Montag, 9. Januar 2012

Fechtschul und Fußturnier auf der Jülicher Hochzeit im Juni 1585

Am 16. Juni 1585 wurde Johann Wilhelm (1562-1609), künftiger Herzog von Jülich-Kleve-Berg (ab 1592) mit der Prinzessin Jakobe von Baden-Baden (1558-1597) in der ‘Fürstlich Jülischen Hochzeit‘ verheiratet. Auch eine Fechtschul und ein Fußturnier wurden im Verlauf der Festlichkeiten. Beide sind in Bildern festgehalten worden (Anm.: auch ein Reitturnier hat stattgefunden, doch konnte ich bis jetzt das entsprechende Bild nicht ausfindig machen).


Die Fechschul am 19. Juni

Fechtschul auf dem Schlosshof. Aus: D. Graminäus: "Beschreibung der Fürstlich Jülischen Hochzeit", Köln 1587. (Bildquelle: zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)

Das Bild zeigt die Fechtschul wahrscheinlich auf dem Innenhof des Düsseldorfer Schlosses in vollem Gange. Auf dem Platz fechten jeweils zwei Männer mit Schwertern und zwei weitere mit Stangen gegeneinander. Sie werden von zwei Fechtmeistern dabei beaufsichtigt. Sowohl beim Schwert- als auch beim Stangenfechten lassen sich Huten erkennen. Der linke Schwerfechter steht in der Hut Alber, der rechte scheint einen Hau mit verdrehter Schneide zu führen. Bei den Stangenfechtern setzt der eine Kämpfer den Stich des anderen soeben ab. Von links und rechts des Bildes betreten im Augenblick zwei weitere Fechter mit aufgehobenen Schwertern den Platz, um ein Gefecht zu beginnen. Um sie alle herum im Karree und auf den Emporen verfolgen die Zuschauer das Geschehen. Die Herren Zuschauer im Innenhof sind allesamt edel gekleidet. Die meisten tragen über Wams und Pluderhosen einen halblangen Mantel um die Schultern und das Schwert gegürtet an der Hüfte. Auf dem Boden des Fechtplatzes liegen an zwei Stellen Dussacken, Rapiere und Hellebarden gehäuft. Auch Musiker (zwei Trompeter, ein Trommler, ein Flötenspieler) lassen sich auf dem Bild links unten ausmachen.

Unter dem Bild steht geschrieben:
"Die Trum die ging geschwindt herumb,
Der meister ist des Swertz der kumb
Am Fursten hoff all auff dem platz
Ist schöll bestelt in namen Gottz.

Da freyt der fechter seine Scholl,
Vnd gab verwar gar guten zoll.
Haubtschleg, ohrenstreich, vnd maulschell gutt,
Braachen den fechtren trutz vnd mudt.

Behört zum Tuch alsolche farb,
Darna handler, darna gewarb.
Der geboren ist nach der lufft,
Draget vnd scharret solche frucht."

Der Chronist der Ereignisse Dietrich Graminäus beschreibt die Fechtschul in einer 1587 erschienenen Festschrift. Die folgende Schilderung ist aus der Perspektive des Fechtmeisters Hans von Olm geschrieben, der die Fechtschul leitete (zit.n. Wassmannsdorff).
„Durch krafft vnd macht der Keys. Maiest. Vnsers aller gnedigsten Herrn, dessen Privilegien vnd freyheit, Auch durch zulassung, wissen vnd willen des Durchleuchtig, Hochgebornen Fürsten vnd Herrn, Herrn Wilhelms, Hertzoge zu Jülich, Cleve vn Berg, etc. meines G. F. vnd Herrn, ist mir Hansen von Olm Meister des langen Schwerdts aller gnedigst vnd gnediglich gestattet vn zugelassen worden, eine frey öffentliche Fechtschul anzuschlagen vnd zuhalten, mit allen Ritterlichen Wehren, wie dieselben alhie fürhanden seyn. Da dann gute Gesellen zugegen, die solche Ritterluche Fechtkunst gelernet vnd derselben erfahren, vnd den Durchleuchtig, Hochgeborenen Fürsten Personen, Chur vnd Fürstlichen Gesandten, auch andern vom Adel, der löblicher Ritterschaft alhie zugegen, den anwesenden Fürstinnen vnd dem gantzen Frawenzimmer, mit ihrer Kunst vnd erfahrenheit ihn vnderthenigkeit, freudt vnd kurtzweil zumachen vermeint, dieselben wöllen vnbeschwert seyn sich hervor zuthun, vmb den auffgestelten Preiß auffzuheben, die gebürliche genge nach altem löblichen Fechtbrauch, zuhalten, dann bin gemeint vnd entschlosen vber alsolche gute Gesellen, wie eine ehrliebenden Meister des lange Schwerdts gebüren wol, vnpartheisch zuhalten, dieselben zuschützen vnd zuschirmen, wder vnd gegen vbermuth vnd vngebühr. Wol auch weiter auf meiner Schul verbotten haben, ort, knauff, inlauff vnd alle andere falsche stück, Auch wo einer oder mehr gute Gesellen vorhande /die Edle Ritterschafts außgenommen, welch ich hiermit zun ehren nicht gemeint haben wol) die meiner begeren würden, es sey vmb gelt oder gelts werth, (vngeachtet ich des Gelts nut viel hab) oder aber vmb einen guten streich, truck oder naß, daß derselb frey gehertzt vnd wolgemuth hervor tretten wolm, nach brauch des Schwerdts gerechtigkeit, vnd frey auffheben, schonen des Schwerdts nicht, sonder sich selbst der finger, vnd schlagen zwischen den Ohren da das Haar auffm dickesten stehet, treffen mich auch mit, dieweil ich auch ein guter Gesell:
Schwing mich in Namen Jhesu Christ:
Fürcht kein Fechter wie wildt er ist.
Ist ein trotz Bruder vorhanden,
Wird gtroffen weichen mit schanden.
Darumb Trummenschläger schlag auff,
Vnd wart ein jeder seinen Kopff.
Nach dieser befreyung der Fechtschul, auch vorgehender ermelter rede, sind etliche gute gesellen hervor getretten, vnd haben in vnderscheidlichen Wehren, mit gebührlichen vnd Meisterlichen dau gebrauchten Fechtsprüngen, auffgehoben, also daß man manichen guten streich bey dem Fechten hat vernommen, sind auch etliche mit blutigen Köpffen abgedanckt vnd davon gezogen, wie es denn bey solchem schertz, so offter mahl mit ernst vermischt gemeinlich vorzulauffen pflege, dieweil man dem Tuch also thun muß, dann es sonst ein farb verliert.“


Das Fußturnier am 23. Juni

Fußturnier auf dem Düsseldorf Marktplatz. Aus: D.Graminäus: "Beschreibung der Fürstlich Jülischen Hochzeit", Köln 1587. (Bildquelle: ru.wikimedia.org, public domain license)



Der Text unter dem Bild lautet:
"Nach alter Adlicher manir
War zugericht ein fueß Turnir,
Eß hatt dar Adelshertz mitt pracht
Vill Ritter zuwegen gebracht,

Die zogen auff mit grosser zier,
Nach Teudscher loblicher manir,
War schon vnd herlich ausgeruft,
Des jederman sich wundren must.

Adeler hertz der großer Furst
Zu pferdt auffs herligst außgeruft.
Fhuret das Regiment vnd heer
Praucht sich gar Ritterlich mit Wehr.

Den hohen Rhum er dar bekam
Wie solchs ein jederman vernam."

Siehe auch: Beschreibung zweier weiterer Fußturniere in Stuttgart und Kassel (beide 1596) sowie die Transkription der Kasseler Fußturnierregeln bei talhoffer.wordpress.com


Literatur:

Lau, Friedrich: Geschichte der Stadt Düsseldorf (2 Bände). Düsseldorf: Bagel 1921. (nachgedruckt  1980)

Stieve, Felix: Johann Wilhelm, Herzog von Jülich-Cleve. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 14. Leipzig: Duncker & Humblot, 1881.

Wassmannsdorff, Karl : Sechs Fechtschulen. Groos 1870.

Wettlaufer, Jörg und Hirschbiegel, Jan und Paravicini, Werner (Hg.): Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich: Bilder und Begriffe (2 Bände). Ostfildern: Thorbecke Verlag 2005. 

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