Mittwoch, 19. August 2015

"worauff zwölff Blau-Röcke aus dem nechsten Pusch kamen". Ein Duell bei Leipzig 1677.

von Jan Schäfer

Zu einer Ausforderung wurde ein Duellant in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts für gewöhnlich von einem oder zwei Secundanten begleitet. Nicht so die Edelleute Lochau und Benedict nebst Hofmeister, die sich mit dem Baron Meydel und dessen Hofmeister schlugen, wie der folgende Fall aus "Die neue historische Schau-Bühne Der menschl. Thorheit und Göttlichen Gerechtigkeit" (Leipzig, 1703). zeigt. Sie hatten einen Joker. Genauer gesagt: zwölf.
Die Schilderung des Duells entstammt ursprünglich dem Theatrum Europaeum, von wo sie fast wörtlich übernommen wurde.

Der Text:

[Seite 1007] 12. Hierbey erinnern wir uns eines merckwürdigen Gefechts / welches am 15. Februarii 1677. bey Leipzig fürgienge. Ein Sächsischer von Adel / Nahmens Lochau / wie auch ein ander Edelmann / Benedict genannt / samt seinem Hoffmeister eines Theils / und dann ein Churländischer Baron / Nahmens Maydel / samt seinem Hoffmeister / Besser genannt / andern Theils ritten frühe eine Meile von der Stadt / um ihre schon lang gehabte Streit=Händel mit dem Degen auszutragen. Als sie nun hinaus an ein Dorff / Linckel genannt / kommen / schlugen sich zu erst Lochau und Mandel mit dem Degen vier Gänge / und hatte keiner dem andern etwas anhaben können. Wie diese fertig / schlug sich des Maydels Hoffmeister mit Benedicten / dem der Hoff=

[Seite 1008] Hoffmeister im zweyten Gange in den Arm verwundete / worauff er gleich zu Boden fiel. Es hatte aber Lochau / welcher Lieutenant / und Benedict / so Fähnrich unter den Blau=Röcken zu Leipzig war / ein stück oder zwölffe derselben bestellet / daß sie sich hinter einem Pusch bey dem Kampff=Platz verstecken / und ihnen / wann die Sache auff ihrer Seiten übel ausschlagen möchte / zu Hülffe kommen solten.

13. Als nun Benedict von dem Stoß fiel / rieff er / ihrer genommenen Abrede gemäß / um Hülffe / und that hierauff sein Hoffmeister / Nahmens Lange / nach des Maydels Hoffmeister / welcher bloß im Hemde stund / einen Schuß / verfehlte aber seiner / wie nun des Mandels Hoffmeister sahe / daß Verrätherey obhanden / gienge auff Langen / der nach ihm geschossen hatte / zu / und wolte ihn / weil er sich unterdessen sampt dem Lochau zu Pferde begeben hatte / herunter reisen. Wie aber Lochau sahe / daß diese beyde wackere Leute so resolut waren / rieff derselbe: Nun ists Zeit! worauff zwölff Blau-Röcke aus dem nechsten Pusch kamen / und des Maydels Hoffmeister anfielen / also / daß sich dieser umkehren / und sich unter diesen zwölff Blau=Röcken heraus wehren muste / stach auch gleich ihrer zweyen den Degen durch den Leib / daß er darü=

[Seite 1009] darüber zerbrach / nahm aber geschwind einem andern den Degen aus der Hand / und wehrete sich damit.

14. Jndessen gieng es recht an / und zog Lochau die Pistol heraus / schoß nach Maydeln / und rieff den Blauröcken zu / daß sie Feuer geben solten; Maydel / wie er das sahe / retirirte sich hinter einen dicken Baum / sein Hoffmeister aber / fochte unter so vielen Personen / wie ein Löwe. Darauff gieng alles durch einander / daß auch die Zuseher haben weichen müssen / endlich aber bekam der tapffere Maydel / so ein einziger Sohn / über eine Tinne Goldes reich / und der einige von seiner Familie war / von einem Blaurock einen Schuß durch das Herz / dessen Hoffmeister stritte noch immer fort / und hieb sich in der Furie unter allen heraus / unterdessen aber giengen Lochau / Benedict und Lange durch / denen des Maydels Hoffmeister gantz verzweiffelt nachsetzte / Vorhabens / nicht zu ruhen / bis er seinen Herrn gerochen / Th. Europ. T. XI. Bl. 1311.

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