Montag, 3. August 2015

"und will ich euer vergalltes Herz / mit eurem Blut erkühlen" - Musterbriefe für Duellherausforderungen aus dem 17. Jahrhundert

von Jan Schäfer

Wie wurde eine schriftliche Duellherausforderungen (sog. Kartell bzw. Fedebrief) im 17. Jahrhundert formuliert? Der "Teutsche Secretarius" von Georg Philipp Harsdörffer, eine Sammlung von Mustern für offizielle und persönliche Briefe und Schreiben, gibt auf S. 41 der zweiten Abteilung (3. Auflage) die Antwort in Form zweier Vorlagen.

Die Texte:
[S. 41] *LIX*
Fedebrieflein
Edler Herr.
Der ich mich anhero seinen Diener genennet / muß ich nun seinen Feind schreiben / weil ich die mir gestern zugefügte Schmach / nicht vertragen / noch ruhen kan / ich habs dann solche angeschmützte Befleckung mit eurem Blut abgewaschen: findet euch deßwegen in einer halben Stunde zu N. und versehet euch zu mir / nichts anders als zu einem Feinde / der ich auch bleiben werde / so lang ich heisse
N. N.

*LX*
Deßgleichen
Was er für Wort meiner Ehre zugegen / ausgestossen / schwebet ihn sonders zweiffels in unentfallenem Gedächtniß: weil ich nun dergleichen nicht zu erdulten gesinnet / und die Ehre meinem Leben gleich schätze / lade und fordere ich ihn hiemit die Klinge mit mir zu messen / da sich erweisen wird / daß ihr mich fälschlich verleumbdet / und will ich euer vergalltes Herz / mit eurem Blut erkühlen / und euch weisen / daß ich bin
Euer

Feind
N. N.
Bezeichnenderweise schließt an die beiden Fedebriefe ein mehrere Seiten langer Musterbrief an, der den Titel trägt: "Eines Geistlichen. Abmahnung vom Duelliren oder Balgen".

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