Donnerstag, 12. April 2012

Die Ringhandschrift 2° Cod. Ms. Philos. 62

Die Ringhandschrift 2° Cod. Ms. Philos. 62 aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts liegt seit neuestem vollständig digitalisiert im Göttinger Digitalisierungszentrum vor:
2° Cod. Ms. Philos. 62 als Digitalsat
Das Werk 2° Cod. Ms. Philos. 62 ist eine handschriftliche Fassung einschließlich Illustrationen der 'Ringer kunst' des Fabian von Auerswald mit umfangreichen Kommentaren zur Lehre.

Die 'Ringer kunst' des Fabian von Auerswald

Im Jahr 1537 veröffentlichte der Ringmeister Fabian von Auerswald seine „Ringer kunst: fünff und achtzig stücke zu ehren kurfürstlichen Gnaden zu Sachsen. Durch Fabian von Auerswald zugericht.“ Über die Entstehungsgeschichte seines Werkes berichtet Auerswald in seinem Vorwort:

Zv ehren vnd vnterthenigen gefallen / dem Durchleuchtigsten vnd Hochgebornen Fürsten vnd Herrn / Herrn Johansen Fridrichen / Hertzogen zu Sachssen / vnd Kurfürsten etc. meinem gnedigsten Herrn / Habe ich Fabian von Auerswald / für mich genommen / die alte Ehrliche vnd Adeliche kunst / des Ritterschimpffs / des Ringens / wie ich bey Regierung / weiland des duchleuchtigsten Hochgebornen Fürsten vnd Herrn / Herrn Ernsten / Hertzogen zu Sachssen / vnd Kurfürsten / seliger vnd Christlicher gedechtnis / solchs von der selben weitberümten Ringmeistern / die dazumal bey seiner Kurfürstlichen gnaden zu Hofe gewesen / vnd die Jugent / als meine gnedigste vnd gnedige Herrn / seiner Kurfürstlichen gnaden Söne / vnd ander Fürsten / Graven vnd Herrn / vnd die vom Adel vnd mich gelernet / Vnd jnn solchen Ritterlichen vnd Adelichen künsten / vnterweiset / zusamen gezogen / vnd mit artigem vnd lustigem Gemelde / vnd schrifften / jnn Druck bringen lassen / welches auch die rechte art vnd kunst des Ringens ist / vnd vormals der gestalt / nie an den tag komen / Welches ich auff hochgemelts meins gnedigsten Fürsten vnd Herrn begern / mit verleihung Göttlicher hülffe volendet / Vnd vielen ehrlichen vnd guten Leuten zu nutz / ehren vnd fromen / zu Ernstlichen vnd Ritterschimpfflichen sachen / habe wöllen ans liecht bringen. Vnd ist mein vnterthenigs / dienstlichs vnd freundlichs bitten / an wen / von hohen oder nidern Stand / solche meine arbeit / mühe vnd vleis / kommen vnd gelangen wird / Er wölle die selbige von mir zu gnaden / gunsten vnd freundschafft annemen / vnd mich vnd meine Kinder jm besohlen sein lassen / Sonderlich dieweil ich nu mehr ein alter vorlebter Man / Denn ich bin im vierzehenhundert vnd zwey vnd sechszigsten jar geborn / Vnd hab solche meine arbeit / nach Christi vnsers lieben Heerrn geburt / 1537 jare zu Witemberg verfertiget.

Das Geschlecht der Familie Auerswald lässt sich urkundlich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. (Vgl. Adelslexikon Band I, Band 53. Limburg an der Lahn: C. A. Starke Verlag, 1972.) In der 
Allgemeinen Deutsche Biographie findet sich eine kurze Biographie über den kursächsischen Rat Fabian von Auerswald (1462-1540), der Ringmeister am sächsischen Hof war: Rochus von Liliencron: Auerswald, Fabian von. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875.

Die Ringhandschrift ‘2° Cod. Ms. Philos. 62‘ – eine kommentierte, vollständige Abschrift der ‘Ringer kunst‘

Das 78 Blatt starke Werk ‘2° Cod. Ms. Philos. 62‘ ist eine handschriftliche Kopie einschließlich der genauen Nachzeichnung aller Abbildungen des Auerswald'schen Originaldruckes von 1537. Auf eigenen Blättern kommentiert der Autor 60 der 85 Auerswald'schen Ringstücke. Anders als über Fabian von Auerswald als Verfasser der 'Ring kunst' ist über den Autoren von ‘2° Cod. Ms. Philos. 62‘ absolut nichts bekannt.

Der ehemalige Ringbundestrainer und Historiker Dr. Reiner Welle schreibt über dieses Buch: „Die Glossierung ist eine kongeniale Leistung des anonymen Schreibers und weist ihn als einen ausgesprochenen Fachmann aus. Die Auslegung, kritischen Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge bei der Ausführung und nicht zuletzt eine ausführliche Bewegungsbeschreibung machen sie beinahe zu einer eigenständigen Lehre.“ (vgl.: "... und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen",  Centaurus Verlag, 2003, S. 170)

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