Dienstag, 8. Februar 2011

Johannes Georgius Bruchius – ein Fechtmeister des 17. Jahrhunderts

Johannes Georgius Bruchius wurde ungefähr 1630 in Zweibrücken (heute Rheinland-Pfalz) geboren (vgl. Live Auctioneers). Er lehrte die Fechtkunst von 1653 bis 1655 in Heidelberg, dann von 1655 bis 1660 in Utrecht und schließlich ab 1660 in Leiden. All diese Städte waren zu jener Zeit berühmte Universitätsstädte.

In Leiden veröffentlichte er im Jahr 1671 sein Buch „Grondige Beschryvinge van de Edele ende Ridderlijcke Scherm- ofte Wapen-Konste“ (Digitalsat in der Raymond J. Lord Collection), zu deutsch „Gründliche Beschreibung der edlen und ritterlichen Fecht- und Waffenkunst“. Gewidmet ist das Buch „den Herren der berühmten Universität von Leiden Friedrich van Dorp (Herr von Maasdam, Mitglied der Ritterschaft von Holland, Deichvogt des Rheinlandes, ehemaliger Botschafter der hocherhabenen und großmächtigen Könige von Polen und Schweden), Johannes van Tilt (Bürgermeister der Stadt Haarlem, Mitglied des Deichdirektoriums des Rheinlandes), Cornelis de Wit (Statthalter von Putten, Bailjuw von Beyerland, Bürgermeister von Dordrecht, Abgesandter des Rats von Holland) und zu gleichen Maßen auch den Bürgermeistern von Leiden, namentlich Johan Meerman (ehemaliger Botschafter des hocherhabenen und großmächtigen Königs von England, Schottland und Irland), Paulus van Swanenburgh, Jacob Maas, Daniel van Alphen und dem achtbaren, weisen Herrn Pieter Burgersdyck (Pensionär der Stadt Leiden und Sekretär der oben erwähnten Akademie)“.

In seinem Werk behandelt Johannes Georgius Bruchius den Duellkampf zu Fuß. Die ersten beiden Bücher enthalten Anweisungen zum Rapier, das dritte Buch geht auf Kampfsituationen linkshändiger gegen rechtshändige Gegner ein, das vierte Buch beinhaltet das Fechten mit Hieben und das fünfte Buch erläutert den Gebrauch des Poignart (auch Poignard, Poniard; ein Dolch) als Beiwaffe. Die in den Kupferstichen dargestellten Rapiere besitzen kein komplexes Gefäß mehr, sondern lediglich ein einfaches Stichblatt  bzw. Schale oder Glocke mit Parierstange, was darauf hindeutet, das es sich hier um eine Übergangsform vom Rapier des 17. Jahrhunderts hin zum Degen des 18. Jahrhunderts handelt.

Mit Herausgabe seines Buches folgt er nach eigener Aussage im Vorwort den Fußspuren der großen Fechtmeister vor ihm, insbesondere dem ‘berühmten Salvatoris Fabri‘ und dem ‘hochangesehenen Gerardus Thibault‘. Zu letzterem bemerkt er, dass zu seinem eigenen Bedauern Thibaults Art des Zirkel-Fechtens wegen dessen Komplexität und des nötigen Zeitaufwandes aus der Mode gekommen sei. Auch beklagt er, dass es nun soweit gekommen sei, dass die Jugend aufgrund ihrer Unerfahrenheit nicht den Unterschied zwischen guter und schlechter Lehre erkennen kann und deswegen leicht auf solche hereinfalle, die die Fechtkunst mehr durch das Reden als durch Fechterfahrung kennen.

Fechten ist für Bruchius eine Kunst, bei der jemand, der sich darin Meister nennt, die gegnerischen Angriffe abwehren kann, dabei selbst an allen Gliedmaßen unverletzt bleibt, aber seinerseit dem Gegner Schaden zufügen kann. Dieses Anliegen teilt er mit einer Vielzahl berühmter Meister vorangegangener und nachfolgender Jahrhunderte.

Johannes Georgius Bruchius soll unter anderem auch Fechtlehrer von Johann Andreas Schmidt gewesen sein.

----------------------------------

Nachtrag: Die School for Historical Fencing Arts um Reinier van Norrt beschäftigt sich intensiv mit der Fechtkunst von Bruchius. Auf ihrer Homepage kann man sich über ihre Rekonstruktionsarbeit informieren. Außerdem finden sich auf der Seite eine Übersetzung der „Scherm-Konste“ in englische Sprache (pdf-Dokument) sowie auch Informationen zu weiteren niederländischen Fechtbüchern.

Zweiter Nachtrag: Rainier van Noort von der School for Historical Fencing Arts hat die Biographieseite von Bruchius um zusätzliche Informationen erweitert.

Kommentare:

  1. Dear Blogger,

    Thank you for an interesting post. I hope you can understand my English as I have some questions.

    First of all, if I understand your German correctly, you mention that Bruchius wrote 5 books. I know that in his first book he mentions 4 more, but do you know whether he ever wrote the additional books, and (if so) where to find them?

    Secondly, you mention that Johann Andreas Schmidt was a student of Bruchius, in Amsterdam. Where did you find this information, and do you know when he was Bruch's student in Amsterdam (if Bruchius went to teach in Amsterdam, that must have been after he wrote his first book!)

    Finally, could you tell me what sources you used for this article?

    With kind regards,

    Reinier

    AntwortenLöschen
  2. Dear Reinier,

    Thank you for you comment.

    I browsed many library-catalgoues but I didn´t found any hint on the other four books. The only helpful detail I digged is the following: On this page (http://www.liveauctioneers.com/item/7931514), where I also found the information about his bithplace and –date, a first edition of Bruchius‘ book from 1671 is auctioned. If this information is right the book was published more than once. Maybe the following editions contained this material. But after all it seems that the four missing books got lost in history (or to be optimistic: weren´t found yet).

    That Johann Andreas Schmidt was a scholar of Johann Georg Bruch of Amsterdam is mentioned in the „Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon, Part 7“. This is an encyclopedia all notable men of Nürnberg are listed in. About the fencing-master Johann Andreas Schmdit is written on page 88 of Part 7: „Sein Lehrmeister war vornämlich Johann Georg Bruch zu Amsterdam.“ When Johann Andreas Schmidt published his fencing-book in 1713 he was fencing-master in Nürnberg for a while (see also the article about Johann Andreas Schmidt). So I think Schmidt could have been a scholar of Bruch in the last two or three decades of the 17. century.

    I´d like to do some research about the paralleles between Bruchius and Schmidt (both theoretical and in the salle) but untill now I didn´t found time to do so. On a first sight I noticed some similarities in the structure of the text. And both Schmidt (in book 2 and 5) and Bruchius (in his lost books) coverd the fencing with cuts and the „caminade“ (Schmidt separated his book about the caminade in five rules as Fabris did).

    Sources for this article were the „Scherm- ofte Wapen-Konste“ , the web-page I mentioned above and the „Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon, Part 7“.

    Hope this information were helpful to you.

    If you are interessted in the „Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon, Part 7“, contact me via eMail. It is (or was?) on google books too, but in the moment I can´t find it there.

    Best regards

    AntwortenLöschen
  3. Dear Fechtgeschichte,

    Thank you for your reply!

    I had the same results searching through Dutch library catalogues - so far. I fear he might never have written his additional books. Also, I was familiar with the auction page, I just hoped you might have a more substantial source for this information!

    If you search on google books, you can find a 1676 edition of Bruchius published by Van den Dalen in Amsterdam. The title is the same as the 1671 Leiden edition, but the content is not accessible, unfortunately. It is listed as having 159 pages, like the 1671 edition.

    The information you present on Johann Andreas Schmidt (I also read the article you wrote about him) is very interesting! I did not know this yet. I am sure it will help me in my studies. I did a quick comparison right after finding your articles and also noted quite some similarities between Bruch (both the known book and the "lost ones") and Schmidt.

    This was very helpful! Thanks, Reinier

    AntwortenLöschen