Samstag, 25. Januar 2014

Das Fechtbuch eines Studenten. Transkription des Cod. Guelf. 264.23 extav. aus dem Jahr 1657. Teil 2: Dolch und Rapier

Die Handschrift Cod. 264.23 extrav. enthält drei Teile zum Fechten: die ersten beiden Teile zum Degen allein wurden nebst einer ausführlichen Einleitung zur Handschrift in einem vorangegangenen Artikel vorgestellt (vgl. Das Fechtbuch eines Studenten. Transkription des Cod. Guelf. 264.23 extrav. aus dem Jahr 1657. Teil 1: Der Degen allein). Es folgt die Transkription des letzten Teils, der den Umgang mit Rapier und Dolch behandelt.

Während die anderen beiden Texte höchstwahrscheinlich aus freier Hand entstanden, ist der dritte Text eine Teilkopie von 46 Stücken aus Hans Wilhelm Schöffer von Dietz Werk “Gründtliche vn eigentliche Beschreibung der freyen Adelichen vnd Ritterlichen Fechtkunst", Marburg 1620 [Digitalisat: Göttinger Digitalisierungszentrum]. Der unbekannte Student kopierte aus diesem Buch die Lektionen 1-12, 61-65, 76-83, 188, 115-118, 295 und 296 (diese beiden Lektionen sind bei Dietz als Lectiones des Sig. Nicoletto da Venetia verzeichnet), 195-197 und 201-209 (in dieser Reihenfolge) und nummerierte sie neu von 1-46. Nur für die Lektionen 33 und 46 des Manuskripts ist der Ursprung unbekannt.
Während seiner Abschriften veränderte der Schüler den Text jedoch geringfügig. So benutzt er für einige Worte eine eigene Schreibweise und setzte Kommas, wo im Druck Schrägstriche gesetzt sind. Außerdem fehlen im Manuskript bei allen kopierten Lektionen die Illustrationen aus dem Original. Die Verweise auf die Bilder im Originaltext sind deshalb ebenfalls nicht in die Abschrift übernommen worden.

Exkurs: Neubetrachtungen zur Identität des Fechtmeisters „Hans Wilhelm“

Auf Seite 5 des Cod. erwähnt der anonyme Autor den Namen „Hans Wilhelm“ als seinen Fechtlehrer. Im ersten Artikel wurde darüber spekuliert, dass es sich hierbei im Hans Schöffer Wilhelm von Dietz handeln müsse, da dieser nach den Aussagen von Hynitzsch in Sorö gelehrt hatte. Claus Sörsensen fand kurze Zeit nach erscheinen des ersten Artikels aus Universitätsakten heraus, dass es während des Bestehens der ersten Ritteraakdemie im Zeitraum 1623 bis 1665 nicht nur einen, sondern drei Fechtmeister in Sorö gab: Hans Wilhelm (angestellt von um 1626 bis 1636), Toussaint de Beaufort (angestellt um 1636) und Hans Wilhem Eller (angestellt 1642 bis 1665). Der erste Hans Wilhelm war, glaubt man den Aussagen von Hynitzsch, Hans Wilhelm Schöffer von Dietz, der aus Marburg als Fechtmeister kam. Toussaint de Beaufort stammte aus Frankreich. Hans Wilhem Eller wurde vom Dänenkönig aus Straßburg nach Sorö geholt. (1)

Damit ist nicht mehr sicher, dass es sich bei dem angegebenen “Hans Wilhelm” eindeutig um Hans Wilhelm Schöffer von Dietz handelt. Aus den neuen Informationen lassen sich neue Hypothesen zur Entstehungsgeschichte der Handschrift und zur Identität des “Hans Wilhelm” aufbauen:

  1. ) Der auf der Titelseite erwähnte Hans Wilhelm ist Hans Wilhelm Eller, der zwischen 1646 und dem Ende der Akademie 1665 den Fechtunterrricht auf der Akademie gab. Eller stammte aus Straßburg, wo er vielleicht bei dem Fabris-Schüler Hans Wulff von Mulßheim Fechtunterricht erhalten haben könnte. (2) Hans Wilhelm Eller könnte einer von seinen Schülern gewesen sein. Bei diesem Eller lernte der unbekannte Autor der Handschrift Cod. Guelf. 264.23 um 1657 das Fechten und machte sich Notizen zu generellen Fechtregeln und dem Degen allein. Für den Text zu Rapier und Dolch könnte der Autor Zugang zu einer von Dietz’ Abhandlungen gehabt haben, die noch aus dessen Zeiten in der Schulbibliothek lag. Aus dieser kopierte er einige Lektionen zu Rapier und Dolch. Möglicherweise wurde das Buch auch noch von dem neuen Fechtmeister Hans Wilhelm Eller verwendet. 
  2. ) Der unbekannte Schüler lernte unter Hans Wilhelm Schöffer von Dietz zwischen 1626 und 1636 und schrieb währenddessen seine Notizen nieder. Aber erst 1657 ließ er alle Seiten zusammenbinden, zwei Titelblätter hinzufügen und es mit dem Datum Ao. 1657 versehen.
  3. ) Dass Hans Wilhelm Schöffer von Dietz (seit 1636 im Ruhestand) auch nach seiner Pensionierung noch Lektionen auf dem Fechtboden gab, die der unbekannte Schüler aufschrieb, kann nur bis 1646 vermutet werden. Denn spätestens 1646 ist Schöffer verstorben (3).

Der Text

Vorwort zur Bearbeitung des Textes: Es gelten die gleichen Regeln wie bei Teil 1.
  • Die Wiedergabe des Textes erfolgte buchstaben- und zeichengetreu.
  • Groß- und Kleinschreibung wurden vereinheitlicht. Nur Überschriften, Satzanfänge (nach einem Satzzeichen oder Beginn eines neuen Abschnitts) und Eigennamen (wo sie auch im Original groß) wurden groß geschrieben.
  • Zeichen zur Unterscheidung von Buchstaben (z.B. 'u' mit Strich oder 'y' mit Doppelpunkt) wurden nicht abgebildet.
  • Die verschiedenen Formen eines Buchstaben (z.B. bei 's') wurden nicht unterschieden.
  • Fehler, wie z.B. Wortdoppelungen, wurden übernommen.
  • Nachträglich eingefügte, durchgestrichene und überschrieben Worte wurden mit <> kenntlich gemacht.

[Seite 61]

Folgen Etliche Lectiones mit Dolch vnd Rapier

1. Die erste Lection in dolch vnd Rapier fechten

Biete einem deinen halben leib vnd deine rechte seitte wende vor, wan du dich nun also gelagert hast vnd vermeinst daß du in der mensur seist so trette mit deinem rechten fueß vnd gerad auff ihn hinein vnd stoeße mit der quarta innerhalb nach seiner rechten brust zu, wan der stoeß geschehen so trette mit deinem fueß wiederümb zurück vnd deine klinge innerhalb vber seiner klinge in dem du zurück trittest so ist seine klinge stringiret so bald er alßdan wiederümb vnter deiner klingen durch caviren wirdt, so habe wohl in achtung auff daß tempo in dehm er durchgehett du mit der tertia außerhalb vber der halben stärcke seiner klingen hin ein stoeßest nach seiner rechten brust zu, wan der stoeß geschehen, so trette mit deinem rechten fueß wiederümb zurück vnd zieh deine klinge außerhalb vber die seine, so ist seine klinge abermahl stringirt, sobaldt er alßdan vnter deiner klingen durch caviren wirdt, so habe wohl in achtung auff daß tempo in dem er durch gehet, du geschwindt mit der quart innerhalb nach seiner rechten brust zustoeßest.

[Seite 62]

2. Ein ander Stück

Lager dich abermahlß also in deine Guardiam, vnd mit deiner klingen gehe ihm innerhalb seiner klingen, wan du alßdan vermeinst daß du in der mensur seyst, so stoeße recht tiefh mit der quarta innerhalb nach deines wiederparths rechte brust zu, so bald der stoeß geschehen so trette mit deinem rechten fuß wiederümb zurück vnd ziehe deiner klinge, innerhalb vber seine klinge, so ist seine klinge stringiret, vnd gebe ihm ein wenig die blöß außerhalb vber deinem rechten arm, so balde er vnder deiner klingen durch caviren wirdt, vnd will dir mit der tertia außerhalb vber deinen rechten arm hinein stoeßen, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch oben nach deiner rechten seiten zu hinweg vnd stoeße mit der Riversa außerhalb vber seinem rechten arm hinein nach seiner rechten brust zu, mitt einem zutritt des rechten fueßes.

3. Stoeß abermahlß recht tieff mitt der quarta nach deines wiederparts rechten brust zu, wan der stoeß geschehen, so trette mitt deinem rechten fueßwiederümb zurück, vnd fahle mitt deiner klingen innerhalb auff seine klinge, widerümb stringire so bald er alß dan vnter deiner klingen durch caviren wirdt, so falle ihm mitt deiner klingen außerhalb auff seine klinge, so ist seine klinge gedempfhet du must aber mit deinem rechten fueß ein wenig auff ihn hinein tretten, in dehm du mit deiner klingen ihm außerhalb auff die seine fallest.

[Seite 63]

Geschwinde trette alßdan mit deinem linken fueß außerhalb auff ihn hinein, vnd falle mit deinem dolch auch außerhalb auff seine klinge vnd wan du mit deinem dolch auff <die folgenden Worte sind unleserlich durchgestrichen, eventuell 'außerhalb auch') seiner klingen bist <die folgenden Worte sind unleserlich durchgestrichen, eventuell 'wan du auff seines dolch'; beide durchgestrichenen Satzteile scheinen  Fehler zu sein, die durch das durchstreichen unleserlich gemacht werden sollten> so senke deinen oberleib ein wenig hinter sich, damit er dich mit seinem dolch nicht erwischen kan vnd stoeße mit der Secunda nach seinem oberleib zue.

4. Folget nun wie du die contra tempo stoeßen solst.

Lege dich in deiner Guardiam, so baldt er dir alßdan innerhalb in die blöß stoeßen wirdt, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch vnten nach deiner rechten seiten zu hinweg, vnd stoeße mit der Secunda contra tempo zugleich mit ihm nach seinem oberleib zu mit einem zutritt deß rechten fueßes pariren mit deinem dolch, tretten vnd stoeßen muß alß in einem tempo mit einander geschehen.

5. Da er dir aber finte innerhalb bey deinem dolch machte, vnd wolte hernacher geschwind außerhalb vber deinem dolch hinein stoeßen, so habe wohl in achtung in dem er außerhalb vber deinem dolch finten stoeßet, du seinen stoeß mit deinem dolch, oben nach nach deiner linken seiten zu außparirest, vnd stoeße mit der quarta innerhalb nach seiner rechten brust zu.

[Seite 64]

6. Folget nun wie du die Finda machen sollst

Lieget einer mit seinem dolch wohl von sich außgestrecket, so gehe ihm mit deiner spitzen forn vnter seinen dolch, batier alsdan mit deiner rechten fueß wan du vermeinest daß du in der mensur seyst, vnd mache ihm eine finte innerhalb hart vnter seinem dolch hinein, so bald er dir daselbsten die finda mit seinem dolch, vnten nach seiner linken seitten zu außnehmen will, so cavire fein eng vnter seinem dolch durch, vnd stoeße mit der Secunda außerhalb vber seinem dolch hinein nach seiner rechten brust zu mit einem zutrit des rechten fueßes, vnd mit deinem dolch parire ihm seine klinge, in dehm er stöeßet, vnten nach deiner rechten seiten zu hinweg.

7. Folget nun wie du einem die Finda außerhalb vber seinem dolch hinein machen solst.

Lieget einer mit seinem dolch wohl von sich außgestreckt, so gehe ihm mitt deines rapiers spitze fornen vnter seinem dolch wan du alßdan vermeinest daß du in der mensur seyst so batire mit deinem rechten fueß vnd mache ihm eine finda mit der secunda außerhalb vber seinem dolch

[Seite 65]

so balde er dir da selbsten die finda mit seinem dolch oben nach seiner linken seitten zu außnehmen will so cavir geschwindt vnter seinem dolch hinein, vnd stoeße mit der quarta außerhalb vnter seinem dolch hinein nach seiner linken Brust zu, mit einem zutritt des rechten fueßes, wan der stoeß geschehen so falle mit deiner klingen ihm innerhalb auff seine klinge, vnd mit deinem rechten fueß trette zugleich damit zurück so verhindertu ihm seinen nachstoeß, vnd stringirest ihm zugleich seine klinge damit, so bald er alßdan vnter deiner klinge durch caviren wirdt dir außerhalb vber deinem rechten arm hinein zu stoeßen vermeinet so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch oben nach deiner rechten seiten zu hinweg, vnd stoeße alßdan mit der Riversa außerhalb vber seinem rechten arm hinein, mit einem zutritt des rechten fueßes, dieses mercke vor eine gemeine regel wan du einem vnter seinem dolch od: zwischen seinem rapier vnd dolch hinein stoeßest daß sobaldt der stoeß geschehen du allezeit mit deiner klingen innerhalb auff seine klinge fallest damit du ihm seinen nachstoeß verhinderst.

8. Folgen nun wie du die duppelten Finten machen solst.

Lieget einer mit außgestrecktem dolch vor dir, so gehe ihm außerhalb mit deines rapiers spitze forn vnter seinem dolch, wan du alßdan vermeinest daß du in der mensur seist, so batiere mit deinem rechten fuoß, vnd mache ihm eine finte mit der tertia recht grad vnter seinem dolch hinein

[Seite 66]

so baldt er daselbsten mit seinem dolch vnter nach seiner linken seitten zu außnehmen will so cavire fein eng vnter seinem dolch durch vnd mach ihm eine finte außerhalb vber seinem dolch hinein, vnd mit deinem rechten fueß batier auch darmit wirdt er sich daselbsten mit seinem dolch oben nach seiner linken seiten zu verfahren, so stoeße geschwind mit der quarta außerhalb vnter seinem dolch hinein! Diese verführung kanstu treiben so offt du wilst, wan der stoeß geschehen, so falle mit deiner klingen wiederümb innerhalb auff seine klinge, vnd gebrauche die arbeit wan er wan er durchgehet, wie oben gemelt.

9. Auff ein ander ahrt wie du die duppelten finten machen solst.

Lieget einer mit langer klingen vor dir so gehe ihm mit deiner spitzen forn vnter seinen dolch, vnd deinen rechten arm halte in der verkürtzung batiere alßdan mit deinem rechten fueß, vnd mache ihm eine finte mit der secunda außerhalb vber seinem dolch hinein, wirdt er dir daselbsten mit seinem dolch oben nach seiner linken seitten zu ausnehmen wollen, so cavire geschwind vnter seinem dolch durch, vnd mache ihm eine finte mit der quarta vnter seinem dolch hinein wirdt er dir daselbsten mit seinem dolch auch vnten nach seiner linken seitten zu, außpariren, so stoeße geschwind mit der secunda außerhalb seinem dolch

[Seite 67]

hinein mit einem zutrit des rechten fueßes, vnd mit deinem dolch parire seine kling vnten nach seiner rechten seiten zu hinweg.

10. Folget nuhn wie du die Finten von vnten auff machen solst.

Lieget einer mit seinem dolch wohl von sich außgestreckett so mache die contra Postür alßo, wan du alßdan vermeinest daß du in der mensur seyst, vnd er dir die blöse außerhalb vber seinem dolch gibt (du must aber mit deinem Leib außerhalb nach seinem dolch gehen) so batiere mit deinem rechten fueß, vnd mache ihm eine Finte von vnten auff außerhalb seines dolches, so bald er dir daselbsten mit seinem dolch oben nach seiner Linken seitten zu aussnehmen will, so hebe deine klinge oben vber seinern dolch hinvber so wirdt er sich mit seinem dolch oben nach seiner linken seitten zu verfahren, stoeße alßdan mit der quarta zwischen seinen rapier vnd dolch hinein nach seiner rechten Brust zu.

[Seite 68]

11. Auff ein andere ahrt

Lieget einer in der quarti, so lasse deine spitze wiederümb vntersich sincken vnd leger dich in der quartia wan du alßdan vermeinest, daß du in der mensur seyst, so batire mit deinem rechten fueß, vnd mache ihm eine finte von vnten auff innerhalb nach seinem gesicht zu wirdt er dir diese finte mit seinem dolch oben nach seiner rechten seite zu außparieren vnd stoeßet dir geschwindt innerhalb nach, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch vnten nach deiner rechten seitten zu hinweg vnd hebe alßdan deine klinge vber seinen dolch hinvber vnd stoeße mit der secunda oben vber seinen dolch hinein nach seiner linken brust zu mit einem zutritt deines rechten fueßes.

12. Du kanst auch wohl wan du also die finte von vnten auff machest nach seinem gesicht zu, er mit seinem dolch nich außnehmen wolte, so laße deines Rapiers spitze, geschwind wiederümb vnter sich sincken, vnd stoeße mit der quarta innerhalb nach ßeiner rechten Brust zu.

[Seite 69]

13. Ein ander stück wie du einem außerhalb vber seinen dolch hinein stoeßen solst.

Giebt dir einer die blöeße ein wenig außerhal vber seinem dolch so gehe mit deiner klinge außerhalb seiner <korrigiert von: seines> <durchgestrichen: dolch> klinge, wan du alßdan vermeinest, daß du in der mensur seyst, so batiere mit deinem rechten fueß vnd mache ihm eine finte außerhalb vnter seinen dolch hinein, nach seinem inwendigen leib zue wirdt er sich daselbsten mit seinem dolch nach deiner klinge verfahren so cavire mit deiner klinge vnter seinem dolch durch vnd stoeße mit der secunda außerhalb vber seinem dolch hinein.

14. Auff ein ander arth

Gehe abermahlß mit deiner klinge außerhalb seiner klinge, wie oben gemelt, wan du alßdan vermeinest, daß du in der mensur seyst so batiere mit deinem rechten fueß, vnd mache ihm eine finte außerhalb vnter seiner klinge hinein, nach seinem inwendigen Leib zu, wirdt er sich daselbsten mit seiner klinge nach seiner linken seitten zu verfahren, so cavire geschwindt wiederümb von deiner rechten nach deiner linken, vnter seiner klinge durch, vnd stoeße mit der tertia außerhalb vber der halben stärcke seiner klinge hinein nach seiner rechten brust zu.

[Seite 70]

15. Auff ein ander ahrt.

Gehe abermahlß mit deiner klingen außerhalb seiner klingen wie oben gemelt, wan du alßdan vermeinest daß du in der mensur seyst so batiere mit deinem rechten fueß, vnd mache ihm eine finte außerhalb vnter seiner klingen hinein, wirdt er alßdan mit seinem dolch nicht pariren wollen, so passire geschwindt forth, vnd mit deinem dolch parire ihm seine klingen oben nach deiner rechten seitten zu hinweg, vnd stoeße mit der Secunda außerhalb vnter seinen klingen hinein.

16. Auff ein ander ahrt/.

Gehe abermahlß mit deiner klingen außerhalb seiner klingen wie oben gemelt, geschwindt batiere alßdan mit deinem rechten fueß vnd mache ihm eine finte außerhalb vnter seiner klingen hinein, wirdt er sich alßdan mit seiner klingen nach seiner linken seiten zu verfahren, so cavire geschwint vnter seiner klingen durch, vnd stoeß mit der tertia außerhalb vber seinem rechten arm hinein, wirdt er sich daselbsten mit seiner klingn rechter seitten zu verfahren, so passire geschwindt forth, vnd stoeße mit der secunda außerhalb vnter seiner klingen hinein nach seiner seiten oder brust zu.

[Seite 71]

17. Auff ein ander ahrt.

Gehe ihm abermahlß mit deiner klingen außerhalb seiner klingen geschwindt batire alßdan mit deinem rechten fueß, vnd mache ihm eine finte außerhalb vnter seiner klingen hinein, wirdt er sich daselbsten mit seiner klingen nach seiner linken seitten zu verfahren, so cavire geschwind wiederümb vnter seiner klingen durch, vnd mache ihm eine finte außerhalb nach seinem rechten rechten arm zu, wirdt er dir dieselbe finte mit seinem dolch oben nach seiner rechten seitten zu außnehmen wollen, so hebe geschwindt deiner klingen oben eben über seinem dolch hinvber, so wird er mit seinem dolch fehl greiffen vnd stoeß mit der secunda contra tempo zu gleich mit ihm vber seinen dolch hinein, mit einem zutrit des rechten fueßes vnd mit deinem dolch parire ihm seine klinge vnten nach deiner rechten seiten zu hinweg.

18. Ein ander stück.

Leger dich mit deinem dolch vnd Rapier also vnd strecke deinen dolch wohl von dir auß, vnd mit deinem Rapier etwaß kurtz, so baldt er vnter deinem dolch hinein stoeßen wirdt, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch vnten nach deiner linken seiten zu hinweg, vnd stoeße hernacher wan du pariret hast, mit der quarta innerhalb nach seiner rechten brust zu, mit einem zutritt des rechten fueßes.

[Seite 72]

19. Auff ein ander ahrt.

Liegestu mit deinem dolch wohl von dir außgestrecket, vnd er dir vnter deinem dolch hinein stoeße, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch vnten nach deiner linken seitten zu hinweg, vnd mit deinem rechten fueß bleibe still stehen, vnd stoeße ihm nicht nach, so baldt er alßdan wiederümb vnter deinem dolch durch caviren wirdt, vnd will dir mit der secunda außerhalb vber deinem dolch hinein stoeßen, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch oben nach deiner linken seitten zu hinweg, vnd stoeße mit der quarta zugleich mit ihm innerhalb seiner rechten Brust zu mit einem zutritt des rechten fueßes.

20. Liegestu abermahls mit deinem dolch wohl von dir außgestreckt, vnd er dir außerhalb vber deinem dolch hinein stoeßett so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch oben nach deiner linken seiten zu hinweg vnd stoeße fast zugleich mit ihm mit der quarta innerhalb nach seiner rechten brust zu.

21. Stoeßet er dir abermahl außerhalb vber deinem dolch hinein so parire ihm seinen stoeß wiederümb mit deinem dolch oben nach deiner linken seiten zu hinweg, vnd in dehm du parirest so stehe mit deinem rechten fues still, vnd stoeße ihm nicht nach, wirdt er alßdan geschwindt wiederümb vnter deinem dolch durch caviren, vnd will dir unter deinem dolch hinein stoeßen, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch vnten nach deiner linken

[Seite 73]

seitten zu hinweg, vnd stoeße alßdan mitt der quarta Innerhalb nach seiner rechten brust zu, mit einem zutritt des rechten fueßes.

22. Auff ein ander ahrt.

Liegestu abermahlß also mit deinem dolch von dir ausgestrecket vnd dir einer eine finte vnter deinem dolch od: außerhalb vber deinem dolch hinein machen wolte, so habe wohl in achtung, in dem er batiert, vnd dir die finte machet du geschwindt die quarta zugleich mit ihm stößest, innerhalb nach seiner rechten brust zu, mit einem zutritt des rechten fueßes.

23. Auff ein ander ahrt.

Liegestu abermahlß also mit deinem dolch wohl von dir außgestrecket vnd dir eine finte vnter deinem dolch hinein machte, so pavire ihm die finte nicht mit deinem dolche, sondern parire ihm die finte fein gemach mit deiner klingn, wirdt er alßdan geschwindt in dehm du mit deiner klinge parirest vnter deiner klinge durch caviren, vnd wolte dir außerhalb vber deiner klingen nach deiner rechten brust zu stoeßen so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch oben nach deiner rechten seiten zu hinweg, vnd stoeße mit der Riuersa außerhalb nach nach seiner rechten brust zu.

[Seite 74]

24. Du kanst auch wohl, so du wilst wan du ihm seine finte mit deiner klingen parirest, er dir alßdan vnter deiner klingen durch cavirte, vnd stieße, dir außerhalb vber deiner klingen hinen, so so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch vnten nach deiner rechten seiten zu hinweg vnd stoeße mit der secunda contra tempo zugleich mit ihm nach seinem oberleib zu.

25. Auff ein ander ahrt.

Liegestu abermahlß mit deinem dolch wohl von dir außgestrecket vnd dir einer die finte außerhalb vber deinem dolch hinein machte, so parire ihm die finte nicht mit deinem dolch sondern parire ihm die finte mit
deiner klingen, so bald er alßdann vnter deiner k. d. caviren wirdt vnd will dir außerhalb nach deiner (4) rechten seitten zu hinweg, vnd stoeße mit der Riuersa außerhalb nach seiner rechten brust zue.

[Seite 75]

26. Ein ander stück.

Liegestu in der ersten guardi vnd dein wiederpart alßdan in der prima auff dich hinein eilet, vnd will dir deine klingen mit seinem dolch vnten nach seiner rechten seitten zu außpariren vnd wolte dir alßdan mit der secunda außerhalb vber deinem dolch hinein stoeßen, so habe wohl in achtung in dehm er mit seiner klingen von seiner linken nach seiner rechten, vnter deiner klingen, vnter deinem dolch durch caviret, vnd will dir außerhalb vber deinem dolch hinein stoeßen, so trette geschwindt mit deinem rechten fuß zurück, also daß dein lincker fuß vor komme, vnd mache ihm eine ligation mit deiner klingen eyle dan geschwindt auff ihn hinein, vnd mit deinem dolch bleibe ihm außerhalb vber seiner klingen, stoeße alßdan geschwindt vnter seiner klingen hinein nach seiner rechten seitten zu, od: aber stoeße mit der secunda oben vber seinem rechten arm hinein, wo du die beste blöeße sehen wirst.

27. Folget nuhn wie du einem außerhalb nach seinem rechten schenkel zu howen solst, vndt hernacher den stoeß darein gebrauchen.

Mache einem eine finte mit der 4ta außerhalb seiner klingen wohl nach seinem rechten auge zu, mit einem zutrit des rechten fueßes so bald er dir daselbsten mit seiner klingen oben nach seiner rechten seiten zu aussnehmen will so trette mit deinem rechten fueß wiederümb zurück, vnd haue ihm außerhalb nach seiner rechten schenckel, wan du den hau vollbracht hast, so bleibe mit deiner klinge bey deiner rechtn seitten auff der erden liegen, so baldt er dir alßdan oben in die

[Seite 76.]

bloß stoeßen wirdt, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch oben nach deiner rechten seitten zu hinweg, vnd stoeße mit der secunda außerhalb vnter seiner klingen hinein.

28. Du kanst auch wohl, wan du ihm außerhalb nach seinem rechten schenkel gehauen hast, er dir alßdan geschwindt oben in die blöß stieße ihm seinen stoeß mit deinem dolch oben nach deiner rechten seitten zu hinweg parrien, vnd mit der riversa außerhalb vber seinem rechten arm hinein stoeßen mit einem zutritt des rechten fueßes.

29. Auff ein ander ahrt.

Du kanst auch wohl wan du also außerhalb nach seinem rechten schenkel gehauen hast, er dir alßdan geschwindt oben in die blöeße stieße, ihm seinen stoeß mit deinem dolch, vnten nach deiner rechten seitten zu hinweg pariren vnd stoeße mit der secunda contra tempo zu gleichfalls mit ihm nach seinem oberleib zu mit einem zutritt des rechten fueßes.

30. Auff ein ander ahrt.

Mache ihm abermahlß die finte mit 4ta außerhalb nach seinem rechten auge zu mit einem zutritt des rechten fueßes, vnd in dehm du die finte außerhalb machest, so sehe daß du mit deinem dolch ihm innerhalb an seiner klingen kommest, vnd parire ihm die selbige mit deinem dolch oben nach deiner linken seitten zu hinweg, ge-

[Seite 77]

schwindt haue alßdan außerhalb nach seinem rechten schenkel, wan du den hau außerhalb nach seinem rechten schenkel volnbracht hast, so stoeße geschwindt wiederümb mit der 4ta innerhalb nach seiner rechten brust zu, vnd mit deinem dolch bleibe ihm innerhalb an seiner klingen.

31. Ein ander stück.

Leger dich mit deinem rapier in die mitler tertiam vnd mit deinem dolch läger dich hinden vber die stärcke deiner klingen, vnd entblöeße dich damit außerhalb vber deinem linken arm, so bald er der alßdan außerhalb vber deinem dolch hinein stoßen wirdt, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch oben nach deiner linken seitten zu hinweg, vnd stoeße mit der 4ta innerhalb nach seiner rechten brust zu, mit einem zutritt des rechten fueßeß.

32. Da er dir aber die finte außerhalb vber deinem dolch hinein möchte vnd thete alß wolte er oben stoeßen, vnd stieße hernacher geschwindt vnter deinem dolch hinein, so parir ihm seinen stoeß mit deinem dolch vnten nach deiner linken seitten hinweg vnd stoeße mit der 4ta vnd mit einem zutritt des rechten fueßes innerhalb nach seiner rechten brust zu.

[Seite 78.]

33. Ein ander stück.

Lieget einer mit gerader klinge vor dir vnd giebt dir die blöße an seinem inwendigen leib, so stringiere ihm seine klinge innerhalb, wirdt er alß dan mit seiner klingen still liegen bleiben vnd nicht auff dich arbeiten will, so stoeße mit der 4ta innerhalb nach seiner rechten brust zu, wirdt er dir denselbn stoeß mit seinem dolch oben nach seiner rechten seitten zu äußpariren wölln vnd stoeße dir außerhalb nach vnter deiner klingen hinein, so trete geschwindt wiederümb zurück in dehm er nach stöeßet, vnd mache ihm eine ligation mit deiner klingen, stoeße mit der secunda contra tempo zugleich mit ihm außerhalb vber seiner klingen hinein nach seiner rechten brust zu mit einem zutrit des rechten fueßes.

34. Ein ander stück.

Lieget einer in der quartia, so gehe ihm mit deiner klingen Innerhalb seiner klingen, vnd stoeße mit der quarta innerhalb nach seiner rechten brust zu, wirdt er dir alßdan deinem stoeß mit seinem dolch oben nach seiner rechten seitten zu außnehmen, vnd dir geschwindt mit der riversa außerhalb vber deinem rechten arm hinein stoeßen wolte, so habe wohl in achtung in dehm er stoeßet du mit deinem rechten fueß geschwindt zurück trettest, vnd parire ihm seinen stoeß mit deiner klingen, also daß du mit deiner klingen außerhalb seiner klingen kommst so baldt er alßdan von seiner linken, nach seiner rechten, vnter deiner klingen durch

[Seite 79]

caviret, vnd wolte innerhalb auff dich hinein stoeßen, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch oben nach deiner rechten seitten zu hinweg vnd stoeße mit der secunda vnd mit einem zutritt des rechten fueßes außerhalb vnter seiner klingen hinein nach seiner rechten brust zu.

35. Da er aber vnter deiner klingen durch cavirete vnd stieße dir nach deiner vnterleib zu, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch vnten nach deiner rechten seitten zu hinweg vnd stoeß mitt der secunda contra tempo zugleich mit ihm nach seinem oberleib zu.

36. Du kanst auch wohl wan du mit der <Abschreibfehler: statt 'mit der' heißt es bei Ditez 'ihm die'> riversa also mit deiner klingen pariret hast, vnd er vnter deiner klingen duchginge, vnd wolle innerhalb auff dich hinein stoeßen, so parire ihm seinen stoeß mit deiner klingen ohn verhohft stoeße alßdan mit der 4ta innerhalb nach seiner rechten brust zu mit einem zutritt des rechten fueßes.

[Seite 80.]

37. Ein ander stück.

Leger dich also strecke deiner klinge in gerader kinien vnter sich auß vnd biete ihm deine rechte seitte, vnd deines Rapiers spitze laße kaum einer spannen hoch von der erden stehen, vnd deinem dolch halte von dir, sobaldt er dir alßdan innerhalb in der blöß stoeßen wirdt so parirre ihm seinen stoeß nicht mit deinem dolch sondern stoeße die 4te contra tempo zugleich mit ihm nach seiner rechten brust zu.

38. Du kanst auch wan er dich nach deinem einwendigen leib zu stoeßet ihm seinen stoeß mit deinem dolch vnten nach deiner rechten seitten zu hinweg pariren, vnd mit der secunda contra tempo zugleich mit ihm stöeßen nach seinem oberleib zu mit einem zutrit des rechten fueßes.

39. Du kanst auchwohl wan er innerhalb auff dich hinein stoeßet, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch oben nach deiner rechten seitten zu hinweg, vnd stoeße mit der riversa außerhalb vber seinem rechten arm hinein nach seiner rechten Brust zu, mit einem zutritt des rechten fueßes.

40. Auff ein ander ahrt.

Wan er also jnnerhalb auff dich hinein stoeßet, vnd du in obgemelter quarta liegest, so habe wohl in achtung in dehm er stöeßet du geschwindt mit deiner klingen vnter seinem stoeß durch caviret

[Seite 81]

also daß du mit deiner klingen außerhalb seiner klingen kommest geschwindt passire alßdan forth vnd stoeße mit der secunda außerhalb vnter seiner klingen hinein nach seiner rechten brust zu vnd mit deinem dolch parire ihm seine klinge oben nach deiner rechten seiten zu hinweg.

41. Auff ein ander ahrt.

Wan du also deiner klingen vnter sich sincken lest vnd er dir alßdan deine klinge innerhalb stringiren wolte so habe wohl in achtung in dehm er dich stringiret, du geschwindt vnter seiner klingen durch caviretest vnd stoeße mit der tertia außerhalb vber der halben stärcke s. k: hinein, nach seiner rechten Brust zu.

42. Auff ein ander ahrt

Wan er dich deiner klingen innerhalb stringiret, so cavire geschwindt vnter seiner klingen durch, vnd mache ihm eine finte mit der tertia außerhalb vber der halben stärcke seiner klingen hinein, wirdt er dir dieselbe finte mit seinem dolch vnten nach seiner linken seitten zu außpariren wollen, so cavire geschwindt vnter seinem dolch durch, vnd stoeße mit der secunda außerhalb vber seinen dolch hinein, vnd mit deinem dolch parire ihm seiner klingen vnten nach deiner rechten seitten zu hinweg.

[Seite 82]

43. Du kanst auch wohl wan er dir deine klinge also innerhalb stringiren wolte, geschwindt vnter seiner klingen durch caviren, vnd ihm die finte außerhalb nach seinem rechten augue zu machen wan er dir alßdan die selbige finte mit seinem dolch oben nach seiner rechten seitten zu außnehmen will, so hebe deine kling geschwindt oben vber seinen dolch hinüber vnd stoeße mit der secunda oben vber seinen dolch hinein, vnd mit deinem dolch parire ihm seiner klinge vnten nach deiner rechten seitten zu hinweg.

44. Da er aber indehm du ihm die finte außerhalb nach seinem rechten auge zu machest, sich mit seiner klingen nach seiner rechten seitten zu verfahren, vnd wolte dir die finte mit seiner klingen pariren so passire geschwindt außerhalb seiner klingen auff ihn hinein, vnd vnd stoeße mit der Secunda außerhalb vnter seiner klingen hinein, vnd mitt deinem dolch parire ihm seiner klingen oben nach deiner rechten seitten zu hinweg.

45. Stelle dich also, deinen dolch strecke wohl von dir auß, vnd deinen rapier halte vnter sich, alß daß die spitze fast auff die erde komme, sobaldt er alßdan vnter deinem dolch hinein stoeßen wirdt so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch, aussen nach deiner linken

[Seite 83]

seitten zu hinweg, vnd stoeße mitt der quarta fort contra tempo zugleich mit ihm innerhalb seiner rechten Brust zu, mitt einem zutritt des rechten fueßes.

46. Ein ander stück.

Leger dich wohl mitt deinem dolch von dir außgestreckt wirdt alßdan dein wiederpart dir vnter deinem dolch hinein stoeßen, so parire ihm seinen stoeß mit deinem dolch vnten nach deiner linken seitten zu hinweg, wird er alßdan vnter deinem dolch durch caviren, vnd will dir mitt der secunda vber deinem dolch hinein stoeßen, so parire seinen stoeß nicht mit deinem dolch, sondern parire ihm seinen stoeß mit deiner klingen oben nach deiner linken seitten zu hinweg, geschwindt gehe mit deinem dolch alßdan wieder vber sich so wirstu mitt deinem dolch innerhalb seiner klingen kommen, parire ihm daselbsten seine klinge mit deinem dolch oben nach deiner linken seitten zu hinweg stoeße deßvan geschwindt mit der quarta innerhalb nach seiner rechten brust zu mit einem zutritt des rechten fueßeß.

Anmerkungen:

(1) Vielen Dank an Claus Sørensen für seine Hinweise zu den Fechtmeistern und der Geschichte von Sorø. Siehe außerdem auch: Eller, Søren Hertel: Den første ELLER i Danmark, abergerufen am 30.12.2013.
(2) Hynitzsch, Joachim Joachim: Scienza E Pratica D'Arme = Herrn Salvator Fabris Obristen des RitterOrdens der sieben Herzten verteutschte Italiansche FechtKunst / Di Salvatore Fabris, Capo Dell'Ordine Dei Sette Cuori.  Hynitzsch, Halberstadt und Vogt, Leipzig 1677 und 1713, Vorwort.
(3) Siehe: Den Ridderlige oc Adelige Fecht-Konstis grundelige oc Methodiske Beskriffuelse, Martzan 1646, Vorwort
(4) Der Autor des Manuskripts hat hier die Worte "brust zustossen / so parire ihm seinen stoß mit deinem Dolch / oben nach deiner rechten" vergessen, als er die Lektion 83 von Dietz kopierte.

Donnerstag, 23. Januar 2014

Digitalisat: Das Buch vom Fechten und der Ritterschaft (Ms. germ. fol. 1705)

"Das Buch vom Fechten und der Ritterschaft" (Ms. germ. fol. 1705), 15. Jahrhundert, Umfang: 396 Seiten, Originaltitel: "Le Livre des faits d’armes et de chevalerie" (1410), Autor: Christine de Pizan (1365 bis nach 1430).

Montag, 20. Januar 2014

Unbekanntes dänisches Fechtbuch als Digitalisat: "Der ritterlichen und adeligen Fechtkunst gründliche und methodische Beschreibung" (1646)

Ein bislang unbekanntes dänisches Fechtbuch aus dem Jahr 1646 ist seit heute als Digitalisat auf den Seiten der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt einsehbar.

Vollständiger Titel:
"Den Ridderlige oc Adelige Fecht-Konstis grundelige oc Methodiske Beskriffuelse, Ledendis dennem, som udi dette Exercitio sig forlyste oc versere, som ved en Gienvey, til det Eenfache Rapiers Kundstab, baade udi Stød oc Hug at giøre, imod den Keigthaandet, saa vel som imod den Rœthaandet" 

Werkinformationen:
Erschienen in Koppenhagen bei Martzan im Jahr 1646, Umfang: 48 Blatt, in dänischer Sprache, die hinten liegenden Blätter durch Tierfraß beschädigt, Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Sachsen-Anhalt, Signatur AB 67 12/g, 21.


Inhalt:
Vorderdeckel
Titelblatt
Widmung
Vorwort
Den første Part aff den første Bog / indholdendis / huorledis en Rethaandet / skal fechte med en anden Rethaandet / paa Stød / med eenfach Rapier.
Cap. I. Tracterer nogle Præcognita, som bør at vidis førend vi komme til Konsterne i sig selff.
Cap. II. Anlangendis Guardierne.
Cap. III. Huorledis forbemelte Fire Guardier skal brugis / oc i huad Tilfald huer Guardie i sœr / efterdi der er stor Forskiel paa dem i deris Brug.
Cap. IV. Huorledis du skalt stringere ret / oc der bør at merckis / anlangendis Stringering.
Cap. V. Huorledis / oc naar du bør at cavere.
Cap. VI. Huorledis du paa atskillige Maneer skalt forsœtte oc parere alle slaugs Stød / som giøris uden til ved din Klinge.
Cap. VII. Huorledis du skalt parere oc forsœtte alle de Stød / som bliffuer giort inden til ved din Klinge.
Cap. VIII. Huad du skalt giøre mod allehaande Positurer oc Guardier.
Cap. IX. Huorledis du skalt forrekomme oc forhindre Passadam.
Cap. X. Remedia for Volten.
Cap. XI. Huorledis du skalt i din Vederpartis Finta'r dig forholde.
Cap. XII. Anlangendis nogle Observationes imod det forregaaende siette Capitel.
Cap. XIII. Indeholder nogle Observationes imod det foregaaende 7. Capittel.
Den Anden Part aff den første Bøg / Indeholdendis Huorledis en Ret=Haandet skal fechte med en anden Ret=Haandet paa Hug.
Cap. I. Dersom din Vederpart hugger efter dit Hofuet / uden til din Klinge / huorledis du da skalt parere samme Hug.
Cap. II. Huorledis du skalt parere de Hug som din Vederpart giør inden til din Klinge / effter dit Hoffuet.
Cap. III. Huorledis du skalt parere de Hug huilcke din Vederpart giør effter din høyre Arm uden til.
Cap. IV. Huorledis du skalt parere de Hug som din Vederpart giør efter din Arm inden til.
Cap. V. Huorledis du skalt parere alle de Hug huilcke din Vederpart giør effter dit høyre Been uden til.
Cap. VI. Huorledis du skalt parere de Hug / som giøres inden til efter dit Been.
Cap. VII. Indeholder nogle Observationes imod det foregaaende første Capitel.
Cap. VIII. Indeholder nogle Lectiones imod det 2 foregaaende Cap.
Cap. IX. En Observation imod det Fierde foregaaende Cap.
Cap. X. Imod det Femte nest foregaaende Capittel.
Cap. XI. Observationes imod det nest foregaaende 6. Cap.
Cap. XII. Huorledis du skalt forholde dig imod atskillige Guardier som kommer udi Fechten paa Hug.
Cap. XIII. Indeholder nogle offensiv Lectioner.
Den Anden Bogs Første Part / Indeholdendis huorledis mand skal fechte paa Stød imod hannem der fechter met den venstre Haand.
Cap. I. Huorledis du skalt bruge alle de fire Guardier imod den der fechter linchs.
Cap. II. Indeholder huorlodis du skalt bruge de fire Guardier imod hannem der fechter linchs.
Cap. III. Huorledis du skalt parere alle de Stød som din linche Vederpart kand giøre uden til ofuer din høyre Arm.
Cap. IV. Indeholder huorledis du skalt parere de Stød / huilcke din lincke Vederpart giør inden til din Klinge.
Cap. V. Huorledis du skalt forholde dig imod din Vederpartis atskillige Guardier oc Positurer.
Cap. VI. Huorledis du skalt forholde dig imod din kegthaandet Vederpartis Passader.
Cap. VII. Huorledis du skalt forholde dig imod forbemelte din Vederpartis Volte.
Den Anden Bogs Anden Part / Indeholdendis huorledis mand skal fechte med en from er kegthaandet paa Hug.
Cap. I. Dersom din kegthaandet Vederpart ville hugge dig uden til offuer dit Hoffuet / huorledis du skalt parere det.
Cap. II. Dersom din keithaandet Vederpart hugger dig inden til ester dit Hoffuet / huorledis du skalt forholde dig.
Cap. III. Dersom din kegthaandet Vederpart hugger ester din Arm uden ... din klinge / huorledis du da skalt forholde dig der imod.
Cap. IV. Dersom din keithaandet Vederpart hugger dig inden til ester din høyre Arm / huad du da skalt giøre.
Cap. V. Dersom din kegthaandet Vederpart hugger dig uden til ester dit høyre Been / huorledis du da skalt forholde dig.
Cap. VI. Huorledis du skalt parere alle de Hug / huilcke din keithaandet Vederpart giør inden til effter dit høyre Been.
Rückdeckel

Donnerstag, 2. Januar 2014

Italienische Gespräche: Ein Sprachlehrbuch aus dem 18. Jahrhundert

Das Buch “Neue Italiänische Gespräche” (Leipzig, in Lankischens Buchhandlung) aus dem Jahr 1757 ist ein Lehrbuch der italienischen Sprache. Sowohl dem Degen als auch dem Fechtunterricht sind darin längere Gesprächsbeispiele gewidmet. Die ursprüngliche Auflage des Buchs stammt aus dem Jahr 1699 (Georgio Francesco Ludovici, Halae). Der Herausgeber der Ausgabe von 1757, Christian Friedrich Kürbis beschreibt das Buch als besonders „für die Anfänger sehr nützlich, indem sie nicht allein ein fast vollkommenes Vokabluraium, sondern auch die nöthigsten Phrases, so ein Anfänger wissen muß, in sich halten“ (Vorwort der zweiten Auflage).

Das Buch vermittelt dem Leser die Sprachkompetenzen über Gesprächsbeispiele. Es enthält Mustergespräche zu vielen Lebensbereichen, so zum Beispiel zur Begrüßung, zu Essen und Trinken, Gesellschaftsspielen, Wetter, Kleidung, Mode und vielem mehr.

[Vollständiges Digitalisat der Neuen Italiänischen Gespräche, Leipzig 1757 bei der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek]

Fechtgeschichtlich bemerkenswert sind die bereits erwähnten Gesprächsbeispiele über den Degen als Teil der Kleidung (im 23. Gespräch, S. 153f) und das Fechten und Voltigieren (das 33. Gespräch, S. 214ff). Die Beispiele zeigen ausschnittweise, was in den Gesprächen der gebildeten Oberschichten untereinander im späten 17. Jahrhundert und während des 18. Jahrhunderts zu Waffen und Fechtunterricht thematisiert werden konnte.

Das XXIII. Gespräch. Von der übrigen Kleidung, als Huth, Parucke, leinen Zeuge, Handschuh, Stock und Degen [et]c
Dialogo ventesimo terzo. Degli altri abiti, cioè del capello, della perucca, della biancheria, de‘ guanti, della canna (d’India), e spada &c.

[...]

Haben Sie den Degen hier gekauft?
Ha comprato quì questa spada?

Ja, mein Herr.
Sì, Signore.

Wo?
Dove?

In der Johannisgasse.
Nella strada di S. Giovanni.

Bey welchem Schwerdtfeger?
Da che spadaro?

Bey Meister N.
Da Mastro N.

Ist das Gefäß verguldet!
E` indorato il manico (è indorata l'elsa)?

Ja, der Knopf, der Bügel, das Stichblatt, die Parierstange, der Haken und das Ohrband sind alle verguldet.
Sì, il pomo, l'acro, la guardia, la stanga, l'uncino, e'l puntale son tuti indorati. (Tutto 'l fornimento è indorato).

Ist der Griff von gutem Silber?
E` l'impugnatura d'argento fino?

Nein, er ist nur versilbert.
No, è solamente inargentato.

Haben Sie eine Hau- oder Stoßklinge?
Ha una lama da taglio (filo), o da punta?

Eine Stoßklinge.
Una lama da punta.

Ist es eine Schilff- oder Panzer- oder rencontre Klinge?
E`una lama di giunco, o di maglia, o di rincontro?

Es ist eine Panzerklinge.
E`una lama di maglia.

Ist die Spitze scharf?
E`la punta acuta?

Ja, ziemlich scharf?
Sì, assai acuta (appuntata, aguzza).

Ist die Scheide auch gefüttert?
E`anche foderato il fodero, (foderata la guaìna)?

Ja, denn sonst rosten die Degen gar zu leicht.
Sì, perche altrimente si rugginiscono troppo facilmente le spade.

Was haben Sie für eine Degenkuppel?
Che pendàglio (porta-spada, cinturòne) ha Ella?

Ich habe eine von Seide, die andere von Leder.
Ne ho uno do seta, làltro di cuoio (pelle).

Bey welchem Gürtler haben Sie die lederne gekauft.
Da che cìnturàio ha comprato quello du cuoio?

Ich habe sie auf dem Markte gekauft.
L'ho comprato alla piazza (al mercato).

Haben Sie auch einen Hirschfänger?
Ha eziandìo un coltello da caccia?

Ja, aber ich trage ihn nur auf der Reise, und wenn ich schießen gehe.
Sì, Signore, ma lo porto solamente nel viaggio, e quando vado a tirare.

[...]

Das XXXIII. Gespräch. Von Fechten und Voltigieren.
Dialogo trentesimi terzo. Dello schermire (scrimare), e del volteggiare.

Ihr gehorsamster Diener, mein Herr.
Umilissimo servitore di V. S.

Ich bin der ihrige von ganzem Herzen.
Sono il suo di tutto cuore.

Sie gehen gewiß nach dem Fechtboden, weil Sie das Rappier in der Hand haben.
Ella va senza fallo alla salla di scrimia (d'armi) perche hà smarra (la spada dsmarra) in manno.

Ja, mein Herr.
Si, Signore.

Der Ballen an ihrem Rappier ist ja loß.
La palla della sua smarra è staccata (sciolta).

So bald ich auf den Fechtboden komme, will ich ihn wieder fest machen.
Sì tosto che verrò alla sala di scrimia voglio rimetterlo (ripararlo).

Wie lange gibt der Fechtmeister Lection?
Fin ' a che ora (quanto tempo) da il Maestro di scrima lezione?

Den ganzen Vormittag, bis um zwölfe.
Tutta la mattina, fin' alle dodici.

Nehmen Sie nur Lection, oder fechten Sie auch schon contra?
Prende solamente lezione, o tira anche già il colpo per offender l'altro?

Bisher habe ich nur Lection genommen, allein nach Ostern, Johannis etc. werde ich auch contra fechten.
Fin quì ho solamente prefa lezione, ma deopo pasqua, S. Giovanni &c. schermirò ancora contro alti.

Hat der Fechtmeister auch einen Vorfechter?
Ha il Maestro di scrimia anche un aiutante (prevosto di scherma)?

Nein, der Senior auf dem Fechtboden fechtet vor.
No, il più anziano della sala d'armi schermisce avanti.

Wie viele Lectiones haben Sie schon gelernet?
Quanta lezione ha ella già imparate?

Ich habe gelernt ausparieren, ausstoßen, battiren und stringiren.
Ho imparato a riparare (far la parata d' una smarra), a tirare un colpo, a battere, e stringere.

Können Sie schon jemanden einen Stoß beybringen?
Sa già tirare un colpo ad alcuno?

Ja, wann er sich nicht gnug inacht nimmt.
Sì, se non si guarda affai (bene).

Haben Sie auch Finten machen und schwadroniren gelernet?
Ha anche imparato a far finte, e menar lo spadone (giuocar di spadone)?)

Nein, mein Herr, ich habe auch nur auf den Stoß, nicht aber auf den Hieb fechten gelernet.
No, Signore, ho anche solamente imparato a battermi a stoccate, ma non già a colpi di stramazzône.

Lernen Sie auch voltigiren.
Impara anche a volteggiure?

Nein, ich bin zu bequem eine halsbrecherische Arbeit zu lernen.
No, Signore, son tropo commodo per imparare un travaglio a rompicollo.

Es ist aber eine gute Motion.
E` però una buona mozione.

Sie ist für mich zu stark.
E` troppo forte per me.

Adieu, Sie avanciren wohl.
Adieu, Signore, avanzi bene.

Ich werde mein mögliches thun.
Fardò il mio possibile.

aus: Neue Italiänische Gespräche: nebst einer guten Anzahl allerhand Complimenten und Historien, wie auch einem kurzen Titularbuch. vormals herausgegeben von Pietro Francesco di Corsini, und Andrea Herold, nunmehro verbessert und hier und da vermehret von Christian Friedrich Kürbis. Leipzig, in Lankischens Buchhandlung 1757.

Französisch und Italienisch waren die bestimmenden Kultursprachen der mitteleuropäischen frühen Neuzeit. Dies besonders in der adelig-absolutistischen Lebenswelt. Viel Zeit wurde für das Erlernen dieser Sprachen aufgewandt. Neben Sprachbüchern wie dem hier vorgestellten “Neue Italiänische Gespräche” aus dem Jahr 1757 (das sich vor allem an Anfänger richtet) waren Fremdsprachenlehrer an Universitäten, Ritterakademien und im höfischen Haushalt sowie die obligatorische Kavalliersreise wichtige Institutionen, um die Sprachkompetenz des heranwachsenden Adels auszubilden.

Die Fremdsprachenfächer an den Universitäten und Akademien waren neben dem Fecht- und dem Reitunterricht diejenigen Lehrveranstaltungen, die von der adeligen Studierentenschaft am häufigsten besuchten wurden (weit vor den eigentlichen Studienfächern). Eine andere Form der Sprachvermittlung war die adelige Kavaliersreise. Diese diente dem Zweck, den jungen Edelmann mit den zeremoniellen Umgangsformen an verschiedenen europäischen Fürstenhöfen ebenso vertraut zu machen wie seine Sprachfähigkeiten des Französischen und Italienischen auf ein Niveau zu heben, mit dem er sich sicher durch die Herausforderungen und Fallstricke seines zukünftigen höfischen Lebens manövrieren konnte.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Das Fechtbuch eines Studenten. Transkription des Cod. Guelf. 264.23 extrav. aus dem Jahr 1657. Teil 1: Der Degen allein

von Jan Schäfer

Die vorliegende Transkription der Handschrift Cod. Guelf. 264.23 enthält die Niederschriften eines unbekannten Studenten über seinen Fechtunterricht an der Ritterakademie Sorø. Die Handschrift ist wahrscheinlich im Zeitraum mehrere Monate bis Jahre entstanden und 1657 vollendet worden. Ihre Besonderheit ist die außergewöhnliche Perspektive, die sie ermöglicht. Die Mehrzahl der Fechtbücher ist von ausgebildeten Lehrern mit dem Ziel geschrieben worden, ihr Können zu  präsentieren. Cod. Guelf. 264.23 hingegen ist vermutlich allein für den Eigengebrauch geschrieben. Der Autor notierte sich die Lektionen, die er auf dem Fechtboden erhielt. Er gebrauchte hierzu vermutlich die Sprache und Ausdrucksweise seines Lehrers und spiegelte dessen Methodik auf Papier wider. Auch eigene Gedanken und Einschätzungen könnte er mit eingebracht haben.

Faszinierend ist die Vorstellung, dass ein Student sich am Abend in seinem Zimmer der Ritterakademie an einen Tisch setzte und im flackernden Licht einer Kerzenflamme die Fechtlektionen des Tages noch einmal reflektierte und sich Notizen machte, die sich Stück für Stück zu seinem eigenen Merkbuch zusammenfügten.

Handschriftenbeschreibung

Cod. Guelf. 264.23 Extrav. der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel umfasst 47 Blätter im Format 20 x 16 cm. (1) Die Paginierung der Seiten beginnt erst mit den Fechtregeln.
Bevor die Handschrift in den Besitz der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel überging, war sie  Bestandteil der Bibliothek von Herzogin Elisabeth Sophie Marie von Braunschweig und vorher wahrscheinlich im Besitz von Herzog Christian August von Schleswig-Holstein-Norburg (2).

[Vollständiges Digitalisat von Cod. Guelf. 264.23 extrav. in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel]

Der Inhalt
  1. 1r bis 2v: Fahnenlektionen, 30 Lektionen, mit einem Titelblatt  „1v Etliche Fahnen Lectionen ... Anno 1657, den 10. Julij“, zusätzlich lateinische, französische und italienische Mottosprüche, von einer anderen Person als dem Schreiber gezeichnet (3), die Mottosprüche lauten: „Nil sinc Luminec, Nil sinc Numinec“, „Un bon commencement c'est moite de l'ouvre.“ „Cosiste nel mondo, Chi non sà natare, vaalfondo.“
  2. Seite 1-13: Fechtregeln,  30 Lektionen, mit einem Titelblatt „Etliche Fecht Lectiones, so ich auf Sor von Hans Wilhelm, dem fechtmeister der zeit über, so ich da gewesen auf dem boden bekommen ... Ao 1657. den 10. Julij.“, zusätzlich lateinische, französische und italienische Mottosprüche, von einer anderen Person als dem Schreiber gezeichnet (4), die Mottosprüche lauten: „Il Principio et Il Fine Mio, S'ta nilli Mani di Dio.“, „Au Coeur villard rien impossible“ und „Hauddedecent Maiestatem Regiam Artis istae quae ingenium pariter et manum desiderantin.“
  3. Seite 14 bis Seite: 26 leere Blätter
  4. Seite 27-53: „Folgen die LECTIONES an ihn selbst“, 78 Lektionen zum Degen allein
  5. Seite 54-60: leere Blätter
  6. Seite 61-83: „Folgen Etliche Leciones mit Dolch vnd Rapier“, 46 Lektionen zu Rapier und Dolch
  7. Seite 85-86: „Lustig u. Kurtzweilig frag Buch Qyaestiones“, die Handschrift von Herzog Christian August von Schleswig-Holstein-Norburg, Anleitung zu einem Orakelspiel (5)

Titelseite zum Fechten aus des Cod. Guelf. 264.23 extrav., mit freundlicher Genehmigung 
der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel


Wir wissen nichts über den Autor selbst, aber einiges über die Schule, die er besuchte: die Ritterakademie Sorø, siehe Conrad, Norbert: Ritterakademien der frühen Neuzeit: Bildung als Standesprivileg im 16. und 17. Jahrhundert. Göttingen 1982. S. 145ff.

Auf Seite 5 des Cod. erwähnt der anonyme Autor den Namen „Hans Wilhelm“ als seinen Fechtlehrer. Nach der Aussage von Joachim Hynitzsch war Johann Wilhelm Schöffer von Dietz zuerst Fechtlehrer in Marburg und später in Sorö (6). Die Annahme, dass es sich bei genanntem „Hans Wilhelm“ um Johann Wilhelm Schöffer von Dietz handelt, stellte sich jedoch nach einiger zeit als teilweise falsch heraus. Dietz war zwar Fechtlehrer in Sorö, doch nur bis maximal 1646, s. dazu den zweiten Teil dieses Artikels)

Bemerkungen zur Bearbeitung des Textes
  • Die Wiedergabe des Textes erfolgte buchstaben- und zeichengetreu.
  • Groß- und Kleinschreibung wurden vereinheitlicht. Nur Überschriften, Satzanfänge (nach einem Satzzeichen oder Beginn eines neuen Abschnitts) und Eigennamen (wo sie auch im Original groß) wurden groß geschrieben.
  • Zeichen zur Unterscheidung von Buchstaben (z.B. 'u' mit Strich oder 'y' mit Doppelpunkt) wurden nicht abgebildet.
  • Die verschiedenen Formen eines Buchstaben (z.B. bei 's') wurden nicht unterschieden.
  • Fehler, wie z.B. Wortdoppelungen, wurden übernommen.
  • Nachträglich eingefügte, durchgestrichene und überschrieben Worte wurden mit <> kenntlich gemacht.
  • Die Fahnenlektionen (1r-2v) und das Orakelspiel (S. 85-86) sind nicht Bestandteil dieser Transktiption.

Der Text

[Titelblatt]

Etliche fecht lectiones, so ich auf Sor von Hans Wilhelm, dem fechtmeister der zeit über, so ich da gewesen auf dem boden bekommen.

Ao 1657. den 10. Julij.

[Seite 1]

Etzliche Fecht-Regulesz

1. Den degen muß man also in der handt halten, daß der knopf des gefeßes, vnter dem dicken fleisch des kleinen fingers lege, soll auch sonst an den finger negst den daumen wohl angehalten, vnd also also die handt in ½ quarte halb 3tie gewandt seyn.

2. Immer soll die spitze des degens, die handt und der ellenbogen etwas gekrümmet, eine gleiche linie geben.

3. Die postür von leibe bestehet in folgenden alß (1.) bey allen Lectionen bige deinen leib: je kleiner leib: je weniger blöße, je sicherer du gehest. wende deine brust so viel müglich weg, ümb desto sicherer fürm stoeß zu seyn, vnd weniger blöße zu haben. Beüge die schenkel vnd die armen ein wenig, den lincken arm halt vndgefehr gegen daß lincke auge.

[Seite 2]

4. Die augen deßen der da fichtet/, müßen zufoderst auf die klinge gerichtet seyn, sonsten wo du einem wollest inß gesichte sehen, würdestu dich greülich betrogen finden, vhrsach deßen ist diese. Alle tempo so verletzen geschehen mit der klingen, nun aber ist gewiß, wan ich an einem ohrt sehe, kan ich meine augen auch nicht zugleich an den anderen ohrt haben. Sehe ich die klinge nicht wie will ich mercken waß er machen will du wirst in dehm fall einen großen fehler begehen, wan du nicht hinsehen wo du hinstoßen wilt.

5. Wan ich stoeße mus der rechte fueß krum gebeüget forthgehen der lincke aber steifh vnd fest stehen bleiben auf seiner fussohlen sonder beugen, sonsten wo du ihn lest schleppen kanstu nicht sonderer groser beschwer dich nach gethanen stoeß reteriren <eingefügt: v. mustu> oder zum wenigsten doch ein tempo ihm reteriren mehr machen, der lincke arm <eingefügt: soll> sich sich hinterwehrts strecken, der rechte folget seiner Lection, vnd der leibe lencke nach den rechten schenckele so hastu einen langen stoeß vnd im reteriren stelle dich in der Postur wie Num: 3.

6. Wan du cavirest oder sonsten dergl. ein tempo mit der handt <eingefügte Worte unleserlich> machest, sehe dich wohl vor, daß du nicht den gantzen arm gebrauchest, besondern nur daß gelencke

[Seite 3]

gelenke von der handt es fellet dir sonsten die Lection gar zu weitläufhig auch langsahmer vnd beurischer.

7. An die klinge des degens an ihm selbst seind 4erley zu beobachten

1. Die ganze schweche mith welcher du nur kanst vehrletzen wohl im stoeß als im hau.
2. Die halbe schweche die dan dienet dem andern an seine gantze schweche zu gehen.
3. Die halbe stärke. Mit der ich an des andern halbe schweche.
4. Die gantze stärke. Ist des andern seine halbe sterke zu stringiren.

8. Wiltu wißen warümb du die gantze verkehrte klinge (daß der knopfh des gefeßes oben kommet.) auß der 3tie in die Prime heißest, zihe den degen aus, alßdan mustu es wißen, vnd seindt derowegen 4. Stöeße, die Prime, Secunde, 3tie, 4te, den folgen die passaden, volten, finten

[Seite 4]

batiren, cavieren, pariren, vnd waß dem mehr anhengig.

9. Die 3tie muß mit dem gefeß etwaß niedrig, ümb des andern klinge im zwang zu behalten vnd die spitze etwas hoch seyn.

10. Die lincke schulder vnd rechte handt müßen in der 4te einwendigen eine gleiche linie geben aber außwendig über dem arm nicht, sondern die soll gleich für sich gestoßen seyn. Woltestu aber die 4te bey der klingen nur gleich stoßen vnd nicht ein wenig vom leibe wenden würdestu dir eines contra <eingefügt: tempo> stoßes oder auf ein passade zu befürchten haben, beobachte annoch dieses dabey, daß in dieser 4te die faust hoch, die spitz aber mit acht niedrig geführet wirdt.

[Seite 5]

11. Ist zubehalten, daß es 3ley verenderungen in 2cunde giebet, alß (1) hohe, (2.) mittlere, vnd (3) tiefhe od: niedrige Secund, mit der niedrige Secund geschehen die Ligaden, mit der andern vnd ersten die stoße vnd daß stringiren. Alß auch hatt man dreyerley Tertien: alß (1) die hohe vnd Angulirte 3tie (dienet anzugehen od: zum folten) (2) mittel 3tie (ist zum stoßen vnd stringiren (3) die niedrige od: verhangene 3tie. zum reteriren etc: hergegen ist nur ein 4te. Dan obwohl die verhangene vnd hoch ist, so bleiber doch bey beyden Lectionen bey einerley weiße. Die Prime kan ebenermaßen nicht verendert werden.

12. Wan einer mit gleicher spitze gehet, kanstu ihm keine 2cund stoßen, sonst trifht dir es selber mit, aber so er mit hoher spitze gehet, darfstu eß dir sicher vnterstehen, dan so gewinnestu seine schwäche mit deiner stärcke, nach gewonnener schweche bistu ohn gefahr.

[Seite 6]

13. Wiltu stoßen und trefhen, mustu unumbgenglich des andern klinge erst gewonnen haben, vnd nach gethaner stoß alßbaldt wieder aufh die klinge gehen, sonsten hastu dich eines contra stoßes od. confusion zubefürchten. Behalte auch dießes hiebey, wan der ander auß dem stoße weichet, v: du woltest den forth stoeßen, bistu auß der Mensur, ümb nu die zu erlangen, gieb achtung wen er weichet, folge nach erstlich mit dem rechten fueß, vnd dan mit den lincken nach, bleib dabey an der klingen eben so auch wan du weichest trit erst mit den lincken vnd hernach mit den rechten.

14. Es fraget, wan der ander mit hoher spitzen gehet, worümb du nicht 3tie sondern 2cund stoßen solst,  andtwordte: Stoße ich den 3tie, kompt meine <durchgestrichen: Spitze> gantze schweche aufh seine gantze stercke, meine stärcke nun zubehalten muß ich 2cund stoßen, alßdan kompt meine gantze stercke, an seine schweche.

[Seite 7]

15. Ein fährlich ding würde es seyn, da keine blöse ist hinzustoßen, auch ist dieses nicht recht von der seiten da ich einen stringiret laß, vnd an die ander seite zugehen, dan dadurch ist alsobaldt dem gegenpart ein Tempo gegeben zustoßen. Nimb auch in acht, wan du einwendig <überschr. aus> stringirest mustu auch auswendig ligiren, stringirestu einwendig ligire einwendig, außwendig mit der Secund, einwendig mit der 4te. Siehe dich wohl für, wen du ligirest es sey mit der 4te od: 2cund, daß du in der ligad die spitze wohl gegen des andern leib führest, sonst wan du woltest in die erde hinein gleichsahn die spitze gehen laßen ist der ander sicher gnug für dir.

16. Wan ich mich <übers.: du dich> außwendig loß machest <eingefügt.: v. reterirest> zihe den arm mit den degen waß zurücke doch daß in gleicher Linie bleibest, vnd einwendig las die klinge sinken, also daß die spitze des degens die achsel vnd handt eine gleiche linie geben.

17. Die parade mus nicht mit 2cund od: halb verwendeter handt (:welches bößer für die augen als nichts:) geschehen: besondern wan der gegenparth die 3tie über den arm stoßet, parire mit der halben schneide stößet er 4te pariere mit der gantzen. Es sey den daß du deinen gegenparth dadurch zum passiren od: sonsten verführen wollest.

[Seite 8]

Weiter warümb die parade in 2cund nicht gültig ist, ist dies die vhrsache wan du mit 2cund parirest od: in die hohe parirest, kan er dich gleich hinein vnter der klingen passiren. (2). mustu 2 tempo gebrauchen in dem du stoßen wilt, hergegen aber wan du in 4te parierest läufht sich der ander in der passad selbst in den leib vnd ist deine handt schon in 4te.

18. Alle Paraden, so ich ohn cavation thue, geschehen mit fortsetzung deß fußeß, die aber mit der cavation geschehen ohne zutritt, es sey dan, daß man passiren wolle, mus man mit dem rechten fues, allein zutreten, damit man könne mit dem linken fues forth passiren. Blose cavationes geschehen auch mit zutretung beyder füßen, wie auch das legiren. Nimb in acht, wan du parirest od: sonsten ein Lection thust, daß die spitze deiner klingen allezeit zu dem man gewandt seyst, damit du fechtest.

19. Nimb in acht wan du finten machest, daß du zuvor woll den fueß rührest od: hebest alß stösest du, aber nicht forth setzest, sonsten kanstu mit den schenkeln gar zu weit von ein ander, vnd kanstu also deinen stoß nicht recht follführen. Auch müßen die finten in eben der figur <Bleistiftnotiz oberhalb: Lection> geschehen als wehren sie der stoeß, alß in 3tie, 4te 2cund. vnd daß die Spitze des degens zu dem Manne scharf sich strecket alles vnd desto mehr den wiederpahrt zu verführen.

[Seite 9]

20. Je sterker du stosest, je mehr ich pariren mus, je mehr ich parire je beßer kanstu passiren. Zum Passiren aber gehört folgendes. Wan ich stoes und will passiren, mus ich den arm nicht zu rück ziehen (es sey dan, daß ich den degen wolle kurtz faßen) besondern so gleich laßen, ohn in verenderung der figur wie er zu vor geweßen ein/im stoß sonsten kompstu auß der Mensur. In dem du auch vnten passirest, gib achtung daß die lincke handt nicht eher du laßest vorgehen vmb des andern gefeß zuergreiffen, dan so viel die linke handt vorgehet muß die rechte gewiß zurück bleiben, gehet aber selbige handt mit der klingen zurück, wirdt dir der stoeß in der Passade desto kürtzer, und kanst nicht wohl ohne gefahr trefhen. Wan du die Passade mit der handt machen wilst mustu ebenfalß wie auch in andern Passaden den Lincken fueß erst forthgehen laßen, an wiedrigen fählet dir die parade mit der handt und wirst getrofhen. Niemahls soll man aufh gemachte finten passiren, sondern stoeßen, noch vielweniger darnach greifhen wo man den gegenpart nicht dadurch verführen will den daß ist gewiß, in dem man greifhet nach des anderen klingen, kan man nicht wieder zu gleich den stoß pariren.

[Seite 10]

21. Aufh eine finte zu voltiren ist wieder den grundt des fechtens, auch kan man schwerlich ohn stoß voltiren wo man nicht gar tief in der Mensur ist. Im vbrigen mus man im voltiren den fueß nicht forthsetzen, sonst verliert man zeiht und hatt die gefahr gewiß getrofhen zu werden. Volten konnen übern arm od: vntern arm geschehen, müßen aber allezeith in hoher 4te geschehen ümb des anderen klinge damit zu zwingen. Die Postur in den volten ist auf zweyerely arth dan so ich ein gantze volte mache mus ich mich gantz umbwenden, also daß zwar die Hand in 4te bleibet, aber die augen v: die brust von dem manne gewandt sey, und der lincke fueß sich gantz umbwende daß gleich stehe die Hacke des linken fueßes v: die rechte handt eine schrade (knappe) doch gleiche linie gebe, die halb Volte geschiehet aber nicht weiter als nur mit ümbdrehung der beiden füße.

22. Wan man die zehen vom lincken fueß ein wenig auswerts setzeth man stehet fest, und ist auch fertiger mit dem rechten fueß sich zue reteriren.

23. Im batieren oder Pariren od: sonst andren Lectionen, mus die Klinge huebsch im zaum gehalten werden, daß sie sich nicht hin und here verlaufhen.

[Seite 11]

24. Es fraget sich ob du in der Mensur Caviren kanst ohn gefahr od: nicht, darunter ist dießer vnterscheidt, wiltu daß Caviren nur bloeß an ihm selbst nehmen gehet gehet solches nicht an, den dadurch giebestu dem Contra <oberhalb eingefügt: =part ein> tempo, machstu aber in der mensur eine finten, so er greifhet darnach, kanstu sicher caviren vndt stoeßen.

25. Dan es ist vnmüglich daß 2 tempo konnen aufh einmahl geschehen, dan so er nach der finten greifht, kan er auch nicht in dehm stoßen, bistu also wie vorher erwehnet sicher.

26. Eß werde auch einer anführen ob, wann man batiere od: parire nicht erst wieder konne von der klingen gehen vndt stoeßen, daraufh gebe ich dieße andtwordt, daß man sowohl in der parade, od: batieren muß, bey der klingen bleiben vnd darnach folgenden stoeß eben wohl bey der klingen führen vmb des andren klingen in zwang zu behalten.

[Seite 12]

27. Es möchte gefragt werden welchen stoeß man wohl vor den besten vnd sichersten hielte, ich bin in der meinung den, so mit der cavation geschiehet <die vorangegeangenen drei Wörter sind unterstrichen und mit einem x einmal hinter dem letzten Wort und einmal am Seitenrand markiert>. Woltu inen einer vorwerfhen daß daß stringiren vnd caviren nichts nutze zum fechten, sondern es würde nur allein daß judiciren erfordert, andtwordt, wan ich nicht weiß wovon ich judiciren soll; vnd aufh waß vor ahrt ich daß judicium von der klingen faßen soll, wie kan ich dan fechten, mus derwegen erst daß stringiren vnd caviren, alß voraus des judiciren der klingen kenne vorgesagt wie N. 7. von abtheilung der klingen so geschehet mit dem stringiren.

28. Ich wolte gerne wißen was einer davon hielte, wan man mit höher spitze in 3tie gehet, wo es nicht gar die angulirte 3tie ist, ich meine gantz nicht recht zu seyn da fürs 1. gebe ich dem gegenparth mehr blößer über den arm, zum 2. wirdt es mir schwerer zu caviren vndt waß sonsten mehr zufälle geschen konnen.

[Seite 13]

29. Ferner annoch bey n. 3. wie ich erwehnet daß desto weniger blöse gebe, wan ich mit halber blöeße an gantzer blöeße ginge ist gewiß Zu dehm bin ich auch mehr gezwungen wo ich mit gantzer blöße gehe.

30. Wan man Pie fermo fechtet ist beßer den rechten fues erst vnd den lincken alß in verfolgen et. aber in cameniren vnd der andren dergleichen Lectionen kan ich auch erst den lincken dan den rechten wieder den lincken vnd so forthan.

[Seite 14] – [Seite 26]

leer

[Seite 27]

Folgen die LECTIONES an ihm selbst.

1. Wan du einwendig Stringiret bist mache eine finten außwendig, vnd so er darnach greifthe stoeß 4t einwendig, greift er aber nicht stose 3tie außwendig über den arm, pariret er aber vorige 4te passire 2cund bey der klinge, mache es ebenso einwendig, wan du den gegenparth hast außwendig stringiret, vnd so er auf die gestoeßene 3tie hoch pariret, passire vnten 2cund.

2. So ofht du 3tie stoesest vnd der ander caviret in dehm du stoßest, volführe doch deinen stoeß vnd wende die handt in 4te.

3. Stringire den gegenpart <eingefügt oberhalb: einwendig> oder auch außwendig caviret er cavire Contra vnd stoeß 4te oder 3tie nach dem du stringiret hast.

4. Wan der ander dir stoßet es sey auß od: einwendig parire wie du zuvorn gekehret <korrigiert in: gelehret> bist <Bleistifteinfügung: 17 N> vnd stoeß entweder gleich forth oder mit der Cavation, oder in die Cavation.

[Seite 28.]

5. Mache eine finte vor sich inwendig vnd <überschrieben: od.> außwendig, will der ander nicht darnach greifhen, stoeß gleich forth, greifht er <eingefügt: cavire v. eingefügt> stoeß auch.

6. Hebe über stoeß 4te <eingefügt: wan du stringiret bist,> mache eine finten stoeß 3tie, oder stringire, auch,  hebe vber vnd stoeß 3tie, mache eine finten od: stringire. <alle Kommas in dieser Lektion nachträglich eingefügt>

7. So dir der gegenpart mit niedriger 3tie begegnet vnd giebet dir die blöße außwendig, ligire vnd stoeß 3tie.

8. Caviret er aber in dem du wilt die 3tie stoeßen, vnd er dir also den stoeß durch die Cavation benimbt cavire vnd vollführe deinem stoeß einwendig mit der 4te, sihe aber zur daß er dein kling nicht rühre.

9. Stringire den andern außwendig, machet er dir die finten einwendig stoeß in der finten gleich 4te, eben so auch wenn er dir außwendig eine finten machet stoeß <eingefügt: 3>, muß aber beides sehr geschwinde geschehen.

10. Wan du einwendig stringiret wirst <eingefügt: ,> mache dich aufh dieße manier loeß, laß die spitze von deiner klingen etwaß sincken, greifhet er darnach

[Seite 29]

nach stoeß 3tie stoeßet er sonder ligiren stoeß ich contra 4te <eingefügt: ,> will er aber nichtes dagegen thuen, stringire ich außwendig vnd etc. wie n. 4. Sonsten kan ich auch so er nichtst tentiret eine finten machen vnten, vnd 3tie stoeßen oder vnten vnd oben finten machen vnd 2cund stoeßen, od: auch oben vnd vnten finte machen (eingefügt: v.) 3tie stoeßen. Alle dieße Lection mache auch wan du außwendig Stringiret bist.

11. Mache dich auf eine andere weiße vom stringiren einwendig so wohl alß außwendig loeß <eingefüht: , od. […] reterirn dich> wie du in vorigen regulen N. 16 bist vollig vnterrichtet worden <eingefügt: ,> da du dan meist alle die Lectionen practisiren magst deren du dich n. 10. gebrauchet hast.

12. Gehet der ander dir din Angulirte 3tie >3tie mit Überstrich> stringire ich ihn außwendig mit hoher 2cund mache einwendig ein finten vnd stoeß 2cund vber den arm.

13. Willer sich nicht Stringiren laßen, sondern gehet auß der Angulirten in die niedrigen 3tie stringire ebenmeßig ihn mit niedrige 2cund <eingefügt: ,> mit zu tretung beyder füeß v: stoß 3tie.

[Seite 30]

14. Wan er voltiert laß daß gefeß in 3tie nieder sincken od. auch stoeß verhangene 4te welche kan baldt mit linckem fueß baldt mit dem rechten von gestoßen werden diese<angefügt: s) Lectionen nimb bey allen volten wohl in acht.

15. Stoeß 3tie pariret der ander mache die parade mit der handt vnd zutretung des lincken fueßes die passade in 4te.

16. Stoes wieder gleich 3tie pariret er, wende dein handt in 4te, vnd laß ihn hinein stoeßen mit zutretung des lincken fueßes und nimb ihn den degen.

17. Wan der ander 4te stoeßet parire mit zutretung des rechten fueßes vnd daraufh der lincken vnd nimb ihn auch aufh die ahrt den degen, nimb hiebey wohl in acht, waß in R.F. N. 23 erinnert worden.

[Seite 31]

18. Wan du den andern einwendig stringirest und er caviret, parire mit der halben schneide, wende die hand in 2cund. vnd passire vber den arm, nimb in acht N. 18. R. F, wan er aber hebet, passire vnten 2cund. wie 21 diese passade helt man vor die allersicherste.

19. Mache eine finten, wan du den gegenpart außwendig stringiret hast, in der cavation außwendig vnd stoeß 4te mache eine finten in der cavation vnd stoeß 3tie, Stringire auch außwendig, vnd in dem er caviret, mache eine finten für sich etc. eben so wan du ihn einwendig stringirest.

20. Wan du eine finten machest außwendig vnd der ander greifhet in der höhe darnach stoeß vnten 2cund. errinnere dich der regel N. 20.

21. So der gegenparth mit gleicher 4te gehet, gehe auch in 4te vnter seiner klingen, vnd stringire ihn wie du wilt od: mache finten, od: folge deinen vorigen Lectionen.

[Seite 32]

22. Vmb nu den andern zu verführen, gehe auch in selber 4te, gehet er aber vnter der klingen, wende die hand in 2cund. vnd stringire ihn außwendig, stoeß beydes schlecht vor sich, oder auch mit caviren, nach dem du siehest, daß der gegenparth sich anlaßet.

23. Stringire außwendig, caviret er trit zu cavir mit, stoeßet er voltire eben so auch einwendig stringire, vnd nach des andern gethanen stoeß voltire hieher gehoret die regul N. 21. wan der andre passiren will kanstu auch gleiche volten gebrauchen.

24. Wiltu wißen wie du dem angehen solt, der in verhangene 4te gehet, thue nachfolgendes, hebe seine Klinge mit 4te aufh beydes außwendig od: einwendig, nachdem er die bloeße giebt, vnd stoeß.

25. Wan der ander in 2cund lieget vnd giebt dir die bloeße einwendig, stringire ihn mit der 3tie vnd stoeß mit der cavation, giebt er bloeße einwendig stringire auch vnd so er cavirt stoeß 3tie od: passire in der cavation in 2cund. vnter der Klingen, getrauets dich nicht so bloß zu passiren

[Seite 33]

passiren, parire erst mit der halben schneide seine Klinge mit zutretung des rechten fueßes in 2cund. in die hohe vnd passire alßbald vnter der klingen, od: parire auch, vnd so er caviret, cavire vnd stoeß, od: so er caviret voltire.

26. Gehe dem contra part gleich 2cund einwendig an doch daß du ihn nicht stringirest, mache gleich vor sich eine finten, vnd stoeß vber den arm, nimb die cavation, contra tempo gegen die Volten vnd sonst dergleichen mehr Lectionen hiebey wohl in acht. Will er nichts tentiren, wende die handt in 4te vnd stoeß gleich ein, du kanst auch so er nichts tentirt auß der 2cund in 3tie fallen wie L. 11. od: mache einwendig vnd außwendig eine finten vnd stoeß 4te.

27. Wan du merkest daß der ander dir ein tempo giebet ümb dich zu verführen, vnd er also mit der handt pariren will, gehe ihn außwendig an mache eine finten in 3tie, vnd so er darnach greifhe, hebe über seine handt vnd stoeß 4te greifhet er nicht sondern cavirt nur bloß stoeß 4te. parir auch erst vnd stoeß dan.

[Seite 34]

28. Wan dein gegenparth dir mit wankender od: mutirter klingen angehet, vnd sich nicht will stringiren laßen, gehe in die 3tie gleich ober seiner klingn vnd wan er caviret, stoeß entweder 3tie od: 4te, nach dem er dir die blöße giebet, getrauestu dich aber nicht ligir ihn mit 2cund vnd stoeß 3tie od: so er dir zuuor kombt stoß 4te wie N. 8. zu sehen, od: parire erst vnd stoeß 4te auch so er die 3tie über den arm stoeßen will voltire vnter seiner klingen, sonsten kan ebenmeßig die passade vber den arm wie L. 18. so er 3tie stoeßet gemacht werden.

29. Stringire den andren außwendig, caviret er trit zu, cavire mit biß du dein tempo absiehest, vnd so er caviret, passire gleich einwendig 2cund bey der klingen, zu meher versicherung, nimb die linke handt zu hülff, ist eine betriegliche passade, muß aber sehr geschwinde geschehen.

[Seite 35]

30. Gieb dein gegenparth ein tempo zu passiren welches geschiehet wan er einwendig stoeßet, daß du alsdan etwaß mit in der parade darnach greifhest ihn zu verführen, wan du nun merckest daß er passiren will, trit in dem mit dem rechten fues zurück ligire ihn außwendig in 2cund, trit wieder zue mache ein contra tempo mit der hand vnd stoeß 2cund.

31. Du wirst ofht mit etlichen zu fechten kommen welche ob sie wohl eben nicht     mit der klingen wancken, wie 28. dennoch sich nicht wollen stringiren laßen gehe denen in halb 2cund unter ihre klinge, vnd so du die mensur hast stoeß 4te, hiebey kanstu viel Lectionen mehr machen, alß so du damit tempo siehest voltire bey der klingen, voltire vber den arm mache eine finten einwendig vnd stoß 3tie, od: mache in gleicher 2cund außwendig eine finten vnd stoeß 4te od: so du einwendig eine finten machest, vnd der ander will in der finten stoeßen, stoß contra 4te mache auch außwendig vnd einwendig eine finten. Nimb hiebey in acht wan du einwendig stringiret bist, mache dich auch auf die weiße loß, gehe wie du itz gelehrt bist vnter seiner klingen vnd thue diese Lectionen.

[Seite 36]

32. So dir der ander angehet in der postur gleich alß machte er dir eine chimade gehe in 3tie unter seiner klingen, also daß deine gantze schweche vngefehr in der helfhte zu seinem leibe vnter seiner klingen hervor gehet, will er den 4te stoeßen stoß contra: parire auch erst vnd stoeß dan. Gieb ebenmeßig in 3tie unter seiner Klingen eine finten vnd stoeß 3tie mache weiter wie L. 26. zu sehen.

33. Viele auch wan sie sich nicht wollen stringiren laßen gehen gar niedrig mit ihrer klingen in 3tie denen mustu also begegnen gehe mit deiner spitze ein    wendig niedrig /: eben alß reterirestu dich :/ über die stärcke des andern vnd so er stoßet, parire vnd stoeß 4te. Will er aber nichtes dagegen tentiren, laß dein gefäß etwaß sincken, also daß du seine schwäche mit deiner stärcke stringiret hast, bucke dich wohl, vnd so er er caviret stoeße od: parire erst vnd voltire.

34. Wan der ander dich mit 2cund angehet, vnd giebt dir außwendig die blöße stringire ihn mit der 3tie, caviret er, cavire mit, entweder stoß od: laß ihn erst einmahl caviren vnd stoeß darnach, so er noch einmahl caviret.

[Seite 37]

35. So du 3tie stoßest vnd deine gegenparth solches pariret, trit zu mit dem lincken fueß faße vnter deinen degen seine klinge vnd rumpire ihn.

36. Laß dich dieselben nicht irren die du siehest gantz von der klingen abgehen aufh die weiße wie die Zirkel fechters, gehe ihnen nach mit der 4te, erst mit den lincken dan mit den rechten fueß, vnd wan sie caviren stoeß 3tie od: contra. also auch wan sie dir einwendig angehen vnd blöße geben, gehe ihnen nach aufh die seite erst mit den rechten dan mit den lincken. stringire mit der halbe schneide, vnd so er caviret etc. od: auch so er caviret stringire einwendig trit zu, caviret er noch eins passire 4te vber den arm welches genandt wirdt stocada riversa nimb aber wohl in acht waß N. 10 gesetzet, daß du vnter der passade über den arm in 4te vnd bey der Klingen eben wie im stoeß einen vnterscheid weißest zu machen.

[Seite 38]

37. Machet dir der contra parth eine finten außwendig, greifhe vnd stringire mit der halben schneide, gleichfallß wan du dich verführen ließest, so er caviret cavire contra etc: wieder die volte mache wie L. 14 du sehen kanst nemblich mit verhangener 4te od: verhangener 2cund.

38. Nimb wohl in acht, wan du den andren außwendig ligiret hast, vnd du merkest, daß du genug in der mensur bist, bleib so an der klingen, vnd passire vnter forth, eben so kanstu auch stoßen, ist beides betrieglich.

39. Bey die volten ist annoch dießes zu mercken so mir einer voltiret /: kan auch geschehen wan er stoßet :/ stoße 4te hinter den arm.

[Seite 39]

40. Wan der ander dir vber den arm die 3tie stoßen will cavire vnter seiner klingen durch, stoeß in 2cund forth vnd parire mit deiner handt seine klinge vber deinen degen, mit dem contre tempo.

41. Etzliche werden dir in 2cund angehen, gehe denen mit gleicher 4te unter ihre klinge vnd stoeß 4te vber den arm, liege wieder so, vnd wo sie dir in 2cund außwendig ligiren, cavire vber ihre klingen, vnd stoß einwendig hoch 4te, od: laß deine creutz sinken, so bistu nicht allein von ihrer ligade loß sondern hast sie auch einwendig stringirt, stoeß daraufh 4te. Geh wieder vnter des andern kling in 4te, daraufh stringire ihn einwendig mache eine finten stoß 3tie, stringire auch außwendig etc:

42. So du einwendig stringiret bist, wende deine handt in 2cund, doch daß du nicht von des andren klinge abgehest, trit auch dabey einwendig mit beyden füeßen zu, so hastu den anderen außwendig wieder stringiret od: vielmehr ligiret, gebrauche daraufh deine vorige Lectionen, Eben so mache es wan du außwendig stringiret bist, hebe deine handt in 4te höher vnd stoeß gleich 4te.

[Seite 39]

43. Gehet dir der ander mit 3tie an, doch daß seine spitze etwas in der quer von dir gewandt ist gehe in 3tie neben vnd fast unter seiner klingen biß du weit gnug in der mensur bist, daraufh wende dein hand in 2cund. Gebrauche die lincke Handt/handt zur parade, vnd passire gleich einwendig forth od: mache eine finte vnten in die 3tie vnd stoeß  3tie.

44. Wan dich der ander außwendig stringiret gehe in 4te von seiner klingen, eben als stößestu die 4te einwendig bey der klingen, verfolget er dich stoeß 4te od: auch so du einwendig stringiret bist, gehe außenwerths wie vorher vnd stoß, mache eine finten einwendig vnd stoß 3tie vber den arm. Stoßet er cavire vnd stoß contra will er mich in dem lager nicht stringiren, stringire ich ihn außwendig mit der halben schneide, mache die passade vber den arm, od: stoße sonsten wie dir die blößen fallen wollen. Du kanst auch so baldt du einen angehest von freyen stücken in solcher 4te ihn angehen stringiret er dich stoeß gleich 4te bey der klingen od: wende die handt in 2cund. vnd gehe mit der 2cund einwendig, thue daraufh die Lectionen die du L. 26. erinnert bist.

[Seite 40]

45. Stringiret dich der gegenparth außwendig gehe einwendig in der 4te von seiner klingen, verfolget dich der ander, vnd will dich stringiren wieder cavire vnten vnd stoeß 4te vber den arm, stoeßet er aber in dehm du durch gehest 4te, stoeß contra bey der klingen. Mache so er nichts tentiret außwendig eine finten vnd stoeß einwendig 4te. Ebenemeßig hebe vber stringire außwendig, so er caviret passire die 4te einwendig.

46. Wan du einwendig stringiret bist gehe in 3tie von der klingen außwendig, hebe vber stringire einwendig, vnd stoeß 4te. Wan aber in dem caviret daß du stringiret hast mache stocada riversa. Gleicher maßen so er caviret stoeß hoch 2cund. ümb  des andren klinge damit in die höhe zu bringen vnd passire vnten forth, solche/Solche Lection kanstu auch allein an ihr selbst machen. folget die volte vber den arm so er außwendig stoßen will od: rumpiren.

[Seite 42]

47. Fluchs im angehen, gehe mit niedriger 4te daß du gantz bloß bist vnd ohne defensive, so näher du seiner klingen kompst, je hoher komme mit deiner klinge an seine, stringire ihn außwendig so er caviret stoeß 4te, od: cavire contra, passire auch 4te bey der klingen, dieße lectionen gebrauch wan du die blöße außwendig findest, giebt er dir aber die blöße einwendig gehe wie vorher, stringire ihn einwendig, vnd verfolge deine Lectionen des contra, hiegegen sihe in folgender Lection.

48. Alß gehet er dir aufh solche weiße in verhangene 4te od: Senfala guardia an, gehe gleich 3tie vnd in dehm er dich stringiren will, laß dir die klinge nicht irren, cavire vnd stoeß einwendig 4te, od: auch cavire v: stringire ihn einwendig, laß dich deine klinge wie gemelt nicht rührn, verfehrstu aber daß er sie rühret mache geschwinde einwendig eine finten vnd stoeß 3tie. Will er dich einwendig Stringiren, cavire vnd stoeß 3tie, rühret er deine klinge mache außwendig eine finten vnd stoeß 4te. es trifht sichs daß er dich einwendig stringiret, laß deine Klinge sincken, stringire außwendig etc: caviret er wan du ihn stringiret hast, ligire mit zutretung des rechtern fueßes passire die L. 38.

[Seite 43]

49. Gehe in niedrige 2cund laß deine spitz etwas niederwehrts stehen, will der ander dich über den arm stoßen, cavire vnd stoeß 4te. Ligiret er dir außwendig laß dein gefäß sincken, so hastu ihn einwendig stringiret brauche darauf die hieher gehorige Lectionen, stoßet der andre 3tie nimb das tempo in acht parire mit der einwahrts gekrümmete handt vnd passire gleich forth 2cund ist fast (ohn mit der spitze) wie ein chimade. Will er nichts thuen stoße auß freyen stücken die 4te.Wan er stöset rumpir vnd vorder greif sein gefäß od: im zurück trit haue ihm nach den kopf will er nichts tentiren stringire ihn bleib dabey bestehen etc.

50. Mache eine finten einwendig vnd stoeß 4te vber den arm, kehret er sich an die finten nicht trit zu stringire einwendig vnd stoeß od: so er caviret passire vber den arm entweder in 3tie 4te od: 2cund.

51. Wann der and: in 4te gehet vnd giebt dir die blöße außwendig, trit mit beyden füeßen etwaß nach der rechten handt, damit du ihn zu stringiren bekommest stringire außwendig, cavirt er cavire contra etc. Giebt er die dir blöße einwendig trit etwas nach der lincken handt, stringire ihn einwendig vnd thue wie vorhin.

[Seite 44]

52. Gehe dem gegenparth mit gantz hoher spitze vnd gebogenem od: kurtzen arm an, Stringire ihn einwendig, caviret er parire mit der halben schneide passire 2cund vber den arm, stringire ihn außwendig caviret er stoeß contra. stoeset er aber in dem du angehest die 4te, falle in die parade vnd stoeß, siehe dich wohl führ als du dich in der parade nicht vergreifhest, sond: so es kähme daß er caviret volführe den stoeß in 3tie. Auch ein angehen mache einwendig eine finten so er greifht stoeß 3tie über den arm.

53. Wan der dich der ander einwendig stringiret, gehe von seiner klingen außwendig doch daß nur die halbe ganze schweche vorgehe, stoßet er 3tie, cavire vnd stoeß contra 4te, od: auch so er stößet 3tie stoß contra 3tie mus aber hiebey des andern schweche wohl gefaßet werden, so er nichtes thut stringir außwendig, thue eben dieses, wan du außwendig stringiret bist.

54. So ofht du deinen feindt außwendig stringiret hast vnd er caviren vnd stoeßen will, stoß gleich außwendig unter den arr bey seiner klingen 2cund vnd in reteriren stringire ihn außerhalb mit der 3tie ist eben die Lection welche L. 38 du gesetzet hast.

[Seite 45]

55. Gehe dem gegenparth einwendig an seine klingen doch etwas hoch umb desto sicherer hernach zu stoßen, vnd so der ander hart stringiret falle in niedrige 4te stoeß vnter seinen arm, trit aber mit dem rechten fues etwaß außwendig aufh die lincke seite auß der mensur mache auch hoch einwendig eine finten vnd ihn deßgleichen. Stringire ihn außwendig mache eine finten hinein hoch vnd thue voriges.

56. Stringire dem andren außwendig wan er sich reterirt ligire ihn außwendig mit niedriger 3tie will er nichtes tentiren laß dein gefeß sincken vnd stoeß 3tie, muß aber beydes in einem moment geschehen.

[Seite 46]

57. Wie du L. 10 erinnert worden, wie du dich von stringiren solt loß machen. Thue nun ebenmeßiges ümb den andren zu verführen, vnd gehe an seine halbe schweche mit deiner gantzen gebrauche dich der itzenwehnten gehenden Lection. Will er nichts tentiren mache eine chimade, vnd so er stöset passire forth, will er die chimade nicht achten stringire ihn außwendig etc. Gehe eben so außwendig etc. stringire ihn so er nichts thut einwendig trit dabey zu, bleibt er liegen passire in 4te forth.

58. So ofht du die 3tie stoßest vnd er hoch pariret kanstu die Prim vber den arm passiren.

59. Gehet dir der ander in nidrig 3tie an, stringire ihn mit der prime tritt allgemählig zu biß du siehest daß du die mensur hast, passire dan 2cund vnter der klingen forth.

[Seite 47]

60. Wan der gegenparth mit kurtzem arm gehet, gehe halb 2cund über seine klinge will er unten 2cund stoßen trit zu ligire in 2cund. vnd stoeß 3tie, caviret er aber stoß 3tie, will er vberheben vnd stringiren cavire laß deine klinge nicht rühren vnd stoeß 3tie od: auch in dem er caviret batire an seine klinge vnd stoß 4te.

61. Mache außwendig eine finten trit mit dem rechten fues ein wenig zu alß ein halber stoeß, pariret er darauf voltire.

62. Bistu einwendig stringiret mache dich loß: gehe mit verkürztem arm wan der ander dich verfolget stoeß 3tie. Will er nichts thun mache eine finten vnter seiner klingen vnd stoeß 3tie, wan er greifht achtet er eine finten nicht mach vnten herey noch ein ander vnd stoeß; dieße Lection gehet auch an wan du außwendig stringiret bist.

[Seite 48]

63. Wan du dein gegenparth außwendig stringiret hast vnd er caviret vnd hauet dir einwendig, cavire stoeß 3tie vber den arm, hastu ihn einwendig stringirret, vnd er hauwet dir außwendig cavire vnd stoeß 4te od: die prime unten. Eß kan kommen wan er einwendig hewret vnd zu tief in der mensur ist so kanstu sicher 4te darein stoeßen, eben so, so er im außwendig hauen zu tiefh ist, kanstu die 3tie stoßen.

64. Stöesetu die 4te od: 3tie vnd der gegenparth pariret kanstu sicher passiren.

65. In dem er caviret vnd hauen will,  es mack auß= od: einwendig seyn eine finten vnd stoeß.

[Seite 49]

66. Wan du stringierest auswendig vnd er hauet dir einwendig nach dem schenkel bleib bestehen, parire es mit verhangenem 4te vnd stoeß 4te eben so mit niedrige 2cund vnd 3tie stoeß so er außwendig hauet.

67. Stringire ihn wieder außwendig Caviret er vnd hauert dir einwendig nach dem schenkel, setze deinen rechten fuoß etwas hinter den lincken zurück bis der hau vorbey, alßdan trit wieder zu volführe geschwinde deinee stoeß in 3tie eben so wan du einwendig stringirest die 4te.

68. Reitze vnd haue den andern einwendig caviret er cavire geschwinde vnd stoeß 3tie, reitze außwendig stoeß 4te.

69. Wan dir der gegenparth von vnden aufheuet nach dem arm laß dein Creütz sincken vnd stoeße, gehet auf beyden seiten an. Haue du von vnten

[Seite 50]

vnten auf nach dem arm einwendig mit verhangenem 4te vnd stoeß 3tie mit der cavation, außwendig, haue wieder trit zu mit beyden füßen stringire und wan er durchgehet stoeß 3tie.

70. Laß ablaufhen vnd haue außwendig an die klinge caviret er vnd hawet od: stoßet, cavire vnd stoeß 2cund. daraufh so er in die hochte pariret passire vnten 2cund. caviret er aber in dem du passirest passire doch forth in 2cund. vnd parire die klinge mit der handt beyseits.

71. Wan du den andren einwendig stringirest vnd er hauet dir außwendig an die klinge cavire vber vnd haue mit zutretung des rechtern fueßeß die 4te versetzet ers passire gleich 2cund. stringire ihn außwendig hauet er einwendig haue nach dem kophf vnd so er pariret passire vnten 2cund. Nimb in acht waß L. 70 am ende.

[Seite 51]

72. Wan du mit gleicher spitze gehest vnd der ander dir nach dem kopfh reißen will nimb wohl in acht in dem er reißet daß du 2cund parirest od: cavirest vnd 3tie stoßest.

73. Wan der ander dir an mit gleicher spitze gehet trit zu mit dem rechten fues reiße vnd schneide in 2cund nach seinem kopf bleib bestehen reiß auch vnd so du merrkest daß er passiren will, mache ein contra tempo in dehm er passiret mit der handt vnd stoeß 2cund.

74. So dich der ander einwendig stringiret, drück an seiner Klinge mit zutretung beyder fues vnd stoeß 4te drucke mache die finten vnd stoeß 3tie, diese wirdt genandt die trak finten.

[Seite 52]

75. Wan du von vnten einwendig stringiret bist gehe in 4te von seiner klingen trit in dem herümb nach der lincken handt mit den lincken fuos stoßet er 4te stoß contra, tentiret er nichts, trit wieder in deine postür stringire ihn außwendig etc:.

76. Wan dich der ander einwendig stringiret bist gehe von seiner klingen wende die Hand in 2cund, eben so auch wan du außwendig stringiret bist cavire vnd wende die handt in 2cund thue die Lection hierbey die du L. 26. bekommen.

77. Stringire den gegenparth außwendig drücke seine klinge also daß dein gefäß hoch, vnd die spitze niedrig kompt caviret er, cavire contra. Stringire einwendig thue eben so vnd cavire contra, od: voltire.

[Seite 53]

78. Stringire einwendig so er cavirt trit zu stringire mit der halben schneide, so er dan caviret stoeß 4te, od: cavire vnd versetz mit hoher 2cund. vnd zutretung des rechtern fueßes passire daraufh unten. etc.

Eine vollständige Übersetzung dieses Artikels in englische Sprache ist bei HROARR erschienen.

Anmerkungen

(1) siehe zur Handschriftenbeschreibung: Otte, Wolf-Dieter: Die neueren Handschriften der Gruppe Extravagantes.Teil 3: 220.1 Extrav. - 317 Extrav. - Frankfurt am Main : Klostermann, 1993. - VIII, 379 S. (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel; Bd. 19). Siehe auch: Wierschin, Martin: Meister Johann Liechtenauers Kunst des Fechtens. München 1965, S. 39-40.
(2) siehe Otte: Die neueren Handschriften der Gruppe Extravagantes.Teil 3.
(3) ebd., die Fahnenlektionen sind nicht Teil der Transkription
(4) ebd.
(5) ebd., das Spiel ist  nicht Teil der Transkription
(6) Siehe das Vorwort von Hynitzsch, Joachim Joachim: Scienza E Pratica D'Arme = Herrn Salvator Fabris Obristen des RitterOrdens der sieben Herzten verteutschte Italiansche FechtKunst / Di Salvatore Fabris, Capo Dell'Ordine Dei Sette Cuori.  Hynitzsch, Halberstadt und Vogt, Leipzig 1677.

Literatur

Brøndsted, Johannes: Academia Sorana. Kloster – Akademi – Skole. København: Gyldendal, 1962.

Cod. Guelf. 264.23 extrav. [Digitalisat, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel]

Conrad, Norbert: Ritterakademien der frühen Neuzeit: Bildung als Standesprivileg im 16. und 17. Jahrhundert. Göttingen 1982. [Digitalisat, Bayerische Staatsbibliothek]

Hynitzsch, Joachim Joachim: Scienza E Pratica D'Arme = Herrn Salvator Fabris Obristen des RitterOrdens der sieben Herzten verteutschte Italiansche FechtKunst / Di Salvatore Fabris, Capo Dell'Ordine Dei Sette Cuori.  Hynitzsch, Halberstadt und Vogt, Leipzig. [Digitalisat der Ausgabe von 1713, Göttinger Digitalisierungszentrum]

Otte, Wolf-Dieter: Die neueren Handschriften der Gruppe Extravagantes.Teil 3: 220.1 Extrav. - 317 Extrav. - Frankfurt am Main : Klostermann, 1993. - VIII, 379 S. (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel : N.R. ; 19)

Wierschin, Martin: Meister Johann Liechtenauers Kunst des Fechtens. München 1965

Dienstag, 19. November 2013

Ordnung der zwölff Meister-Leger. Ein Blatt Fechtgeschichte aus dem 17. Jahrhundert (Cod. Guelf. 69.4 Aug. 2°)

von Jan Schäfer

Guelf. 69.4 Aug. 2° der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel ist eine im 17. Jahrhundert gebundene Sammlung verschiedener Bücher. Sie besteht aus 6 Drucken sowie 218 handschriftlich beschriebenen Blättern (in verschiedenen Handschriften). Blatt 5 dieser Sammlung ist ein einzelnes gedrucktes Blatt, dass den Titel „Fechtkunst. Ordnung der zwölff Meister-Leger.“ trägt. Ursprung, Verfasser und Entstehungsdatum des Blattes sind unbekannt. Deswegen kann nicht gesagt werden, ob die Seite ein Fragment eines umfangreicheren Druckwerkes ist oder ob es sich nur um eine Einzelseite handelte.

fol 5 aus Cod. Guelf. 69.4 Aug. 2° mit freundlicher Genehmigung 
der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.

Der Text lautet:
"Fechtkunst.
Ordnung der zwoelff Meister
Leger / Wie folgt:
Pflug/
Alber/
Tag/
Zorn/
Ochs/
Hangetort oder Schneid.
Wechsel.
Nebenhut/
Eysenport/
Hangenorth/
Schranckhut/
Schluessel/
Einhorn/
Kron.

Die vier Hauptleger

Tag.
Ochs.
Alber.
Pflug.

Verborgene Haew.

Ober.
Zorn.
Mittel.
Vnderhaw.

Ordnung deß Paratschwerts / Wie folgt.

Erstlich der Eingang.
1. Der Einfach Rittersprung.
2. Der Stichsprung.
3. Die Durchhaew.
4. Der Verzuckte Rittersprung.
5. Der Einfache Rittersprung auff beyden Seyten durchgeschnitten.
6. Der Rittersprung auff beyden Seyten verschrenckt / vn zu ruck vber den rechten Arm gehawen.
7. Der Rucksprung das Schwerdt gerad in die hoech behaltent.
8. Der Rittersprung den Knopff in den rechten Arm genommen / vnnd auff beyen Seyten durchgehawen.
9. Der Doppelte Rittersprung das Schwerdt in der hoech vber die rechte Hand abgeloffen.
10. Die doppelte Rosen mit dem Schwerdt durch den rechten Arm durch gebrochen / vnd ein einfachen Rittersprung darein gemacht.
11. Die drey Vnderstich vnd doppelte Rosen brechen mit sampt dem einfachen Rittersprung.
12. Die Stuerzen doppelt auff zwo Seyten vnd auffgefluegelt."

Die Leger und die verborgenen Haue kommen in gleicher Form bei Joachim Meyer vor (Leger in Kapitel 3, Haue in Kapitel 4). Sie könnten also von dort oder einer ähnlichen Quelle entnommen worden sein. Fragen wirft die Ordnung des Paratschwerts auf. Sie scheint ein Formenlaufen darzustellen, wie es möglicherweise zur Eröffnung einer Fechtschul aufgeführt worden sein könnte. Gestützt wird diese Theorie durch Textzeilen aus Fechtschulreimen. Zum Beispiel werwähnt Benedict Edldeck in seinem Lobgedicht auf die Fechtschul in Zwickau 1573 ein Paratschwert, das sogar mit einem Krantz umflochten ist (aus: Karl Wassmannsdorff: Sechs Fechtschulen. Groos 1870).

Die Ordnung des Paratschwerts ähnelt in ihrem Ablauf dem Fahnenschwingen, das im 17. Jahrhundert äußerst populär war. Nur das es in der vorliegenden Quelle mit einem Schwert ausgeführt wird. Es kann sich bei der Ordnung des Paratschwerts aber auch um eine weitaus ältere Form handeln, die mit dem Fahnenschwingen des 17. Jahrhunderts nichts gemeinsam hat, vielleicht schon im 15. oder 16. Jahrhundert entstanden ist und hier erstmals überliefert wird.


Exkurs: Folgende Werke sind in Cod. Guelf. 69.4 Aug. 2° gesammelt.
  • Leonhart Fronsperger, Von kayserlichem Kriegssrechten, Malefitz- und Schuldhändlen, Ordnung und Regiment etc. Franckfurt a. M. 1566 Mit vielen Holzschnitten.
  • (Druck.). Louys de Machault, Sr. de Romaincourt, La milice des Grecs et Romains traduite en francois du Grec d’Aelian et de Polybe, et dediée au Roy. Paris, Hier. Drouart. 1615 Mit Kupfern.
  • (Druck.). Artifices de feu et diuers instruments de guerre. Das ist Künstlich Feuerwerck und Kriegs-Instrumenta allerhandt vöste Orth zu defendirn und expugnirn Josephi Boillot, Langrini. Aus dem frantzösischen transferirt durch Joannem Brantzium Junior. Argentinensem. Strassburg, Bertram. 1603 Mit Kupfern.
  • (Druck.). Soldatenbilder in Holzschnitt mit deutschen Versen. Augsburg bei Hans Rogel. 5 Bll.
  • (Druck.). Fechtkunst. Ordnung der zwölff Meister-Leger Ein Blatt.
  • (Druck.). Adumbratio propugnaculi a Sim. Stevinio reperta Acacio Hüls a filio dedicata 4 Exemplare.
  • f. 1–102′. Wie ain Kriegsherr ain Zeug- und Büchsenmeister, wann er Dienst begert, fragen soll, wie zu uernemmen. Daran schliesst sich eine ausführliche Pyrotechnik mit Federzeichnungen
  • f. 103–136. Abraham Strasser, Ein Buech und Wegerung des menschlichen Lebens sambt allen seinen Gelidern, mit allerlay Salben, Pflastern und Wassern etc
  • f. 137–144′. Bestallungsschreiben für den Obrister Jacob von der Schulenburg in Anlass der Achtsexecution von Kurfürst August v. Sachsen ertheilt, d. d. 1567. Jan. 27
  • f. 145–147′. Edict Kaiser Matthias die Duelle und ähnliche Händel betreffend, d. d. Prag, 1617
  • f. 149–176. Discurs das jetzige teutsche Kriegswesen belangend. Ao. 1611.
  • f. 179–189. Articuls-Brieff Kaiser Rudolf II
  • f. 192–218. Ein Buech von Kriegs- und Beuelchs Leudten von Joseph Würdt von Pruckh.