Montag, 12. März 2012

Ein Göttinger Studentenduell um 1750


Das obige Bild aus dem Buch „Alte Göttinger Landsmannschaften“ (von Otto Deneke, Göttingen 1937; Bildquelle: wikimedia commons, public domain license) zeigt ein Duell zweier Studenten mit Stoßdegen um 1750. Zur Seite steht jedem der Duellanten ein Sekundant, bereit um bei einer Verletzung oder einem Regelverstoß einzuschreiten. Beide Duellanten haben bereits ihre Jacken abgelegt - auf den Stein rechts im Bildhintergrund - und sich in Postur gelegt (der Fechter links in Terz, der Fechter rechts in Quart). Nun warten beide darauf, dass ein Sekundant das Zeichen zum Beginn gibt.

Es handelt sich hierbei um die Darstellung eines der zahlreichen Duelle, die zu dieser Zeit in Göttingen und dem Stadtumland gefochten wurden (vgl. dazu allgemein: Stefan Brüdermann: Göttinger Studenten und akademische Gerichtsbarkeit im 18. Jahrhundert. Band 15 von Göttinger Universitätsschriften. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 1990).

Die Universitätsstadt Göttingen war im 18. Jahrhundert ein Tummelplatz für die wohlhabenden und ehrgeizigen Söhne von Adel und Stadtbürgertum, denen sich mit der Ausbildung an der städtischen Universität ausgezeichnete Karrierechancen an Fürstenhöfen oder in Stadtverwaltungen eröffnen konnten. Die 1737 im Zentrum der Stadt eröffnete Georg-August-Universität Göttingen (benannt nach ihrem Gründer Georg August II., König von Großbritannien und Irland sowie deutscher Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg) sollte nach dem Willen ihres Kurators Gerlach Adolph von Münchhausen zu einer reichsweit angesehenen Hochschule mit staatsrechtlich-historischem Schwerpunkt wachsen. Zu diesem Zweck wurden namenhafte Reichsjuristen, Historiker und Statistiker (Emprische Staatenkunde) an die Hochschule berufen. (Vgl.: Anton Schnindling: Die protestantischen Universitäten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation im Zeitalter der Aufklärung. In: Notker Hammerstein (Hg.): Universitäten und Aufklärung. Das achtzehnte Jahrhundert, Supplementa, Bd. 3. Göttingen, 1995)

Exkurs: Die Aristorkratisierung der Hohen Schulen

Die Universität Göttingen besaß einen eigenen Reitstall sowie eine eigene Fechthalle; angeboten wurden neben den eigentlichen 'studii' an den Fakultäten demzufolge auch 'adelige exercitii' wie das Fechten, Reiten, Tranchiren oder Tanzen. Mit diesen Maßnahmen wollte man insbesondere die Ritter-, Junker-, Baronen-, Freiherrn-, Grafen- und Fürstensöhne für das Studium in Göttingen gewinnen. Doch nicht nur in Göttingen, sondern auch an vielen anderen Hohen Schulen des Reiches lässt sich seit dem 16. Jahrhundert eine zunehmende Aristokratisierung des Universitätslebens nachweisen. Zwar kamen die meisten Universitätsabsolventen nach wie vor aus dem bürgerlichen Milieu, doch umwarben die Hochschulen mit einem breiten Angebot an 'exercitii' insbesondere die wohlhabenden Studenten aus Adelskreisen. So konnte die Universität mit adeligen Studenten ihre Reputation aufwerten – und mit den höheren Immatrikulations- und Graduierungsgebühren ihre klammen Kassen füllen. Für Göttingen waren diese Einnahmen besonders wichtig, denn Göttingen war im Reich die erste Universität, die nicht über Eigenvermögen verfügte. Viele der alten europäischen Universitäten speisten einen Teil ihrer Einnahmen aus Kirchenstiftungen oder Pfründen. Da Göttingen über keinerlei derartige Einnahmen verfügte, war sie auf staatliche Alimentierung und größtmögliche Gebühreneinnahmen angewiesen und musste deswegen ihr Angebot für die wohlhabenden Studenten so attraktiv wie möglich gestalten, um möglichst viele von ihnen an die Universität zu ziehen. (vgl. Wolfgang E.J. Weber: Geschichte der europäischen Universität. Kohlhammer, 2002)


 
Göttingen – Ansicht der Stadt von Südosten. Kupferstich, signiert: „Nürnberg, zu finden bey Friederich Roth-Scholtzen. A 1735”. (Bildquelle: wikimedia, public domain license)

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