Am 27. September 1614 fand in Dresden eine Fechtschul statt. Diese Fechtschul war Teil der großen Festlichkeiten, die Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen zur Taufe eines seiner Söhne (vermutlich Prinz Johann Georg II. oder Prinz August) im September 1614 in seiner Hauptfestung Dresden abhalten ließ.
Eine Fechtschul war eine öffentliche Fechtvorführung, bei der die Teilnehmer um den Gewinn eines Geld- oder Ehrenpreises (zumeist ein Kranz) fochten.
Eine Fechtschul war eine öffentliche Fechtvorführung, bei der die Teilnehmer um den Gewinn eines Geld- oder Ehrenpreises (zumeist ein Kranz) fochten.
Jede Fechtschul begann mit dem feierlichen Einzug der Fechter auf den Fechtplatz. Es gingen meist Pfeifer und Trommler vor den Fechtern her, welche die Aufmerksamkeit der umstehenden Menge weckten und mit ihrem Musizieren den baldigen Beginn der Fechschul ankündigten. Der Fechtmeister, der die Fechtschul leitete, ging der gesamten Prozession aus Musikern und Fechtern voran, ein gekränztes Paradeschwert auf der Schulter. War die Gruppe auf dem vorgesehenen Fechtplatz angekommen, machte man sich zum Kampf bereit, indem man die Waffen vor sich ausbreitete, mit denen man am heutigen Tage fechten wollte. Bevor jedoch die Gefechte begannen, verkündete der Meister die Ordnung der Fechschul und legte damit fest, was in den folgenden Gefechten erlaubt und was verboten war.
Eine solche Ordnung lautete exemplarisch wie folgt:
„Jedoch soll ein jeder wissen, was auff dieser Fechtschulen soll verboten seyn, als Ort, Knopff, Spitz, Einlauff, Armbrüch, Gemächtstoß, Augengrieff, Steinworff, und alle unredliche Stück, die mancher wol zu brauchen weiß, die ich nicht alle erzehlen kan, und auch nicht gelernet habe, auch schlage mir keiner uber noch unter die Stangen, Es soll einem jeden Schutz und Schirm gehalten werden wie dem andern, deßgleichen wil ich gebeten haben, wo ihr zween Haß und Neid zusammen trügen, die wollens auff dieser Schul nicht ausfechten, sondern wo es Kraft und Macht hat.“ (aus dem späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert, zit. n. Wassmannsdorff: Sechs Fechtschulen)Die Verkündung der Ordnung markierte den offiziellen Beginn der Fechtschul. Man forderte dann einen Gegner zum Gefecht heraus und kämpfte mit diesem, bis einer der beiden Kontrahenten eine blutende Wunde erhielt. Gefochten wurden mehrere Durchgänge mit unterschiedlichen Waffen und Gegnern. Am Ende der Fechtschul wurden die erfolgreichsten Fechter mit einem Geldpreis oder einem Ehrenkranz belohnt.
Genaues über die Dresdner Fechtschul vom 27. September 1614 weiß der kurfürstlich sächsische Pritschenmeister (ein Zeremonienmeister am Hof) Wolfgang Ferber zu berichten (n. Wassmannsdorff: Sechs Fechtschulen). Geleitet wurde die Fechtschul zu Ehren der Prinzentaufe von dem Fechtmeister Sigmund Faulbeltz, einem kurfürstlichen Trabanten und Marxbruder. Er rief zu Mittag nach dem Essen auf dem Schlosshof des Dresdner Schlosses den Beginn der Fechtschul aus. Dort im Schlosshof, wo die kurfürstlichen Herrscher sonst ihre höfischen Turniere und Ritterspiele abhielten, schlugen sich am Nachmittag des 27. September in einer Fechtschul viele freie Bürger der Stadt Dresden, Trabanten und Höflinge des kurfürstlichen Hofstaats und viele von Ferne zu den Festlichkeiten angereiste Gäste mit Schwertern, Dussacken, Dolchen, Stangen und Rappieren. Den Zuschauern auf den Rängen bot sich ein prächtiges Fechtspektakel. Die Fechter, die sich an diesem Tag am besten schlugen, erhielten für ihre Siege einen Geldpreis. Zudem wurde während des Nachmittags ein junger Mann zum Meister ernannt. Nachdem er sich, wie es die Meisterprüfung vorsieht, mit allen Wehren auf der Fechtschul behauptet hatte, wurde der namentlich nicht genannte junge Mann von Tebalt Bell (ebenfalls ein kurfürstlicher Trabant) zum Fechtmeister geschlagen. Leider muss der Chronist auch von einem Unfall auf der Fechtschul berichten. Ein junger Lakei wurde im Gefecht mit dem „einfachen Rappier“ (ohne Dolch oder andere Beiwehr) im Auge getroffen. Er musste von der Schul weggetragen werden und verstarb noch am selben Abend.
Dresden um 1634. Der Buchstabe A markiert das Dresdner Schloss (Friedrich Martin Reibisch (1782 - ca. 1850), Andreas Vogel (1588 - 1638; Bildquelle: wikimedia commons, public domain license)
Literatur:
Literatur:
Blaschke, Karlheinz u. a. (Hg.): Geschichte der Stadt Dresden, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Stuttgart 2005.
Müller, Karl August: Kurfürst Johann Georg der Erste, seine Familie und sein Hof. Forschungen auf dem Gebiete der neueren Geschichte 1, Dresden und Leipzig. Gerhard Fleischer 1838.
Müller, Karl August: Kurfürst Johann Georg der Erste, seine Familie und sein Hof. Forschungen auf dem Gebiete der neueren Geschichte 1, Dresden und Leipzig. Gerhard Fleischer 1838.
Wassmannsdorff, Karl : Sechs Fechtschulen. Groos 1870.

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