Mittwoch, 2. November 2011

Schwere Verletzungen und Todesfälle auf der Fechtschul: ausgewählte Beispiele

von Jan Schäfer

Die Fechtschul war während des 16. und 17. Jahrhunderts ein öffentliches Ereignis, das Teilnehmer wie Zuschauer gleichermaßen in großen Mengen anzog. Auf diesen Veranstaltungen traten die Fechter (überwiegend bürgerliche Handwerkermeister und –gesellen, aber auch Höflinge) innerhalb eines streng festgelegten Regelwerkes mit verschiedenen Wehren gegeneinander an und kämpften in Einzelgefechten um Geld- oder Ehrenpreise.

Strenge Regularien, die von den anwesenden Fechtmeistern auf dem Platz durchgesetzt wurden, sollten Verkrüpplung oder Tod der Fechter verhindern. Dennoch kam es immer wieder zu schweren Verletzungen oder gar Todesfällen. Einige sollen im Folgenden dokumentiert werden

Auf der Fechtschul in Troppau im Jahr 1583 anlässlich der Hochzeit von Hans Friedrich von Liegnitz und Brieg mit einer Schwester des Herzogs Ludwig von Württemberg fochten neben vielen anderen ein Marxbruder mit Beruf Schlosser und ein Tuchmacher aus Nerlingen gegeneinander. „Im ersten gang gieng es one Blutt ab, Im Andern thett der Nerlinger dem Schlosser wider Alles versehehn die Nasen am gesicht enttzway spaltten, daß er sein schwertt weitt von sich geworffen“.

Während der selben Fechtschul ereignete sich eine weitere schwere Verletzung: „Einem Marxbruder, beriembtten fechttern, Ist von einem Federfechter mit dem Stengle ein Aug Auß gestochen worden; Ich darff nitt schreiben, wie hoch das glidwasser hell, weisß, gerad in die höhe Ist gesprungen, so schröcklich zu sehen geweßt“, schreibt der anwesende Hans Ulrich Krafft.

Auch auf der Fechtschul in Stuttgart 1596 zur Taufe des Herzogs August wurde einem Fechter „mit der Duseckhen ein aug auß dem khopff geschlagen“.

Zu Nürnberg fand am 16. (26.) Mai 1602 eine offene Fechtschule beim goldenen Stern statt. Hier fochten Andreas Kameisen, ein Blatschloßer und Freifechter, und Michael Herzog, ein Büttner und Marxbruder, mit dem Rapier gegeneinander. Andreas Kameisen stach seinem Kontrahenten mit dem Rapier ins Auge und verletzte sein Hirn so schwer, dass er nach wenigen Tagen starb.

Die Fechtschul zur Prinzentaufe in Dresden 1614 wurde durch einen Fechtunfall überschattet, der ebenfalls durch ein Rapier verursacht wurde. Der kurfürstlich sächsische Pritschenmeister Wolfgang Ferber berichtet darüber folgendes: „Ein lackey, noch ein jungs Blut, Focht gar zu keck, vnd aus frischem muth, Versah die Schantz (daß glaube mir) Daß er im einfachen Rappier, Wurd zu eim aug gestossen ein, Daß er des Tods must drüber sein, Vnd thet ihms fechten ziemlich behagn, Man must ihn von der Schul wegtrag, Vnd starb denselben Abend noch.“

Die oben aufgeführten Beispiele stammen aus Lebensaufzeichnungen und Lobschriften (im Einzelnen: Fechtschul in Troppau 1583 aus den Lebensaufzeichnungen des Hans Ulrich Krafft; Fechtschul in Stuttgart 1596 aus der Lebensbeschreibung des Professors der Medizin in Basel, Felix Blatter; Fechtschul in Dresden 1614 aus einem Lobgedicht des Wolfgang Ferber) und sind aufgeführt bei Karl Wassmannsdorff: Sechs Fechtschulen. Groos 1870. Der Fall des Andreas Kameisen ist zu finden bei Franz von Soden: Kriegs- und Sittengeschichte der Reichsstadt Nürnberg, Band 2. Bläsing, 1861.

Kommentare:

  1. wieviele leute sind beim modernen fechten schon gestorben?

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  2. [Edit: Post überarbeitet]
    Genaue Zahlen für das moderne Fechten (in welchem Sinne benutzen Sie den Begriff?) kenne ich leider nicht.

    Der letzte Unfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich bei der Fechtweltmeisterschaft 1982 in Rom während des Gefechts von Wladimir Wiktorowitsch Smirnow gegen Matthias Behr. Smwirnow starb durch eine abgebrochene Klinge, die seine Maske durchstieß.

    Es gab mal einen ausführlichen Bericht über diverse typische Sportverletzungen. Auch das Fechten war dabei. Leider ist der Artikel derzeit nicht auffindbar. Für Hinweise wäre ich dankbar.

    Grüße,
    Fechtgeschichte

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