Mittwoch, 28. Dezember 2011

Aus einem Bücherverzeichnis der Enslin'schen Buchhandlung von 1824: Fechtkunst

von Jan Schäfer

Der aus Süddeutschland stammende Theodor Johann Christian Friedrich Enslin (1787-1851) war gelernter Buchhändler und später auch selbstständiger Verleger. Seine bibliographischen Recherchen als Buchhändler sind für die Erforschung der Fechtgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts von hohem Wert.

Über sein Leben gibt die die Allgemeine Deutsche Biographie Auskunft: Lülfing, Hans, „Enslin, Theodor Johann Christian Friedrich“, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 539 f.

Enslin interessierte sich aus Berufsgründen natürlich für alle Arten von Büchern. In jahrelangen Recherchen stellte er als Berliner Buchhändler die Mehrzahl der seinerzeit verfügbaren Bücher in thematisch geordneten Katalogen zusammen und veröffentlichte sie als Bücherverzeichnisse der Enslin‘schen Buchhandlung.

Eine Auswahl:
  • Bibliothek der schönen Wissenschaften [Scan]
  • Bibliothek der Forst- und Jagdwissenschaft [Scan]
  • Bibliothek der Handlungswissenschaften [Scan]
  • Bibliothek der Kriegswissenschaften [Scan]

In der erwähnten „Bibliothek der Kriegswissenschaften oder Verzeichniß aller brauchbaren, in älterer und neuerer Zeit, bis zur Mitte des Jahres 1824 in Deutschland und Frankreich erschienenen Bücher über die Kriegskunst und Kriegsgeschichte, und über deren nöthigste Hülfswissenschaften, ...“ hat Enslin dem Leser auf 99 Seiten zu den Themen Kriegswissenschaft und Kriegsgeschichte, Fechtkunst, Reitkunst, Pferdewissenschaft, Schwimmkunst und Mathematik an Büchern zusammengetragen, „was in deutscher Sprache, besonders in neueren Zeiten erschienen ist“ [n. Enslin].

Für die Fechtkunst listet Enslin 20 Werke von überwiegend deutschen Autoren auf, die sich entweder mit dem Fechten auf den Stoß oder auf den Hieb befassen (einige wenige Bücher behandeln sowohl das eine als auch das andere). Alle Fechtbücher lassen sich dem Universitäts- oder dem Militärfechtwesen zuordnen. Bemerkenswert ist, dass die ältesten der Fechtbücher bereits im 18. Jahrhundert das erste Mal aufgelegt worden sind: Johann Andreas Schmidt 1713 in Nürnberg (s. auch Artikel über Johann Andreas Schmidt), Anton Friedrichs Kahn 1739 in Heidelberg und Siegmund Carl Friedrich Weischner 1765 in Weimar.

Enslins Liste zur Fechtliteratur ermöglicht es uns, im einzelnen zu überblicken, welche Fechtbücher im Jahr 1824 auf dem deutschsprachigen Büchermarkt erhältlich waren und wie viel Geld man in einer damaligen Buchhandlung wie der Enslin'schen auf den Ladentisch legen musste, um ein Exemplar zu erwerben. Enslin konnte in seiner Berliner Buchhandlung, so berichtete er selbst im Vorwort, jedes der aufgelisteten Bücher zu den angegebenen Preisen für seine Kunden beschaffen. Die Preise im Verzeichnis gibt er sowohl nach der üblichen Berechnung zu 24 guten Groschen und nach preußischen Silbergroschen (30 auf einen Thaler) an.

Hier die Liste mit allen Büchern:
  • Duval, J.: Theoretische Anweisung zur Fecht- und Voltigirkunst; mit 60 Figuren. München: Verlag Fleischmann. 2 Reichstaler 15 Silbergroschen oder 2 Reichstaler 12 gute Groschen. [Scan]
  • Eiselen, C. W. B.: Das deutsche Hiebfechten. Berlin: Verlag Dümmler. 12½ Silbergroschen oder 10 gute Groschen
  • Unbekannt: Die Fechtkunst auf Universitäten; mit Kupfern. Kothen: Verlag Aue. 11½ Silbergroschen oder 9 gute Groschen.Kahn, A. F.: Anfangsgründe der Fechtkunst; mit vielen Kupfern. Leipzig: Verlag Weygand. 2 Reichstaler 5 Silbergroschen oder 2 Reichstaler 4 gute Groschen.
  • v. Pöllnitz, G. L.: Das Hiebfechten zu Fuß und zu Pferde; ein nöthiges Handbuch für alle diejenigen, welche jungen Cavalleristen Unterricht in der Fechtkunst zu geben haben, so wie auch für alle Freunde dieser Kunst. Halberstadt: Verlag Vogler. 15 Silbergroschen oder 12 gute Groschen.
  • Pönitz, C. Ed.: Die Fechtkunst auf den Stoß; nach den Grundsätzen des Herrn von Selmnitz und einiger andern Lehrer dieser Kunst. Dresden: Verlag Arnold. 26 ½ Silbergroschen oder 21 gute Groschen.
  • Ranis, H. L.: Anweisung zum Fechten; mit Kupfern. Berlin: Verly Mylius. 20 Silbergroschen oder 16 gute Groschen.
  • Pour, J. W. D.: Deutsche Fechtkunst, oder Anweisung zum Stoßfechten. Leipzig: Verlag Barth. 26 ½ Silbergroschen oder 21 gut Groschen. [Anm.: Autor geändert, siehe Kommentare]
  • Unbekannt: Anweisung über das Hiebfechten. Nürnberg: Verlag Campe. 15 Silbergroschen oder 12 gute Groschen.
  • Roux, J. A. K.: Anleitung zum Stoßfechten; mit Kupfern. Jena: Verlag Hennings. 26 ½ Silbergroschen oder 21 gute Groschen. [Anm.: Autor geändert, siehe Kommentare]
  • Schmidt, J. A.: Fechtkunst auf Stoß und Hieb; mit 82 Figuren. Nürnberg: Schneider und W. 15 Silbergroschen oder 12 gute Groschen.
  • Fechtkunst für die Cavallerie; mit Kupfern. Berlin: Verlag Maurer. 1 Reichstaler.
  • Schmidt, J. F.: Gründliche Anweisung der deutschen Fechtkunst auf Stoß und Hieb. Dresden: Verlag Arnold.
  • Unbekannt: Theorie der Fechtkunst; eine analytische Abhandlung sämmtlicher Stellungen, Stöße, Paraden, Finten u.f.w. überhaupt aller Bewegungen im Angriff und der Vertheidigung; nach dem „traité d’escrime par le Chevalier Chatelein“ frei bearbeitet; nebst einer Anleitung über das Hiebfechten von Anton Küpscher und Franz Gömmel; mit 2 Uebersichtstabellen und 20 bildlichen Darstellungen. Wien: Verlag Strauß. 2 Reichstaler 7½ Silbergroschen oder 8 (2?) Reichstaler 6 gute Groschen.
  • Timlich, Ch. L.: Abhandlung der Fechtkunst auf den Stoß; mit Kupfern. Wiehn: Verlag Rehm. 2 Reichstaler 20 Silbergroschen oder 2 Reichstaler 16 gute Groschen.
  • Unbekannt: Unterricht zum Gebrauch des Seitengewehrs für die Cavallerie; mit 6 Kupfern. Leipzig: Verlag Ind. Comt. 15 Silbergroschen oder 12 gute Groschen.
  • Venturini, G.: Fechtkunst auf den Stoß und Hieb. Hannover: Verlag Hahn. 20 Silbergroschen oder 16 gute Groschen.
  • Unbekannt: Versuch über das Contrafechten auf die rechte und linke Hand nach Kreußlerschen Grundsätzen. Jena: Verlag Cröker. 11½ Silbergroschen der 9 gute Groschen.
  • Weischner, C. F.: Ritterliche Geschicklichkeit im Fechten durch ungezwungene Stellungen, mit 30 Kupfern. Weimar: Verlag Hoffmann.
  • Werner: J. A. L.: Versuch einer theoretischen Anweisung zur Fechtkunst im Hiebe; mit 20 Kupfern. Leipzig: Verlag Hartmann. 1 Reichstaler 20 Silbergroschen oder 1 Reichstaler 16 gute Groschen. [Scan]

Kommentare:

  1. Dietmar Stubenbaum29. Dezember 2011 um 00:31

    Wircklich mal ein toller blog unter dem Wirrwarr der Fechtkünste im Netz. Ein Kanis, Anweisung zum Fechten gibt es eher nicht. Theodor Enslin meinte hier wohl Ranis H.C. Anweisung zur Fechtkunst 1771; Berlin; Mylius.
    Kur J.A.K.; Anleitung zum Stoßfechten; ist wahrscheinlich auch eine Verwechslung. Ich vermute dahinter Roux J.A.K. deutsche Fechtkunst, enthaltend eine theoretisch-praktische Anweisung zum Stoßfechten (allerdings) erschienen bei Barth, Leipzig. Oder die Anleitung zum Stoßfechten von J.W.Roux; Jena; 1808. Aber wer weiß vielleicht findet sich ja noch ein J.A.K. Kur.
    beste Grüße

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  2. Sehr geehrter Herr Stubenbaum

    Vielen Dank für das Lob. Mit Ranis und Roux (ersch. Jena) haben Sie natürlich Recht, ich werde das sofort ausbessern. Vielen Dank für den Hinweis.

    viele Grüße,
    Fechtgeschichte

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