoßen, wan anderst
daß Ablauffen recht gemachet ist, dießes
Ablauffen kan beßer gewißen, als durch die Figur vorgestellet werden,

[Seite 50] Von zurückziehung deß linken fuß

74: Stringiret dem Contre part, mit quart inwen=
dig, wie pag: 227: machet der gegner einen halben
stoß inwendig, wie pag: 228: und stost Quart
über den Arm, wie pag: 229: dan wird in
denselben Tempo: der linke fuß zurück ge=
setzet, gleig einen ganzen stoß, und sich in
die untere Secund verfallen, wie pag:230:
Vorstellet,

Die Mensure brechen

75: Stringiret dem Gegenpart mit quart in=
wendig, wie pag: 231: stoßet der gegner quart
über den Arm, wie pag: 232: so pariret deßen
stoß wie gewöhnlich, und ziehet den Oberen Leib
zu gleich etwas zurück, wie pag: 233 : darauf
folget in geschwindigkeit ein halber stoß ge=
gen daß rechte Aug, wie pag: 234: so dan quart
unter den Arm eingestoßen, wie pag: 235:
Vorweißet,

Daß pariren zugleich mit beyten füßen in die Mensur gehen

76: Stringiret dem Gegenpart mit Teritiè inwendig,
wie pag: 236: machet der selbe ein Finde inwendig
und stost Quart über den Arm, wie pag: 237:
als dan wird dießer stoß mit Secund über
den Arm parirt, die linke hand mit angesch=
loßen, zu gleicherzeit mit beyden füßen Avan=
Cirt, wie pag: 238: darauf behend Secund

[Seite 51] unter den Arm eingesotßen, wie pag: 239:
Vorstellet,

Daß Aufwinden

77: Stringiret dem Contrer part, mit Secund
auswendig, wie pag: 240: stoßet der gegner
Secund unter den Arm, wie pag: 241: so
pariret dießen stoß mit der untren Secund
paraten, wie pag: 242: Darauf thret deß Ge=
gentheil seine Klingen: mit der Eurigen, daß
beyde inwendig an einander ligen wie pag:
:243: machet mit Quart einen halben stoß in
wendig, wie pag: 244: Cavirt stpßet Quart
über den Arm, wie pag: 245: Vorstellet,

Daß <>lliren

78: Stringirt dem Contrepart mit Quart inwen=
dig, wie pag: 246: machet der Gegner mit Quart
inwendig, einen halben stoß gegen das Gesicht
wie pag: 247: und stoßet Quart Coupè, so
wird mit Quart Coupè paraten parirt, wie
pag: 248: threet deß gegners seine Klinge
daß beyte auswärts an einender zu Ligen
komen, wie pag: 249: machet mit Quart einen
halben stoß gegen sein Gesicht, wie pag: 250:
dan stoße mit wohl gehobener Hand
die Quart Passe, unter den Arm
wie pag: 251: Vorzeiget,

[Seite 52] Der Spanische Arrest

79: Wan der Contre part, offencive: Attaquirt
dabey: Quart: oder Secund unter den Arm
stoßet, wie pag: 252: so ziehet man den rechten
Fuß zurück an den linken, machet den unteren <eingefügt: Leib>
hohl, schließet die linke hand hervor, und Arestirt
Ihm, mit der spitze auf seiner brust, wie
Pag: 253: Vorstellet,

Daß verhangene Quart Lagre

80: Wird der Contre part mit Tertiè auswendig
Stringiren, wie pag: 254: so hebet man die hand
hoch, und lesset die spitze sincken, wie pag: 255:
verwendet der Gegner sein Lager zu gleig
in daß Verhangene Quart Lager, so machet
mit Quart einen halben stoß gegen sein
Gesicht, schließet dabey die Linke hand an recht=
en Arm, wie pag: 256: und stoßet Quart
Passe, wie pag: 257: Zeiget,

Daß verhangene Secund Lagre

81: Stringiret dem Gegenpart mit Quart
inwendig, wie pag: 258:  darauf verendert
daß Lager, Verwendet die hand in Secund
dieselbe dem Gesicht gleig, die Spitze auf den
untern Leib gerichtet, wie pag: 259: stoßet
der gegner Secund unter den Arm, wie pag:
260: so pariret deßen stoß, und stoßet die
Secund zu gleig mit ein, wie pag: 261: zeiget,

[Seite 53] Das müttlere Secund Lagre,

82: Stringirt dem Gegenpart mit Secund aus=
wendig, wie pag: 262: machet der Gegentheil
mit Secund einen halben stoß unter die hand,
wie pag: 263: so hebet die hand, die Spitze auf
den Müttleren Leib gerichtet, wie pag: 264: habet
achtung, auf daß Tempo: so bald der gegner
Quart über den Arm stoßet, wie pag: 265:
man in den selbigen Tempo Cavirt, und Quart
inwendig voltirt: wie pag: 266: Vorstellet,

Daß obere Secund Lagre,

83: Stringiret dem Contre part,  mit Quart in,,
wendig, wie pag: 267: Cavirt der selbe, so
Begibt man sich in daß ober Secund Lager
wie pag: 268: so bald der Gegner eine Finde
unter die hand machet, man in denselben
Tempo: Secund über den Arm ein stoßet
wie pag: 269: Vorstellet,

Von Passiren ohne Pris

84: Stringiret dem Gegenpart mit Tertie aus=
wendig, wie pag: 270: machet Ihm mit Secund
einen halben stoß gegen sein Gesicht wie
pag: 271: darauf trettet mit größter gesch=
indigkeit, mit den linken statt deß rechten
Fuß hervor, und stoßet zu gleichenzeit
Secund unter seinen Arm wie pag
272: Vorstellet,

[Seite 54] das Dessamiren

85: Stringiret dem Contre part mit Tertie aus=
wendig, wie pag: 273: machet der gegner
eine Find: oder halben Stoß an der Klingen
und stoßet Quart inwendig, wie pag:
274: so pariret deßen stoß mit halb
Tertiè, zugleichenZeit trettet mit den
rechten fuß gleich einen ausstoß hervor
ergreiffet mit der linken hand sein
Degen gefäß, so daß der Daumen oben in
gefäß: oder stichblat ist, die finger an die
Klingen gebracht, mit der Linken hand
wird auf sich gezogen, und mit der Klinge
gedrucket, wie pagena: 275: Vorstellet,

Daß Rumpiren

86: Stringiret dem Contre part mit Tertiè in=
wendig, wie pag: 276: machet mit Quart
einen halben stoß an der Klingen, wie pag:
277: geschwind stoßet Quart über den
Arm, wie pag: 278: sitzet dießen stoß fest
so ergreiffet mit der Linken hand, seine
schwäge, und drücket es unter sich, die
recht hand  wird so viel als möglich ge=
hoben, dan wird der Degen gar
Leicht heraus fallen, die Figur pag:
279: zeiget ein und anderes an,

[Seite 55] Passiren mit Pris,

87: Stringiret dem Contre part, mit Tertie in
wendig, dabey gibet man eine kleine Blöße
über den Arm, wie pag: 280: stoßet der
gegner Quart über den Arm, wie pag: 281:
so pariret deßen stoß, wie pag: 282: trettet
zugleig mit den Linken fuß, hinter seinen
rechten dem Elebogen auf die Brust gesetzet
wie pag: 283: Vorstellet,

88: Holte der Gegenpart, mit seiner linken
hand, nach füren den Degen greiffen, wie pag:
284: so verwende Man sich schnel mit den
Leib, und trette mit den rechten fuß hinter
den Lincken, bringet zu gleicher Zeit dem
Degen auf dem Rücken, die Spitze auf deß
Gegners Leib, wie pag: 285: Zeiget,

89: Stringiret dem Contrepart, mit Tertie aus
wendig, wie pag: 286: machet der Gegner
an der Klingen einen halben stoß, wie
pag: 287: und stoßet Quart inwendig, wie
pag 288: so pariert deßn stoß mit Cavaten
paraten, wie pag: 289: und machet die
vorhergehente Passaten, wie pag: 290: zeiget,

90: Stringiret dem Contre part, mit Tertiè
inwendig, wie pag: 291: darauf gebet=

[Seite 56] eine falsche Blöß über den arm, wie pag:
:292: machet der Gegnereinen halben stoß
an der Klingen, wie pag: 293: und stoßet
Secund über den Arm, wie pag: 294: so
lasset dem stoß ablauffen, wie pag: 295:
inderselbigen Tempo: trettet mit den Linken
fuß, an seinen rechten, ergreiffet Ihm
mit vertrheter hand bey seiner schwäge
deß Arms, und thret denselben, auf die
Linke seite, will man einen umsturtz
mit Ihm vor nehmen, so rucket man mit
den Linken fuß an seinen rechten etwas
wie pag: 296: etwas Vorstellet,

91: Oder so der Gegenpart Quart über den
Arm stößet, kan derselbe stoß, mit Secund
über den Kopf pariret werden, wie pag:
297: so dan die vorhergehente Passate, das=
auf folgen, wie Pag: 298: Vorzeiget.
NB: Die Passaten kenen beßer durch
anweisung erlernet, als durch Figuren
Vorgestellet werden,
Bis hirher Von Anfangs Gründen etlich
er Lectiones, worauf die Contre Lectiones
folgen sollen,

[Tafel 1r bis Tafel 81r] Illustrationen


[Seite 65] Es ist bekant, daß auf alle Lectiones, eine
Contre Lection kan gemachet werden, wo=
ferrner die, Stöße vorhero, Eng und wohl
Pariret seyn deßwegen auf die vorher=
gehente Stöße einige Contre Lection folgen
Und mit Figuren vorstellen werden soll,

Auf die Quart inwendig

1: Dieße Quart inwendig, kan durch einbügung
deß vorderen  Gelenk etwaß getrucket, die spitze
gegen deß Contrepart, seinen Gesicht gericht,,
et, gar wohl mit Quart pariret werden
wie pag: 299: mit möglicher geschwindig=
keit an der Klingen eine glissirent Finde
gemachet, und Quart über den arm ge=
stoßen, wie pag: 300: Vorstellet,

2: Dießer Stoß kann durch geschwindigkeit, mit
Cavaten paraten, etwas hoch pariret werden
wie pag: 301: zu gleicher Zeit mit Secund ein halber
stoß gegen daß Gesicht gemachet, wie pag: 302:
dan geschwind Secund unter den arm einge=
stoßen, wie pag: 303: vorweißet,

3: Wan der Contrepart, die Quart, inwendig an
der schwäge hinein forsiret, so kann man sich deß
inwendigen ablauffen bedienen, wie pag: 304:
geschwind Secund unter den arm stoßen wie
Pag: 305: zeiget,

[Seite 66]

4: Wan der Contre part gewohnet mit Quart einen
halben stoß zu machen, wie pag: 306: so wird in
denselbigen Tempo, daß verhangene Quart Lagre
Formirt, wie pag: 307: wordurch dem Gegner
nicht alleine seine erste Resolution benomen,
sondern auch daß Caviren Verwehret wird
derselbe zur zweyten Resolution schreiten nehm=
lich überheben  und Quart inwendig stoßen, wie
pag. 308: so bringe man die spitze deß Degens
so eng als möglich etwas in die höhe, und parire
Deßen stoß, wie pag: 309: als dan wird mit
möglichster geschwindigkeit Quart Reveres
eingestoßen, wie pag: 310: Vorstellet,

5: Denen Finden kann man auf dreyerley arten
begegnen, erstlich durch genaue einsehung der
Mensur, ob beyte schwäge, oder halbe stärck an=
ein ander Ligen, Zweyten kenen solche durch
verhinderung, deß verhangenen Quart oder
Secund lagers auf gehalten werden Dritens
durch Resolute Tempo stöße,
bey der Ersten begibet man sich, in ein wohl zu=
samen gesetztes Quart Lager, wie Pag: 311: dabey
kann man beobachten, wie weit die spitze deß
Degens in Findiren gehet solche wird sich an

[Seite 67] der halben stärck befinden, weilen Man dan
siehet, daß die spitze deß Degens noch weit
von Leibe ist: so hat man auch nicht ursach, mit
dem Degen nach gemachten Finden zu greiffen
woferner man anderst nicht in gefahr lauffen
will, wan nun der gegenpart zwey Finden
machet, bleibet man stett  mit der Klingen
ligen, und siehet mit den augen scharff auf
seine Klingen, stoßet derselbe Quart über den
arm, wie pag: 312: kann solche stoß mit Secund
pariret werden, wie pag: 313: geschwind mit
Secund einen halben stoß gegen daß Gesicht
gemachet, wie pag: 314: und Secund unter
den arm gestoßen wie pag: 315: zeiget,
Zweytens wan der Contrepart, mit Quart
inwendig an der Klingen liget, machet eine
Finde auswendig, so begibet man sich in dißen
Tempo: in daß untere Secund lager wie pag
:316: Dabey hat man ursach auf daß Tempo:
und fühlung genaue achtung zu haben, so
bald der Gegentheil überhebet, und Quart
inwendig einstoßet wie pag: 317: wird in
dießen Tempo mit Quart inwendig pariret
und zu gleich voltirt, wie pag: 318: vorstellet,

[Seite 68] Die dryte Diversion geschiet wan beyte
Klingen inwendig an einander ligen daß
man auf daß genauest die fühlung beobachtet,
so bald der Gegenpart, mit der ersten Find
komet, muß in denselben Tempo Secund
über den arm eingetoßen werden wie
pag: 319: vorzeiget,

Auf die Quart über den arm

6: Es pflegen einige auf denen Fechtböden, die
Scholaren zu unterweißen, daß alle stöß so
über den Arm getoßen werden, müsten
mit Quart auswendig pariret werden,
ich gebe es auch gerne zu ich richte mich
nach dem Scholaren welchen ich vor mich habe,
ich läugne auch nicht daß ich die meinsten
Anfänglich mit Secund pariren laße dan
Erstlich wan die Quart, mit Secund parirt
ist, kann ohne weitere verwendung der hand
die Secund unter den Arm nach gestoßen
werden, auch wo der Gegner in Quart die
hand nicht wohl hebet, kann Secund zugleich
mit den pariren fort gestoßen werden
ohne ein einziges Tempo zu verlirhren,
sSo der Contrpart Quart über den arm
stoßet so pariret mit Secund, die spitze hoch

[Seite 69] Die hand niterig swie pag: 320: darauf mit
Secund schnel ein halber stoß folget, wie pag: 321:
und Secund unter den arm gestoßen, wie
pag: 323: vorstellet, NB : Alle stöße so gut
pariret worden soll durchaus der nachstoß
nicht versäumet sondern entweder grad
und in möglichster geschwindigkeit, so sich eine
gelegenheit zeiget, nach gestoßen werden
wo sich aber zum graden nachstoß keine
gelegenheit findet, keinen könen entweder Finden
oder halbe stöß darauf folgen, besonders
wan der gegenpart, darnach greiffet,

7. Dieße Quart über den arm kann mit Cavaten
paraten, pariret werden wie Pag: 323: gesch,,
wind an der Klingen mit Quart einen halben
stoß gegen sein Gesicht gemachet, wie pag
:324: darauf die Quart Coupeé gestoßen wie
pag: 325: vorstellet,

8. So bald der Contre part eine Finde auswen,,
dig machet, muß in derselbigen Bewegung
daß verhangene Quart lager formirt werden
wie pag: 326:  wird Er über heben, und einen
halben stoß, inwendig machen, so kan in den,,
selbigen Tempo: die Quart inwendig

[Seite 70] ein gestoßen werden, wie pag: 327: zeiget,

9: Wan der Contrepart die Quart über den
arm hinein Forsirt, welches ich meines
theils, nicht Apobire, NB Es geschehe dan durch
möglichste engigkeit, kann man dießen stoß
auswendig ablauffen laßen wie pag:
:328: Zu gleichen Zeit die linke hand an deß
Gegners seine Klingen gebracht darauf
Secund inwendig nachgestoßen werden
wie pag: 329: vorstellet,

10: Dießer stoß kan mit Secund über dem
Kopf pariret werden, wie pag: 330: so dan
einen halben stoß mit Secund unter seine
hand gemachet, wie pag:331: darauf schnel
Secund über den Arm eingestoßen wie
pag: 332: vorzeiget,

11: Bey dießer Lection, gebe Mann genaue
achtung auf die fühlung der Klingen
dan so bald der Contre part, mit Secund
einen halben Stoß die hand machet
wie pag: 333: wird in denselbigen Tempo
Secund über den Arm eingestoßen, wie
pag: 334: zeiget,

12: Wan der Contre part, mit Secund einen

[Seite 71] halben stoß unter die hand machet, wie pag: 335:
so begebe Man sich in dießen Tempo: in das ver=
hangene Quart Lager, wie pag: 336: wird der
gegner, oben eine Finde machen und Secund
unter den arm stoßen, wie pag: 337: so parirt
deßén stoß mit der untern Secund paraten
wie pag: 338: machet mit Secund einen halben
stoß an seiner Klingen, wie pag: 339: und stoß=
et Secund über den arm wie pag:340: zeiget,

13: Dießer stoß kan mit Caviren pariren, pariret
werden, darauf mit Quart eine Find aus=
wendig, und ein halber stoß inwendig gemachet
wie pag:341: geschwind Secund über den arm
eingestoßen werden wie pag: 342: vorzeiget,

14: So der Contre part, mit Secund einen halben
Stoß gegen daß Gesicht machet kann Man
in den selbigen Tempo Caviren, zugleich mit
Quart inwendig gegen daß Gesicht einen
halben stoß machen, wie pag: 343:, geschwind
Quart Coupè einstoßen wie pag: 344: zeiget,

15: So der Contrepart, Quart über den Arm ge
stoßen, wie pag: 345: kann Man denselben mit
Secund über den Kopf pariren, wie pag: 346
darauf schnel Secund unter den Arm einstoßen

[Seite 72] wie pag: 347: vorstellet,

auf die Tertiè über den arm

16: Bey der Forsirten Terz, hat sich ein schwäger schwacher
wohl in acht zu nehmen, besonders in Cavire
so der Contre part Tertie Tertié über den Arm stoßet
Man in dem stoß ablauffen lesset, wie pag:
348: darauf behend mit Secund einen halben
stoß gegen sein Gesicht gemachet, wie pag. 349
und Quart Coupé eingestoßen wie pag. 350: zeiget,

17: So bald der Contre part mit Tertiè eine Finde
oder halben stoß machet soll in denselbigen
Tempo: mit Secund ein halber stoß auswendig
gegen daß Gesicht gemachet wie pag: 351: als=
dan schnel Quart Passe eingestoßen werden
wie pag: 352: vorstellet,

18: Ist Man dem Contre part, in der Natürlichen
stärcke über legen, so Cavirt inwendig wird
der gegner mit Caviren, und zugleich Tertiè
über den arm stoßen, wie pag: 353: kann
solchen stoß mit Secund über den arm par=
riret werden, zugleicher zeit Secund wohl
gehoben, mit eingestoßen wie pag: 354: zeiget

19: Dießer stoß, wird mit Cavaten paraten parirt
darauf mit Secund der winckel stoß gemachet,
werden wie pag: 355: vorstellet,

[Seite 73] Auf die Secund über den Arm

20: Liget der Contrepart inwendig, um ein
Tempo zu erwarten, so machet mit Quart
eine halbe Cavation NB eine halbe cavation
ist, daß Man die Spitze deß Degens nur
etwas sincken leßet, und nicht ganz deutlich durch
gehet: wird derselbe Secund über den
arm stoßen, wie pag: 356: kann Man gar füglich
mit Quart inwendig pariren, wie pag: 357:
geschwind mit Quart eine Pattut gemachet
und Quart inwendig nach gestoßen werden
wie pag: 358: vorstellet,

21: So bald der weitre witerpart, mit Secund einen halben
stoß unter die hand machet, wie pag: 359:
kan in den selben Tempo ein halber stoß mit
Secund, gegen sein Gesicht, gemachet wie pag:
:360: gehet der gegner mit seiner Klinge
nach gemachten halben stoß, kann in möglichster
geschwindigkeit, Secund unter den arm
eingestoßen werden wie pag: 361: vorzeiget

22: Dießer stoß kann mit der Obren Secund, über den
Kopf parirt werden wie pag: 362: dan so geschw=
ind als möglich: Secund unter den arm nach
gestoßen werden, wie pag: 363 vorstellet,

23: Sollte daß Legiren gehen und der Contrepart

[Seite 74] sich der guten Resolution bedienen, alß Secund
über den arm stoßen, wie pag: 364: so begegne
Man den selben in möglichster geschwindigkeit
mit einen Pattuter und ziehe den oberen Leib
zugleich etwas zurück, wie pag: 365: und stoße
Secund unter den Arm, wie pag: 366: zeiget,

24: Wird der Contrepart nach gemachten halben
stoß Secund über den Arm stoßen, wie pag
:367: so pariret deßen stoß wie pag:368: ge
schwind machet mit Quart einen schnit gegen
sein Gesicht, und stoßet Secund unter seinen
Arm wie pag: 369: vorstellet,

Auf die Secund unter den Arm

25: Dießer stoß unter den Arm, wird mit der unt=
eren Secund paraten pariret wie pag: 370:
mit Secund einen halben stoß an der Klingen
unter der hand gemachet, wie pag: 371: so
geschwind als möglich Secund über den  Arm
ein gestoßen, wie pag: 372: zeiget

26: Dießenr stoß kann mit der untern Secund pariret
werden, wie pag: 373: Ziehet sich der gegner zurück
verwendet sein lager in Quart, wie pag: 374: so kan
in den selben Tempo: Quart inwendig einge=
stoßen werden wie pag: 375: vorstellet,

27: Auf die Prim unter den arm

Dießer stoß kann mit Quart passe paraten

[Seite 75] parirt werden Zu gleicher Zeit mit den
linken fuß etwas auf die linke seiten ge=
tretten, wie pag: 376: etwas zeiget, darauf
Secund unter der Klingen oder arm fest
eingestoßen werden, wie pag: 377: zeiget,

Auf die Prim unter dem Arm

28: Es kan auch die Prim, so Man geschwindigkeit
besitzet mit Secund parirt werden, wie
pag: 378: als dan windet Man des Gegners
seine Klinge auf, machet mit Quart inwendig
einen halben stoß wie Pag: 379: geschwind
Cavirt, und Quart über den arm gestoßen
wie pag: 380: vorstellet,

Auf die Prim unter dem Arm

29: Wan der Contre part mit Secund auswen=
dig den halben stoß machet, muß in den selben
Tempo: Cavirt und parirt werden, wie
pag: 381: hernach gedoppelte Finden gemacht
und Quart über den Arm eingestoßen, wie
pag: 382: zeiget,

Auf die Quart Revere

30: Dießen stoß kann durch schnelle verwendung
und hebung der hand aus Quart in Secund
gebracht pariret werden, wie pag: 383: und
gleichsam in daß Tempo: Secund eingestoßen
werden wie pag: 383: beytes zeiget,

31: Daß zweyte mahl, wird die Quart Revere, mit=

[Seite 76] Vor gedachten Secund parirt, wie pag: 384:
mit Secund einen halben stoß an der Klinge
gemacht, wie pag: 385: darauf Secund über
den arm gestoßen wie pag: 386: vorzeiget,
NB die linke hand behalt zur vorsicht an arm,

Auf die Quart Coupè

32: Dießer stoß kann füglich mit Coupè paraten
parirt werden wie pag: 387: darauf mit
Secund ein halben stoß gegen daß Gesicht
gemachet, wie pag: 388: wird der Gegner
darnach greiffen oder mit der Klingen
darnach fahren so kan durch geschwindig,,
keit Secund unter den Arm  eingestoßen
werden, wie pag:389:vorstellet,

33: Dießer stoß mit Quart Coupé pariret auch
in denselben Tempo, eine halbe volten gemach,,
et werden, wie pag: 390: vorstellet,

Auf die Quart Passe

34: Die Quart passe, wird mit verhangener Quart
auswendig parirt, wie pag: 391: alsdan
geschwind die Secund, an der Klingen, un=
ter den Arm nachgestoßen, wie pag: 392: zeiget,

Auf die versenckte Tertie

35: Die versenckte Tertie, wird mit Quart Coupé
paraten parirt, wie pag: 393: deßen Klingen
auf gewunden, mit Secund ein halber stoß
gegen daß Gesicht gemachet, wie pag: 394:

[Seite 77] alsdan mit grösten geschwindigkeit Secund
unter den Arm eingestoßen wie pag: 395,

Auf die Secund Coupè

36: Dießen stoß kann Man, widerum mit der
Quart Coupé paraten pariren zugleich eine
halbe volten machen wie pag: 396: zeiget,

Auf den Winckel stoß

37: bey dießen Winckel stoß, hat Man ursach ge=
nau, auf deß Contrepart seine bewegung acht
zu geben, dan so bald derselben den halben
stoß an der Klingen machet, muß in den=
selbigen Tempo: Cavirt und parirt sein, wie
pag: 397: so dan mit Secund einen halben stoß
gegen sein gesicht gemacht, wie pag: 398: ge
schwind Secund unter den arm eingestoßen
wie pag: 399: vorstellet,

auf das überheben

38: Die überhobene stöße, kenen: durch: oder mit
denen ordentlichen: paraten gar wohl Deffendiert  
werden, Wan der Contre part, mit Tertie aus
wärts Stringirt überghet, und Quart inwendig
stoßet, wie pag: 400: so pariret, deßen stoß mit
der ineren Quart paraten wie pag: 401: ge=
schwind machet gedoppelte Finden, und stoßet
Quart inwendig, wie pag: 402: vorstellet,

39: Komet der stoß mit Quart über den Arm wie
Pag: 403: so pariret, den selben mit der obren

[Seite 78] Secund paraten, wie pag: 404: darauf stoßet
mit größten geschwindigkeit Secund unter
den arm wie pag: 405: vorstellet,

Auf daß Pattiren

40: Den Pattiren kan man auf dreyerley arden
begegnen, Erstlich wan der Contre part, mit
Quart inwendig an der Klingen liget, und
will Pattiren, ist Man verbunden genaue
achtung auf die fühlung der Klingen zu haben
so bald der gegentheil, mit seine Spitze deß
Degens, in die höhe begibet, und Pattiren will
wie pag:406: muß Man in den selbigen Tempo
Caviren, zu gleicherzeit mit Quart auswendig
einen halben stoß machen, wie pag: 407: und
Quart inwendig eingestoßen wie pag: 408:

41: Wan der Contre part, auswendig liget
um eine Cavation zu erwarten, so caviret
und ziehet dabey mit der Cavation die spitze
etwaß hoch, wie pag:409: durch dießes mütel
wird den gegner sein Pattiren wenig helfen
darauf machet mit Quart an der Klingen
einen halben stoß wie pag: 410: sollte es nicht
alzu weit nach den halben stoß mit seiner
Klingen greiffen, so stoßet in möglicher ge
Schwindigkeit den winkel stoß, wie pag: 411: zeiget,

[Seite 79] 42: Wan der Contrepart, inwendig Stringirt, dar=
nach Caviren und Pattiren will, darf Man sich
nur der fühlung der Klingen bedinen, dan
so bald derselbe Cavirt und Pattirt, Man sich in
denselbigen Tempo, der Contre Cavation bedie=
net, wie Pag: 442: darauf gedobelte Finden ge=
machet, und Quart über den arm eingestoßen
wie pag: 413: vorstellet,

Auf daß Girriren

43: So der Gegenpart, die Quart inwendig girirt
so bediene Man sich eines halben stoß inwendig
und führe dabey die Spitze etwas hoch, wie
pag: 414: wird der Gegner, inwendig giriren
so fehlet Ihm, die Mensur, wie pag: 415: darauf
machet in gröster geschwindigkeit mit Quart
inwendig einen halben stoß gegen sein
Gesicht, und stoßet flichtig Quart Coupé
wie pag: 416: vorstellet,

Auf daß ligiren

44: Den Legiren kann Man auf zweyerley arten
entgehen, Erstlich so der contre part auswendig
die Klingen stringirt, wie pag: 417: um eine
Cavation zu erwarten, so bediene man sich
einer halben Cavation, wodurch derselbe
unfehlbar seine indention nicht erreichen, wie
pag: 418: darauf muß mit möglichster ge=

[Seite 80] schwindigkeit, ein halber stoß mit Secund ge=
gen sein gesicht gemachet, wie pag: 419: und
Secund unter den Arm eingestoßen werden
wie pag: 420: zeiget,

45: Zweyten, so der Contrepart inwendig Stringirt
und so gleich Legiren will, wie pag: 421: muß in
denselbigen Tempo: die spitze deß Degens
etwas in die höhe bringen wie pag: 422: wor=
durch den Gegentheil seine Legation, incabable
gemachet, darauf schnel mit Quart einen
halben stoß gegen sein Gesicht gemacht, wie
pag: 423: und die Quart Coupè eingestoßen
wie pag: 424: vorstellet,

Auf daß voltiren

46: Wan der Contre part mit Quart einen halben
stoß auswendig machet, wie pag: 425: so be=
gebe Man sich in denselben Tempo: in des Mitt=
lere Secund Lager, wie pag: 426: wird der=
selbe überheben, und Quart inwendig voltiren
wie pag: 427: so parirt deßen stoß mit quart
inwendig, und stoßet Quart Revere, wie
pag: 428: vorstellet,

47: Stringiret der Contre part, mit Tertie auswen=
dig, eine Cavation zu erwarten, und in dasselb=
ige Tempo, zu voltiren, so ist es nöthig daß

[Seite 81] Man in der Cavation, die spitze deß Degens
mit Quart in die höhe ziehet, wird der gegner
die halbe volten machen, wie pag: 429: so ist es
nicht allein parirt, sondern Man kan auch
zugleich eine halbe volten mit machen, wie
pag: 430: darauf machet einen halben stoß
mit Quart gegen sein Gesicht wie pag: 431:
und stoße Quart Coupè: wie pag: 432: zeiget,

48: Ligen beyte in den untern Secund Lager, so
ist von dem Contre part, entweder ein
Tempo stoß, oder halbe volten zu vermuthen
dahero Man ursach hat, mit möglicher vorsicht,,
igkeit einen Brobstoß , oder nur eine Glisate
zumachen, um zu sehen, wohin deß andern
seine Resolution gehet, Par Exemble, der gegner
Stringirt mit Tertie auswendig, wie pag: 433:
und Leget sich in daß unter Secund Lagrer
wie Pag: 434: so begebe Man sich ebenfalß
in dißer Lager, wie pag: 435: machet den
Gegenpart einen Brobstoß , so daß die Spitze
gegen sein gesicht stehet, schlißet die linke
hand an den rechten Arm solte der Gegner
in daß gegebene Tempo voltiren, wie pag:
:436: kan in dießer Lager, gar wohl pariret werden

[Seite 82] wie pag: 437: worauf mit Quart inwendig
an der Klingen ein halber stoß folget wie
pag:438: so dan mit möglicher geschwindig=
keit die Secund mit den Winkel eingestoßen
werden, wie pag: 439: vorweißet,

Auf daß Circuliren mit der Klingen

49: Wan der Contre part, inwendig an der Kling=
en liget, überhebet und will mit derselbe
Circuliren: wlches beßer kan gewißermals
mit figuren vorgestellet werden: so begibt
Man sich in daß verhangene Quart Lager, wie
pag: 440: dadurch wird nicht allein daß
Circuliren auf gehalten, sondern es kan
auch mit Secund ein halber stoß an der
der Klingen gemachet, wie pag: 441: geschwind
Secund über den Arm gestoßen werden
wie pag: 442: zeiget,

Auf die Tempostöß

50: Bey denen Tempo stoßen, hat Man sich be=
sonders vor zusehen, daß Man den Gegentheil
mit halben Cavationes brobiert oder wo
eine ganze Cavation gemachet bey derselben
jederzeit die Spitze etwas hoch geführet wird,
Stringirt der Contre part, mit Tertie aus=
wendig, wie pag:443: so machet mit halb Tertie
eine halbe Cavation, wird der Gegner inwendig

[Seite 83] Quart á Tempo stoßen, wie pag: 444: kan
dießen stoß gar füglich, auswendig parirt
werden, wie pag: 445: mit Secund einen
halben stoß gegen daß Gesicht, machen wie
pag: 446: und Secund unter den Arm ein
gestoßen, wie pag: 447: vorstellet,

51: Bey dießen Tempo stoß, wird ebenfals eine
halbe Cavation gebrauchet, so bald der Contre
part Tertiè über den Arm á Tempo stoßet
wie pag:448: ist es nicht nur mit Quart
inwendig leicht zu pariren, sonder auch
möglich zu vortiren, wie pag:449: zeiget,

52: So Man dem Contre part an der Forche über
legen, kan eine ganze Cavation gemacht
jedoch daß die Spitze etwas hoch geführet
wird, wodurch mit der ganzen sterck kann
pariret werden, wie pag: 450: darauf ge,,
schwind mit Secund einen halben stoß
unter die hand gemacht, wie pag: 451: und
Secund über den Arm eingestoßen wie
pag: 452: vorstellet,

53: Liget der contre part mit Secund auswen=
dig, wie pag:453: so machet mit Secund
einen halben stoß wie pag:454: wird der

[Seite 84] Gegenpart, die Secund unter den Arm á
Tempo stoßen, wie Pag: 455: so pariren, dießen
stoß mit der linken hand auf die rechte seite
hinaus, wie pag: 456: und stoßet zu gleich
Secund über den arm, wie pag: 457: zeiget,

54: Bey dießer Quart Coupè, wird mit Quart in
wendig eine Find, gegen sein Gesicht gemachet
wird der Contre part, auf dieße bewegung
Quart Coupè einstoßen, wie pag: 458: kan
dießer stoß nicht allein mit der Quart Coupè
pariret, sondern auch zu gleich voltiret
werden, wie pag:459: vorstellet,

auf die Rethirente, Tempostöß

Bey denen Rethirirenten Tempo stößen, hat
Man sich mehres in acht zu nehmen, als wan
solche in stehenten Lager gemachet, die ursach
weillen Man sich dergleichen Tempo sotß nicht
vermuthet, Dahero man den Rethirirenten
Gründ ja nicht weit läuffig Arragiren Attaviren, sondern
jederzeit so Enge alß es möglich, mit der halben
stärck, seine Klinge glisiren soll, wodurch Man
füglich zum pariren komen kann, Man kan sich
auf deren verhinterung, deß verhangenen
Secund= oder Quart Lagers bedienen, jedoch
mit Möglichster Vorsichtigkeit,

[Seite 85] 55: Liget dem Contrepart, in der weiten Mensur
auswendig, so daß sich beyte halbe schwäg an=
ein ander ligen so wird vorsichtig Cavirt und
zugleich Avancirt, wird der Gegner sich Rethir
iren und dabey Caviren, so Avancirt man und
Cavirt, jedoch so daß die spitze deß Degens etwas
dabey in die höhe gebracht wird, wird der gegner
die Quart inwendig in daß Tempo stoßen
wie pag: 460: kan dießer stoß mit der ineren
Quart paraten pariret werden, wie pag:461: und
zu gleicher Zeit die Quart Reveres mit einge=
stoßen, wie Pag: 462: vorstellet,

56: Stringirt den Contre part mit Tertie auswendig
wird derselbe Rethiriren und Caviren, so Avancirt
und Cavirt: jedoch so daß die Spitze deß Degens
dem anderen gegen sein rechtes Aug siehet, stoßet
der gegentheil die Secund über den Arm á
Tempo: wie pag: 463: kann dießer stoß mit der
gewöhnlichen Secund pariret wie pag: 464: dar=
auf ohngesäumt mit Secund ein halber stoß ge
gen daß gesicht gemachet, wie pag: 465: geschwind
Secund unter den Arm eingestoßen werden
wie pag: 466: vorzeiget,

57: Wan der Contre part, sich bey gemachten halben stößen

[Seite 86] Rethirirt, und daß Tempo: sich zu nutzen mach=
en gedenket, dan wird vorsichtig Avancirt
jedoch so daß dabey die spitze deß Degens
mitrigen nitriger als die hand geführet, wird der
Gegentheil Quart inwendig á Tempo stoßen
wie pag: 467: kan man dießen stoß gar füglich
inwendig ablauffen laßen, wie pag: 468: darauf
behent Quart Coupè eingestoßen, wie pag: 469: zeiget

Auf daß Pariren inwendig

58: Wan der Contre part, Quart inwendig pariret
und stoßet Quart inwendig nach, wie pag: 470:
so bemühe Man sich mit Cavaten paraten dißen
stoß zu pariren, wie pag: 471: machet ohne zeit,
zu verliehren mit Secund einen halben stoß
gegen sein Gesicht, wie pag: 472: und stoßet Secund
unter seinen Arm, wie pag: 473: zeiget,

Auf daß Pariren auswendig

59: So der Contre part Quart über den arm pariret
und nicht nach stoßet so begebe Man sich in
möglicher Geschwindigkeit, in die ordentliche
Mensur, und Cavire zugleich mit, gleich darauf
machet gedoppelte Finden, wird der gegner
darnach greiffen, kan Quart über den Arm
eingestoßen werden, wie pag:474: vorstellet,

Auf daß Pariren über den Kopf

60: Hat Man den Contrepart Quart über den
arm gestoßen, wie pag: 475: derselbe den stoß

[Seite 87] aber über dem Kopf parirt, wie pag: 476: so
hat Man ursach mit größter geschwindigkeit
sich zurück zu ziehen, auch zu gleicherzeit mit
der untern Secund paraten, den nachgethan=
enen stoß zu pariren, wie pag:477: gleich her=
nach mit Secund einen halben stoß gegen sein
Gesicht gemachet, und Secund unter seinen
Arm eingstoßen, wie pag:478: zeiget,

Auf daß Pariren unter den Arm

61: Hat der Contrepart die Secund unter den Arm
parirt, wie pag: 479: und stoßet Secund über
den Arm, wie pag: 480: so pariret deßen stoß
mit Cavaten paraten, wie pag: 481: machet mit
Quart eine Pattute inwendig, wie pag: 482: und
stoßet Quart inwendig an der schwäge ein
wie pag: 483: vorstellet,

Auf daß Caviren pariren auswendig

62: Stringirt der Contre part, mit Tertie inwendig
und giebet dabey eine falsche oder wißentliche:
Blöß: über den Arm, so ist mehrentheils bey
einer schwachen Person, Cavaten paraten zu
vermuthen, ist also daß sichereste, Man machet
ganz eng eine Find auswendig, jedoch daß
die spitze dabey etwas niterig geführet, wird
der Gegentheil, Caviren pariren: so con Cavirt
stoßet Quart über den Arm, wie pag: 484: zeiget,

[Seite 88] Auf daß Caviren pariren inwendig

63: Stringirt der Contre part mit Tertie auswendig
und gibet eine falsche Blöße inwendig so bediene
Man sich der getoppelten Cavation, und stoße
Quart inwendig, wie pag:485: vorstellet,

Auf die Quart Reveres paraten:

64: Hat der Contre part Quart Reveres parirt,
und stoßet Secund unter den Arm nach,
wie pag: 486: so hat man urschach mit größter
geschwindigkeit sich mit den rechten fuß zu
rück zu ziehen, dabey zu gleicherzeit die hand
aus Quart, in Secund zu verwenden, um
denselben zu pariren, wie pag: 487: darauf
machet mit Secund eine Find, gegen sein gGesicht
einen halben stoß unter seine hand, wie pag:
:488: und stoßet Secund übern Arm wie
pag: 489: vorzeiget,

Auf die Quart Coupè

65: Wan der Contrepart, die Quart Coupè pariret
und Quart Coupé nach stoßet, wie pag: 490:
so pariret dießen stoß auch mit Coupé paraten
wie pag: 491: machet mit Quart einen halben
stoß an der Klingen grat zu 492 wird der selbe
darnach greiffen, so stoßet Secund über
seinen Klingen ein wie pag: 493: vorstellet,

Auf die Quart Passe paraten

66: So der Contrepart, Quart passe parit = wie
pag: 494: und stoßet Secund über den Arm

[Seite 89] wie pag: 495: dießer gegenstoß, mit
Secund über den Kopf hinweg pariret werden
wie pag: 496: darauf mit Secund einen halben
stoß unter seine hand gemachet, wie pag: 497:
geschwind Quart über den Arm eingestoßen
wie pag: 498: vorstellet,

Auf die versenckte Tertie paraten

67: Hat der Contre part, die versenckte Tertie parirt
auch nach gemachten halben stoß gegen daß
Gesicht Secund unter den Arm gestoßen, wie
pag: 499: kan dießer stoß durch Geschwindigkeit
mit Quart Passe paraten pariret werden, wie
pag: 500: und schnell Secund unter den Arm
an der Klingen fest eingestoßen werden wie
Pag: 501: vorstellet

Auf die Secund Coupè paraten

68: Hat der Contrepart, die Secund Coupè mit
Quart Passe paraten parirt, die Secund über
den Arm nach gestoßen, wie pag: 502: so parirt
dießen stoß, mit Secund, etwas hoch, dabey setztet
dem untern Leib wohl zusam, wie pag: 503: ge=
schwind trettet, mit der lincken Fuß hervor
doch etwas auf die lincke seite, und setzet den
stoß mit Secund unter den Arm zugleich
mit ein wie pag: 504: etwas vorstellet, NB Es
kan beßer gezeiget, als durch die Figur vorgestellet werden

[Seite 90] Auf daß Camminiren,

69: Wan der Contre part, mit Quart, inwendig pa=
rirt, auch zu gleicherzeit, den lincken Fuß vor
den rechten bringet, wie pag: 505: so ziehet
den rechten Fuß in gröster geschwindigkeit, zu=
rück, zugleicher zeit begebe Man sich in daß
Müttlere Secund Lager, wie pag: 506: wird
der Gegenpart, oben eine Finde machen, die
Secund unter den Arm stoßen, wie pag: 507:
kan dießer stoß mit Secund pariret, auch
zugleich die untere Secund fest an der Klingen
eingestoßen werden wie pag: 508: vorstellet,
Auf die untere Quartparaten und versetzung deß linken Fuß

70: So der Contre part, die Quart inwendig parirt
und zugleich den linken Fuß etwas auf die
rechte seite setzet, wie pag: 509: darauf mit
Quart einen halben stoß gegen füre Euer gesicht
machet, wie pag: 510: und Quart Coupè stoßet
wie pag:511: so pariret dießen stoß mit der
Quart Coupè paraten, und machet zu gleicher
zeit an der Klingen eine halbe volten wie
pag: 512: vorstellet,

Auf die linke hand paraten

71: Wan der Contrepart, die stöße unter den
Arm, mit der lincken hand parirt, so machet
mit Secund einen halben stoß, unter den
Arm, wird der Gegner mit der linken Hand

[Seite 91] pariren, und Secund über den Arm stoßen
wie pag: 513: so lässet Man dießen stoß ab=
lauffen, wie pag: 514: schließet die lincke hand
mit hervor, und stoßet Secund inwendig,
wie pag: 515: zeiget,

Auf daß Ablauffen auswendig

72: Bemercket Man von Contrepart, daß Ablauffen
so machet mit Secund auswendig, an der
Klingen einen Forssirten halben stoß, wird
derselbe auflaufen laßen, wie pag: 516: so kann
mit möglicher geschwindigkeit Secund unter
den Arm eingestoßen werden, wie pag: 517: zeiget

Auf daß Ablauffen inwendig

73: So der Contre part, die Quart inwendig
ablauffen lässet, überhebet, und stößet Se=
cund über den Arm, wie pag: 518: kan Man
dießen stoß, mit Secund über den Kopf pa=
riren, wie pag: 519: darauf inwendig eine
Find: auswendig einen halben stoß gegen
sein Gesicht gemacht, wie pag. 520: so dan schnel
Quart Passe unter den Arm eingestoßen
wie pag: 521: vorzeiget

Auf Zurück Ziehen deß hinteren Fuß

74: Bey dießen rückfällen ist höchste nöthig, daß
Man die lincke Hand im ausstoß an den rechten
Arm bringet, Stringirt der Contre part mit
Tertie auswendig, so machet mit Secund einen

[Seite 92] halben stoß, unter seinen Arm, wie pag: <>
wird der Gegner sich in dem stoß mit den
lincken Fuß zurück ziehen, auch zu gleich in die
untere Secund verfallen, wie pag: 522: so
pariret, dißen stoß mit der lincken hand
unter den Arm auf die rechte seite hinaus
wie pag: 523: stoßet Secund über den Arm
nach: wie pag: 524: vorstellet NB Bey dießer
Lection wird  noch erfordert daß in dem stoß
der lincke Fuß etwas nach geschleiffet wird
um dadurch einen festen nach stoß, gebrauche
zu kenen,

Auf daß Mensur brechen

75: Wan der Contre part; Quart über den Arm
parirt dabey sich mit den obern leib zurück
Ziehet, wie pag: 525: oben einen halben stoß
gegen daß Gesicht machet, wie Pag: 526:
darauf Secund unter den Arm stoßet, wie
pag: 527: kan dießer stoß mit Quart passe
gar füglich parirt werden, wie pag: 528: ist
Man den gegentheil etwas an der Forse 
über legen, kan die Klingen auf gethret 
werden, und Secund inwendig, mit einen
kleinen Winckel eingstoßen werden
wie pag: 529: vorstellet,

[Seite 93] Auf daß Pariren und mit beyten Füßen Avaciren

76: Bey dießen pariren, und Avanciren , soll
Man sich derer verhinterung deß Lagers
bedienen, Dan so bald der Contre part
die Quart über den Arm parirt, zugleich
mit beyden füßen Avanocirt, wie pag: 530:
Man sich in gröster Geschwindigkeit mit den
rechten fuß zurück ziehet, auch zu gleich in
daß obere Secund Lager begiebet, dabey die
lincke Hand an den rechten Arm bringet, wird
der Gegner Secund unter den Arm stoßen
wie pag: 531: pariret deßen stoß mit der
lincken hand auf die rechte seiten, unter
den Arm hinaus, und stoßet Secund über
den Arm, wie pag: 532: Vorstellet,

Auf daß Aufwinden

77: So der Contre part, die Secund unter den
Arm parirt, sich darauf deß aufwinden
bedienet, welches beßer gewißen, als durch
Figuren, kan vorgestellet werden, so ver=
wende Man schnelle die hand aus Secund
in daß verhangene Quart Lager, wie pag:
:533: wordurch den aufwinden, einhalt
gethan wird solte der Gegner mit Secund
einen halben stoß gegen daß Gesicht machen
wie pag:534: kann durch geschwind Resolution

[Seite 94] Secund unter den Arm á Tempo gesto=
ßen werden, wie pag: 535: zeiget

Auf daß Rolliren

78: Hat der Contre part, die Quart Coupè parirt
und will die Klingen Rolliren, so verwende
Man schnell die hand aus Quart in Secund
die spitze etwaß hoch, und ziehe sich mit den
rechten fuß zurück, wie pag: 536: dadurch
wird daß Rolliren verhindert, wird der
Gegner, mit Secund einen halben stoß gegen
daß Gesicht machen, wie pag: 537: die Secund
unter den Arm stoßen, wie pag: 538: so
parirt deßen stoß mit der untern Secund
paraten, trettet zu gleicher zeit, mit den
lincken fuß auf die lincke seite etwas hervor
und setzet, den stoß mit Secund unter den
Arm, an der Klingen ein wie pag: 539: etwas
vorstellet, Es kann beßer gewißen als durch
die Figur dargestellet werden,

Auf den spanischen Arest,

79: Bey den Spanischen Arest, ist zu beobachten
daß Man dem Contre part, mit Secund
einen halben stoß über den Arm machet
wie pag: 540: wird der Gegner den Spanischen 
Arest machen, wie pag: 541: so fehlet Ihm die
Mensur, darauf machet mit Prim, von

[Seite 95] unter herauf eine Pattute, und stoßet ge,,
schwind Secund unter seinen Arm hinen 
wie pag: 542:zeiget,

Auf daß verhangene Quart Lager

80: Ligen beyte Klingen in Tertie auswendig
der Contre part aber begibt sich in daß ver=
hangene Quart Lager, so begebe Man sich
ebenfalß in dießes Lager, wie pag: 543:
wird der Gegner mit Quart einen halben
stoß gegen daß Gesicht machen, und Secund
unter den Arm stoßen wollen, so caviret
in derselbigen bewegung, machet zu gleich
einen halben stoß gegen sein Gesicht, und
stoßet flüchtig Quart Coupé wie die Figur
pag: 544: vorstellet,

Auf daß verhangene Secund Lager

81: Ligen beyte Klingen, mit Quart inwendig
an einander, der Contrepart begiebet sich
in daß verhangene Secund Lager, so leget
Man sich auch in dießes Lager, darauf mach=
et durch überhebung der Klingen, mit ver
hangener Quart eine Pattute, inwendig auf
seine Klinge, und stoßet behent Quart
inwendig eine: wie Pag. 545: zeiget,

Auf daß müttlere Secund Lagre

82: So sich beyte Klingen in Müttleren Secund
Lager befinden, wie Pag:546: bemercket

[Seite 96] Man an den witerpart, eine halbe volte
so machet mit Quart, oben einen brobstoß
wird der gegner in dießer bewegung Quart
inwendig voltiren, wie pag: 547: dan wird
Ihm die Mensur fehlen, kan auch mit Quart
inwendig leicht parirt werden, wie pag:
:548: mit Quart an seiner Klingen einen
halben stoß gegen sein gesicht gemachet
wie pag: 549: geschwind Quart Coupè
eingestoßen, wie pag: 550: vorstellet,

Auf daß obren Secund Lager

83: Liget der Contrepart in oberen Secund
Lager, wie pag: 551: so begebe Man sich auch
in dießes Lager, wie Pag. 552: wird der
Gegner daß Tempo erwarten, so machet
mit Secund einen halben stoß unter seine
hand, wie pag: 553: wird Er in dießes Tempo
stoßen, wie pag: 554: so lasset dießen
ablauffen, und schlißet die lincke Hand
hervor, wie pag: 555: machet mit Secund
inwendig einen halben stoß, gegen
sein Gesicht, so bald der Contre part
darnach greiffet, wird mit größter
geschwindigkeit Cavirt, Secund über den
Arm gestoßen, wie pag: 536: zeiget,

[Seite 97] Auf daß Passiren ohne Priss

84: So der Grund mit Secund einen halben stoß
gegen daß gesicht machet, so trettet zu gleicher
Zeit, mit den linken fuß etwaß: zurück wird
derselbe Secund unter den Arm Passiren
wie pag: 557: so ziehet den rechten fuß etwaß
zurück, zu gleicherzeit pariret seinen stoß mit
dier Quart Passe paraten, wie pag:558: machet
mit Quart einen halben stoß an seinen Klingen
wie pag: 559: und stoßet Secund über den
Armm, wie pag: 560: zeiget,

Auf daß Desarmieren

85: So bald der Contre part, auf die gestoßene
Quart, Desarmieren will, wie pag: 561: soll
Man sich in gröster Geschwindigkeit, mit den
rechten fuß zurück begeben, und in den selbigen
Tempo: Caviren, dabey den arm etwaß zu
samen bügen, die spitze zu deß Gegner seinen
Gesicht richten, wie pag: 562: geschwind mit
Secund einen halben stoß gegen sein Ge,,
sicht machen, wie pag: 563: und Secund unter,
den Arm ein stoßen, wie pag: 564: zeiget,

Auf daß Rumpiren

86: Wan der Contre part Quart über den Arm
hat eingstoßen, auch durch verthreung sein=
er lincken Hand, den Degen Rumpiren, wie
pag: 565: so verwende Man behänd, die hand

[Seite 98] in Secund, dadurch kan man den Degen
noch erhalten, viel vortheilhaffter ist es, wan
der Contrepart Quart über den Arm stost
Man dießen stoß Ferms: pariret, darauf
mit Secund einen halben stoß gegen sein
Gesicht machet wie pag: 566: geschwind Se=
cund unter den Arm eingestoßet, wie pag:
:567: vorstellet,

Auf daß Passiren mit Priss

87: Bey dem Passiren mit Pris seind die: brob: oder
halben stöße sehr Nützlich, par Exemble, der
Contre part, Stringirt mit Tertie inwendig
giebet eine Blöße über den Arm, welche
zu seinen vortheil geschiet, wie pag: 568:
so Caviret, und machete mit Quart einen
halben stoß, wird der Gegenpart, mit seinen
Passaten hervor komen wie pag: 569: so cavirt
In den selben Tempo: und machet zu gleich
mit Secund inwendig einen halben stoß
gegen sein Gesicht, wie pag: 570: wird der
Gegner sich mit den lincken fuß zurück be=
geben, mit seiner Klingen nach dem gemacht=
en halben stoß greiffen, so kan in möglicher
geschwindigkeit, Secund über den Arm ein=
gestoßen werden wie pag: 571: zeiget,

[Seite 99] 88: Wan es der Contre part, durch seine geschwin=
digkeit, so weit gebracht, daß  Er den stoß von
seinen rücken hervor bringet, so folget die
letzere Resolution, daß Man den stoß suchet 
auf die rechte seite mit der lincken hand
zu pariren, wie pag: 572: als dan begreiffet
den Contrepart, mit der lincken hand, bey
den rechten Arm, auch um den Leib und be=
dienet sich den erst und besten vortheil,

89: Bey dieß Passaten, bediene Man sich der
Con Cavation welche recht Eng: und geschw=
ind geschiet, auch zu gleich Quart inwendig
eingestoßen, wie pag:573: vorstellet,

90: Bey dießen Passaten, kan mit Secund, dem
Contre part, ein halber stoß starck an seiner
halben schwäge gemachet werden, wie pag:
:574: wird der Gegenpart ablauffen laßen
zugleich mit seiner Passate hervor komen, wie
pag: 575: so ist es nöthig, daß Man in gröst=
er geschwindigkeit, mit Secund eine Find
machet, und Quart Passe einstoßet, wie pag
:576: vorweißet,

91: Wan der Contrepart, die Quart auswendig
über den Kopf pariret, wie pag:578: muß

[Seite 100] Man sich im grösten geschwindigkeit mit den
rechten fuß zurück begeben, den rechten
Arm zugleich verkürtzen, die spitze deß
Degens, und der hand gegen deß witerparts
gesicht, richten, wie pag: 579: geschwind mit
Secund inwendig einen halben stoß gegen
sein Gesicht machen wie pag: 580: wird der
gegner, mit seinen klingen nach dem ge=
machten halben stoß gehen seinen lincken
fuß zugleich zurück ziehen, kan mit der
geschwinden resolution Secund über den
Arm eingestoßen werden, wie die Figur
pag:581: vorstellet.

<Folgende Seiten sind in Band 2 nach Seite 100 eingeheftet. Ihrer Nummerierung nach gehören sie jedoch an das Ende von Band 1>

[Seite 57] Anbey folgen noch etliche Passaten= mit Prisse:
worzu viele Acuratess: und geschwindigkeit er=
fordert wird, Man muß in Parieren Ferm, in
der Resolution und Geschwindigkeit, nicht einen
Augenblick versäumen, darman auch nur daß
geringste Tempo= ich meiine in pariren = in vor=
tretten in zugreiffen mit der linken hand, zu
spätt komet= oder alle bemelde bewegungen nicht ein
Tempo aus machet, so werden alle bemühungen
um sonst seyn, Es werden dieße Passaten keinen
Schollaren gezeiget, Er seye darzu geschickt genug
waß aber Prudalle Gemüther sein, denenselben
wird: und soll gar keine Passaten gezeiget werden
weillen Sie solches zum schaten anderen personen
anwenden, eine bescheidene person, wird sich
begnügen laßen, wan Er seinen Contre part
zeiget waß Er mit Ihm vornehmen kente,

92: Stringiret der Contrepart, mit Quart auswendig
machet mit Quart eine streichente Find an der
Klingen, darauf einen halben stoß mit Quart
inwendig: und stost Quart über den Arm wie
pag: 582: so pariret dießen stoß mit Secund
außen, trettet zugleichenzeit mit den linken fuß
hinter seinen rechten ergreiffet Ihm mit der linken
hand, bey seiner rechten fest, verthret die selbe
auf seine rechte seite: NB: dieser bewegungen

[Seite 58] müßen in göster geschwindigkeit ein Tempo
außmachen, alß dan zeiget wie man den Gegner
an seinen rechten Arm schaden zufügen kente,
wan man den Degen knopf nehme und stoßet Ihm
damit auf sein müttleres gelenk, wie Pag: 583
Vorstellet,

93: Stringiret dem Contra part: mit Tertie auswendig
so daß sich eine kleine Blöße über den Arm zeiget,
wird der Gegenpart mit Secund ein Find= oder halben=
stoß in die blöße machen, und Secund unter den
Arm stoßen, wie Pag: 584: so wird dießer stoß
mit der untren Secund paraten parirt, stellet
zugleicherzeit mit den linken fuß an seinen
ergreiffet Ihm: in den selben Tempo: mit der Linken
hand bey seiner rechten: fest, ziehet dieselbe etwas
unter sich, dadruch wird der Gegner den rucken
zum besten geben müßen, da Man dan garleicht
einen stoß auf den rucken bey bringrn kan
wie Pag: 585: Vorstellet,

94: Stringirt dem Conrepart, mit Tertiè inwendig
so daß sich eine Subtile blöße über den Arm zeiget
wird der Gegner einen brobstoß in die blöß machen
so greiffet etwas darnach, worauf Er vermutlich
eine Find oder halben stoß inwendig machen und Quart
über den Arm stoßen wird: wie Pag: 586:
dießer stoß wird mit Secund: nebst zusamen
setzung

[Seite 59] deß Leibes: über den Kopf parirt, mit den
Linken fuß hinter seinen rechten getretten
den Kopf und linken Arm unter seinen rechten
Arm gebracht, zgleich mit der Linken hand den
gegner an der Linken seite fest gehalten, mit
den linken Knieh rucket man auf seine linke
seiten, wie Pag: 587: wobey Man zeiget, wie Er
Erchtlich kann geworffen, zweyten wie Er kan
auf den Kopf gestellet werden,

95: Wan der Contrepart, gewohnet die Quart über den
Arm zustoßen, so gebet denselben alle mögliche
gelegenheit darzu, machet mit Quart auswendig
eine Find: und stoßet Quart inwendig: wird Er
dießen stoß mit Quart inwendig pariren, darauf
an der Klingen, eine Find oder halben stoß machen
und Quart über den Arm stoßen, wie Pag: 588:
So pariret dießen stoß und Secund auswendig
trette mit den pariren vorwärts mit den Linken
fuß: an seinen rechten: haltet den Absatz deß Schuh
Ferm auf den boden, forn mit der spitze deß fuß
gebet einen kleinen ruck, so wird der gegner
fallen, ohn erracht man Ihm mit keiner hand
angerühret hat, daß einrücken zeiget Pag: 589:

96: Gebet den Contrepart: gelegenheit noch ein mahl
die Quart: oder Secund über den Arm zu stoßen
gebet Ihm eine kleine blöße inwendig: wird

[Seite 60] der Contrepart mit Quart an der klingen ein
Glisate machen, darauf inwendig ein Find oder
halben stoß uns stost Secund: oder Quart über
den Arm wie Pag: 590: so pariret dießen stoß
mit Secund über den Kopf trettetzugleich mit
den Linken fuß forwärts, ergreiffet Ihm, mit
der Linken hand bey seinen kniehbug: und hebet
den fuß auf wie Pag: 591: dabey kann Man zeigen
daß der gegner gar leicht kan geworffen werden,

97: Auf eine andere Art wan der Contrepart: Quart
über den Arm gestoßen, wird dießer stoß mit
Secund über den Kopf parirt, mit der linken
hand, und fuß in pariren hervor getretten, die
linke ergreiffet den Gegner seinen Arm in der
Mütte, und hebet den selben in die höhe wie Pag:
592: Man kan sich eines stoß: oder auch umwerf=
fens bedienen,

98: Stringirt den Contre part mit Quart auswendig
machet Er eine Find inwendig und stoßet Secund
mit Forsse über den Arm,so lesset Man ablauffen
und tritt mit den rechten fuß forwärts, ergreif=
fet dem gegner: mit der linken hand: über beyte
Klingen, bey seiner rechten, ziehet den Degen
durch deß Gegners seinen unteren Leib durch
worauf alß dan ein stoß oder hieb folgen
kann, 593: zeiget etwaß davon an,

[Seite 61] 99: Hat der Contrepart, die Quart über den Arm
gestoßen, wie Pag: 594: so wird dießer stoß
mit Secund hoch parirt: zugleicher Zeit mit den
linken fuß hervor getretten, mit der Linken
hand ergreiffet den Gegenpart bey der schwäge
deß Arms, geschwind bringet den rechten fuß
etwas hervor, dabey wird sich der obere Leib et=
waß verthren, und deß Gegners sein Arm auf
Seine Linke Achßel zu ligen komen, wie Pag:
595: zeiget: wordurch man Ihm den Arm be=
schätigen kente, Es wird aber genug sein wan man
solches den Contrepart nur zeiget,

100: Stringiret dem Contre part: mit Quart inwendig
etwaß hoch: wird der Gegner mit Quart an der
klingen einen halben stoß gegen daß Gesicht machen
und Quart Coupè stoßen, wie Pag: 596: so pariret
dießen stoß mit der Quart Coupè paraten
trettet zugleichen Zeit mit den rechten fuß hervor
und ergreiffet über beyte Klingen seine hand
wie Pag: 597: darauf kann ein schnit mit Secund
nach den Leib: und ein hieb mit Quart nach seinen
Gesicht gemachet werden,

101: Stringiret dem Contrepart: mit Quart auswen,,
dig, so daß spitze etwaß mitriger alß die hand
Liget, wird der Gegner Caviren und die Quart

[Seite 62] Revers stoßen, so pariret dießen stoß mit der
unteren Secund paraten, trettet zugleich mit
den Linken fuß: hinter seinen rechten, mit der
Linken hand seine rechte wie Pag: 598: in zugreif=
fen wird die hand aus Secund in Prim vertrehet
und dabey dem stoß auf die brust gesetzet, Man
kente auch durch einen kleinen ruck den Gegner
fallent machen, dießer wird nur gezeiget,

102: Stringiret dem Contrepart mit Quart auswendig
wird Er eine Find: inwendig: einen halben stoß aus=
wendig machen, und Quart an der Klingen fest
einstoßen, wie Pag: 599: dan wird mit größter
geschwindigkeit Cavirt und parirt, zu gleich mit
den linken: an seinen rechten fuß getretten, mit
der linken hand: die schwäge seines Arm ergreiffen
behänd mit Tertie eine Pattute auf seine klingen
gemachet daß solche heraus fähret, wie Pag: 600:
Vorstellet,

103: Stringiret dem Contrepart mit Secund aus=
wendig: machet derselbe mit Secund einen halben
stoß unter die hand, und stost Secund über den
Arm, so wird dießer stoß mit Secund über,
den Kopf parirt, zu gleicherzeit mit den lincken
fuß hinter seinen rechten getretten, auch mit der
lincken hand: seine rechte ergriffen wie Pag: 601:

[Seite 63] geschwind: verthret Euren lincken fuß auf der
spitze: etwas links und gebet mit den ein
gedruckten Knieh: an sein Knieh einen stoß,

104: Stringiret dem Contre part mit Quart
inwendig: so daß eine zimliche blöß sich inwen=
dig zeiget, wird der Gegner die Quart inwen=
dig an der schwäge ein Forssiren: so leßet Man
Resolut ablauffen: und tritt zu gleich mit den
linken fuß: hinter seinen rechten, mit der
linken hand ergreiffet Man den selben bey
der starcke seines Arms, ziehet Ihm auf
die lincke seiten, auch rucket zu gleich mit
Lincken fuß seinen rechten, wordurch Er
gar leicht aus der Ballance kan gebracht
dabey gezeiget, wie Er kente geworffen werden,
wie Pag: 602: Zeiget,

105: Stringirt der Contrèpart mit Tertiè inwen=
dig: und machet mit Quart eine gestrichene
Find: und stoßet flichtige Quart über den
Arm, wie Pag: 603: so pariret dießen stoß
mit Secund über den Kopf hinweg, mit den
Tempo ergreiffet: dem Gegner seinen Arm bey
der schwäg, hebet den selben in die höhe, trettet zu
zu gleich mit den Lincken fuß auf sein foderes
Knieh: die spitze auf die brust wie Pag: 604: zeiget

[Seite 64] 106: Stringiret dem Contre part: mit Quart
inwendig, machet eine gestrichene Find, greiffet
der Gegner nicht darnach, so ist ein Tempo stoß
zu vermuhten, dahero gehe Man vorsichtig
machet mit Quart auswendig: mit verhobener
hand eine Find: wird Er Secund unter den Arm
daß Tempo stoßen, wie Pag: 605: so pariret
dießen stoß mit Quart Passe paraten, trettet
mit den Lincken fuß: an seinen rechten, mit der
Lincken hand: seine rechte, Nehmet den Degen
Knopf und zeiget wie Man Ihm an den föderen
Gelenk etwas zueignen kente, die Fig: 606:
stellet etwas davon vor, Daß man dem Gegner
mit den Degen knopf, entwetter in daß Ge=
sicht, oder auf die brust stoßen kente,

[Tafel 75r bis Tafel 114r] Illustrationen