Dienstag, 18. Oktober 2011

Der Fecht- und Exercitienmeister Johann Andreas Schmidt

Johann Andreas Schmidt (hier auf einer Abbildung in seinem Fechtsaal in Nürnberg) wurde im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts (genaues Datum unbekannt) im sächsischen Zöblitz bei Marienberg im Erzgebirge geboren. Seine Geburtsstadt Zöblitz war im 16. und 17. Jahrhundert ein bedeutender Abbau- und Verarbeitungsort für Serpentinstein. Die aus dem seltenen Gestein hergestellten Baustoffe und Gefäße wurden als Handelswaren ausgeführt und brachten der Stadt Wohlstand. Während des 30-jährigen Krieges 1618-1648 hatte Zöblitz dann wie viele Städte und Dörfer des deutschsprachigen Raumes unter Brand, Verwüstung und Entvölkerung zu leiden und erholte sich nach dem Friedenschluss nur sehr langsam von den Kriegsfolgen. Zur Veranschaulichung: erst nach 1700 wurde wieder eine mit vor Kriegsausbruch vergleichbare Zahl an Häusern und Einwohnern erreicht. Soviel sei gesagt zu den Lebensverhältnissen, in die Johann Andreas Schmid hineingeboren wurde.

Von seiner Geburtsstadt Zöblitz ging der junge Johann Andreas Schmidt nach Amsterdam und lernte dort bei Johann Georg Bruch die Fechtkunst (vgl. zur Aussage, Schmidt habe bei Bruch das Fechten gelernt, auch das Nürnbergische Gelehrten-Lexicon Band 7, Seite 88). Aus welcher Motivation heraus Schmidt nach Amsterdam und zu Bruch gelangte, ist unklar. Einen möglichen Hinweis darauf gibt uns die Bevölkerungsgeschichte Europas. Während des 17. Jahrhunderts wanderten besonders viele Deutsche (insbesondere Protestanten) nach Amsterdam aus und wurden dort sesshaft (vgl.: Jan Lucassen, Rinus Penninx: Newcomers: immigrants and their descendants in the Netherlands 1550-1995. Verlag Het Spinhuis, 1997). Es scheint also denkbar, dass auch der junge Erzgebirgler Schmidt seiner Heimat den Rücken kehrte, da er sich in der Fremde bessere Chancen für seine eigene Zukunft ausrechnete als in einem Land, das noch Jahrzehnte nach Friedensschluß an den Verheerungen des Krieges litt. Höchstwahrscheinlich zwischen den Jahren 1671 bis 1690 kam er in die große niederländische Hafenstadt und begann dort seine Lehre bei dem angesehenen Fechtmeister Bruch. Später lehrte Johann Andreas Schmidt dann selbst als Fechtmeister in Nürnberg, dann in Hildburghausen, in Bayreuth, wieder in Nürnberg, in Stuttgart und schließlich in Tübingen, wo er auch verstarb. (vgl. zu den genannten Aufenthaltsorten ebenfalls das Nürnbergische Gelehrten-Lexicon Band 7).

In Nürnberg war Johann Andreas Schmidt von der Stadt als Fecht- und Exerzitienmeister angestellt. Er unterrichtete in der Stadt die Bürger und Patrizier sowie deren Söhne in der Fechtkunst. Darüber hinaus zählte er auch einige Barone, die sich auf Reisen eine Zeit lang in Nürnberg aufhielten, zu seinen Kunden, wie er selbst im Vorwort seines Fechtbuches sagt, ohne jedoch aus Respekt vor seinen Kunden die Namen nennen zu wollen. Hier in Nürnberg lässt Schmidt 1713 auch sein Fechtbuch „Leib-beschirmende und Feinden Trotz-bietende Fecht-Kunst“ drucken. Nach seiner Anstellung in Nürnberg war er 1721 in Bayreuth der Fechtmeister der markgräflichen Pagen am Hofe von Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth. Über seine Lehrtätigkeiten in der damaligen Residenzstadt Hildburghausen wie auch über seinen zweiten Aufenthalt in Nürnberg und seine Anstellungen in Stuttgart (1728 oder 1729) und in der Universitätsstadt Tübingen ist nicht mehr als das bereits Erwähnte bekannt.

Das während seines ersten Aufenthalts in Nürnberg 1713 veröffentlichte Werk „Leib-beschirmende und Feinden Trotz-bietende Fecht-Kunst“ beschäftigt sich auf insgesamt 376 Seiten mit dem Fechten auf Stoß und Hieb sowie dem Voltigieren und dem Ringen. Es trägt den vollständigen Titel „Leib-beschirmende und Feinden Trotz-bietende Fecht-Kunst; Oder: Leicht und getreue Anweisung auf Stoß und Hieb zierlich und sicher zu fechten; Nebst einem curieusen Unterricht vom Voltigiren und Ringen / Deutlich und gründlich beschrieben / und mit saubern darzu gehörigen / nach den Actionen gezeichneten / Kupffern an das Licht gestellet“. Verlegt wurde es durch den Nürnberger Druckereimeister Johann Christoph-Weigel. Der Autor Schmidt widmet es „den Herren Kriegs-Räten“ seiner derzeitgen Wirkungsstätte Nürnberg: dem „Herrn Hanns Carl Löffelholtz von Colberg / und Zerzabelsdorf / Des ältern geheimen Raths / als dieß hochansehnlichen Collegii vorderstem Kriegs-Rath und Praesdi u.a.m.“, „Herrn Joh. Paul Baumgartnern / von und auf Holenstein / Lonstadt und Grünsperg / Des ätern geheimen und Kriegs-Rath u. a. m.“, „Herrn Carl Benedict Geuder / von und auf Heroltzberg und Stein / Des Innern geheimen und Kriegs-Rath u. a. m.“ und „Herrn Joh. Sigm. Grundherrn / von Altenthan und Weyherhauß / Des hochlöbl. Fränkischen Creyses bestellten Obristen zu Fuß / dann des Innern und Kriegs-Rath“. Mindestens sechs Mal wurde das Buch seit der ersten Drucklegung von 1713 neu aufgelegt, im Jahr 1780 sogar zweimal (in Nürnberg und in Leipzig). [Zur Ansicht: Erstausgabe von 1713 / Nürnberger Ausgabe von 1749 / Nürnberger Ausgabe von 1780]

Dass Johann Andreas Schmidt in Amsterdam ein Schüler des Fechtmeisters Johann Georg Bruch war, wird nicht nur durch die Aussage im Nürnbergischen Gelehrten-Lexicon Band 7 bezeugt, sondern auch durch einen Vergleich der Werke der beiden Fechtmeister bestärkt. Denn es finden sich viele Ähnlichkeiten in Struktur, Didaktik und Inhalt zwischen Bruchs „Grondige Beschryvinge van de Edele ende Ridderlijcke Scherm- ofte Wapen-Konste“ und Schmidts „Leib-beschirmende und Feinden Trotz-bietende Fecht-Kunst“. Insbesondere die ersten annähernd fünfzig Seiten über die Grundlagen, die Terminologie und die Lektionen zu den Hauptstößen von Schmidts Werk sind denen von Bruch sehr ähnlich. Dies legt den Schluß nahe, dass Schmidt nicht nur bei Bruch gelernt hat, sondern dass ihm höchstwahrscheinlich auch beim Schreiben seines eigenen Buches ein Exemplar von Bruchs Werk vorlag. (vgl. hierzu auch Rainier van Noort auf bruchius.com)

Auch zur Ringkunst des Nicolaes Petter finden sich bei Schmidt in Teil 6 seines Gesamtwerkes ("So [...] vom Ringen handelt") einige Parallelen. Petters Buch erschien posthum 1674 ebenfalls in Amsterdam, also in einer Zeit da Schmidt womöglich gerade in der Stadt weilte und bei Bruch das Fechten lernte. Ob die Übereinstimmungen zwischen diesen beiden Werken zufällig sind oder daher rühren, dass Schmidt auch von Petter ein Buch vorlag, er bei ihm oder einem seiner Schüler gelernt hat oder aber diese Art des Ringens in den Niederlanden zu dieser Zeit einfach weit verbreitet und populär war, muss ein genauer Textvergleich sowie weitere Recherchen klären.

Johann Andreas Schmidt lernte sein Handwerk, wie bereits mehrfach erwähnt, bei Johann Georg Bruch. Doch der Inhalt seines Fechtbuches belegt, dass er daneben auch die Stile von anderen Fechtern und Meistern verschiedener Nationen kennengelernt hatte. So schreibt er auf Seite 55ff seines Buches: „Es sind viele wunderliche Arten und Manieren vom Fechten / die mir in der Welt vor Handen kommen sind / [...] Die Italiäner / Franzosen / und Teutschen haben jede ihre besondere Inventiones und Manieren. Die Engeländer betreffend / so fast in dem mehresten mit den Franzosen überein kommen / führen doch eine etwas brutale Manier / sowol im Stoß als Hieb / bey sich / und welche noch darbey sehr weitläufig geschehen.“ Auf diese „besondere Inventiones und Manieren“ der Franzosen und Italiener geht er nicht im Einzelnen ein. Ganz anders hält er es mit der spanischen Fechtkunst. Dieser bringt er große Bewunderung entgegen, denn es sei neben ihr „allein fast wenige / ja / wo ich sagen soll / gar keine / die der Spanischen den Vorzug gönnen sollten.“ Zwar lasse sich nicht leugnen, dass man auch bei den anderen Nationen „sehr gute und verständige Maitres antrifft / die gewis ihre Sachen und Kunst sehr wol verstehen [...]“, doch das spanische Fechten sei eine ganz einzigartige und für ihn beeindruckende Kunst. Deren Vorgehen beschreibt er so: „die Spanier aber / so offt man einen Stoß nach ihnen führet / thun sie arretiren [...]. Liget der Spanier im Lager oder Postur; so gibt er überm Gewehr keine Blösse / sondern seine Blössen sind alle unter dem Gewehr; worauf er dann wartet / bis man unter dem Gewehr / [...] stossen will; alsdann kan er arretiren / und entweder einen Hieb ins Gesicht geben / oder einen Stoß auf die Brust versetzen.“ Schmidt kennt aber auch Mittel und Methode, diesem von ihm genannten „Spanischen Arrest“ zu begegnen und berichtet davon ausführlich in "4 Spanischen Figuren".

Betrachtet man Schmidts Werk unter diesem Blickwinkel, dass dieser sich längere Zeit in den Vereinigten Niederlanden mit dessen Nachbarländern Frankreich, England und den spanischen Niederlanden aufhielt, so ist anzunehmen dass Schmidt hier auf erfahrene Fechter aus den genannten Ländern getroffen ist. Denn die Vereinigten Niederlande und besonders Amsterdam waren im sogenannten „Goldenen Zeitalter der Niederlande“ mit ihrem weltweit umspannenden Handelsnetz ein Schmelztiegel der europäischen Kulturen und Anlaufpunkt für Menschen aus aller Herren Länder.

Zum Abschluss seien noch einige Anekdoten aus dem Leben des Johann Andreas Schmidt vorgestellt, die uns das Nürnbergische Gelehrten-Lexicon (Teil 7) überliefert.

Im Jahr 1712 soll er  wegen einer Wette um 10 Dukaten sechs starke Bauern aus einem Wirtshaus in Hagenhausen (ein Stadtteil von Altdorf bei Nürnberg) hinaus geprügelt haben. Bewaffnet sei er dabei lediglich mit einem Stock gewesen.

Ebenso wurde ihm nachgesagt, dass, wenn er mit den Knöcheln seiner Faust auf einen Eichentisch schlug, darin die Knöchelabdrücke seiner Faust zurückblieben.

Die letzte Anekdote handelt von seiner Einstellung als Pagenfechtmeister in Bayreuth im Jahr 1721. Das fränkische Fürstentum Bayreuth wurde zu der Zeit von Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth (1678-1726) regiert. Jener hatte am Spanischen Erbfolgekrieg teilgenommen und kehrte aus diesem schwer gezeichnet (lebensgefährlich verletzt in der Schlacht bei Landau) und zugleich hoch dekoriert  (dreifacher Generalfeldmarschall: in Franken, Polen und im Reich) zurück. In seiner Heimat Bayreuth tat sich Georg Wilhelm zeit seines Lebens als großzügiger Förderer der barocken Baukunst hervor. So ließ er während seiner Regierungszeit die Vorstadt St. Georgen, die Jagdschlösser Kaiserhammer und Thiergarten, die Eremitage und das Schloss Neustädtlein errichten. (Zu Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth siehe: Gansera-Söffing, Stefanie: Die Schlösser des Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth. Bayreuth: Verlag C. u. C. Rabenstein 1992; vgl. auch diese Kurzbiographie) Bei diesem Kriegsveteran und Kunstmäzen focht der erfahrene Fechtmeister Johann Andreas Schmidt im Jahr 1721 im Vorraum des Herrschersaales zur Probe mit zwei Fechtmeistern und entwaffnete in den Gefechten vor den Augen des Markgrafen jeden der beiden Meister mehrmals mittels Ligaden. Daraufhin erhielt er von dem überaus begeisterten Georg Wilhelm sofort die Stelle als Pagenfechtmeister mit einer Entlohnung von 1.000 Gulden.


Publikationsgeschichte des Schmidt´schen Werkes:
  • Leib-beschirmende und Feinden Trotz-bietende Fecht-Kunst; Oder: Leicht und getreue Anweisung auf Stoß und Hieb zierlich und sicher zu fechten; Nebst einem curieusen Unterricht vom Voltigiren und Ringen / Deutlich und gründlich beschrieben / und mit saubern darzu gehörigen / nach den Actionen gezeichneten / Kupffern an das Licht gestellet. Nürnberg, 1713. [Digitalisat]
  • Gründlich lehrende Fecht-Schule, oder Leichte Anweisung, auf Stoss und Hieb sicher zu fechten, nebst einem curieusen Unterricht vom Voltigiren und Ringen. Nürnberg: Endter und Engelbrecht, 1749. [Digitalisat]
  • Fecht-Kunst. Nürnberg, 1750.
  • Lehrende Fechtschule. Nürnberg: Stein, 1760.
  • Johann Andreas Schmidts, Fecht-und Exercitienmeisters Fecht-Kunst, oder leichte und getreue Anweisung auf Stoss und Hieb zierlich und sicher zu fechten. Nebst einem curieusen Unterricht vom Voltigiren und Ringen Nürnberg: 1780. [Digitalisat]
  • Fecht-Kunst auf Stoss und Hieb. Leipzig, 1780.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Gundaker von Liechtenstein (1580-1658): ein Beispiel für einen eifrigen Leser von Fechtbüchern

Ein Fechtbuch zu verfassen war stets der Versuch seines Autors, komplexe körperliche Bewegungsabläufe mithilfe von Worten und Illustrationen auf starres Papier zu bringen. Sowohl Handschriften als auch gedruckte Bücher bildeten damit ein Medium, das die Fechtkunst aus dem praktisch vermittelten Fechtunterricht herauslöste.

Handschriftlich verfasste Fechtbücher waren Einzelanfertigungen, die meist für den adeligen Dienstherren als Auftragswerk angefertigt wurden. Seltener findet sich eine Handschrift, die der Fechtmeister wohl für sich selbst als Gedächtnisstütze und Sudelbuch nutzte. Neben diesen beiden Arten gab es auch noch Fechtbücher, die Abschriften oder Kompliationen anderer Fechttexte waren.

Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg machte es ab Mitte des 15. Jahrhunderts möglich, ein Buch in hohen Stückzahlen identischer Aufmachung herauszugeben. Auch die Fechtbücher wurden ein Teil dieses Fortschritts und erreichten, da unter einer Druckpresse hundertfach verfielfältigt, eine breitere Leserschaft.

Das gedruckte Buch richtete sich selbstverständlich zuerst an einen bestimmten adeligen Gönner, dann an alle adeligen und gutbürgerlichen Schüler des Autoren und Meisters, schließlich auch an die Allgemeinheit: den gebildeten, intellektuell verständigen und fechtkundigen Leser.

Zwei Beispiele aus dem Leben des Fürsten Gundaker von Liechtenstein (1580-1658) sollen zeigen, dass man aufmerksam einzelne Meister und deren Publikationen verfolgte und gezielt diese Bücher zu beziehen suchte, um seinen Wissensschatz zu erweitern.Gundaker von Lichtenstein (1580-1658) aus der Feldsberger Linie des Hauses Lichtenstein stand nacheinander in Diensten der Kaiser Matthias, Ferdinand II. und Ferdinand III. Für diese war er Gesandter und Diplomat und in Wien am Kaiserhof mit wichtigen Aufgaben und Ämtern betraut. Über seine fechterischen Fähigkeiten lässt sich nichts Genaues sagen, doch es ist wahrscheinlich, dass er gut in der Kunst des Fechtens unterrichtet war.

Von diesem Gundaker von Liechtenstein sind zwei Fälle belegt*, in denen er großes Interesse an den Publikationen zweier großer Fechtmeister seiner Zeit hegte und deren Bücher er unbedingt zu lesen wünschte.

In einem Briefwechsel des Jahres 1627 zwischen Gundaker und seinem Amsterdamer Vertrauten Samuel Bloemaert wollte der Fürst wissen, ob „des Gerard Tibaud** fechtbuch in druk albereit seie“ und ob selbiger Thibault „vor einen gar guten meister in der fechtkunst geschezt seie“. Blomaert antwortete, dass das Buch noch nicht erschienen sei. In einem Brief ein Jahr später teilte Blomaerts dem Fürsten dann mit, dass das gewünschte Buch noch immer nicht erschienen und Gerad Thibault leider kürzlich verstorben sei. Thibaults Buch erschien posthum 1630. Nicht bekannt ist, ob Gundaker dessen Werk schlussendlich erhielt. Es ist jedoch anzunehmen.

Im Jahr 1653 drückt Gundaker von Liechtenstein ggenüber einem Hofdiener namens Jung in einem Brief seinen Wunsch aus, ihm über den spanischen Botschafter am Wiener Kaiserhof das Buch des spanischen Fechtmeisters Don Luis Pacheco de Narváez*** beschaffen zu lassen. Denn dieser spanische Meister sei zu jener Zeit „der berühmteste im fechten gewesen“ und Gundaker möchte das Buch gern für seinen Enkel Maximilian haben. Ob er es für die fechtersiche Ausbildung seines Enkels benötigt oder diesem zum Geschenk machen möchte, ist nicht bekannt. Der angeschriebene Jung antwortet, dass das Werk bei Hofe im Moment nicht zu bekommen sei. Er werde jedoch versuchen, es in Spanien  beschaffen zu lassen, schreibt Jung im selben Brief. Auch hier ist der Ausgang von Gundakers Suche nicht bekannt. Aber gleich dem anderen Fall ist auch hier anzunehmen, dass er das Buch am Ende in Händen halten konnte.

Anmerkungen:

* Die Briefe von 1627 und 1653 erwähnt in: Thomas Winkelbauer: Fürst und Fürstendiener: Gundaker von Liechtenstein, ein österreichischer Aristokrat des konfessionellen Zeitalters. Band 34 von Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung: Ergänzungsband. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1999.

** Gérard Thibault d'Anvers (bzw. bei Gundaker Gerard Tibaud), ca. 1574–1627: Gérard Thibault d'Anvers war ein niederländsicher Fechtmeister und Autor des Buches „Academie de l’Espée [...]“. Er soll das Fechten bei Lambert van Someron in Antwerpen gelernt und später in Sanlúcar de Barrameda nahe Sevillia das Fechtsystem des Luis Pacheco de Narváez studiert haben. Ab ungefähr 1610 bereiste er Rotterdam und darauf  den Hof von Nassau und später den Hof von Kleve. An jedem dieser Orte stellte er in Demonstrationen oder Wettkämpfen seine Fechtlehre vor und ernete für sein eigenwillig-einzigartiges Fechtsystem die Anerkennung der anwesenden Fechtmeister, Fürsten und Edelleute. Um 1622 begann er in Leiden die Arbeiten an seinem Fechtbuch, verstarb jedoch 1629 vor der Veröffentlichung. Sein Buch wird ein Jahr nach seinem Tod herausgegeben. (für das Leben von Thibault vgl.:  de la Fontaine Verwey, Herman: Gerard Thibault and his Academie de l'espée. Quaerendo (1978) VIII: 283-319.)

*** Don Luis Pacheco de Narváez (1570–1640): Luis Pacheco de Narváez war ein spanischer Fechtmeister. Er war der Schüler des berühmten Don Jerónimo Sánchez de Carranza und später der Fechtlehrer des spanischen Königs Philip IV. Er veröffentlichte während seines Lebens eine Vielzahl von Schriften über das Fechten, so unter anderem „Libro de las grandezas de la espada, en que se declaran muchos secretos del que compuso el Comendador Geronimo de Carranca. En el qual cada vno se podrà licionar y deprender a solas, sin tener necessidad de Maestro que le enseñe“ (Digitalisat der Ausgabe von 1600) und „Nveva ciencia, y filosofía de la destreza de las armas, su teorica y practica“ (1632).